Sonntag, September 30, 2007

Das Wort zum Sonntag #32

Thema heute:
Warum funktioniert Gott als "erste Ursache" nicht?

In vielen Religionen, so auch im Christentum oder dem Islam, hört man immer wieder die gleiche Leier. Die Wissenschaft kann nicht erklären woher wir kommen, was sozusagen der erste Grund für das menschliche Leben, das Leben überhaupt, die Erde oder das Universum wäre, da es aber einen solchen Grund bzw. Ursache geben müsse, weil schließlich alles eine Ursache habe, so müsste eben letztendlich das Universum auch einen solchen besitzen und dieser sei nun eben Gott.

Mal abgesehen davon, dass man, selbst wenn man eine "erste Ursache" für das Universum unterstellte, nicht zwangsläufig auf einen Gott, geschweige denn auf einen bestimmten Gott schließen kann, so ist die weit wichtigere Frage, die sich sofort anschließen muss, diejenige, was denn dann die Ursache für Gott wäre. Denn wenn nichts ohne Ursache existieren kann (infinite Regression), so kann dann per definitionem auch Gott nicht ohne Ursache, also unverursacht existieren, da man ansonsten eine Ausnahme für die zuvor aufgestellte Regel definiert hätte.

Dies wird aber alle Nase lang gerne gemacht. Diverse Kleingeister sprechen dann gern vom "unbewegten Beweger" oder vom "unverursachten Verursacher" (einer der Fehler Aristoteles, die aber dann bereitwillig von Thomas von Aquin, dem Kirchenlehrer, auf den sich noch der Wojtyla-Papst stützte, aufgenommen und zu einem seiner "fünf Gottesbeweise" verwurstet wurde), was aber letztendlich nichts anderes ist, als die zuvor eingeführte unendliche Kausalkette an einer Stelle willkürlich abzubrechen.

Als weitere Folge, nämlich wenn Gott unverursacht existieren könnte, so liegt der Verdacht nahe, dass es evtl. noch mehr Dinge gibt, die "unverursacht" existieren und somit könnte man mit derselben Gültigkeit behaupten, dass z.B. das Universum ohne Ursache zu existieren begann.

D.h. gerade wenn die Gottheit der Gläubigen dafür herhalten muss, den Anfang (noch dazu ohne jeglichen empirischen Beleg!) zu erklären, kommt nichts weiter als Geschwurbel dabei heraus, denn der Scheinerklärer steckt in einem Dilemma (bzw. genauer im Münchhausen-Trilemma, das z.B. Hans Albert in seinem "Traktat der kritischen Vernunft" darstellt). Entweder er landet bei einer infiniten Regression, also alles hat eine Ursache, somit hätte auch Gott eine Ursache z.B. den Ur-Gott und dieser wiederum eine Ursache, nämlich den Ur-Ur-Gott usw., oder er bricht die Kausalkette willkürlich an einem bestimmten Punkt ab ("Gott sei die erste Ursache"), widerlegt aber damit zugleich seine Ausgangsbasis ("nichts geschieht unverursacht") und hat somit hauptsächlich heiße Luft produziert.
Wenn die meisten sich schon armseliger Kleider und Möbel schämen, wieviel mehr sollten wir uns da erst armseliger Ideen und Weltanschauungen schämen.
(Albert Einstein)

Kommentare:

Fischer hat gesagt…

Das ist ein ganz wesentlicher Punkt, weswegen ich nur leise Lachen kann, wenn jemand die Theologie als Beweis zitiert, dass Vernunft und Glauben sich nicht widersprechen müssen.

Wie soll man eine vernunftbasierte Argumentation von jemandem akzeptieren, der nicht mal ne reductio ad absurdum zu erkennen in der Lage ist. Die Vernunft im Glauben stirbt schon am Unbewegten Beweger.

Po8 hat gesagt…

Die Vernunft im Glauben stirbt schon am Unbewegten Beweger.

Damit bringst Du mich auf eine neue These: nur wer es schafft diese intellektuelle Hürde zu reißen, sprich die logische Unmöglichkeit des Dargestellten als "logisch" zu begreifen, der darf überhaupt weiterglauben. Evtl. ist das ja so eine Art natürliches Selektionskriterium? ;-)

Fischer hat gesagt…

Ich denke nicht. Die "intellektuelle Hürde" geht ja erst auf den Versuch zurück, den Glauben mit streng rationaler Argumentation vereinbar zu machen.

Dieser Ansatz ist der Religion absolut wesensfremd und durch die Gegebenheiten erzwungen.

Im religiösen Weltbild sind Vernunftmethoden zwar durchaus zu finden, aber nur ein Ansatz unter vielen, der in Betracht gezogen kann aber nicht muss.

Dieses Weltbild steht aber neuerdings in Konkurrenz zum modernen, auf Vernunftmethoden basierten Weltbild. Durch die Durchdringung des Alltags durch Wissenschaft und Technik, die ja auf rationalen Methoden als absolutem Maßstab basieren, ist ja der Nachweis für die Gültigkeit der Vernunft als absoluten Maßstab erbracht - sonst würd's nicht funktionieren.

Der Gläubige hat jetzt drei Möglichkeiten, darauf zu reagieren: Entweder durch eine konzeptionelle Zweiteilung der Welt in einen Bereich, in dem rationale Argumente absolut gelten und in einen, in dem das nicht gilt, die Eingliederung der Religion in diesen absoluten Maßstab, oder aber er ignoriert das Problem - die häufigste Methode.

Die Kirche als "Welterklärungsinstitution" kann Methode drei nicht nutzen, sie muss sich mit dem Weltbild-Problem befassen. Verwerfen, wie es der radikale Islam tut, kann sie die modernen Ideen nicht mehr, dazu hat sie viel zu sehr selbst zu ihnen beigetragen.

Also muss sie auf ihr inzwischen fremden Terrain entweder Methode eins oder Methode zwei verfechten, und beides funktioniert nicht besonders gut.

Die von dir zitierte Hürde ist einfach der Haken an Methode zwei, und kein der Religion eigener Mechanismus.

Po8 hat gesagt…

"Also muss sie auf ihr inzwischen fremden Terrain entweder Methode eins oder Methode zwei verfechten, und beides funktioniert nicht besonders gut."

Ich vermute Du kennst da die Catholica schlecht... ;-)

Denn diese hat in der Enzyklica "Gaudium et Spes" 1965 verkündet:
"Vorausgesetzt, dass die methodische Forschung in allen Wissensbereichen in einer wirklich wissenschaftliche Weise [...] vorgeht, wird sie niemals in einen echten Konflikt mit dem Glauben kommen"

D.h. die Kirche hat alle Widersprüchlichkeiten per definitionem auf die Seite der Wissenschaft abgewälzt, niemals ist der Glaube falsch, es kann nur die "methodische Wissenschaft" falsch liegen! D.h. es liegt eigentlich nie ein Widerspruch vor, sondern die Forschung hat nur falsch geforscht.

Und um nochmal die Brücke zum "unbewegten Beweger" zu schlagen, diese These wird ja nicht deswegen abgelehnt, weil sie logisch nicht funktioniert, sie also im Widerspruch zur Logik steht, sondern weil der profane Atheist gar nicht begreifen kann wie wunderbar doch so ein (erfundener) Gott funktioniert und wie unverstehbar für unseren Kleingeist doch so ein "Geheimnis des Glaubens" ist.

Und ist's auch Wahnsinn, so hat es doch System ;-)