Donnerstag, Oktober 16, 2008

Neulich beim christlichen Marketing #8

Fénelon (1651-1715)

Unique selling proposition: Die gesamte Natur zeigt die unendliche Kunstfertigkeit seines Schöpfers. Ich behaupte, dass die Welt das Wesen einer unendliche wirkungsvollen und rührigen Ursache trägt.

Reason why: Ich beahupte, dass der Zufall, das heißt ein Zusammentreffen von blinden, zweckfreien, aber notwendigen Ursachen all dies nicht hätte erschaffen können. Um ein Beispiel zu geben: Wer würde denn glauben, dass die Ilias von Homer nicht durch die geistige Schaffenskraft eines großen Dichters verfasst worden sei, sondern dass unachtsam aus dem handgelenk hingeworfene Lettern des Alphabets sich zufälligerweise genau in der richtigen Reihenfolge angeordnet hätten, um in harmonischen Versen solch große Ereignisse zu beschreiben [...].
Gott. Das kann kein Zufall sein.



Jacques Bénigne Bossuet (1627-1704)

Uniques selling proposition: Die Vorstellung von Glückseligkeit führt uns zu Gott.

Reason why: Wir haben zwar die Vorstellung der Glückseligkeit in uns, da wir im übrigen aber die Wahrheit in uns selbst nicht sehen können, muss sie von anderswoher kommen; ich sage, es muss anderso ein wahrhaft glückliches Wesen existieren: Da es glücklich ist, hat es keine Wünsche, dieses gesegnete und perfekte Wesen voller Güte. Was anderes sollte es sein als Gott?
Gott: Happy together.




John Locke (1632-1704)

Unique selling proposition: [...] so ist es offensichtlich bewiesen, dass von Ewigkeit her irgend etwas bestanden hat;

Reason why: denn was nicht von Ewigkeit her dagewesen ist, hat einen Anfang gehabt; was aber einen Anfang gehabt hat, muss durch etwas anderes hervorgebracht sein.
Gott. Das Original.



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Mittwoch, Oktober 15, 2008

Neulich bei den Kanalarbeitern...

Seit Freud sollte man eigentlich wissen, dass Leute, die der Meinung sind im Namen von oder für jemand anderen zu sprechen, ein (schweres) psychisches Problem haben. Im heutigen Multi-Kulti-Esoterikschwurbel aber, lässt sich mit einer solchen "Begabung" (oder vorgetäuschten Begabung) ordentlich Kohle verdienen. Die "professionelle" Bezeichung für dererlei Krankheiten Humbug ist "Channeling", also Kanalisieren, da das Medium die Energie/geistigen Schwingungen/Gedanken/wasauchimmer empfängt und weiterleitet - sich also zum geistig-geistlichen Abflussrohr, zur Güllepumpe eines anderen Wesens macht bzw. gemacht wird (meist lt. eigener Aussage, denn das hört sich besser an).

So auch eine gewisse Blüte Gutkind (engl. Blossom Goodchild) die spiegel-online bzgl. ihrer jüngsten Prophezeiung (welche, wie zu erwarten war, nicht eingetreten ist) in einem Artikel leicht durch den Kakao zieht. Goodchild wähnt sich als ein Medium der "Föderation des Lichts" also einer Gruppe Außerirdischer, die anscheinend nichts besseres zu tun haben, als einen kleinen blauen Planeten im äußeren Arm einer Spiralgalaxie zu besuchen und dort eine beträchtliche Horde von Nacktaffen zu betrachten. Dem nicht genug, suchen sich doch eben diese supertechnologischen Außerirdischen genau eine Frau in den Wechseljahren aus um durch sie mit den übrigen 6 Mrd. in Kontakt zu treten, noch dazu in einer Art und Weise, die sich nicht eindeutig von Betrug unterscheiden lässt - klar, das ergibt absolut Sinn.

Der ganze UFO-Aberglaube ist von einer derartigen Gedankenlosigkeit, einem solchen Irrsinn gekennzeichnet, dass ich eigentlich nur noch ein Zitat von Russel Wallace anbringen möchte, welches das noch einmal verdeutlicht:
"Bezüglich der kleinen grünen Männchen... sie wollen nicht, dass wir von ihnen wissen, also treten sie nicht mit uns in Kontakt... dann aber vollführen sie blöde Luftübungen in der Reichweite von Militärbasen mit eigeschalteten Außenscheinwerfern... wenn es sich dabei um außerirdische Intelligenz handelt, dann bin ich nicht sicher, ob ich wissen will wie außerirdische Dummheit aussieht."

Dienstag, Oktober 14, 2008

Heiteres Zitateraten VI

Wer hats gesagt?


Die Lebenskraft ist jene feinstoffliche, intelligente Energie, die aus den verschiedenen Arten von Protoplasma Insekten, Tiere und menschliche Körper werden lässt. Betrachtet man die nicht sichtbaren menschlichen Samenzellen und auch einige tierische Samenzellen unter dem Mikroskop, so ähneln sie winzigen, in Protoplasma umherschwimmenden Kaulquappen. Wäre die Lebenskraft keine intelligente Energie, könnte sie aus den mehr oder weniger gleichen Samenzellen keine verschiedenartigen tierischen und menschlichen Körper bilden. Folglich ist diese Lebenskraft eine intelligente, magnetische Energie, der die instinktive Kraft innewohnt, aus verschiedenen Arten von Protoplasma unterschiedliche Körper zu bilden und verschiedenartige geistige Veranlagungen in den Menschen zu bewirken.

a) jemand der von Biologie keine Ahnung hat
b) jemand der von Physik keine Ahnung hat
c) Paramahansa Yogananda
d) alle vorgenannten Antworten sind richtig




Der menschliche Geschlechtstrieb ist ein Ergebnis des ursprünglichen psychologischen Versagens unserer Urahnen, weil ihr Wunsch, durch göttliche Willenskraft zu zeugen, von dem Wunsch nach körperlicher Zeugung verdrängt wurde. Seit jener Zeit ist die körperliche Zeugung an die Stelle der göttlichen Zeugung getreten. So ist also der ursprüngliche Irrtum, fleischlich zu zeugen, zum allgemeinen Gesetz der Schöpfung geworden. Und folglich werden den Menschen, aufgrund des Protoplasma-Gesetzes der Vererbung, oft unvollkommene oder unerwünschte Kinder aufgezwungen.

Durch geistige oder unbefleckte Empfängnis jedoch könnte man Kinder nach Wunsch zeugen, ganz so wie Gott am Anfang vollkommene Wesen erschuf, die freien Willen besaßen. Adam und Eva erhielten als Kinder ihres Göttlichen Vaters das Recht des freien Willens. Doch sie missbrauchten ihre Freiheit und sanken vom Zustand göttlicher Vollkommenheit herab. Jeder, der seine Selbstbeherrschung verliert, sollte wissen, dass Verlust der Willenskraft zu Krankheit, frühzeitigem Samenerguss Altern, innerer Unzufriedenheit, Lethargie, Lnagweile, eingewachsenen Zehennägeln, Unglück und einem plötzlichen oder frühzeitigen, tragischen Tod führen kann.
a) jemand der von Biologie keine Ahnung hat
b) jemand der von Medizin keine Ahnung hat
c) Paramahansa Yogananda
d) alle vorgenannten Antworten sind richtig

Montag, Oktober 13, 2008

Neulich auf dem Lokus...

Aus der Reihe "philosophische Konzepte, die beim Scheißen entstanden sind", möchte ich heute etwas zum Besten geben, was sich ein gewisser Paramahansa Yogananda ausgedacht hat und was ganz unzweifelhaft von seinem intellektuellen Anspruch irgendwo zwischen Backe-backe-Kuchen und dem Telefonbuch anzusiedeln ist. Doch sehen sie selbst:

Wir sind eins

Dein kosmisches Leben und ich - wir sind eins.
Du bist der Geist, un dich die Natur,
Wir sind eins.
Du bist das Meer, und ich bin die Welle,
Wir sind eins.
Du bist der Ozean, ich bin der Tropfen,
Wir sind eins.
Du bist die Flamme, und ich bin der Funke,
Wir sind eins.
Du bist die Blume, und ich bin der Duft,
Wir sind eins.
Du bist das Lied, und ich die Musik,
Wir sind eins.
Du bist der Vater, und ich bin Dein Kind,
Wir sind eins.
Du bist die Mutter, und ich bin Dein Sohn,
Wir sind eins.
Du bist mein Freund, und ich bin Dein Freund,
Wir sind eins.
Du bist der Liebende, und ich der Geliebte,
Wir sind eins.
Du bist der Meister, und ich bin Dein Diener,
Wir sind eins.
Du bist mein Guru, und ich bin Dein Jünger,
Wir sind eins.
Du bist das Lachen, ich bin ein Lächeln,
Wir sind eins.
Du bist das Licht, und ich das Atom,
Wir sind eins.
Du bist Bewusstsein, und ich der Gedanke,
Wir sind eins.
Du bist die Allmacht, und ich bin die Kraft,
Wir sind eins.

Dein Frieden und ich, wir sind eins.
Deine Freude und ich, wir sind eins.
Deine Weisheit und ich, wir sind eins.
Deine Liebe und ich, wir sind eins.
Deshalb sind wir jetzt eins,
Deshalb waren wir eins
Und werden eins sein in Ewigkeit!


Der geneigte Leser wird sicher feststellen, dass hier noch wichtige Beziehungen fehlen, wie z.B. die folgenden:
- "du bist die Pest, und ich bin die Beule - wir sind eins" oder
- "du bist der Schimmel, und ich bin der Pilz - wir sind eins"

Falls noch jemand gute Ideen hat, wie man dem Guru zu einem ausgewogenerem Werk verhelfen kann, so bitte ich um zahlreiche Vorschläge...

Samstag, Oktober 11, 2008

Neulich beim christlichen Marketing #7

Claudio Beregardo (1578/91-1664/67)

Unique selling proposition: Man kann nicht abstreiten, dass der einzige Herrscher über die Welt existiert [...], der die guten belohnt und die Schlechten bestraft.

Reason why: Wie alle anderen sind wir der göttlichen Gnade und des Leids gewiss.
Gott. Glauben sie. Es lohnt sich.
oder auch:

Unique selling proposition: Nach der Offenbarung der heiligen Brigitte werden all jene gerettet, die das Gesetz der Natur befolgen.

Reason why: Das vertritt auch der Koran Mohameds.
Gott: Natürlich gut. Sagt selbst die Konkurrenz.



Descartes (1596-1650)

Unique selling proposition: Deshalb konnen wir, da wir die Idee Gottes oder eines höchsten Wesens in uns haben, mit recht fragen, woher wir sie haben. Wir werden in dieser Idee eine solche Unermesslichkeit finden, dass wir uns davon überzeugen, das sie uns nur von einem Gegenstande eingeflößt sein kann, welcher wirklich alle Vollkommenheit in sich vereint, das heißt nur von dem wirkliche daseienden Gott.

