Neuer Begriff, neues Glück - oder Unglück? Thema heute:
freie Marktwirtschaft
Interessanterweise denken viele, wenn dieser Begriff fällt, an die USA, an zügellosen Kapitalismus, Neoliberalismus, Ausbeutung usw., als könne man alles Schlechte, was es auf der Welt gibt in diesem Begriff unterbringen. Das Gute passt dann eher in die deutsche Variante, die "soziale Marktwirtschaft". Was Wikipedia dazu meint, kann man
hier nachlesen.
Mir geht es heute aber um die unterschwellige Unterstellung, in einer "freien Marktwirtschaft" wäre alles erlaubt. So wie manche der Meinung sind, in einer Anarchie herrschte Regellosigkeit, so meinen wahrscheinlich auch viele, wenn Angebot und Nachfrage über den Markt bestimmt werden, dann geschehe scheinbar einfach ein Wunder - the "invisible hand".
Dem ist aber nicht so. Jede soziale Struktur benötigt Regeln, egal ob es sich um einen Kindergarten, die Börse oder den Hamburger Fischmarkt handelt. Regeln sind normalerweise dazu da, wiederkehrende Verhaltensmuster zu beschleunigen. Wenn man z.B. in einen Zeitungskiosk geht, eine Zeitschrift nimmt und den passenden Betrag auf den Tresen legt, so gibt es eine Regel (in dem Fall sogar ein Gesetz), dass diesen Vorgang legitimiert. Gäbe es das nicht, müssten der Kioskbesitzer und der Zeitungskäufer erst mal einen Kaufvertrag zur gegenseitigen Rechtssicherheit aufsetzen. Eine weitere Regel, die noch keine intrinsische Absicht beinhaltet, sondern nur Rechtssicherheit herstellen soll wäre "pacta sunt servandae", also Verträge sind (gefälligst) einzuhalten.