Donnerstag, Oktober 24, 2019

Neulich in der SpielHalle...

Ein, aus meiner Sicht, recht guter Artikel zu der aufgekommen Diskussion zwischen den Morden in Halle und der Gaming/Gamer Szene.

Es gibt "toxische" Computerspiele, sagen nun alle. Und haben Recht damit. Die gibt es. Und jetzt? Dummerweise erlernte der Täter das Schießen aber nicht "toxisch" am heimischen Bildschirm, sondern bei der Bundeswehr.

Es ist wirklich ein Unding, dass seitens der Politiker Computerspiele jedes mal dafür herhalten müssen um irgendwelche Gräueltaten verstehbar zu machen. Die Welt ist nur leider nicht so linear und binär, als dass man sie in gut und böse einteilen könnte oder dass eine gewisse Softwareapplikation einen zum (Massen)Mörder werden lässt. Dahinter steckt die dämliche Annahme, dass wenn jemand etwas macht, was so aussieht wir im richtigen Leben, dass das auch der Grund dafür ist, dass er das im richtigen Leben macht.

Das ganze erinnert fatal an den Cargo-Kult, bei welchem indigene Völker im pazifischen Raum der Meinung waren, wenn sie nur genau nachahmten, wie ein Flugplatz funktioniert, dass dann wieder eine von den tollen Versorgungsmaschinen landete, die das viele Cargo dabei hätte. Insofern bastelten sie Kopfhörer aus Holz, einen Tower dazu und taten so als ob sie funkten.

Die Attentäter von 9/11 hatten auch Flugstunden genommen und (wahrscheinlich auch) mit Flugsimulatoren trainiert. Nur hat der Flugsimulator sie nicht zu religiös-fanatischen Idioten gemacht. Dafür braucht es leider immer noch reale Menschen, das haben Maschinen/Computer noch nicht so drauf - vielleicht in der Zukunft irgendwann...






Samstag, Oktober 12, 2019

Neulich beim E-Scootern Öl-Scootern...

Das Oktoberfest ist mal wieder vorbei, Gott sei Dank, könnte man als gläubiger Mitbewohner dieses Planeten dann noch anhängen...
Umso lustiger, dass die E-Scooter-Plage hier in München dann noch folgendes produziert hat:
Laut eigener Mitteilung stellte die Münchner Polizei 774 Alkoholfahrten fest, davon 414 bei E-Scooter-Fahrern. 254 Scooter-Nutzern wurde der Führerschein entzogen. Auch bei den 21 Unfällen im Zusammenhang mit E-Scootern auf der Wiesn waren 13 Fahrer alkoholisiert. Insgesamt wurden 15 Menschen dabei verletzt. (hier der ganze Artikel)
Was bedeuten diese Zahlen nun? Bei geschätzten 6 Mio. Besucher dieses größten Volksbesäufnissesfestes wurden 414 Leute mit E-Scootern erwischt. Die Wiesn geht ca. 2 Wochen, das bedeutet bei 14 Tagen ca. 450.000 Besucher pro Tag.

Gehen wir davon aus, dass 30% mit einem Fahrzeug kommen, so wären das 150.000 potentielle Opfer einer Alkoholkontrolle pro Tag. Gehen wir weiter davon aus, dass einer von 10 Leuten alkoholisiert mit dem Fahrzeug unterwegs ist (das entspricht in etwa der Bevölkerungszahl, die in .de nicht mit Alkohol umgehen kann). D.h. 15.000 hätte man theoretisch pro Tag erwischen können, ca. 50 hat man erwischt. Angesichts der Besucherzahlen pro Tag ergibt das eine Quote von 0,01 Promille. Also alles wie gehabt, man wird quasi so gut wie nicht besoffen beim Fahren von was auch immer erwischt... 😜

PS: der Titel ist natürlich einer österreichischen Begrifflichkeit geschuldet...

Freitag, Oktober 04, 2019

Neulich beim in die Röhre Schauen...

Ich habe für dieses und dieses Video innerhalb der letzten 5 Jahre ca. 360 hits bekommen, d.h. überschlagsmäßig waren das ein Aufruf alle 5 Tage. Insofern kann man mir wirklich nicht Kommerzialität vorwerfen....