Reason why: Denn es ist nach dem natürlichen Licht offenbar, dass aus Nichts nicht Etwas werden kann, und dass das Vollkommene nicht von einem Unvollkommeneren als wirkender und vollständiger Ursache hervorgebracht werden kann.
Gott sei Dank bin ich kein Atheist.




Blaise Pascal (1623-1662)

Unique selling proposition: Wir erkennen Gott allein durch Jesus Christus.

Reason why: All jene, die Gott ohne Jesus Christus erkennen und belegen wollten, besaßen nur unzulängliche Beweise. Doch um Jesus Christus zu belegen, haben wir die Prophetien, die stichhaltige und handgreifliche Beweise sind.
Gott. Probier's mit Jesus und du wirst sehen.



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Freitag, Oktober 10, 2008

Neulich im Clownland...

Nachdem das Clownland dankenswerterweise sein Blogbrötchen u.a. mit meiner Wenigkeit belegt hat, möchte ich mich mit diesem wunderschönen Bild aus dem Fundus der Klabusterbeere bedanken, die glücklicherweise nach (zu) langer Pause wieder online ist.

Neulich beim sehr geehrten Isalm...



Ich denke, dem kann man nichts mehr hinzufügen... naja.. vielleicht diesen noch:

Donnerstag, Oktober 09, 2008

Neulich im Bioas...

Auf overcomingbias.com gab es mal wieder ein paar schlaue Sprüche, von denen ich mir zumindest diese zwei klauen wollte:
"Aber ich bin kein Objekt. Ich bin kein Nomen, ich bin ein Adjektiv. Ich bin die Art und Weise, wie sich Materie verhält, wenn sie in einer Po8-ischen Art und Weise organisiert ist. Im Moment gibt es nur ein kleines Stückchen Materie im Universum, das sich so verhält; eines Tages könnte sich das ändern."
(Po81)

"Ein Mann mit einer Uhr weiß wie spät es ist; ein Mann mit zwei Uhren ist sich niemals sicher."
(Lee Segall)


1: Original von John K Clark

Mittwoch, Oktober 08, 2008

Neulich in Manchester...


Fernsehkritik reloaded...

Nachdem ich ja schon des öfteren über fernsehkritik.tv die eine oder andere Bermerkung fallen ließ, habe ich es einer bezaubernden Dame zu verdanken, die weder Kosten noch Mühen scheute und meinen Wissensdurst bzgl. der Erkennungsmelodie der ersten Folgen (diese wurde später umgestellt... *grml*) stillen konnte. Ein ganz offizielles und herzliches Dankeschön an dieser Stelle dafür.


"...schalten sie mal wieder ab"

Montag, Oktober 06, 2008

Neulich beim christlichen Marketing #6

Raimund von Sabunde (?-1436)

Unique selling proposition: Der Mensch kann weder etwas erfassen noch etwas in seinem Herzen denken, noch etwas wünschen, das größer und besser ist als sein Schöpfer.

Reason why: Ansonsten wäre der Mensch größer in seinem Denken, als sein Schöpfer in seinem Sein.
Gott: all you can think.




Nikolaus von Kues (1400-1464)

Unique selling proposition: Er ist nämlich die Form des Seins oder die Form jeder formbaren Form.

Reason why: Das Geschöpf aber, das nicht ist, was [es] sein kann, ist nicht schlechthin. Gott allein ist in vollkommener und vollendeter Weise.
Gott. Immer in Form.




Tommaso Campanella (1568-1639)

Unique selling proposition: Gott existiert und manifestiert sich den Sterblichen nicht nur in den gewöhnlichen Beweisen der Natur, sondern er lebt auch in der Seele der Menschen, verwandelt sie in Heilige und Propheten und erscheint in Form außergewöhnlicher Zeichen.

Reason why: Wer die eindeutig belegten Geschichten von Wundern und Prophezeiungen abstreiten wollte, müsste auch leichtfertig und töricht leugnen, dass es Rom gibt und dass Cäsar existiert hat, und alles andere, was geschrieben und gesagt wird.
Gott lebt. So wahr er mir helfe.



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Sonntag, September 28, 2008

Das Wort zum Sonntag #57

Thema heute:
Warum die christliche Position zur Abtreibung biblisch unhaltbar ist.

Abtreibung scheint, wenn man der christlichen Propaganda folgen will, wohl das Schlimmste überhaupt zu sein und anstatt sich dem ethischen Dilemma zu stellen, nämlich zwischen dem Leid des Fötus und dem Leid der abtreibungswilligen Mutter abzuwägen, wird dogmatisch propagiert, dass mit der befruchteten Eizelle das menschliche Leben beginnt. Man hängt sich teebeutelartig in jedwede Diskussion, behauptet Abtreibungen seien das Hauptproblem (siehe hier) und selbst Mutter Teresa, deren "Werke" völlig unverdient mit dem Friedensnobelpreis gewürdigt wurden, sprach bei ihrer Rede in Stockholm von genau diesen "Morden". Auffällig auch das Vokabular, so ist z.B. vom "Babycaust" zu lesen oder vom "(ungebornenen) Kinder-Mord" usw.. Ich habe dieses Thema ohnehin schon hier und hier angerissen.

Heute soll es aber darum gehen, was zum Thema im hl.Märchenbuch steht. Ich möchte an dieser Stelle auch noch auf den kath. Katechismus verweisen, der bekräftigt, das "die Christen ... das Alte Testament als wahres Wort Gottes [verehren]". Abtreibung war schon in der Antike (übrigens neben Verhütung) und sehr wahrscheinlich auch weit davor bekannt, d.h. sowohl Skeptiker als auch Gläubige können davon ausgehen, dass wenn sich Gott (oder wer auch immer der heilige Ghostwriter war) dazu äußern wollte, es bestimmt auch getan hätte.

Das erste interessante Faktum ist, dass an keiner Stelle Abtreibung explizit verboten wird (obwohl ansonsten ja für so ziemlich jeden Blödsinn ein "Gesetz" erlassen wurde). Doch noch viel interessanter sind die Aussagen über Föten bzw. deren "Wert" im Verhältnis zu anderen Mitgliedern der Gesellschaft, so liest man in 2. Mose 21,22-24:
Wenn Männer miteinander streiten und stoßen dabei eine schwangere Frau, so dass ihr die Frucht abgeht, ihr aber sonst kein Schaden widerfährt, so soll man ihn um Geld strafen, wie viel ihr Ehemann ihm auferlegt, und er soll's geben durch die Hand der Richter. Entsteht ein dauernder Schaden, so sollst du geben Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß, Brandmal um Brandmal, Beule um Beule, Wunde um Wunde.

Hier wird explizit das Leben der Frau höher gewertet als das Leben des Fötus. Es ist nicht von Mord die Rede, sondern nur von einem Schaden, welcher durch Geld auszugleichen ist, obschon bei Erwachsenen das "Auge-um-Auge"-Prinzip anzuwenden sei (abgesehen davon, dass das ja schöne Raufbolde gewesen sein mussten). Dass aber hierbei nicht der Wert des Kindes ausgeglichen werden soll, sondern eher das Leid der Frau legt die nächste Stelle nahe (3. Mose 27,1ff):
Und der HERR redete mit Mose und sprach: Rede mit den Israeliten und sprich zu ihnen: Wenn jemand dem HERRN ein Gelübde getan hat, das abgelöst werden soll, und es sich um einen Menschen handelt, so soll das deine Schätzung sein: Einen Mann von zwanzig bis sechzig Jahren sollst du schätzen auf fünfzig Lot Silber nach dem Gewicht des Heiligtums, eine Frau auf dreißig Lot Silber. Von fünf Jahren bis zwanzig Jahren sollst du, wenn es ein Mann ist, schätzen auf zwanzig Lot Silber, eine Frau aber auf zehn Lot Silber. Von einem Monat an bis auf fünf Jahre sollst du, wenn es ein Knabe ist, schätzen auf fünf Lot Silber, ein Mädchen aber auf drei Lot Silber. Bei sechzig Jahren und darüber sollst du, wenn es ein Mann ist, schätzen auf fünfzehn Lot Silber, eine Frau aber auf zehn Lot Silber.

Hier beginnt die "Schätzung" erst mit einem Monat nach der Geburt, d.h. Neugeborene und Föten haben gar keinen Wert. Das passt auch hevorragend zum historischen Kontext, denn in kinderreichen Familien in vorindustrieller Zeit war es "normal" dass von einem Dutzend nicht alle die Pubertät erreichten und tote Mütter im Kindbett sowie Todgeburten waren an der Tagesordnung.

Dies wird noch an anderer Stelle (4. Mose 3,15) bestätigt, da hier Kinder unter einem Monat noch nicht mal als Person gewertet werden, somit als nicht zählenswert erachtet:
Zähle die Söhne Levi nach ihren Sippen und Geschlechtern, alles, was männlich ist, einen Monat alt und darüber.

Doch auch hier ist das Ende der Fahnenstange götlichen Ratschlusses noch nicht erreicht, denn er selbst befiehlt (implizit) Schwangere und somit deren Föten umzubringen oder bringt diese gleich selbst um:
Zähle die Söhne Levi nach ihren Sippen und Geschlechtern, alles, was männlich ist, einen Monat alt und darüber. (4. Mose 31,15)

Auch wenn sie gebären würden, will ich doch die ersehnte Frucht ihres Leibes töten. (Hos 9,16)

Samaria wird wüst werden; denn es ist seinem Gott ungehorsam. Sie sollen durchs Schwert fallen und ihre kleinen Kinder zerschmettert und ihre Schwangeren aufgeschlitzt werden. (Hos 14,1)

Weiters bestraft er auch noch Schwangere durch einen Tod des Neugeborenen oder verflucht sie dazu:
Aber weil du die Feinde des HERRN durch diese Sache zum Lästern gebracht hast, wird der Sohn, der dir geboren ist, des Todes sterben. (2. Sam 12,14)

Wenn du aber deinem Mann untreu geworden bist, dass du unrein wurdest, und hat jemand bei dir gelegen außer deinem Mann, - so soll der Priester mit einem Verwünschungsschwur die Frau beschwören und zu ihr sagen: Der HERR mache deinen Namen zum Fluch und zur Verwünschung unter deinem Volk, dadurch, dass der HERR deine Hüfte schwinden und deinen Bauch schwellen lässt. So gehe nun das fluchbringende Wasser in deinen Leib, dass dein Bauch schwelle und deine Hüfte schwinde! Und die Frau soll sagen: Amen! Amen! Dann soll der Priester diese Flüche auf einen Zettel schreiben und mit dem bitteren Wasser abwaschen und soll der Frau von dem bitteren, fluchbringenden Wasser zu trinken geben. Und wenn das fluchbringende, bittere Wasser in sie gegangen ist, soll der Priester von ihrer Hand das Eifersuchtsopfer nehmen und als Speisopfer vor dem HERRN schwingen und auf dem Altar opfern, nämlich: er soll eine Hand voll vom Speisopfer nehmen als Gedenkopfer und es auf dem Altar in Rauch aufgehen lassen und danach der Frau das Wasser zu trinken geben. Und wenn sie das Wasser getrunken hat und unrein ist und sich an ihrem Mann versündigt hat, so wird das fluchbringende Wasser in sie gehen und ihr zum Verderben werden, dass ihr der Bauch schwellen und die Hüfte schwinden wird, und es wird die Frau zum Fluch werden unter ihrem Volk. Hat sich aber eine solche Frau nicht unrein gemacht, sondern ist sie rein, so wird's ihr nicht schaden und sie kann schwanger werden. (4. Mose 5,20ff)
(Letztere Passage ist auch noch mal sehr anschaulich bei "The Brick Testament" dargestellt.)

