Mittwoch, Dezember 03, 2008

Das Wort zum Sonntag #60

Thema heute:
Die Irrationalität religiöser Geburts- und Sterbeargumentation.

Wer kennt das nicht. Kaum geht es ums Gebären oder ums Sterben, schon hat man eine Handvoll Pfaffen, die sich darüber das Maul zerreißen. Der vorzeitige Abbruch des Gebärens ist genauso pfui-pfui wie die technische Beschleunigung des Sterbens. Doch warum häufen sich gerade in diesen beiden Feldern religiöse Pseudoargumente en masse?

Nunja... i.d.R. gehen Glaubensrichtungen davon aus, dass der jeweilige Gott alle Nase lang irgendwo die Finger im Spiel hat, also z.B. will, dass ein neuer Frauenhasser Kirchenlehrer wie Thomas von Aquin ("Der wesentliche Wert der Frau liegt in ihrer Gebärfähigkeit und in ihrem hauswirtschaftlichen Nutzen.") irgendwo das Licht der Welt erblickt. Eine Frau, die jetzt diesen embryonalen Zellklumpen entfernen lassen will (weil sie z.B. von einem Gläubigen vergewaltigt wurde) pfuscht gem. dieser Denkungsart in Gottes Handwerk. Die Idiotie, die hier dahintersteckt: Gott ist anscheinend in der Lage bestimmte Samen-Ei-Konstellationen zu "bewirken" aber nicht, eine Frau von der Abtreibung abzuhalten, also ein ohnmächtiger Allmächtiger. Hier muss natürlich der Anti-Abtreibungsfanatiker selbst Hand anlegen und einen Abtreibungsarzt erschießen, schwangere Frauen belästigen oder Mahnwachen vor Kliniken abhalten (denn dem allmächtigen Gott sind ja hier die Hände gebunden).

Doch stellen wir uns mal die umgekehrte Frage. Was würden wir, so wir allmächtig wären machen, wenn wir wollten, dass Verheiratete Kinder bekommen? Man würde einen Mechanismus einbauen, dass Unverheiratete gar keine Kinder bekommen können (oder alternativ, dass Sex vor der Ehe einfach keinen Spaß macht). Doch das Gegenteil ist der Fall, Sex (so gefährlich und belastend die Orgasmusgeschichte auch für den Organismus ist) macht i.d.R. immer und überall und in (fast) jedem Alter Laune.


Doch anscheinend ist Gott sogar Sadist genug, um sogar unverheirateten Frauen ein Kind als Strafe für ihre "Sünde" anzudrehen, wohl wissend, dass dies noch vor wenigen Jahrzehnten zu ihrer Ächtung führte (dem Mann passierte in einem Patriachat bzgl. sexueller bzw. nicht-homosexueller Vergehen eh nie etwas) und sie entweder unter Lebensgefahr abtreiben konnte oder sich (und ihrem Kind) das Leben versaute. Und was würden wir erwarten, so "verheiratet sein" einen evolutionären Vorteil bringen würde? Richtig, ebenfalls eine biologische Funktion (ähnlich der Menopause), die erst dann aktiviert wird, wenn man verheiratet ist. Beides ist nicht der Fall, folglich ist die "Heirat" ein komplett kulturelles Konstrukt und in etwa so "natürlich" wie ein Kondom - nämlich genauso menschgemacht.

Ähnlich blamabel sieht die Faktenlage aus, wenn es ans Sterben geht. Hier werden Menschen tage-, wochen- oder monatelang am Leben erhalten, weil der Schöpfer des Himmels un der Erde (so man der Argumentation der Gläubigen folgt) vergessen hat einen vernünftigen Aus-Knopf am Menschen anzubringen um diesen schnell und schmerzlos vom Diesseits ins Jenseits zu befördern. Und wenn man dann, als sabbernder Lappen in einem Krankenhausbett dahinvegetiert, künstlich ernährt wird und seine Liebsten kaum mehr erkennt, dann ist es ganz großes Pfui-Pfui, das selbstempfundene würdelose Dasein zu einem selbstbestimmten Zeitpunkt zu beenden, sondern man muss darauf warten, dass der Allerbarmer sich dazu herablässt einem den Stecker in Form von Organversagen oder Kreislaufkollaps herauszuziehen.