Vor ein paar Monaten habe ich diese Geschichte hier vertont und jetzt auch noch mal in die Röhre gestellt. Einen Durchbruch erwarte ich nicht mehr, aber vielleicht gefällt es ja dem/der einen oder anderen 😉


Sonntag, September 29, 2019

Das Wort zum Sonntag #65

Thema heute: Religiöse Argumentation

Ich bin zufällig in einem alten Spiegel von 2015 über ein Interview gestolpert, welches das Blatt mit dem britischen Astrophysiker Ben Moore und dem Hamburger Pastor Johann Hinrich Claussen geführt hatte (und welches sogar hier eingesehen werden kann).

Dabei nimmt es schon fast kafkaeske Züge an, wie Claussen sich um jede existentielle Frage drückt. Man hat weniger Probleme dessertcremeartige Nachspeisen an die Wand zu nageln. Wobei man aber auch schamvoll zugeben muss, dass sich die beiden anderen Parteien (Spiegel & Moore) nicht besonders geschickt anstellen, obwohl es manch guten kritischen Ansatz gibt, der das Interview in toto lesenswert macht.

Hier ein Beispiel:
Moore: […] Ich würde also hinzufügen: Versucht nicht, andere von euren Ideen zu überzeugen, denn damit richtet ihr Katastrophen an, dann geht es plötzlich um Kontrolle, um Gehirnwäsche.  
SPIEGEL: Richten Sie Katastrophen an, Herr Claussen?  
Claussen: Jede Art der Kultur ist ambivalent, in allem steckt das Gute und Böse.  
SPIEGEL: Auch in der Religion?  
Claussen: Natürlich. Im Journalismus übrigens auch.  
SPIEGEL: Okay.
Das "Gute" und das "Böse" ist eine subjektive Qualifikation. Claussen entzieht sich der Antwort auf die Frage, indem er es von der Religion im Besonderen zur Kultur im Allgemeinen lenkt und dann auch noch dem Journalismus Gutes und Böses unterstellt. Seine Meinung, ob Religion nun für Katastrophen verantwortlich ist (wie z.B. die Massaker in Ruanda) bleibt unbeantwortet.

Etwas später geht es dann um die Wurst. Moore stellt dar, dass alles (auch die Liebe) nur chemischen Abläufen geschuldet ist, daraufhin geht es dann so weiter:

Moore: Ja, natürlich. Eine Nervenzelle ist ein komplexes Gebilde, aber man kann nachvollziehen, wie sie funktioniert. Und Gefühle sind eine molekulare Interaktion, Hormone führen dazu, dass wir uns gut fühlen oder schlecht.
SPIEGEL: Stimmen Sie zu, Herr Claussen?
Claussen: Natürlich nicht. Ich widerspreche entschieden. Sie simplifizieren alles.
Moore: Wieso das?
Claussen: Weil Menschen Gedanken haben und Gefühle. Wie wollen Sie die Selbstwahrnehmung, das Selbstbewusstsein des Menschen mit diesem Modell verstehen? Sicher, jedes Gefühl, jeder Gedanke ist mit einem materiellen Prozess im Gehirn verbunden, lässt sich aber nicht auf diesen reduzieren.
Moore: Es gibt keinen Beweis dafür, dass noch andere Faktoren im Spiel sind.
Claussen: Die Frage, wie man sich bewusst zu einem Gegenstand verhält, wie man ihn interpretiert und versteht, geht doch weit über neurophysiologische Reaktionen hinaus. Wahrscheinlich würde uns ein Philosoph des Bewusstseins, jemand wie Immanuel Kant, jetzt helfen können, er würde zwischen Ihnen und mir vermitteln.
Moore: Ein Philosoph würde hier auch nichts ausrichten können. Ich spreche von Wissenschaft. Sie sprechen von irgendeinem merkwürdigen Ding, das in unseren Köpfen herumspuken soll und für dessen Existenz ich keinerlei Beweise habe.
Claussen: Das ist kein Ding, sondern eine Dimension, wie wir die Welt betrachten. Naturwissenschaft kann nicht alles erklären.
SPIEGEL: Wer ist für diese Dimension verantwortlich? Gott?
Claussen: Mhm.
Moore: Glauben Sie eigentlich an Gott? Sorry, dass ich Sie jetzt so direkt frage: Glauben Sie zu 100 Prozent an ihn oder zu 99,9 Prozent? Haben Sie vielleicht auch Zweifel?
Claussen: Ich glaube an ihn, und ich habe Zweifel.
Moore: Sie wachen morgens nicht auf und denken: Ach, so ein Mist, das macht doch alles gar keinen Sinn?
Claussen: Nein, mein Glaube an Gott ist ein wesentlicher Teil meiner Beziehung zu dieser Welt.
Moore: Welche Aufgabe hat Gott in Ihrer Welt? Wenn Gott Ihrer Meinung nach weder den Menschen geschaffen hat noch das Universum: Welche Rolle bleibt ihm da noch?
Claussen: Ich glaube fest daran, dass es da etwas Bedingungsloses gibt in dieser Welt, etwas, das wunderschön ist, wahr und gut, etwas, was mich innerlich berührt und durch mein Leben führt. 
Leider lenken die beiden Interviewer des Spiegel dann vom Thema ab. Es wäre doch wirklich interessant zu erfahren, wie man sich etwas "Bedingungsloses" in einer Welt vorzustellen hat, in der bislang wirklich alles, was uns soweit untergekommen ist, bedingt ist. Selbst bei für uns "scheinbar" bedingungslosen Ereignissen (z.B. in der Quantenphysik) liegt die Vermutung nahe, dass sich uns die Abhängigkeiten für solche Ereignisse noch nicht vollumfänglich erschlossen haben. Claussen bemüht auch hier die Argumentation, die man ad nauseam aus der esoterischen Ecke kennt: alles ist irgendwie mehr als die Wissenschaft erkennt, ein Gedanke ist nicht nur eine komplexe bio-elektro-chemische Schaltung im Gehirn, sondern da kommt noch etwas on top... zwar gibt er zu, dass ursächlich die biologische Reaktion notwendig ist, aber aus seiner Sicht nicht ausreichend. Auch hier hätte Moore und/oder der Spiegel etwas mehr festnageln sollen. Was kommt denn dazu? Was muss hier dazugeschwurbelt werden?