Wie gezeigt lässt sich die christliche Extremposition gegen Abtreibung nur dadurch halten, indem man stark exegiert, d.h. Bibelstellen interpretiert oder unterschiedlich gewichtet (z.B. "du sollst nicht töten" auch auf Föten ausweitet). Die Strategie dahinter ist recht simpel. Unter Missachtung aller biologischen Fakten (bis zur 7. Woche hat ein Fötus noch kein Nervensystem entwickelt, ist also per definitionem nicht leidensfähig) werden Frauen dazu verdonnert alles auf die Welt zu bringen, was man auf die Welt bringen kann. Und das alles nur, weil eben Föten so schön menschenähnlich aussehen (klar, was auch sonst?) und hier so schön ein biologisches Prinzip ausgenutzt werden kann, nämlich dass Erwachsene auf das Kindchenschema anspringen (Erwachsene, die das nicht in dem Maße taten, sind eh ausgestorben).

Die Doppelmoral dahinter ist kaum zu übersehen: jahrhundertelang wurden Frauen zur heimlichen Abtreibung getrieben, weil außerehelicher (einvernehmlicher) Geschlechtsverkehr gem. kirchlicher Doktrin verboten und Sünde war, d.h. auf die seltsamen Moralvorstellungen des Klerus gehen ein guter Teil eben dieser Abtreibungen. Heute, wo alleinerziehende Mütter fast schon an der Tagesordnung sind, thematisiert man das natürlich nicht mehr sondern stürzt sich auf eine gesellschaftliche Extremposition (ähnlich auch mit der Sterbehilfe) um hier ein paar Extremisten abzugreifen (und das ohne vernünftige Argumente). Schlimmer noch, durch ein generelles Abtreibungsverbot würden all jene Frauen wieder in die Illegalität gedrängt, aus welcher sie die Aufklärung und der Humanismus erst jüngst befreiten.

Bezeichnend ist auch, was die europäischen Bischöfe zum Thema EU und Abtreibung zu sagen haben:
„Die Europäische Union hat keinerlei Entscheidungsbefugnis oder Kompetenz bezüglich Abtreibung oder irgendeiner Frage, die im Bezug zu Leistungen sexueller und reproduktiver Gesundheitsdienste steht“

D.h. der Gesamtheit der europäischen Bevölkerung, respektive ihrer politischen Vertreter, wird die Kompetenz abgesprochen über Derartiges zu entscheiden. Sehr interessant, dass sich im Gegenzug aber ein paar hauptamtliche sonntägliche Travestiekünstler mit alten Beduinenschriften hierbei für kompetent erachten. Man könnte auch sagen: das stinkt zum Himmel!
Inzwischen wimmelt das in den Slums aller Länder, die Knie der glücklichen Mütter werden von Geschöpfen umspielt, die später in den Kohlenbergwerken oder in den Ackergräben für den Profit der anderen verrecken dürfen... aber: es ist nicht abgetrieben worden. Der Kranz, der Kranz ist gerettet!
(Kurt Tucholsky)

Freitag, September 26, 2008

Neulich beim christlichen Marketing #5

Meister Eckhart (1260-1327)

Unique selling proposition: Wenn Gott nicht ist, dann ist nichts.

Reason why: Wenn das Sein nicht ist, ist nichts Seiendes oder nichts, so wie wenn die Weiße nicht ist, nichts Weißes ist.
Gott? Ohne ihn ist alles nichts!




Johannes Duns Scotus (1263-1308)

Unique selling proposition: Mit dem [Begriff des] Ranghöchsten ist unvereinbar, dass es etwas Vollkommeneres gibt.

Reason why: Dem Seienden widerstreitet Unendlichkeit nicht; also ist das Vollkommenste unendlich.
Nur das Beste. Gott!




Wilhelm von Ockham (1300-1349)

Unique selling proposition: Man muss entweder eine Kette bis ins Unendliche annehmen oder zu einer Größe kommen, die erhält und auf keine Weise erhalten wird.

Reason why: Alles, was real von etwas hervorgebracht wird, wird, solange es in der Realität bleibt, real von etwas erhalten.
Gott. Ewig haltbar ohne Zusatzstoffe.



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Sonntag, September 21, 2008

Das Wort zum Sonntag #56

Thema heute:
Warum sind Religionen tendenziell und systematisch Unruhestifter?

Angenommen in einem kleinen Dorf gibt es einen Tauben- und einen Kaninchenzüchterverein. Beide haben natürlich ständig das Problem der Überalterung, denn auf Grund des typisch menschlichen Pragmatismus bleiben zwar die Mitglieder (größtenteils) erhalten, doch ohne neue Vereinsmeier ist kein Staat zu machen. Expansion durch neue Mitglieder ist sinnvoll, da mehr Geld in der Kasse ist, man mehr Druck auf den Bürgermeister ausüben kann etc.etc..

Nun wäre das Maximum dann erreicht, wenn alle Dorfbewohner Mitglied beider Vereine wären, jedoch schmälerte dies wiederum die Macht jedes einzelnen Vereins, denn im Zweifel wüsste man natürlich nicht, für welchen Verein das Mitglied stimmt, wo es seine Spenden lässt etc.etc..

Aus dieser Situation ergeben sich mehrere Strategien:

1. Man macht nichts (passiv)
Hier hat man die größte Ruhe, jedoch auch den geringsten Mitgliederzuwachs, d.h. auch ohne Werbung o.ä. entscheiden sich immer wieder Leute zu dem Verein zu stoßen.

2. Man erzählt Gutes von sich (positive Propaganda)
Hier stellt man heraus, wie toll doch die Kaninchen-/Taubenfeste waren, die man feierte, wieviel Leistung doch das Mitglied für wie wenig Geld bekomme, wofür man sich alles einsetze und was man schon alles bewegt habe usw.usf.. Idee dabei ist, durch ein möglichst positives Image Leute zum Vereinseintritt zu bewegen.

3. Man erzählt Schlechtes über den anderen (negative Propaganda)
Hier lässt man wiederum nichts aus, den anderen durch den Kakao zu ziehen, was man doch für ein Weichei wäre, wenn man Kaninchen-/Taubenzüchter sei, wie armselig die Partys des anderen Vereins doch seien und wieviel Gestank/Lärm doch der andere Verein im Dorf verursache.

4. (vornehmliche) Kooperation
Man tut vordergründig so, als kooperiere man (um des lieben Friedens im Dorf Willen) mit dem anderen Verein, ist nach außen hin einmütig, aber streitet in der Sache bis aufs Blut. Oder man bildet ein Kartell und teilt den zu beackernden Markt unter sich genau auf, ohne dem anderen in die Quere zu kommen.

Kombinationen der Strategien sind natürlich vorprogrammiert, doch ich denke das Prinzip kann jeder nachvollziehen.

Gleiches kann man auf dem Markt der Religiositäten beobachten. Denn nachdem das Produkt (Allah, Zeus, Jahwe etc.) für das normale Mitglied nicht unterscheidbar ist und sich eine rationale Entscheidung kaum treffen lässt, müssen die zusätzlichen Vorteile herausgestellt bzw. die negativen Eigenheiten des anderen stigmatisiert werden. D.h. Religionen bzw. ihren Vertretern geht es nie um friedliches Miteinander, denn dann würde die Weltanschauung im Meer der Weltanschauungen untergehen, sondern immer nur darum, sich abzugrenzen, sich zu unterscheiden, heraustzustellen, dass man das beste Produkt habe (ähnlich wie mit der Waschmittelwerbung - Jesus wäscht weißer).

Somit ist die Unruhe vorprogrammiert und der einzige Ausweg ist, diese zu entmachten, Religion zur Privatsache zu machen. Kein Waschmittelkonzern kann auch mit noch so viel negativer oder positiver Propaganda einen Keil zwischen die Hausfrauen treiben und diese in Gruppen aufteilen, je nach Produktpräferenz. Gleiches sollte Religionen auch nicht mehr möglich sein, doch dazu bedarf es der Aufklärung und des Engagements jedes einzelnen.
"Wie kann es Frieden geben, wenn Trunkenbolde, Drogendealer, Kommunisten, Atheisten, New-Age-Anhänger, Satansanbeter, Säkulare Humanisten, unterdrückerische Diktatoren, geizige Geldwechsler, revolutionäre Attentäter, Ehebrecher, und Homosexuelle obenauf sind?"
(Pat Robertson, 1991)

Donnerstag, September 18, 2008

Neulich anno 33...

A: Wissen Sie schon das Neueste?

B: Nein, was ist passiert?

A: Die Welt ist erlöst!

B: Was Sie sagen!

A: Ja, der Liebe Gott hat Menschengestalt angenommen und sich in Jerusalem hinrichten lassen: dadurch ist nun die Welt erlöst und der Teufel geprellt.

B: Ei, das ist ja ganz scharmant.

(Arthur Schopenhauer)

Neulich beim christlichen Marketing #4

Bonaventura da Bagnoregio (1221-1274)

Unique selling proposition: [Gott ist] das erste, ewige, einfachste, wirklichste vollkommenste und höchst eine Sein.

Reason why: Schau also, wenn du es vermagst, das reine Sein selbst, und du wirst finden, dass es nicht gedacht werden kann, als habe es das Sein von einem anderen empfangen. Damit aber wird es notwendig als absolut erstes erfasst, das weder aus dem Nichts, noch von einem anderen stammen kann [...] Du siehst weiter ein, dass es in keiner WEise etwas in sich trägt, das nicht das Sein selbst ist, und dass es darum mit keinem zusammengesetzt, sondern absolut einfach ist.
Gott. Sicher. Sauber. Einfach.


Thomas von Aquin (1225-1274)

Unique selling proposition: Es ist aber notwendig zu glauben, dass dieser Gott, der alles fügt und beherrscht, nur Einer ist.

Reason why: Das bedeutet, dass es um die Fügung der Menschengeschicke wohlbestellt ist: hier findet man das Viele gefügt und gelenkt durch den Einen.
Gott. Es kann nur einen geben.



