Sonntag, Februar 18, 2007

Das Wort zum Sonntag #2

Wie letzte Woche angedroht, will ich mich - wie jetzt jedes Wochenende - einer Bibelstelle widmen, die, würden wir sie in einem anderen Buch lesen, Zweifel am geistigen Zustand des Verfassers bzw. Inspirators aufwürfe.

Thema heute:
Welche Vorfahren hatte Jesus?

Zu dieser Fragestellung gibt es zwei Stellen bei unterschiedlichen Evangelisten.

Der eine Evangelist ist Lukas (3, 23ff). Dieser zeigt auf, dass Jesus direkt von Gott abstammt indem er alle Väter zwischen Josef und Gott aufzählt. Das hört sich dann auszugsweise so an:
Und Jesus war, als er auftrat, etwa dreißig Jahre alt und wurde gehalten für einen Sohn Josefs, der war ein Sohn Elis, der war ein Sohn Mattats, der war ein Sohn Levis, der war ein Sohn Melchis ... [etc. blablubb] ... der war ein Sohn Adams, der war Gottes.
Der zweite Evangelist ist Matthäus (1, 1ff). Er trägt zwar nicht ganz so dick auf wie Lukas und verfolgt die Ahnenreihe "nur" bis Abraham, jedoch hat er diese zur Einleitung seines Evangeliums erkoren und das lautet so:

Dies ist das Buch von der Geschichte Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams. Abraham zeugte Isaak. Isaak zeugte Jakob. Jakob zeugte Juda und seine Brüder. Juda zeugte Perez ... [etc. blablubb] ... Jakob zeugte Josef, den Mann der Maria, von der geboren ist Jesus, der da heißt Christus. Alle Glieder von Abraham bis zu David sind vierzehn Glieder. Von David bis zur babylonischen Gefangenschaft sind vierzehn Glieder. Von der babylonischen Gefangenschaft bis zu Christus sind vierzehn Glieder.

Nun, wie man schon sieht haben die Beiden Schreiber sich vom heiligen Geist in unterschiedlicher Sortierung inspirieren lassen, d.h. Lukas geht von Jesus aus zurück, währen Matthäus bei Abraham beginnt. Folglich habe ich die Namen mal tabellarisch gegeneinander gestellt, was man hier bewundern kann (oder auf das Bild klicken). Zur besseren Übersichtlichkeit habe ich Übereinstimmungen grün, und Kontradiktionen rot markiert.

Lediglich 18 Namen stimmen überein. Lukas bringt mehr und vor allem auch ganz andere Namen zu Tage als Mattäus. Weiters kann Matthäus noch nicht einmal richtig zählen, denn wie er selbst schreibt, sind es 3 x 14 Generationen bzw. "Glieder", was dem Kopfrechenfreak ein erstauntes 42 entlockt (und ganz nebenbei die Antwort auf das Leben, das Universum und überhaupt alles ist ;-) ). Ein paar Sätze zuvor hat aber Matthäus nur 41 "Glieder" aufgezählt und sich somit im ersten Absatz seines ersten Kapitels selbst widersprochen.

D.h. für einen unbefangenen Leser ergeben sich nun folgende Erklärungsmöglichkeiten:
1. Die Bibel hat recht, spricht die Wahrheit und wir müssen all das, was wir über Biologie, Vaterschaft und Vererbung wissen über Bord werfen oder
2. Hier wurde fromm geflunkert (oder absichtlich gelogen) um einen bestimmten Effekt zu erzielen und die Bibel sagt an mindestens einer Stelle nicht die Wahrheit.

Die kritische Theologie (die übrigens vom Wahrheitsanspruch der Bibel schon lange abgerückt ist) erklärt sich die beiden Genealogien so, dass es für die Schreiber wichtig war, Jesus im Geschlechte Davids zu wissen, da sich nur daraus ein Anspruch als König der Juden ableiten ließe.

Was aber selbst jedem Gläubigen sauer aufstoßen müsste, dass Jesus lt. gängiger Meinung ja vom heiligen Geist selbst gezeugt wurde und zwar derart, dass der Hymen Mariens nicht verletzt wurde, sie also noch Jungfrau war. Was interessieren in diesem Zusammenhang die Vorfahren Josefs? War er vielleicht doch nicht ganz unbeteiligt?

Zusammenfassung
Wir haben hier zwei Texte, die sich in ihrer Aussage - und hier werden nur Namen aufgezählt - logisch widersprechen (der eine sogar in sich selbst) und auch für die gängige Glaubensmeinung (Jungfrau Maria) vollkommen irrelevant sind, diese sogar konterkarieren! Die These, dass die Bibel die absolute Wahrheit ist bzw. sagt ist hiermit unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten widerlegt, denn schließlich genügt ein Gegenbeispiel um eine These zu kippen.
Diese Evangelien kann man gar nicht behutsam genug lesen.
(Friedrich Nietzsche)

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Lieber po8, du wirst gleich zum po-seven degradiert. wenn du bei arte die archäologischen erkenntnisse über die bibel gesehen hättest, wüßtest du, dass vom buch der bücher sich weniger nachweisen lässt als vom niebelungenlied. dort ist wenigstens könig etzel als attila eine historisch belegte figur. die quintessenz vom alten testament: nichts läßt sich historisch irgendwie nachweisen.
weise erst die authentizität des AT nach, dann belächle die evangelisten.
YS
HD

Po8 hat gesagt…

Lieber HD,
mir sind die historischen Fakten durchaus bewusst, jedoch geht es weniger um die historische Richtigkeit als um die Widersprüchlichkeit innerhalb des eigenen Systems (wie ich in meiner Einleitung geschrieben habe.

Aber keine Sorge, das AT kommt auch noch dran ;-)