Man sollte nie so dumm sein und Kleriker unterschätzen. Diese sind es von Berufs wegen gewohnt, den größten Teil ihres Lebens im Doppeldenk zu verbringen. Moore und die Damen & Herren vom Spiegel sind ja nicht die ersten Un- oder Weniggläubigen, die Claussen über den Weg laufen. Diese zweifelnden Fragen sind ja das Brot- und Buttergeschäft eines jeden Seelsorgers. Claussen hat sich gut geschlagen (die Gegenspieler hätten evtl. etwas früher aufstehen müssen 😉) und somit wahrscheinlich seine aktuelle Aufgabe als Kulturbeauftragter der EKD verdient...
"Theology is the effort to explain the unknowable in Terms of the not worth knowing." - H.L. Mencken 
 

Montag, September 16, 2019

Dienstag, September 10, 2019

Neulich beim alten Potter...

Gut, über die literarische Qualität der Harry Potter Bücher kann man geteilter Meinung sein (hatte ich ja schon mal kundgetan). Ich sehe das ähnlich wie die Dan Brown Bücher (Sakrileg usw.), gute Popcorn-Literatur, aber nicht nobelpreisverdächtig.

Umso interessanter ist es, dass Frau Rowlings Fantasie anscheinend tatsächlich wirkt. Zumindest im Kopf von Pastor Dan Reehil, der sich, gem. dieser Meldung zufolge, nicht entblödete zu sagen:

Man sei zu dem Schluss gekommen, dass "die Flüche und Zaubersprüche in diesen Büchern echt sind und, wenn sie von einem Menschen gelesen werden, böse Geister heraufbeschwören könnten".