Pietro di Giovanni Olivi (1248-1298)

Unique sellign proposition: Darin sieht man, wie groß die Präsenz Gottes ist.

Reason why: Wer das versteht, der erkennt, dass der Satz "Gott existiert" im höchsten Maße zwingend und notwendig ist.

Supporting evidence: Der Nachweis für dieses Argument wurde vom heiligen Anselm erbracht.
Gott? Muss man nicht drüber reden.



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Montag, September 15, 2008

Neulich, mitten im Wahlkampf...

Nunja.. man weiß ja mittlerweile, dass die nominierte Vizepräsidentin des republikanischen Kandidaten McCain die Gouverneurin Alaskas, Sarah Palin, ist1. Was man evtl. noch nicht weiß, dass sie neben einer religiösen Hardlinerin, Abtreibungsgegnerin, Heimschläferin und Nepotistin offensichtlich auch noch die Erfinderin des US-Pendants zum Knigge bzgl. Tischmanieren sein muss, wie folgende Bilder dokumentieren:

1: Gem. meinem vorurteilbelasteten Amerikaverständnis leben in Alaska eh nur Männer, die in der Ölindustrie arbeiten oder Männer, die in Fischindustrie arbeiten oder Männer, die in der Pelzindustrie arbeiten - kurz es leben dort nur Männer, was die Wahl einer ehemaligen Miss Irgendwas, die weder wie ein Ölfass, Fisch oder Biber aussieht, anscheinend enorm begünstigt. Denn an ihrem überragenden Intellekt kann es ja nicht gelegen haben.

Donnerstag, September 11, 2008

Neulich beim Requiem...

B16 hat für einen seiner Kardinäle, genauer Kardinal Innocenti (wie kath.net berichtet) - übrigens ein Widerspruch in sich, denn wann war je ein Kardianl "innocent", also unschuldig? -, ein Requiem gehalten, bei dem er die schwerwiegenden Worte sagte:


Der leibliche Tod sei mit einem Wort des heiligen Paulus kein Verlust, sondern ein Gewinn.

Wenn man sehr ketzerisch an die Sache herangeht, dann könnte man ihm nur recht geben, denn nur ein toter Pfaffe ist ein guter Pfaffe.

Doch selbst das stimmt nicht ganz, denn die katholische Kirche entblödete sich nicht, selbst einem toten Papst noch ein weltliches Tribunal, die sog. Leichensynode, zu bereiten (eine der vielen Stellen in der katholischen Historie, die man nicht so gerne an die große Glocke hängt). So schreibt Deschner in der "Kriminalgeschichte" dazu:

Der seit neun Monaten Bestattete [Anm.: Formosus] wurde jetzt, bereits stark angefault, von den Anhängern der Widonen aus dem Grab gerissen, in Pontifikalgewänder gesteckt und wohl im Januar 897 vor der »Leichensynode« in St. Peter auf den sogenannten Apostolischen Stuhl gesetzt. Darauf hielt man drei Tage in aller Form über die herausgeputzte Mumie Gericht, die drei Kläger, die Bischöfe Petrus von Albano, Silvester von Porto und Paschalis (mit unbekanntem Bistumssitz) sowie einen Diakon als Pflichtverteidiger an die Seite bekam, der mit zittriger Stimme und natürlich unbefriedigend für sie geantwortet hat.

Dienstag, September 09, 2008

Neulich beim christlichen Marketing #3

Boethius (480-524)

Unique selling proposition: So zeigt Vernunft, dass Gott das wwahre Gute ist, indem sie beweist, dass auch das vollkommene Gute in ihm enthalten ist.

Reason why: Überhaupt kann die Natur keines Dinges besser sein als ihr eigener Ursprung.
Gott. Total Quality.



Johannes Damasezenus (645 - ca. 750)

Unique selling proposition: Da also der Schöpfer ungeschaffen ist, so ist er sicherlich auch unveränderlich.

Reason why: Alles, was [...] geschaffen [wurde] ist sicherlich auch veränderlich. [...] Der Schöpfer aber muss ungeschaffen sein.
Gott - Da weiß man, was man hat.



Anselm von Canterbury (1033 - 1109)

Unique selling proposition: "Das, über dem Größeres nicht gedacht werden kann", [kann] nicht im Verstande allein sein.

Reason why: Denn wenn es wenigstens im Verstand allein ist, kann gedacht werden, dass es auch in Wirklichkeit existiere - was größer ist. Wenn also "das über dem Größeres nicht gedacht werden kann", im Verstande allein ist, so ist eben "das über dem Größeres nicht gedacht werden kann", über dem Größeres gedacht werden kann. Das aber kann gewiss nicht sein.
Think big. Gott.


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Hier zu Teil 1

Montag, September 08, 2008

Neulich beim Rekord...

Rekorde die keiner braucht:

Unter
http://www.llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch.com/
hat sich die nordwalisische Stadt (lt. eigenen Angaben) die längste Ein-Wort-.com-Domain gesichert.

Abgesehen davon, dass eh kein Tourist diese Stadt fehlerfrei aussprechen kann (hier eine kleine Aussprachehilfe), wurde dieser Marketing-Gag erst im 19. Jh. erfunden. Davor hieß die Stadt schlicht "Llanfair Pwllgwyngyll", was soviel bedeutet wie "Die Marienkirche am Teich neben den weißen Haselsträuchern". Ein findiger Kopf veränderte das dann zu "Die Marienkirche in der Senke der der weißen Haselsträucher nahe dem schnellen Wirbelstrom und der Kirche von St. Tysilio von der roten Höhle".

Ich halte mich da lieber an andere englische Zungenbrecher, wie z.B. diese hier:
Three swiss witch-bitches, which wished to be switched swiss witch-bitches, wish to watch three swiss Swatch watch switches. Which swiss witch-bitch, which wishes to be a switched swiss witch-bitch, wishes to watch which swiss Swatch watch switch?

I'm not the fig plucker,
Nor the fig plucker's son,
but I'll pluck your figs
till the fig plucker comes.
Die sind auch schwer auszusprechen, aber man muss dafür wenigstens kein Walisisch können...

Donnerstag, September 04, 2008

Neulich bei den armen Diskriminierten...

Das katholische Witzblatt berichtet über Äußerungen eines Erzbischofs Mamberti zur "Christianophobie", also der Angst vor Christianisierung oder vor Christen an sich, die ja historisch gesehen (Missionierung der Neuen Welt, Hexen-, Junden-, Ketzerverfolgung usw.) nicht ganz unbegründet ist:

Dieser angstvollen Ablehnung des Christentums, der „Christianophobie“, müsse man ebenso kraftvoll entgegen wirken wie dem Antisemitismus und der „Islamophobie“, betonte Erzbischof Mamberti beim Rimini-Treffen. Christianophobie bestehe aus drei Hauptproblemen: aus einer falschen Information über das Christentum, aus Intoleranz und Diskriminierung sowie aus Gewalt und Verfolgung. „Leider sind Vorurteile noch immer eine brennende Sorge.”
Seltsam nur, dass man dem guten Herrn Mamberti genau dasselbe vorwerfen könnte, denn Christen haben über etliche Jahrhunderte hinweg andere Weltanschauungsgemeinschaften auf Grund von falschen (oder gar keinen) Informationen, aus Intoleranz und Diskriminierung mit Gewalt und Verfolgung heimgesucht. Diese Heimsuchung war teilweise so effektiv, dass man von den Betroffenen nichts mehr hörte (z.B. Abligenser).

Bei weitem erstaunlicher ist aber, was der röckchentragende Prälat noch von sich gibt und zwar im selben Artikel:
Eine andere Form von “Christianophobie” sprach ein britischer Parlamentsabgeordneter vergangenes Jahr an: Der radikale Säkularismus gebe in Medien und Politik seines Landes den Ton an und dränge die traditionelle christliche Kultur an den Rand, beklagte Mark Pritchard. Das Diskriminierungsverbot aufgrund sexueller Orientierung durch die Labour Party im Vorjahr habe katholische Adoptionsagenturen gezwungen, entweder zuzusperren oder sich zu fügen und Kinder praktizierenden Homosexuellen anzuvertrauen.
D.h. wir haben hier wieder die übliche Geschichte, dass zwar der Splitter in anderer Leute Augen operativ entfernt werden will, der Diskriminierungsbalken im eigenen Auge aber gar nicht als solcher wahrgenommen wird. Solange sich die katholische Praxis nicht ändert, immer dann laut "Feurio" zu rufen, wenn man (wie z.B. in Indien) wenig Einfluss hat und sich unterdrückt fühlt, aber auf der anderen Seite in den säkularen Gesellschaften Europas weiterhin versucht Minderheiten wie z.B. Homosexuelle, geschiedene Frauen usw. zu diskriminieren, solange werden die "brennenden Sorgen" nur als das entlarvt, was sie sind: scheinheiliges Geschwätz!

Mittwoch, September 03, 2008

Neulich beim christlichen Marketing #2

Gregor von Nazianz (ca. 330 - ca. 390)

Unique selling proposition: Wenn du davon ausgehst, dass es vor Gott nichts gibt und dass er keine Ursache hat, die älter ist als er selber, dann hast du ihn als "ursprungslos" und "ungezeugt" bezeichnet.

Reason why: Wenn Du davon ausgehst, dass Gott nicht aufhören wird zu sein, dann hast du ihn als "unsterblich" und "unvergänglich" bezeichnet.


Gott. Gemacht für die Ewigkeit.



Pseudo-Dionysius (6. Jh. n.u.Z.)

Unique selling proposition: [...] die Übergottheit, die über alles überwesentlich entrückt ist. Es gibt keinen Namen und keinen Begriff von ihr [...]

Reason why: [...] sie ist in das Überwesentliche enthoben.

Supporting evidence: Nicht einmal den Namen Güte glauben wir ihre zutreffend beizulegen; nur aus Verlangen, über jene unaussprechlihce Natur etwas zu erkennen oder zu sagen, weihen wir ihr in erster Linie den ehrwürdigsten aller Namen.
Gott. Das Wort sagt alles.



Augustinus von Hippo (354-430)

Uniqute selling proposition: Sei dem wie ihm wolle: dass Gott trotzdem ist, wirst due nicht leugnen können [...]

Reason why: Gibt es etwas noch Vorzüglicheres, so ist es um so eher Gott, wenn nicht, so ist die Wahrheit selbst bereits Gott.

Gott - Schön zu wissen, dass es ihn gibt.



Hier geht's zu #1

Dienstag, September 02, 2008

Das Wort zum Sonntag #55

Thema heute:
Warum Religion nur willkürliche Moral liefern kann.


