Dienstag, Dezember 23, 2008

Damals 1598 in Würzburg...

Nachdem ja z.Zt. aktuell das von den Christen geklaute Weihnachtsfest in aller Munde ist möchte ich an dieser Stelle auf die Opfer der christlichen Hexenverfolgung in Würzburg 1598 hinweisen. Die Liste ist nicht vollständig, zeigt aber sehr schön, wer alles vom religiösen Wahn der Fanatiker getroffen wurde:
  • der Ratsdiener Gering
  • die alte Frau Kanzler
  • die dicke Frau des Schneiders
  • die Köchin von Herrn Mengerdorff
  • ein Fremder
  • eine Fremde
  • Baunach, ein Ratsherr, der dickste Bürger von Würzburg
  • der alte Hofschmied
  • eine alte Frau
  • ein kleines Mädchen, neun oder zehn Jahre alt
  • ein jüngeres Mädchen, ihre kleine Schwester
  • die Mutter der beiden zuvor erwähnten Mädchen
  • Lieblers Tochter
  • Göbels Kind, das schönste Mädchen von Würzburg
  • ein Student, der viele Sprachen beherrschte
  • zwei Knaben vom Münster, jeder zwölf Jahre alt
  • Steppers kleine Tochter
  • die Frau, die das Brückentor bediente
  • eine alte Frau
  • der kleine Sohn des Ratsbüttels der Stadt
  • die Frau von Knertz, dem Metzger
  • die kleine Tochter von Dr. Schultz
  • ein blindes Mädchen
  • Schwarz, Kanonikus in Hach
  • ...
Und jeder der morgen in christlicher Ergriffenheit die Kerzen auf einem Weihnachtsbaum anzündet, sollte zumindest den einen oder anderen Gedanken daran verschwenden, was - und vor allem wen! - seine Glaubensbrüder im Namen Christi noch so alles angezündet haben.

Freitag, Dezember 12, 2008

Neulich beim christlichen Marketing #12

Sören Kirkegaard (1813-1855)

Unique selling proposition: Gottes Dasein beweisen zu wollen, ist das Lächerlichste von allem.

Reason why: Entweder ist er da, und dann kann man es nicht beweisen (ebenso wenig wie ich beweisen kann, dass irgendein Mensch da ist; ich kann es höchstens jemanden bezeugen lassen, aber dann setze ich ja das Dasein voraus); - oder er ist nicht da, und dann kann es ja auch nicht bewiesen werden.

Supporting evidence: "Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin" (1 Kor 13,12), das heißt, nachdem man anerkannt hat, dass man sich erkannt hat.
Gott. So wie Du.



Franz Brentano (1838-1917)

Unique selling proposition: So wäre dann das unmittelbar Notwendige als ein einziges intelligentes Wesen erwiesen, und leich ist zu ersehen, dass es als unendlich vollkommener Verstand gedacht werden muss. Seine Erkenntnis ist allumfassend und fehlerlos.

Reason why: Alles ist mit allem verwandt, alles zeigt mit allem Analogie und wird von gewissen Gesetzen in gleicher oder ähnlicher Weise beherrscht.
Gott. Everywhere!


Bernardino Varisco (1850-1933)

Unique selling proposition: Der einzige und unmittelbare Gedanke ist Gott und der Mensch ist seine Kreatur.

Reason why: Der menschliche Gedanke ist ein Tun, gerade deshalb, weil es ein Denken ist: Das heißt, als Gott den Menschen schuf, hat er einen (ihm untergeordneten) Schöpfer geschaffen.
Gott. Your inspiration!



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Sonntag, Dezember 07, 2008

Neulich beim PASsen...

Ein immerwährender Dauerbrenner der Abtreibungsgegner bei Abtreibungsdiskussionen ist das sog. PAS oder "post abortion syndrome", unter welchem nach der Abtreibung auftretende psychische Probleme zusammengefasst werden. Dass es sich auch dabei nur um die übliche Propaganda aus der meist religiösen Ecke handelt, haben jetzt - wie man hier lesen kann - Wissenschaftler aus Baltimore herausgefunden. Dazu verglichen sie 21 Studien mit mehr als 150.000 Frauen und konnten keine Korrelation zwischen psychischen Störungen und Schwangerschaftsabbrüchen feststellen.

Das heißt jetzt natürlich nicht, dass Frauen, die Abtreiben keine solchen Störungen haben können, es heißt lediglich, dass auch Frauen, die nicht abtreiben oder überhaupt kein Kind haben/bekommen werden genauso häufig unter psychischen Dissonanzen leiden - und kann somit nicht als Argument gegen Abtreibung verwendet werden. Weiters äußert sich die Autoren:
"Die am hervorragensten durchgeführten Studien unterstützen die These einer Existenz des 'Post-Abortion-Syndroms', das dem post-traumatischen Stress-Syndrom ähneln soll, nicht", sagte Blum. Die validesten Ergebnisse der verglichenen Studien würden laut dem Leiter nahe legen, dass ein angenommener emotionaler Schaden als Entscheidungsfaktor in der US-Abtreibungspolitik keine Rolle spielen sollte. "Wenn es das Ziel sein soll, Frauen zu helfen, sollten wissenschaftliche Ergebisse nicht zum Zwecke politischer Ziele und Pogramme verfälscht werden", ergänzte Co-Autorin Vignetta Charles.

Doch es wird das (nichtvorhandene) PAS nicht nur politisch missbraucht, nein, durch die permanente Anti-Abtreibungsargumentation auf billigster und klischeehaftester emotionaler Ebene (Babycaust, Mord am ungeborenen Leben/Kind etc.) besteht imho sogar gerade die Gefahr, Frauen ein solches Syndrom erst zu verpassen.