Listen wir mal die Annahmen auf, die hinter so einem Statement stecken:
  • es gibt Geister
  • eine gewisse Anzahl dieser Geister ist "böse"
  • Geister können beschworen werden, wenn Menschen etwas lesen
  • es gibt Flüche
  • es gibt Zaubersprüche
  • Flüche und Zaubersprüche können "echt" oder "unecht" sein
D.h. selbst in einer so kurzen Meldung sind schon 6 Annahmen enthalten, die beleglos von unserem amerikanischen Röckchenträger in die Welt posaunt werden. Doch werfen diese Annahmen noch weitere Fragen auf, nämlich:
  • Wie kann man einen bösen von einem guten Geist unterscheiden? Am besten noch "bevor" man diesen durch das Lesen eines Harry Potter Buchs beschworen hat...
  • Genügt für die Beschwörung stilles Lesen oder müssen die Flüche und Zaubersprüche laut vorgelesen werden? Falls ja, wie erklärt man sich die unterschiedliche Wirkung?
  • Wie kann man einen echten Fluch/Zauberspruch von einem unechten unterscheiden?
  • Wurden jemals empirische Versuche zur Geisterbeschwörung mittels Harry Potter Romanen unternommen?
Und wer jetzt der Meinung ist, diese Frage stelle sich ja nicht, da man das nicht so ernst nehmen solle, dem sei gesagt, dass der gute Pastor Dan auf unsere (bzw. amerikanische) Kinder losgelassen wird. Man kann dann ja nur vermuten, welch anderen Blödsinn er ihnen noch eintrichtert. Was auch erschreckend ist, dass das Internet voll von obiger Meldung ist, i.d.R. komplett unkommentiert wiedergegeben, anstatt darauf hinzuweisen, dass jemand der so etwas von sich gibt oder fiktionale Literatur aus einer Bibliothek verbannt, weil er Zaubersprüche dahinter vermutet, eher in eine Zwangsjacke, denn an die Spitze einer Schule gehört (auch wenn es eine katholische ist).

Samstag, September 07, 2019

Neulich an der Grenze...

Man kann an seine Grenzen gehen, Grenzen überschreiten, Mauern einreißen und sich in die Schranken weisen lassen. Was man aber i.d.R. nicht kann: den Zoll vermeiden.

Geschichtlich gesehen, hat der Zoll als Wegezoll, also eine Art Maut angefangen - boshaft könnte man hier auch von Wegelagerei sprechen, so es sich nicht um einen Weg bzw. Straße handelte, die unterhalten werden muss, bis er dann später zu dem ausgebaut wurde, als das wir ihn heute kennen: ein "Steuerungsinstrument" für alles mögliche.

I.d.R. sprechen Politiker gern von "Schutzzöllen" (die ja auch Donald Duck Trump erhoben hat, angeblich um die eigene Industrie zu stärken), was suggerieren soll, dass hier etwas geschützt wird. Ebenso spricht man von "Strafzöllen", durch die scheinbar etwas bestraft werden soll. Insgesamt bekommt man als unbeteiligt Außenstehender den Eindruck, dass diese ganze Zollerheberei prinzipiell etwas gutes sei, das genaue Gegenteil ist jedoch der Fall.
Angenommen Firma X produziert im Inland ein Produkt A zum Preis von a. Gleiches macht Firma Y mit Produkt B zum Preis von b. Gesetzt den Fall A und B sind in etwa gleichwertig (also z.B. gleich gute T-Shirts nur in anderen Farben o.ä.). B wird mit seinem Produkt im Land von X nur dann auf den Markt kommen wenn gilt (angenommen beide wollen den gleichen Gewinn einstreichen):
  • a + Gewinn = b + Transportkosten + Gewinn
Kommt jetzt noch ein Einfuhrzoll auf Produkt b, dann sieht das so aus:
  • a + Gewinn = b + Transportkosten + Zoll + Gewinn
Daraus folgt, dass ein Produkt nur dann am Markt im Land von X erscheint, wenn gilt:
  • b <= a - Zoll - Transportkosten
D.h. sind die Zölle zu hoch, gibt es weniger Vielfalt auf den Märkten im Land von X.

Was noch hinzukommt - und dieser Denkfehler wird auch häufig begangen bzw. suggeriert - dass Y die (Straf-/Schutz-)Zölle bezahlt. Das ist nicht der Fall, denn entweder das Produkt kommt auf den Markt, weil obenstehende Preisregel gilt, dann zahlt der Konsument den Straf-/Schutzzoll oder es ist eben gar nicht auf dem Markt. D.h. Zölle wenden sich immer gegen die eigene Bevölkerung und nie gegen den Produzenten im Ausland oder gar ein anderes Land.

Besser wäre eine Eingangskontrolle auf Grundlage anderer Kriterien, wie z.B. des Herstellungsprozesses o.ä..

Hier noch mal eine (unvollständige) Aufstellung, was an Zöllen erhoben wird. Hinzu kommt natürlich noch die Einfuhrumsatzsteuer von 19%.