Dank des klerikalen Marketing hat sich die (Wahn)Vorstellung in vielen Köpfen festgesetzt, dass Religion bzw. religiöse Erziehung zu mehr Moral bzw. zu moralischerem (und damit impliziert) besserem Verhalten führe, als ein Aufwachsen in einer gottlosen Umgebung. Hier werden auch meist die beiden "atheistischen Gespenster", nämlich Nazi-Deutschland oder der sowjetische Stalinismus, vorgebracht, unbesehen der Tatsache, dass die 5% Atheisten in der Bevölkerung damals Hitler gar nicht an die Macht bringen konnten und dass die russisch-orthodoxe Kirche auch keine Probleme hatte mit den Stalinisten zu kooperieren.


Dabei ist die Problematik über die göttliche Begründung der Moral schon seit Platon bekannt. Er formulierte dies, wenn auch nicht vollständig durchdacht, in dem Dialog Euthyphron, welcher zu folgendem Dilemma führt:

Angenommen Gott erscheint und erteilt folgenden Befehl:
Szenario 1: Schenke einem Bedürftigen 100 €
Szenario 2: Foltere deinen Nachbarn

Der Befehl aus Szenario 1 erscheint offensichtlich als eher positiv, egal ob er von einem Gott, dem Vorgesetzten oder der Ehefrau/dem Ehemann kommt.


Beim Befehl aus Szenario 2 ist die Lage schon erheblich schwieriger. Hier widerspricht der Befehl offensichtlich dem allgemeinen moralischen Standard, dass nämlich Folter inhuman ist. Wird diese nun von einem Gott befohlen ergeben sich mehrere Möglichkeiten:

a) Gott ist ein Sadist
b) Gott verfügt über mehr Wissen (z.B. dass der Nachbar die Welt in die Luft sprengen will und nur unter Folter seinen teuflischen Plan gesteht)
c) Gott will nur den Glauben testen
d) ...

D.h. egal welcher Befehl von Gott kommt, man sollte in höchstem Maße vorsichtig sein. Noch dazu zeigt dieses Dilemma auch, dass egal welcher Befehl von Gott kommt, es immer einer moralischen Beurteilung des Menschen bedarf, bevor man diesen umsetzt.


Welcher Weg könnte nun aus diesem Dilemma führen? Nun, wenn Gott keinen Befehl, sondern eine Regel aufstellen würde, d.h. eine Regel ist eine Kombination aus einem Verhaltensvorschlag mit einer zusätzlichen Begründung. Z.B. könnte Gott folgende Regel aufstellen:
Verhalte dich fair gegenüber deinem Nächsten und deinem Fernsten! Du wirst nicht alle Menschen lieben können, aber du solltest respektieren, dass jeder Mensch – auch der von dir ungeliebte! – das Recht hat, seine individuellen Vorstellungen von „gutem Leben (und Sterben) im Diesseits“ zu verwirklichen, sofern er dadurch nicht gegen die gleichberechtigten Interessen Anderer verstößt.

Eine solche Regel ist aus sich heraus verständlich. Das Problem dabei ist nun, dass es zur Aufstellung solcherlei Regeln keines Gottes bedarf (der Vorgesetzte oder der Lebensabschnittsgefährte hätte etwas vergleichbares von sich geben können), denn die Begründung macht eine göttliche Autorität (welche dem Befehl oder Gebot den nötigen Nachdruck verleiht) völlig überflüssig. Schlimmer noch, jeder unbegründete Befehl Gottes erscheint höchst willkürlich und weckt massive Zweifel.

Als weitere Erschwernis kommt hinzu, dass die allermeisten von uns noch keine göttlichen Befehle empfangen haben, sondern absolut alles, d.h. Bibel, Koran, Veden usw.usf wurde von Menschen aufgeschrieben (auch wenn sie diese Befehle evtl. durch göttliches Diktat empfangen zu haben glauben). Somit sollte man bei dererlei Befehlen oder Geboten zusätzlich auf der Hut sein, denn ein Gebot, dass von einem Menschen unter den göttlichen Diktus gestellt wurde, nur um seine eigenen Ziele zu verfolgen, lässt sich nicht von einem Gebot unterscheiden, das ein Gott zur Verfolgung seiner eigenen Ziele (oder zum Wohl der Menschheit) aufstellt.

Fazit: Moral kann kann aus einer Religion heraus kommen, doch wenn diese nicht willkürlich sein will (d.h. eine Regel liefert), so ist die Religion überflüssig. Mutatis mutandis gilt das natürlich ebenso für den dahintestehenden Gott/Götter.

Sonntag, August 31, 2008

Neulich beim christlichen Marketing #1

...oder wie die Kirche das Marketing erfand1. Theologische "Beweise" mit einem modernen Werbeslogan versehen:

Origines (185-254)

Unique selling proposition: Wahrhaft Gott ist also "der Gott".

Reason why: Die nach ihm geprägten Götter sind wie Bilder eines Urbildes.

Supporting evidence: An gewissen Stellen setzt Johannes die Bezeichnung "Gott" mit dem Artikel und meint damit den ungezeugten Urheber allen Seins. An anderer Stelle lässt er den Artikel weg und sagt einfach "Gott". Nämlich dann, wenn das "Wort" Gott genannt wird.

Gott. Das Original.
Nur echt mit Artikel. Garantiert vom heiligen Johannes.



Gregor von Nyssa (335-395)

Uniqute selling proposition: [...] dass überall bei der göttlichen Natur nur Vollkommenheit in Frage kommen kann [... führt] zur [zwingenden] Annahme eines einzigen Gottes.

Reason why: [...] weil der Begriff der Vollkommenheit eine Mischung ausschließt - noch eine Unterscheidung zwischen Untergeordnet- und Übergeordnetsein - denn der Begriff der Gottheit wäre da nicht mehr denkbar, wo der Begriff der Unterscheidung festgestellt werden kann.
Nobody is perfect. Nur Gott.


1: Zitiert aus "Jesus wäscht weißer - wie die Kriche das Marketing erfand", Bruno Ballardini

Freitag, August 29, 2008

Frosch reloaded...

Nachdem ich ja schon über den Frosch am Kreuz berichtete, hat sich doch jetzt auch noch der Pontifex Maximus, der größte Brückenbauer, aus Rom dazu eingeschaltet. So schreibt dazu das kath.net:
Das ganze habe "die religiösen Gefühle vieler Menschen verletzt, die im Kreuz ein Symbol der Liebe Gottes und unseres Heils sehen, das Anerkennung und religiöse Verehrung verlangt". Dies betont Benedikt in einem Brief an dem Vorsitzenden des Regionalrats von Südtirol Franz Pahl.
Also wenn eine Gruppe Menschen im Kreuz ein "Symbol der Liebe" des unsichtbaren rosa Einhorns sieht, welches "Anerkennung und religiöse Verehrung verlangt", so darf man einen Frosch daran nicht festnageln. Dass aber andere Menschen im Kreuz ein Symbol für eine menschenverachtende Folterstrafe der Antike sehen und weiters jahrhundertelange Unterdrückung des freien Geistes durch das Christentum, das schein jenen geistlichen Röckchenträgern nicht in den Sinn zu kommen.

Ich muss das christliche Kreuz auch an allen Ecken und Enden ertragen, also tolerieren, insofern ist es wohl nicht zu viel verlangt, wenn Christen, allen voran ihr Vorzeigetransvestit, ein einziges Kreuz mit einem Frosch daran erdulden, zumal sich dieses in einem Museum befindet und nicht an jedem Kirchturm.

Mittwoch, August 27, 2008

Neulich bei der Abzocke mit Armin & Andrea...

Ein gewisser Armin Mattich bietet "Hilfe aus der Geistigen Welt" für all jene, die gerne auf billiges Geschwätz und unbelegte Behauptungen hereinfallen. So veranstaltet er Kurse für 15 Euronen pro Person (25 bis 250 Teilnehmern kann geholfen werden - zumindest ihren Geldbeutel zu erleichtern - was dann nach Adam Riese in 375 bis 3.750 € als Einnahme aus so einer Veranstaltung resultiert), in denen

"die Heiler ... sodann intensiven Kontakt mit dem Unterbewusstsein der Teilnehmer auf[nehmen] und konzentrieren sich mit ihren stillen Gebeten auf das Wesentliche."
Ah ja, und wenn ein Teilnehmer den "Kontakt" nicht spürt, so liegt das einfach daran, dass dieser eben mit dem unbewussten Unterbewusstsein stattfand! Der Trick hätte mir mal in der Schule einfallen sollen: Aber Herr Lehrer, haben sie denn nicht gemerkt, dass ich in intensivem Kontakt mit ihrem Unterbewusstsein stand und dort die Frage korrekt beantwortet habe?

Aber es geht natürlich noch weiter.

In der Regel findet die Heiler/in genau das, was Menschen gegenwärtig benötigen, auch ohne ein Wort zu wechseln. Im ganzem Verlauf werden an Sie keine Fragen gestellt. Sie haben jedoch die Möglichkeit, besondere Hinweise zu notieren und vor Ihren Stuhl zu legen. Bereits in der Meditation lesen die Heiler/in die vorhandenen Notizen und beten nochmals für die Betroffenen. Weiterhin können Sie Bilder von Ihren Angehörigen auf einen dafür vorgesehenen Tisch mit der Bildfläche nach unten platzieren. Auch für diese Personen wird gebetet. Armin und Andrea arbeiten in Halbtrance und bringen die dabei frei werdenden Kräfte auf ihre eigene Weise zum Ausdruck. Des weiteren bittet die Heiler/in mit stillen Gebeten um himmlischen Beistand, Trost, Klarheit, Kraft und Hilfe für ihre Mitmenschen.
Und irgendwie haben sie ja auch recht mit dieser Beschreibung: "In der Regel findet der Heiler genau das, was Menschen (Anm.: eben dieser Heiler) gegenwärtig benötigen", nämlich das Geld der anderen. Wie sie dann ihre "tollen Erfolge" erzielen, schreiben sie ja fast ausführlich hin, denn die Opfer Patienten schreiben vorher alle Sorgen auf. Dann wird gebetet, meditiert, zwischen Halb-, Viertel- und Dreisechzehnteltrance hin- und hergeschaltet und den Leuten eine Show geboten, die nur knapp vom Testbild überboten wird (zumindest wenn man lange genug draufschaut).

Es wird leider immer gerissene Abzocker wie Armin & Andrea geben, die sich leichtgläubige Opfer suchen, ihnen etwas vom Pferd erzählen und mit Astralleibern, Kirlianphotographie und ähnlichem Schwachsinn Leute dazu verführen, ihr mühsam Erspartes für gequirlte Scheiße auszugeben.

Esoterik und Faschismus überschneiden sich in ihrem elitären Führerkult, ihrem Schicksals-, Karma- und Vorsehungsglauben; sie überschneiden sich in ihrer antisozialen und antiaufklärerischen Haltung. Und nicht zuletzt überschneiden sie sich auch im blinden Fanatismus ihrer Anhänger.
(Colin Goldner)

Sonntag, August 24, 2008

Das Wort zum Sonntag #54

Thema heute:
Warum Märtyrertum und -kult Blödsinn ist.