Mittwoch, Dezember 03, 2008

Das Wort zum Sonntag #60

Thema heute:
Die Irrationalität religiöser Geburts- und Sterbeargumentation.

Wer kennt das nicht. Kaum geht es ums Gebären oder ums Sterben, schon hat man eine Handvoll Pfaffen, die sich darüber das Maul zerreißen. Der vorzeitige Abbruch des Gebärens ist genauso pfui-pfui wie die technische Beschleunigung des Sterbens. Doch warum häufen sich gerade in diesen beiden Feldern religiöse Pseudoargumente en masse?

Nunja... i.d.R. gehen Glaubensrichtungen davon aus, dass der jeweilige Gott alle Nase lang irgendwo die Finger im Spiel hat, also z.B. will, dass ein neuer Frauenhasser Kirchenlehrer wie Thomas von Aquin ("Der wesentliche Wert der Frau liegt in ihrer Gebärfähigkeit und in ihrem hauswirtschaftlichen Nutzen.") irgendwo das Licht der Welt erblickt. Eine Frau, die jetzt diesen embryonalen Zellklumpen entfernen lassen will (weil sie z.B. von einem Gläubigen vergewaltigt wurde) pfuscht gem. dieser Denkungsart in Gottes Handwerk. Die Idiotie, die hier dahintersteckt: Gott ist anscheinend in der Lage bestimmte Samen-Ei-Konstellationen zu "bewirken" aber nicht, eine Frau von der Abtreibung abzuhalten, also ein ohnmächtiger Allmächtiger. Hier muss natürlich der Anti-Abtreibungsfanatiker selbst Hand anlegen und einen Abtreibungsarzt erschießen, schwangere Frauen belästigen oder Mahnwachen vor Kliniken abhalten (denn dem allmächtigen Gott sind ja hier die Hände gebunden).

Doch stellen wir uns mal die umgekehrte Frage. Was würden wir, so wir allmächtig wären machen, wenn wir wollten, dass Verheiratete Kinder bekommen? Man würde einen Mechanismus einbauen, dass Unverheiratete gar keine Kinder bekommen können (oder alternativ, dass Sex vor der Ehe einfach keinen Spaß macht). Doch das Gegenteil ist der Fall, Sex (so gefährlich und belastend die Orgasmusgeschichte auch für den Organismus ist) macht i.d.R. immer und überall und in (fast) jedem Alter Laune.


Doch anscheinend ist Gott sogar Sadist genug, um sogar unverheirateten Frauen ein Kind als Strafe für ihre "Sünde" anzudrehen, wohl wissend, dass dies noch vor wenigen Jahrzehnten zu ihrer Ächtung führte (dem Mann passierte in einem Patriachat bzgl. sexueller bzw. nicht-homosexueller Vergehen eh nie etwas) und sie entweder unter Lebensgefahr abtreiben konnte oder sich (und ihrem Kind) das Leben versaute. Und was würden wir erwarten, so "verheiratet sein" einen evolutionären Vorteil bringen würde? Richtig, ebenfalls eine biologische Funktion (ähnlich der Menopause), die erst dann aktiviert wird, wenn man verheiratet ist. Beides ist nicht der Fall, folglich ist die "Heirat" ein komplett kulturelles Konstrukt und in etwa so "natürlich" wie ein Kondom - nämlich genauso menschgemacht.

Ähnlich blamabel sieht die Faktenlage aus, wenn es ans Sterben geht. Hier werden Menschen tage-, wochen- oder monatelang am Leben erhalten, weil der Schöpfer des Himmels un der Erde (so man der Argumentation der Gläubigen folgt) vergessen hat einen vernünftigen Aus-Knopf am Menschen anzubringen um diesen schnell und schmerzlos vom Diesseits ins Jenseits zu befördern. Und wenn man dann, als sabbernder Lappen in einem Krankenhausbett dahinvegetiert, künstlich ernährt wird und seine Liebsten kaum mehr erkennt, dann ist es ganz großes Pfui-Pfui, das selbstempfundene würdelose Dasein zu einem selbstbestimmten Zeitpunkt zu beenden, sondern man muss darauf warten, dass der Allerbarmer sich dazu herablässt einem den Stecker in Form von Organversagen oder Kreislaufkollaps herauszuziehen.


Und wiederum die Frage, wie würde ein Menschenfreund einen solchen Mechanismus implementieren, so dieser irgendwie notwendig wäre? Mir würde spontan ein "Feuerwerk" im Gehirn einfallen, d.h. noch einen letzten wunderschönen Trip und dann ist Feierabend zu einem zufälligen Zeitpunkt nach einem langen und schmerzfreien Leben. Wie würde wiederum die Lösung der Evolution aussehen, sofern schmerzloses und/oder glückliches Ableben einen selektiven Vorteil erbrächte?

Man kann also sehr deutlich erkennen, dass die Begründungen sich wie Fähnchen im Wind drehen. Wird abgetrieben haben Menschen böses gemacht, wird elendiglich und entwürdigend gestorben, so werden die Menschen geprüft usw.usf.. Diese Taktik kann man häufig, wenn auch wenig rhetorisch ausgereift, bei Kleinkindern beobachten. Daraus eine plausible Erklärung herzuleiten oder intersubjektiv verständliche Positionen darstellen zu können ist leider nicht möglich.
Es waren Typhusbazillen, Cholerabazillen, Starrkrampfbazillen, Schwindsuchtbazillen, Pestbazillen und einige hundert weitere Aristokraten, erlesene Schöpfungen, goldene Träger der Liebe Gottes zu den Menschen, gesegnete Gaben des zärtlichen Vaters an seine Kinder - alle mußten sie prächtig behaust und verpflegt werden.
(Mark Twain)