Wie man deutlich erkennen kann, hat hier ein Beamter aus dem Zoll- und/oder Finanzministerium mit einem Zwanzigerwürfel die Zollsätze erwürfelt errechnet. Warum kosten Klamotten aus Stoff 14%, Klamotten aus Leder nur 4% aber ein Gürtel wiederum 5% und ein Rucksack dann 3%? Wahrscheinlich muss man hier Zolloberamtsrat sein, um das nachvollziehen zu können.

Doch wer der Meinung ist, das wäre so einfach, der hat sicherlich noch nicht die Bekanntschaft mit den Zolltarifnummern gemacht...
Möchte man z.B. Kartoffelchips einführen, dann schlagen diese folgendes vor:
D.h. man kann "Chips" sagen oder "Kartoffeln in dünnen Scheiben, in Fett oder in Öl gebacken, auch gesalzen oder aromatisiert, in luftdicht verschlossenen Verpackungen, zum unmittelbaren Genuss geeignet, ungefroren".
Auf der anderen Seite, wer gerne ein bisschen Plutonium einführen möchte (ohne Uran! ganz wichtig!), der kann es mit der 28442099 (die ersten 4 Stellen sind m.W. international standardisiert) versuchen "Plutonium und seine Verbindungen; Legierungen, Dispersionen, einschl. Cermets, keramische Erzeugnisse und Mischungen, die Plutonium oder Verbindungen dieses Erzeugnisses enthalten (ausg. Mischungen von Uran und Plutonium)" - Falls nicht genug Arbeit vorhanden ist, dann muss man sich halt welche machen... 😜

Montag, September 02, 2019

Neulich beim Motivieren...

In u.a. TED-Talk wird das dargestellt, was ich schon länger vermutete. Nur besonders einfache Zusammenhänge können über ein "Incentive" oder einen Bonus als Motivationsgrundlage abgebildet werden. Leider sind die wenigsten Zusammenhänge so einfach. Schön wäre es noch, wenn die Information auch in den Personalabteilungen und bei den Vorgesetzten ankäme...


Freitag, August 23, 2019

Neulich beim Umverteilen...

Normalerweise ist die Reibungsfläche bei Artikeln, die Frau Stokowski in Spiegel online schreibt relativ hoch. Umso größer war mein Erstaunen bei dieser Kolumne, bei der ich ihr (ausnahmsweise) mal zu 100% recht geben muss.

Die Kernaussage ist, dass wir die faktische Diskriminierung über soziale Klassen verstärken, wenn wir z.B. aus Gründen des Klimaschutzes klimaschädliches Verhalten stärker pönalisieren wollen. Die Folge ist, dass sozial schwächere Schichten komplett ausgegrenzt resp. diskriminiert werden, wohingegen sozial Bessergestellte bei dem Verhalten nur einen höheren (finanziellen) Schmerz empfinden.

Spannend ist es auch, die Kommentare zu dem Artikel zu lesen, da diese oft genau den Beißreflex widerspiegeln, den Frau Stokowski gerade eben angesprochen hat - selbst erfüllende Prophezeiung?

Der Tenor geht dabei von "verbieten" bis zum Umverteilen. Was dabei aber leider übersehen wird ist, dass jedes Verbieten und jede Umverteilung prinzipiell eine Anmaßung darstellt, sofern hier nicht ein allgemeines ethisches Prinzip zu Grunde gelegt werden kann. Dass z.B. Sklaverei, also die Betrachtung von anderen menschlichen Individuen als Objekte, nicht in Ordnung ist, darauf kann man sich als Menschheit einigen. Deswegen ist diese i.d.R. auch überall verboten. Ob jetzt aber eine Flug-Fernreise nach Ouagadougou verboten gehört, weil es dem Klima schadet, kann man imho nicht mit Bestimmtheit sagen. Ob z.B. die Umverteilung des einen Euro Steuern pro Liter Kraftstoff ethisch gerechtfertigt ist, entbehrt ebenfalls einer objektiven Begründung.

Das "Drogenverbot" (also das Verbot einer gewissen Auswahl von Drogen, denn Alkohol und Zigaretten waren ja noch nie kaum verboten) ist eines der besten Beispiele, wie man ein finanzielles Riesenrad drehen kann, bei dem zum Schluss quasi kein Output übrig bleibt. Einzig die Drogenmafia freut sich ein Loch in den Bauch, denn nie waren (illegale) Drogen so wertvoll, wie heute.