Interessanterweise investieren viele Glaubensrichtungen Energie und Zeit in das Märtyrertum bzw. den Märtyrerkult, d.h. die Verehrung von Leuten, die dabei gestorben sind, als sie ihren Glauben verteidigten.

Dabei ist oft der Wunsch Vater des Gedankens, dass die eigene Glaubensrichtung irgendwie mehr plausibel oder wahr würde, so sich jemand von gewisser (tatsächlich meist zweifelhafter) Reputation, für seinen Glauben opfert. Jedoch ist diese Ansicht genauso schwachsinnig, wie wenn Frau Merkel glauben würde, das Regierungsprogramm der CDU würde nur deswegen glaubwürdiger, weil sich Hr. Steinmeier Hr. Schäuble dafür am nächsten Baum aufknüpfen lässt.

Trotz dieses leicht verständlichen Zusammenhangs reißt dieser Kult nicht ab. So behaupten z.B. Christen alle Nase lang, dass im römischen Reich so unglaublich viele Christen verfolgt wurden, die dann (als Märtyrer versteht sich) in diversen Arenen ihr Leben lassen mussten. So schreibt z.B. Deschner in der Kriminalgeschichte des Christentums (Hervorhebung von mir):
Vor allem werden den Heiden nun, kurz nach der letzten Christenverfolgung, eben diese Verfolgungen vorgehalten und sogleich gigantisch übertrieben – bis tief ins 20. Jahrhundert hinein, wo man noch in dessen zweiter Hälfte das Christentum schon vom Ende des 1. Jahrhunderts an »in seinem eigenen Blute waten« sieht, mit der »ungeheuren Schar heroischer Gestalten« prahlt, »die, die Stirnen von Martyrerblut gezeichnet, das ganze zweite Jahrhundert durchziehen« (Daniel-Rops); wobei man gerade noch, 1956 (!), zugibt, es seien »nicht Millionen« gewesen (Ziegler). Seriösere Forscher schätzten die Zahl der christlichen Opfer gelegentlich, nicht unwidersprochen, auf 3000, auf 1500 – in allen drei Jahrhunderten! Wie problematisch diese Zahl sein mag: die Christen erschlugen in Mittelalter und Neuzeit mehr Juden häufig in einem einzigen Jahr, manchmal an einem einzigen Tag!
D.h. wollten jetzt die Christen ihren "Märtyrern" irgendeine Glaubwürdigkeit zubilligen, so müsste im Umkehrschluss das Judentum die einzig wahre Religion sein, da es am meisten Märtyrer vorzuweisen hat.

Doch dem nicht genug, so werden Märtyrer meist nur innerhalb der eigenen Weltanschauung bzw. innerhalb der eigenen Gruppe dieser Weltanschauung akzeptiert. Die Attentäter von 9-11 gelten bestimmt in div. fundamentalistischen muslimischen Gruppen als Märtyrer, die in einem heiligen Krieg ihr Leben gelassen haben, wohingegen gemäßigte Muslime sich davon distanzieren und ihnen damit auch den Märtyrerstatus absprechen. Somit ist nichts relativer, als der Anspruch Märtyrer zu sein, was jeden vernünftigen Menschen davon abhalten sollte einer zu werden (neben der Tatsache, dass es nichts beweist).

Ein weiterer tragischer Aspekt dieses Kultes ist, dass er nicht weniger, sondern eher mehr wird, und bei jedem noch so blöden Anlass hervorgekramt wird. So schrieb z.B. das kath.net "Pater Thomas ist ein Märtyrer". Doch was war passiert?
Auf seinem Motorrad war der Priester unterwegs in ein Dorf gewesen, wo er die Sonntagsmesse halten sollte, nachdem er mit den Schwestern des Lingapetta-Konvents in Burgida Eucharistie gefeiert hatte. Als man ihn fand, war er am ganzen Körper schwerst verwundet, die Augen waren ausgestochen.

Jetzt sollte man aber auch dazu sagen, dass es absolut nicht bekannt ist, ob Pater Thomas bitterlich um Gnade winselte und jeglichem Glauben abschwören wollte, so man ihn nur am Leben ließe, oder ob er mit stoischer Gelassenheit und der Gewissheit auf seinen Platz im Himmel den Tod nahm wie ein Mann. Abgesehen davon betreibt die katholische Kirche in Indien ein Missionierungsprogramm, d.h. man will Leute dazu bewegen, ohne vernünftige Beweise etwas anderes zu glauben, als sie es bisher getan haben (mit Religionsfreiheit hat das imho nicht viel zu tun, eher mit marktschreierischem Anbiedern: mein Gott wäscht weißer als der Gott von nebenan!). Dies erzeugt an allen Ecken und Enden Probleme mit anderen Ethnien, denn oftmals sind "humanitäre Einsätze" von Caritas, Diakonie usw. im Ausland nichts anderes, als verkappte Missionierung. Diesbezüglich (obwohl es schon fast zu weit führt) noch dieses schöne Zitat des Ethnologen Christian Adler:
Wer aber denkt, die christliche Missionierung hätte etwas gelernt aus ihren Fehlern der Vergangenheit, der hat weit gefehlt. In Neu-Guinea wurde am Grünen Tisch zwischen Katholiken und Protestanten eingeteilt und entschieden, wer wem welchen christlichen Glauben bringen darf. Eines Tages taucht dann ein Missionar mit großem Gefolge bei einem Stamm auf als der große Gönner und verschenkt reichhaltig Güter wie z.B. Salz oder Äxte aus Eisen, sowie Glasperlen. Nicht selten sind es Kinder, die gegen Entlohnung einen Landeplatz für Hubschrauber und eine Missionshütte bauen. Ab diesem Moment ist der Missionar unabhängig vom Stamm und beginnt seine Arbeit. Er sucht sich die sozial schwächsten Stammesmitglieder heraus, gewinnt sie durch Geschenke, und diese Außenseiter stellen dann auch die ersten bereitwilligen Täuflinge dar. Dann beginnt die Durchdringung der ganzen Bevölkerung, die sich darin äußert, daß der Stamm von westlichen Zivilisationsgütern abhängig gemacht wird und danach der Glaubensübertritt durch jene Güter erpreßt wird.
Ist erst einmal der ganze Stamm christianisiert, wird durch sinnlose Verbote (ein Mensch darf nicht nackt sein, rituelle Tänze sind unchristlich) das jahrhundertealte Gefüge der Bevölkerung zerstört, bricht die alte Ethik, die sich als überlebensnotwendig an die Umweltbedingungen angepaßt hat, zusammen, kommt der Stamm in arge Bedrängnis. Betrachtet man das soziale Gefüge der Stämme Neu-Guineas von der Küste Richtung Landesinnere, so läßt sich durchaus ein Gefälle des Zerfalls von Stämmen feststellen, die schon länger missioniert wurden und jenen, die erst vor kurzem mit dem christlichen Glauben und somit mit der westlichen Zivilisation in Kontakt traten. Durch das Auflösen aller Sozialstrukturen aber sind nicht wenige Stämme bereits ausgestorben! Traurig, aber wahr.

Nachdem sich an der christlichen Missionspraxis imho nichts wesentlich geändert hat (oder hat jemand bessere Informationen?), kann ich mir nur zu gut vorstellen, dass ein paar fundamentalen Hindus das Geseiere Pater Thomas (und die damit verbundene Spaltung der Glaubensgemeinschaft) im Dorf so auf den Keks ging (denn diese halten ja - wie Pater Thomas - auch nichts von Religionsfreiheit), dass sie am Priester ein Exempel statuieren wollten. Das macht diesen Pfaffen aber nicht zu einem Märtyrer, sondern man kann ihn wohl eher mit einem Aufwiegler vergleichen, der sich auch nicht baff zu wundern braucht, wenn ihm das Establishment eins vor den Latz knallt.

Wie dem auch sei, das Märtyrertum und dessen Kult ist Bullshit (wie übrigens Anglizismen auch), denn es beweist nichts, sondern dessen Glorifizierung fordert (wie bei den Missionierungsversuchen) nur zusätzliches Leid heraus. Wie es um den Märtyrerkult in Wahrheit bestellt ist, schreibt Deschner in seiner Kriminalgeschichte, mit der ich auch meinen sonntäglichen Sermon ausklingen lassen möchte:
Von einer allgemeinen und planmäßigen Christenverfolgung kann erst unter Kaiser Decius im Jahr 250 gesprochen werden. Damals starb, als erster römischer Bischof Opfer einer Verfolgung, Fabian – und er starb im Gefängnis; man hatte über ihn gar keine Todesstrafe verhängt. Bis dahin aber gab die alte Kirche von siebzehn römischen Bischöfen bereits elf als »Märtyrer« aus, obwohl keiner von ihnen Märtyrer war! Dabei hatten sie bereits zweihundert Jahre lang Seite an Seite mit den Kaisern residiert. Und doch lügt man auf katholischer Seite – mit kirchlicher Druckerlaubnis (und Widmung: »Der lieben Gottesmutter«) – noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts: »Die meisten Päpste sterben in jener Zeit als Märtyrer« (Rüger).

Freitag, August 22, 2008

Neulich bei der Fernsehkritik...

Naja.. ich habe ja hier und hier schon etwas über fernsehkritik.tv gesagt, insofern muss ich mich nicht wiederholen.

Jedoch wäre noch anzumerken, dass heute Folge 16 on-internet gegangen ist... :-)

Mittwoch, August 20, 2008

Neulich beim Bullenreiten...

Tammox hat sich dieser Aufgabe angenommen und einen Artikel zu Red-Bull verfasst, der an einigen Stellen einigen Leuten einige Augen öffnen sollte:
Vielleicht sollte man dem „Getränk“ neben Taurin auch noch Marcumar zusetzen -das verflüssigt das Blut wieder und senkt damit die Infarkt-Gefahr.Marcumar ist übrigens nichts anderes als Rattengift - aber wenn die Verbraucher schon drei Milliarden für Zuckerwasser übrig haben, das womöglich einen Schlaganfall auslöst, stören sie sich an ein bißchen Rattengift sicherlich auch nicht.

Dienstag, August 19, 2008

Neulich im Mittelalter...

Vieles aus dieser Zeit glaubt man überwunden zu haben, schließlich hatten wir doch die Aufklärung. Dummerweise haben wir aber auch die Sekte der ewig Gestrigen mitgeschleppt und einen ewig Vorgestrigen lässt das katholische Realsatiremagazin zu Wort kommen:
Der Geistliche [Anm.: Jeremy Davis] ist auch studierter Physiker und in seiner Diözese seit 1986 offiziell als Exorzist tätig. Kürzlich hat er ein Buch über das biblische und praktische Verständnis von Exorzismus veröffentlicht.

