Dienstag, Dezember 12, 2006

I-Gitt...

Seltsam, auf welche Skurilitäten man stößt. So weiß ich jetzt, dass es einen Werner Gitt gibt, der noch dazu ganz dolle Texte zum Thema Denken und Glauben herausgibt (über die er selbst wahrscheinlich nicht lange oder unvoreingenommen genug nachgedacht hat).

Weiters nennt sich Gitt auf seiner Homepage ungerechtfertigterweise "Prof.". Dieser Titel wurde ihm damals aus seiner Funktion heraus erteilt. Er hatte nie eine Professur, also ein Lehramt inne. Man muss nicht viel bösen Willen aufbringen, um zu sehen, dass dies nur eine Masche ist, um sich zusätzliche Autorität zu verschaffen, heißt doch einer seiner pdf-Texte "12 Fragen an Prof. Gitt". Vielleicht sollte man ihm mal sagen, dass lt. StGB auf Amtsanmaßung bis zu zwei Jahre Zuchthaus stehen. Doch selbst wenn das nicht greift, so mangelt es ihm schon beim eigenen Namen an Redlichkeit.

Man kann sich dort wahllos einen pdf-Artikel rausgreifen und wird sehen, dass hier bestenfalls noch stark behauptet, schlimmstenfalls aber pseudowissenschaftliche Schlüsse gezogen werden. Die folgende Passage beschreibt z.B. recht schön, wie es angefangen hat, als man ihm ins Hirn geschissen hat Gitt anfing zu glauben:
Es war für mich ein Schlüsselerlebnis, als ich zum Glauben gekommen war und dieses Wort in der Bibel gelesen habe. In Kombination mit dem Zeugnis Jesu „Ich bin die Wahrheit“ fand ich den Zugang zur ganzen Bibel als dem Wort der Wahrheit. Jesus hat sich immer wieder zu den Schriften des Alten Testamentes bekannt, und er ermahnte seine Zuhörer immer wieder neu: „Habt ihr nicht gelesen? Es steht geschrieben!“ Daran wurde mir klar: Wenn derjenige, der die Wahrheit ist, sagt, dass alles wahr ist, was in den Schriften geschrieben steht, dann ist durch ihn die ganze Bibel autorisiert, also auch das Alte Testament mit seinen zentralen Aussagen zur Schöpfung und zur Urgeschichte der Menschheit. Das war für mich ein Durchbruch, auch das gesamte Alte Testament konnte ich in einem Schlag annehmen.
Also halten wir fest: wenn der, von dem ein altes Buch behauptet, dass er die Wahrheit ist, sagt, dass alles im alten Buch wahr ist, dann muss es natürlich so sein, sonst würde seine zirkuläre Logik nicht funktionieren - logisch, oder?

Somit hat sich Gitt sein wunderbares Wolkenkuckucksheim gebaut, behauptet seitedm überall, dass die Erde nicht viel älter als 10.000 Jahre sein kann und schwadroniert z.B. mit unglaublicher mathematischer Präzision darüber, wie die 3000 (und ein paar Zerquetschte) Prophetien der Bibel alle alle in Erfüllung gegangen sind (obwohl z.B. dieser Telepolisartikel erklärt, warum keine einzige wirklich "in Erfüllung" ging) und selbst der Theologe Hirsch sagt
»Der Weissagungsbeweis ist für uns abgetan. Wir wissen alle, daß er nicht stimmt«
Alle? Nein, ein alternder Pseudoprofessor wehrt sich wehement, sogar gegen theologische Erkenntnisse, und glaubt alles besser zu wissen.... igitt.

Kommentare:

SirLegolas hat gesagt…

1. seh ich nicht, wo Gitt Etikettenschwindel betreibt. Den Titel des Professors hat er länger als 5 Jahre getragen, darf ihn also behalten, und dass er ein Lehramt innehatte, hat er nie behauptet.

2. im NT wird behauptet, Jesus sei die Wahrheit. Jesus behauptet, das AT enthalte die Wahrheit. Da ist nichts mit zirkulärer Logik, du oller Wortverdreher.

3. Klaus Schmeh ist ungefähr genauso glaubwürdig wie Werner Gitt. Da erklärt er mal im Vorbeigehen den Evangelisten Matthäus zum Lügner, nur damit er sich nicht die Mühe machen muss, vernünftig zu argumentieren. Das nenn ich mal Objektivität ;)

Knapp vorbei ist auch daneben, wie mein alter Lehrmeister immer gesagt hat. Ich les deinen Blog übrigens trotzdem sehr gerne *winkt*

Po8 hat gesagt…

zu 1)
Bitte mal hier, hier, hier oder hier nachlesen, wie sich das mit dem Titel "Direktor und Professor" verhält. Und wenn er das mit dem "Prof." schon nicht lassen kann, dann bitte "Prof. a.D." ;-)

zu 2)
Wenn Goethe in Faust II schreibt, dass Faust I die Wahrheit enthält, ist das dann auch nicht zirkulär?

zu 3)
Der Umfang des NT wurde definitiv erst gegen Ende des 4. Jh. bestimmt (Rom 382, Hippo Regius 393 und Karthago 397 und 419). Ab da galten sie als "kanonisch" und bis dahin wurde fromm extrapoliert, weggelassen oder Unpassendes passend gemacht, ganz in der Tradition der Antike, weswegen es heute zig Lesearten der Bibel gibt.

»Die Tatsache, daß der neutestamentliche Text in dieser Periode seiner Entwicklung starke Veränderungen erlitten hat, zum Teil einer förmlichen Verwilderung unterlegen ist, kann nur die Unwissenheit leugnen«.
(Jülicher, Theologe)

Trotzdem vielen Dank für das kritsche Mitlesen ;-)

Sir Legolas hat gesagt…

zu 1: ok, ich wusste nicht, dass es da anders geregelt ist. WIKI drückte sich da nicht klar aus.

zu 2: Bei der Bibel hast du aber verschiedenste Autoren, nicht nur einen.

Egal, ich wollte ja auch nur den advokaat Tivoli spielen