Und wiederum die Frage, wie würde ein Menschenfreund einen solchen Mechanismus implementieren, so dieser irgendwie notwendig wäre? Mir würde spontan ein "Feuerwerk" im Gehirn einfallen, d.h. noch einen letzten wunderschönen Trip und dann ist Feierabend zu einem zufälligen Zeitpunkt nach einem langen und schmerzfreien Leben. Wie würde wiederum die Lösung der Evolution aussehen, sofern schmerzloses und/oder glückliches Ableben einen selektiven Vorteil erbrächte?

Man kann also sehr deutlich erkennen, dass die Begründungen sich wie Fähnchen im Wind drehen. Wird abgetrieben haben Menschen böses gemacht, wird elendiglich und entwürdigend gestorben, so werden die Menschen geprüft usw.usf.. Diese Taktik kann man häufig, wenn auch wenig rhetorisch ausgereift, bei Kleinkindern beobachten. Daraus eine plausible Erklärung herzuleiten oder intersubjektiv verständliche Positionen darstellen zu können ist leider nicht möglich.
Es waren Typhusbazillen, Cholerabazillen, Starrkrampfbazillen, Schwindsuchtbazillen, Pestbazillen und einige hundert weitere Aristokraten, erlesene Schöpfungen, goldene Träger der Liebe Gottes zu den Menschen, gesegnete Gaben des zärtlichen Vaters an seine Kinder - alle mußten sie prächtig behaust und verpflegt werden.
(Mark Twain)

Kommentare:

TAMMOX hat gesagt…

Nun könnte es ja so sein, daß Gott durchaus vor hatte noch ein bißchen an seiner Schöpfung zu feilen.
So einen Planeten erschafft man schließlich nicht jeden Tag und da schleichen sich eben diese Anfängerfehler ein.
Das Baumaterial scheint ja auch damals recht knapp gewesen zu sein, denn sonst hätte er ja die Frauen auch qualitativ hochwertig erschaffen können, anstatt auf Recycling zurück zu greifen, indem er eine alte Rippe von Adam benutzte.
Ich denke mal, daß sich eine Menge Konstruktionsfehler erst im Gebrauch zeigen. Auf dem Reißbrett sieht das zunächst ja immer erst mal gut aus.

In der Version 2.0 hätte es dann vermutlich einige Verbesserungen des Fortpflanzungsbetriebsprogramms gegeben - wie zum Beispiel den angemahnten Selbstausschaltknopf oder die „Schwangerschaft auf Wunsch“-Funktion.

Es gäbe da noch einiges mehr.

Beispielsweise sagen alle Orthopäden, daß das Knie eine Fehlkonstruktion ist. Das macht immer irgendwann Ärger und hält nicht. Zudem auch noch die ganzen Bänder, die kreuz und quer rumschwirren unter der Kniescheibe.

Die Emissions- und Treibstoffverbraucswerte sind auch nicht so doll.
Verdauungsstörungen, Blähungen und Fressgelüste - darunter hat doch beinahe jedes Model Homo Sapiens zu leiden.

Und was immer für ekeliges Zeug ausläuft! Das mit Schweiß, Eiter, Smega und sonstigen Sekreten muß ja nun auch wirklich nicht sein!

Und erst der Akku! Kaum läuft so ein Mensch mal 18, 20 Stunden, bricht er schon wieder zusammen und muß an die Steckdose..

Die Frage ist nur: WIESO hat Gott bisher noch keine Zeit zu einer Überarbeitung gehabt?
Ich denke es gibt zwei mögliche Erklärungen:
Entweder er fand den Entwurf doch SO schlecht, daß er lieber in einer andere Galaxie bei Null angefangen hat.
Oder aber er wollte durchaus noch mal ans Feintuning gehen, aber da waren dann schon die Christen entstanden und das hat ihn so beschämt, daß er jetzt noch in Schreckstarre verharrt und gar nicht mehr hingucken will.


LG
Tammox

Po8 hat gesagt…

Hehe.. ich glaube an der letzten Hypothese ist schon was wahres dran ;-)

.kroski hat gesagt…

Soviel Mist auf einem Haufen, es muss sich wohl um einen ...haufen handeln. Kalauernde Beiträge provozieren eben Kalauer.
+++
Hast du wirklich nichts besseres zu tun, als diesen Stuss ins Netz zu setzen?
+++
Gähn, ich hab's nach etwa 2 Absätzen bleiben lassen...

Po8 hat gesagt…

@.kroski
Und einen solch lahmar..igen Kommentar habe ich auch selten gelesen. Die Pluszeichen reißen ihn auch nicht raus, sondern sollen wohl nur Klasse vortäuschen, wo keine ist. Schade eigentlich...