Was lernen wir hier als erstes? Selbst ein Physikstudium schützt nicht davor geistigem Dünnschiss zu verfallen. Doch es kommt noch besser, denn Davis hat ja schon alles identifiziert, was in der Gesellschaft falsch läuft:
Promiskuität, Homosexualität und Pornographie bezeichnet der 73-jährige Priester Jeremy Davies als Formen sexueller Perversion, die zu Besessenheit führen können. Auf die besondere Verbreitung der Homosexualität in den letzten Jahren angesprochen, meint er: „Unter den Gründen für die Homosexualität ist ein ansteckender dämonischer Faktor.“
[...]
„Auch heterosexuelle Promiskuität ist eine Perversion; und der Intimverkehr, der in den geheiligten Raum ehelicher Liebe gehört, kann zum Einfallstor nicht nur für Krankheiten, sondern auch für böse Geister werden“, führt Davies aus.

Wen wundert es, dass ein "Exorzist" alles als dämonisch brandmarkt, was normal ist, würde er sich doch andernfalls die Grundlage seiner Daseinsberechtigung entziehen.

Ein Staat, der tatenlos zusieht, wie dahergelaufene Pfaffen psychisch kranke Menschen "exorzieren", macht sich imho der Mittäterschaft schuldig. Solchen Menschen muss medizinisch-psychiatrisch geholfen und nicht ein Kreuz auf die Stirn gedrückt und lateinische Zaubersprüche gemurmelt werden, à la "Aberakadaberon - husch und weg ist der Dämon".

Natürlich kann man solchen Schwachsinn müde belächeln, wie so viele andere esoterische Praktiken (z.B. Ausrichten der Chakren o.ä. Schmarrn), jedoch ist die Gefahr für Leib und Leben des Betroffenen immanent, wie z.B. der Fall Anneliese Michel zeigt. Von den psychischen Schäden, die durch so ein katholisches Geisterheiler-Gedöhns verursacht werden mal ganz zu schweigen.

Doch das Problem ist nicht ein geistiger Schwachmat wie Davis, das Problem sitzt viel weiter oben, wie kath.net (wahrscheinlich unbeabsichtigt - oder sind sie sogar stolz darauf?) zugibt:
Das Amt eines Exorzisten in der katholischen Kirche kann nur ein Priester ausüben, der von seinem Bischof dafür eigens beauftragt worden ist, eine spezielle Ausbildung absolviert hat und Frömmigkeit, Kenntnisse, Klugheit und einen integren priesterlichen Lebenswandel vorweisen kann, wie das Kirchenrecht definiert. Einem offiziellen exorzistischen Ritus gehen medizinische und psychiatrische Untersuchungen voraus, um andere Ursachen der Störungen auszuschließen. Seit 2005 bietet der Vatikan Exorzismuskurse für Priester an.

Im 21. Jahrhundert, etwa 1000 Jahre nach dem finsteren Mittelalter, bietet ein absolutistischer Zwergstaat in Italien weiterhin Dämonenaustreibungskurse an und ignoriert damit mehr als 100 Jahre psychologischer Forschungsarbeit. Ein Schlag ins Gesicht für jeden, der sich jahrelang an der Uni oder im Beruf mit dem Thema menschliche Psyche wissenschaftlich beschäftigt hat.

Noch widerlicher bei dieser Geschichte ist, dass man zwar die Gefahr des Terrorismus in den schillerndsten Farben zu schildern weiß, aber echte Gefahrenpotentiale, wie z.B. solche "Exorzisiten" nicht postwendend des Landes verweist inkl. Einreiseverbot. Doch für so einen Schritt haben Merkel & Co. wohl zu wenig Eier in der Hose...
Wenn man aber von den teufelsähnlichen Kindern erzählt ... so halte ich dafür .... daß es wahre Teufel sind.
(Martin Luther)

Sonntag, August 17, 2008

Das Wort zum Sonntag #53

Ok, ich bin bisschen faul z.Zt., aber ich bin auch im Urlaub. Deswegen habe ich mir einen Gastredner für das Wort zum Sonntag geholt:

Donnerstag, August 14, 2008

Neulich beim Papst-Song...

Wie das katholische Realsatiremagazin berichtet, hat doch tatsächlich ein Protestant ein papstkritisches Lied mit dem Namen "Mensch Benedikt" geschrieben. Wie zu erwarten war, ist die Haut religiöserseits immer recht dünn, v.a. dann wenn es um den Oberröckchenträger aus Rom geht. So steht in dem Artikel:

Wegen seines papstkritischen Liedes "Mensch Benedikt" habe er zahlreiche "wüste Beschimpfungen bis hin zur Gewaltandrohung" per E-Mail erhalten, sagte er gegenüber idea. Es sei das erste Mal gewesen, dass Polizisten eines seiner Konzerte geschützt hätten.
Tja, soviel (mal wieder) zum Thema tolerantes und pazifistisches Christentum bzw. Catholica.

Ein Blick auf den Text offenbart™ jedoch nichts wirklich neues und lässt auch vermuten, dass das Lied nicht allzu dolle ist:

Bittlinger fragt Benedikt XVI. in seinem Song:
"Warum schmähst du andere Christen? Warum suchst du offen Streit
und sagst: ,Ihr seid keine Kirche, weil ihr fehlerhaft seid!'?
Wer im Glashaus wirft mit Steinen, endet schnell im Scherbenmeer
und auch viele Katholiken decken diesen Stil nicht mehr."
Naja.. erinnert so ein bisschen an Streetworker "gekreuzt" mit Howard Karpfenteich Carpendale, also nichts was ich mir antun würde, ohne dafür fürstlich entlohnt zu werden.

Auf der anderen Seite muss man ja als Atheist schon für jedes bisschen Kritik am Wirsindpapst dankbar sein... insofern: Danke Clemens!

Sonntag, August 10, 2008

Das Wort zum Sonntag #52

Thema heute:
Stiftet Religion Sinn oder Unsinn?

Eine gern kolportierte Tugend von Religionen ist, dass diese so schön sinnstifend sein sollen. Das ganze Leben ist, wenn man es aus der Brille eines Wissenschaftlers betrachtet, größtenteils planlos ("der blinde Uhrmacher"), sinnlos und größtenteils voller Leid. Wie schön, dass man sich doch einfach durch eine Märchengeschichte einen Sinn hineinfabulieren kann.

Doch welchen Sinn vermitteln Religionen eigentlich? Ausgehend von den drei Monotheistischen Religionen könnte man diesen mal wie folgt subsummieren:
  1. Es steckt ein tiefer Sinn in allem, den wir nur nicht kennen (Gottes Plan o.ä.).
  2. Sinnloses Leid ist bestandteil dieses "Plans".
  3. Ein allmächtiges Wesen (aka Gott, Allah etc.) steht hinter allem und hat uns ganz schrecklich lieb.
  4. Mit dem Tod ist nicht alles aus, sondern je nach Betragen geht es unendlich weiter (auf die eine oder andere Art).
Der erste Punkt ist schon an sich recht hanebüchen, denn wie will man einen Sinn im Leben finden, wenn sich dieser auf einen prinzipiell unerschließbaren Plan gründet? So etwas mag vielleicht als Placebo-Beruhigung durchgehen, eine sinnstiftende Qualität hat ein Plan, den man nicht kennt, nicht.

Die größte Herausforderung für ein Sinngebungsverfahren ist für uns der Anblick sinnlosen Leids. Ob jetzt Menschen, die wir lieben, von tödlichen Krankheiten dahingerafft werden oder uns Unbekannte bei Naturkatastrophen umkommen, die Frage nach dem Warum, nach dem Sinn, ist immer offen. Auch hier bietet Religion wiederum nur ein Placebo an, in dem Angehörigen (denn die Betroffenen haben es meist eh schon hinter sich) vermittelt wird, ihr Verstorbener wäre Bestandteil in diesem tollen Plan und hätte somit seinen wertvollen Beitrag zum Gelingen desselben geleistet. Wahrscheinlich kommt so eine Herangehensweise nicht nur mir zynisch vor, denn mit einer deraritigen Begründung, einer derartigen "Sinnstiftung" lässt sich jegliches menschgemachtes und nicht-menschgemachtes Gräuel rechtfertigen. Und auch hier gilt, eine nicht nachvollziehbare Begründung für Leid ist eben keine Begründung und darin lässt sich auch kein Sinn finden.

An der Idee, dass es irgendjemanden gibt, der allüberall ist und v.a. die Spezies Mensch ganz furchtbar doll liebhat, sollte man nach dem zweiten Punkt schon berechtigte Zweifel haben - diese Punkte schließen sich gegenseitig aus und lassen sich nur mit theologischem Doppeldenk auf einen Nenner bringen (oder man hat eine seltsame Definition von Allgüte & Liebe). Doch welchen Sinn stiftet das Wissen, dass man eine Entität rund um die Uhr um sich weiß? Also ich vermute mal selbst schwer ineinander Verliebte wollen den angebeteten Partner nicht jede Sekunde um sich wissen, mit ihm aufs Klo gehen, oder gemeinsam Zähneputzen, Fußnägelschneiden und Pickelausdrücken. Und genauso verkommt ja auch der jeweilige Gott zu einem unsichtbaren Freund, den man immer genau dann aus der Mottenkiste holt, wenn man gerade einsam ist, gedanklich Leerlauf hat oder gewisse Rituale anstehen. Die übrige Zeit, also beim Kacken, Fußnägelschneiden oder Pickelausdrücken ist Gott genauso ins Nebenzimmer gestellt, wie der jeweilige Lebensabschnittsgefährte. Doch welchen Sinn stiftet eine solches Wesen? Zum einen könnte es der Überwachungsgott sein, auf Grund dessen rund um die Uhr Überwachung sich der Gläubige nicht zu "sündigen" getraut, seinem Leben somit mehr Sinn bzw. ein besseres ethisches Verhalten verleiht (was bei den übrigen Menschen allerdings Nachdenken und ein gesundes Gewissen besorgt und die ethischen Maßstäbe von Religionen sind äußerst zweifelhaft, aber davon mal abgesehen), zum anderen könnte diese Allumarmung zu einem andauerden Geborgenheits- und Hochgefühl führen, was gut mit dem ersten Punkt harmoniert, denn man spielt ja eine außergewöhnliche Rolle im Plan und sieht den "Sinn" somit bestätigt (bei anderen Leuten besorgt das ein gesundes Selbstvertrauen bzw. -wertgefühl). Jedoch kann das alles nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass nicht tatsächliche Anwesenheit den Sinn stiftet, sondern nur die geglaubte. D.h. man kann genauso gut - wie Sam Harris es beschrieb - sich einen kühlschrankgroßen Diamanten in seinen Garten hineindenken und behaupten, dass das Leben erst richtig Sinn ergebe, seit man um diesen Diamanten (den man natürlich nie ausgraben würde) weiß. Dieser Diamant gibt so eine unglaubliche Beruhigung, dass man gar nicht weiß wie irgendein anderer Mensch ohne einen solchen überhaupt leben könne etc.blabla.