Und überlegen wir mal das Umweltszenario weiter, sagen wir einfach mal Fleisch wäre Rationiert - wie im Krieg, nur dass es jetzt der Krieg gegen für das Klima wäre. D.h. jedem Bürger stünden 100g Fleisch pro Woche zu, die er (wie auch immer kontrolliert) beziehen kann. Wer wird sich wohl eher um das Verbot drücken können? Jemand der als EU-Kommissarin 25 T€ pro Monat verdient bekommt oder jemand der 1.600 € netto nach Hause bringt? Wer kann sich eher eine Umgehungsstrategie leisten? Und noch viel schlimmer - wie wollte man so ein Szenario überwachen ohne gegen fundamentale Rechte (z.B. Unverletzlichkeit der Wohnung) zu verstoßen?

D.h. die aus meiner Sicht einzige "gerechte" Lösung wäre, die Pönale prozentual an z.B. das Monatseinkommen zu hängen. Wenn jetzt die "Strafe" für eine Flugreise 1% des Monatseinkommens beträgt, so zahlt derjenige mit 1.600 € eben nur 16 € mehr, Frau v.d.Leyen würde aber mit 250 € zur Kasse gebeten. Oder ein SUV-Aufschlag i.h.v. 100% des Monatseinkommens: ein und dasselbe Fahrzeugt (z.B. der Lada Niva Basisversion für ca. 13.000 €) würde für den Geringverdiener dann 14.600 € kosten, für Frau v.d.Leyen eben 38.000 €. Dann wäre wenigstens der Schmerz gerechter verteilt...





Sonntag, August 18, 2019

Neulich beim Wegstecken...

Was haben der
  • Sudan
  • Mauretanien
  • Iran
  • Jemen und
  • Saudi Arabien
gemeinsam? Das gute Wetter? Die besten Sandalen? Die niedrigste Kriminalität?

In diesen fünf Ländern ist die Höchststrafe für sexuelle Handlungen zwischen Männern der Tod. D.h. ein paar gewählte oder qua Geburt in die Regierungspositonen gehievten Menschen bestimmen darüber, ob (i.d.R. zwei) andere Menschen sterben müssen, weil sie sich gern gehabt haben.

Jetzt noch ein kleiner Religionscheck:
  • Sudan - annähernd 100% Muslime
  • Mauretanien - 70% Muslime
  • Iran - > 90% Muslime
  • Jemen - > 90% Muslime
  • Saudi Arabien - > 95% Muslime
Korrelation bedeutet noch nicht zwangsläufig Kausalität und somit ist hiermit noch nicht bewiesen, dass der Islam ursächlich für derart niedrige ethische Standards verantwortlich ist, aber es ist zumindest ein starker Hinweis.

Was gerne übersehen bzw. umgedeutet wird ist die Tatsache, dass sich sowohl die Muslime in diesen Ländern, als auch die in Deutschland auf das gleiche Fundament zurückgreifen. Man kann nicht sagen, dass z.B. in Saudi Arabien eine komplett andere Art von Islam unterwegs ist, sondern lediglich, dass ein und derselbe Islam von Wahhabiten und etwas weniger Radikalen unterschiedlich interpretiert wird. Das ist wie Fahrradfahren, die einen wollen freihändig, die anderen mit Klingel und noch andere mit elektrischer Tretunterstützung - es bleibt aber immer noch Fahrradfahren.

Wir kennen "bessere" ethische Standards, wir haben uns diese über die Jahrhunderte erarbeitet. Es mag sein, dass alte religiöse Texte in der Bronzezeit die davor herrschenden Standards verbessert haben, jedoch können wir das aus der heutigen Sicht gar nicht beurteilen. Im 21. Jhd. darauf zu beharren, dass gleichgeschlechtliche Liebe ein Gräuel ist, weil es ein behaupteter Gott (oder sein Prophet) in ein Pamphlet diktiert hat, ist eine der schlechtesten Begründungen anderen Leuten das Leben zu nehmen...



Samstag, August 10, 2019

Neulich nach der kriminellen Geschichte...

