Montag, Jänner 14, 2008

Neulich in Graz...

Komunalwahlen stehen in der steirischen Landeshauptstadt an und bei dieser Gelegenheit kommt aus dem rechten Lager, was man vom rechten Lager erwartet. Der Standard formuliert es so:

Der islamische Prophet Mohammed wäre mit heutigen Maßstäben gemessen ein „Kinderschänder“, außerdem sei er ein „Feldherr“, der den Koran in „epileptischen Anfällen“ geschrieben hätte. Der Islam sei ein„totalitäres Herrschaftssystem“ und gehöre „dorthin zurückgeworfen, wo er hergekommen ist, hinter das Mittelmeer“, zündelte Winter. Der Kärntner BZÖ-Landeshauptmann Jörg Haider mochte da nicht nachstehen. Er begrüßte seine Fangemeinde beim Neujahrstreffen in der Grazer List-Halle mit: „Grüß Gott – noch darf man ja ,Grüß Gott‘ sagen und nicht ‚Allah ist groß‘“. Darauf werde das BZÖ schon achten. Die nächsten Tage bis zur Grazer Wahl am Sonntag werden zeigen, wie und ob die anderen Parteien in Graz in der Lage sein werden, diesen Radikalismus noch einzufangen. Man darf daran zweifeln.
So sehr man Frau Winter bei ihrer Islamkritik rechtgeben muss, so sehr muss man dennoch den Ansatz kritisieren, mit dem FPÖ und deren Klon BZÖ daherkommen. Es geht nicht um eine allgemeine Religionskritik, um insgesamt weniger Religion in Politik und Gesellschaft (denn sonst hätte man z.B. mal den Religionsunterricht aus der österreichischen Verfassung streichen können), sondern um eine Separationspolitik. Dem (vornehmlich) katholischen Österreicher wird ein Gotteshaus mit Phallussymbol zugestanden, dem muslimischen Immigraten nicht. Mohammed wird als Kinderschänder bezeichnet (was so nicht ganz richtig ist, denn er war ja mit dem Kind verheiratet - das macht den Vorgang aber auch nicht besser), wohingegen die allsonntägliche Menschenfleischfresserei in den Kirchen mit keinem Wort erwähnt wird.

Deswegen ist eine umfassende Betrachtung des Themas Religion angezeigt. Zu oft werden z.B. die 10 Gebote als moralische Grundsätze angeführt, obwohl diese u.a. das inhumane Verhalten früherer Jahrhunderte legalisierten. Zu lange schon leisten säkulare Humanisten (zu denen ich viele getaufte Katholiken und auch Muslime zähle - denn man soll nicht den Fehler machen und gute Menschen mit der jeweiligen Religion verwechseln) abgaben an religiöse Institutionen, die für den Einsatz der finanziellen Mittel erbärmliche Ergebnisse liefern. Und viel zu lange werden unmündige Kinderhirne mit alten Ideen unter dem Deckmantel der "Wertevermittlung" vollgestopft, ohne dass kritisch hinterfragt wird, was der Wertemaßstab eines nomadisierenden Hirtenvolkes im 21. Jh. noch zu suchen hat (außer, dass er die Lebensgrundlage für diverse Röckchenträger Kleriker bietet).

Insofern kann man den grazer Wahlkämpfern nur Bertrand Russels Zitat ans Herz legen, denn wenn auch die Idee des Ansatzes nicht ganz daneben war, so war doch die Ausführung miserabel:
Manche Menschen würden eher sterben als nachzudenken. Und sie tun es auch.

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