Und letztlich noch die "Überwindung" des Todes. Meist wird dies unterschwellig mit der Frage eingeleitet, welchen Sinn denn unser ganzes Dasein überhaupt habe, wenn doch mit dem Tod sowieso alles vorbei ist, wenn alle Gefühle, alle Gedanken, Freundschaften, Beziehungen und all das, was uns im Leben wichtig war, mit dem Tod sein Ende findet. Eine derartige Betrachtung erscheint auf den ersten Blick offensichtlich sinnlos. Doch jetzt zieht man religiöserseits das Kaninchen aus dem Hut und beginnt das "Leben nach dem Tod" (an dieser Stelle sei angemerkt, dass die Wenigsten an ein "Leben vor der Geburt" glauben - Reinkarnationsgläubige ausgenommen, aber das ist eh ein Kapitel für sich - genausowenig wie an ein "Leben nach dem Leben nach dem Tod" oder an ein "Leben nach dem Leben nach dem Leben nach dem Tod" usw.). Willkürlich wird hier die Annahme getroffen, dass unsere Existenz nicht mit unserem physischen Körper verschwindet, sondern dass wir Menschen (hier ist man nämlich sehr chauvinistisch, müsste man doch ansonsten den Himmel mit Stechmücken, Spinnen und sonstigem Getier teilen) noch über eine "unsterbliche Seele" o.ä. verfügen (die natürlich auch wie der Gott unsichtbar und nicht erkennbar ist...), welche das Wesentliche aus dem irdischen Leben mitnimmt und bis in alle Ewigkeit fortlebt - wo, das entscheidet selbstverständlich der entsprechende Gott. Der einzige Sinn in dieser eschatologischen (=jenseitsgerichteten) Betrachtungsweise, den ich erkennen kann, lautet: bringt alle kleinen Kinder um, damit sie so schnell wie möglich zu ihrem tollen ewigen Leben gelangen können. Das wäre aber nicht im Sinne des Erfinders, und so hat jede eschatologisch ausgerichtete Religion Verbote zur Selbsttötung und Tötung anderer aufgestellt. Doch lassen wir diese Betrachtung mal außen vor, so stiftet auch ein jenseitsgerichtetes Leben im Diesseits wenig bis gar keinen Sinn. Es besteht sogar die Gefahr, diesseitigen real greifbaren Sinn (z.B. Gründung einer Familie, Selbstverwirklichung, Erkundung des Planeten etc.) zu Gunsten eines jenseitigen zu opfern.

Aus den gezeigten Beispielen lässt sich leicht erkennen, dass den Menschen innerhalb der Religion nicht wirklich ein Weg der Sinnsuche aufgezeigt, wohl aber abgeschmackte Sinntheorien vorgesetzt werden, die einer kritischen Prüfung nicht standhalten. Es werden durch die Religionen nur die Sinnfragen beantwortet, die von selbigen vorher aufgestellt wurden unter der Prämisse, dass die jeweilige Religion die absolute Wahrheit™ gepachtet habe.

Fazit aus dieser kleinen und selbstverständlich unvollständigen Analyse:
Wer auf billige Pseudosinnstiftung steht, der wähle Religion!
Leben, das Sinn hätte, fragte nicht danach.
(Theodor Adorno)

Samstag, August 09, 2008

Lieber SWR,

Ihr habt Freitag vergangener Woche die "lange Nacht des Übersinnlichen" gebracht. Angefangen habt Ihr diese mit der Wiederholung des Nachtcafés vom 11. Januar, bei dem mit Colin Golnder wenigstens noch ein kritischer Kopf (der, btw, neben dem Moderator das einzigen Highlights der Sendung war) in der Runde saß und den ganzen Hexen, Geistersehern und Engelsschwätzerinnen Paroli bieten konnte. Doch im Anschluss ging es gleich weiter mit der Dauerwerbesendung für Scharlatane aller Couleur.


Als nächstes brachtet Ihr einen dreiviertelstündigen Beitrag über "Rätselhafte Heilung", in welchem die Reporter völlig unkritisch und mit staunenden Augen durch einzelne Fälle spontaner Heilung stolpern und Betroffene mit ihrem Krebs ein "Abkommen schließen" und ähnlicher Schwurbel mehr. Hier vermittelt ihr eindeutig falsche Hoffnungen, denn die zig Todkranken, die eine derartige Behandlung nicht überlebt haben, habt ihr nicht aufgeführt.


Danach war noch "Die Geistheilerin von Lustadt" dran, sowie "Die Stimme in meinem Kopf" und noch, als wäre das noch nicht genug gewesen "Die Wahrsager von Mainz". Erneut drei Werbeplattformen, in denen die Protagonisten Behauptungen über ihren Scheiß hinausposaunen konnten, ohne dass auch nur ein Reporter eine kritische Frage gestellt hätte, jeder auch noch so abstruse Blödsinn wird als (gott)gegeben hingenommen. Einfach widerlich.


Als letzten Beitrag habt ihr dann noch über "Das Geschäft mit den Sternen" berichtet. Von der Dreiviertelstunde waren mindestens 30 Minuten Selbstdarstellung von seltsamen Sterndeutern (u.a. ein "Wirtschaftsastrologe" - viel blöder ging es nicht mehr!) gegen Ende hin vermischt mit einigen kritischen Stimmen v.a. gegen anonyme Astrologieanschreiben. Eine prinzipielle Kritik, dass Astrologie weder erklärt ist, es keine Studien gibt, die das "Funktionieren" von Astrologie bestätigen oder ein paar Anmerkungen, dass die These Millionen Lichtjahre entfernte Sonnen hätten Einfluss auf unser Leben jeglicher Vernunft widerspricht, suchte man vergebens. Stattdessen wieder nur Behauptungen, Behauptungen, Behauptungen.


Kritischen oder aufklärerischen Journalismus scheint ihr nicht ernst zu nehmen oder nicht zu kennen und wenn die Berichterstattung in einem Gebiet schon so miserabel ist, in welches ich mich ein bisschen eingelesen habe, wie unterirdisch ist es dann wohl in anderen Bereichen, denen ich noch nicht so viel Aufmerksamkeit widmen konnte? Das Nachtcafé war sehenswert (aber wiederholt), bei den restlichen Sendungen waren ca. 10 Minuten von über 3 Stunden einigermaßen gehaltvoll. Somit bewegt ihr euch langsam aber sicher auf das Niveau von Sendern wie Astro-TV (hier wird gezeigt, wie dieser funktioniert) & Co. nur unter dem Deckmäntelchen einer "öffentlich-rechtlichen Berichterstattung".


Doch ich muss euch dankbar sein, weiß ich doch wieder einmal, warum ich keine Fernsehgebühren bezahle.


Mit unesoterischen und -freundlichen Grüßen,


Po8

Freitag, August 08, 2008

Gerade bei der Selbstbeweihräucherung...

Hm... nach zweieinhalb Jahren habe ich es ja doch zum meinem 500. Beitrag geschafft. Ich denke niemand ist darüber verwunderter als ich selbst...


Neulich beim Vergleichen...

Allensbach führt eine Umfrage zum Thema Sterbehilfe durch und alle, alle druckten sie ab (oder so ähnlich). Nun ist es aber gerade interessant wie diese Meldung verwurstet wurde. Ich habe mal zwischen dem hpd (in blau) und der katholischen Realsatireseite (in rot) verglichen, teilweise mit erstaunlichen Einsichten:

Überschrift:

72 % der Bevölkerung für passive Sterbehilfe
Deutsche: Mehrheit für Euthanasie
Der Begriff Euthanasie (=guter Tod) hat an sich nichts verwerfliches, jedoch wurde dieser im dritten Reich missbraucht. Kath.net will anscheinend mit der bewussten Verwendung in der Überschrift genau diese Assoziation herstellen: Sterbehilfebefürworter = (verkappter) Nazi

Einleitender Satz:

Das Institut für Demoskopie Allensbach hat im Juli 2008 eine Umfrage zur Sterbehilfe durchgeführt und bestätigt die Ergebnisse früherer Umfragen: 72 % der Befragten sind für „passive Sterbehilfe" und 58 % für „aktive Sterbehilfe".
In einer Umfrage sprachen sich 58 Prozent für aktive Sterbehilfe aus. Unter Katholiken sind es rund 50 Prozent.
Gut, man muss sein Klientel im Auge behalten und anscheinend interessiert die katholische Seite eben nur oder vornehmlich, was die Katholiken machen - möchte man zumindest meinen.

Bild:

hpd zeigt eine Verkleinerung der Umfragegrafik
kath.net zeigt eine medizinische Spritze
Auch hier wird durch das medizinische Gerät ganz klar eine negative Konnotation mit der Thematik aufgebaut. Man "spritzt" Leute in den Tod, Assoziationen zur amerikanischen Todesstrafenpraxis oder zu diversen Praktiken der Naziärzte kommen in den Sinn.


Anmerkung zur Konfessionalität:

Hinsichtlich der Konfessionszugehörigkeit sind die Unterschiede nicht gravierend und folgen auch nicht den Verlautbarungen ihrer Kirchen. Auch 56 % der Evangelischen und 50 % der Katholiken sprechen sich für eine aktive Sterbehilfe aus.
Bei den Protestanten liegt der Anteil der Befürworter mit 56 Prozent nur knapp unter dem Bevölkerungsschnitt. Von den Katholiken ist jeder zweite für aktive Sterbehilfe. Fast zwei Drittel (65 Prozent) der Menschen anderer Religionszugehörigkeit oder ohne Konfession befürworten aktive Sterbehilfe.
Dadurch, dass die Umfrage nur zwischen römisch-katholisch, protestantisch und allem anderen Unterscheidet, ist das Exponieren der "65%" wenig zielführend, da ohne weitere Angaben zur Streuung um diesen Wert pro Weltanschauungsgemeinschaft keine Schlüsse gezogen werden können. Dagegen kann man bei den beiden christlichen Konfessionen davon ausgehen, dass hier wirklich eine Mehrheit (bzw. fifty/fifty) die Sterbehilfe befürworetet, obwohl dies im Gegensatz zu deren Glaubensvorstellungen steht. D.h. man könnte hier von einer leichten Überinterpretation der Ergebnisse durch kath.net sprechen.

Fazit:

Insofern entsprechen diese Meinungsbilder früheren Umfragen (2002), die ebenfalls eine Zustimmung in den genannten Größenordnungen ermittelten.
- nichts -
Der hpd lässt hier den Leser nicht im Regen stehen und zeigt auf, dass sich nicht wirklich etwas geändert hat (trotz der evtl. unglücklich formulierten Frage Allensbachs).

Resümee:
Ausgewogene Berichterstattung ist ein seltenes Gut geworden. Umso erfreulicher zu sehen, dass es noch immer den einen oder anderen Pressedienst gibt, für den dies nicht nur eine hohle Phrase ist.