Ok, nach einer gefühlten Ewigkeit mit der einen oder anderen Lesepause (auch längeren) habe ich mich durch Deschners Kriminalgeschichte des Christentums durchgebissen. Leider konnte er das nicht mehr erleben, hatte jedoch vor seinem Tod noch sein Lebenswerk vollendet (hm... wieviele Lebenswerke wurden nach dem Tod beendet?).

Ich erinnere mich noch gut, als ich damals in Hamburg in eine Buchhandlung ging, erst mal in der Abteilung Religion nach Deschner suchte - natürlich nichts fand - und mich dann an eine nette Dame wandte, die ich fragte, ob sie wohl die "Kriminalgeschichte des Christentums" von Deschner hätte. Sie blickte kurz in ihren Computer und fragte dann zurück: "Welcher Band?"
Bis dahin war ich davon ausgegangen, dass die Kirchen wohl Dreck am Stecken hatten, aber dass es sich doch wohl mit einem mehr oder weniger dicken Buch abfackeln ließe. Wie falsch ich mit dieser Einschätzung lag, musste ich feststellen, als ich den ersten Band in den Händen hielt bzw. diesen dann irgendwann mal gelesen hatte.

Minutiös und detektivisch hat Deschner in der Kriminalgeschichte all das zusammengetragen und in den zeitlichen Kontext gestellt, was in irgendeiner Art von Beleg die Zeit überdauert hatte. Und je mehr man eintaucht, je weiter man verfolgt, wie stark doch alles menschelt und wie wenig bis nichts göttliches in der Kirchengeschichte vorhanden ist, desto grauenvoller ist die Vorstellung von alldem, was Deschner nicht aufschreiben konnte. Von all den Misshandlungen, Ausbeutungen und Menschenrechtsverletzungen die nirgends dokumentiert wurden - weil die Leute damals nicht wollten oder konnten.

Auch folge ich Deschners Argumentation, dass wir geschichtliches nur mit den heutigen Maßstäben bewerten dürfen und uns niemals auf das dünne Eis begeben dürfen, Geschichte aus der Geschichte heraus zu relativieren. Sätze wie "früher war das eben so" oder "die konnten doch früher froh sein, dass ihnen nichts schlimmeres passiert ist", bekommen einen fahlen Beigeschmack, wenn man diese exemplarisch auf das deutsche Nazi-Regime bezieht. Wenn wir heute im 21. Jhd. erkannt haben, dass etwas ungerecht, ethisch verwerflich oder ein Verbrechen ist, dann mag der Tatbestand vor ein paar hundert Jahren nicht geahndet worden oder nur ein Vergehen, sogar straffrei (Sklaverei) gewesen sein, der Maßstab muss aber immer die aktuelle Sichtweise sein - schlicht und ergreifend, weil wir keine andere haben. Alles andere wäre Spekulation und Kaffessatzleserei.

Wer sich die Kriminalgeschichte antut sollte wissen, dass jeder Band an die 300-400 Seiten hat, zusätzlich noch etliche Dutzend Seiten Quellenangaben. Deschners Schreibweise ist zwar ein exzellentes Deutsch, dennoch herausfordernd zu lesen, da so viele Zitate einfließen, und somit die volle Aufmerksamkeit des Lesers erfordern. Es ist keine Lektüre, die man fernsehbegleitet konsumieren kann. Auch kann man Lesezeichen empfehlen, um die besonders wertvollen Stellen zu markieren oder sich auch diverse Zitate rauszuschreiben.

Wer eine anspruchsvolle Lektüre nicht scheut, wer die Geschichte aus den Augen eines "Staatsanwalts" betrachten möchte und die Zusammenhänge zwischen Politik und Religion besser verstehen möchte, für den ist die Lektüre klar zu empfehlen - aber man sollte genügend Zeit mitbringen... 😉

8 von 8 möglichen Punkten


Montag, August 05, 2019

Neulich bei der Natürlichkeit...

Ich kann mich nicht an einen Tag in meinem Leben erinnern, an dem ich wirklich Hunger gelitten hätte (außer ich habe freiwillig auf die Nahrungsaufnahme verzichtet 😋). Das ist das Privileg, wenn man nach den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts in der "1. Welt" geboren ist. Es gibt immer noch Menschen auf dem Planeten, die hungern, immer noch zu viele, aber es wird besser.

D.h. in einem Land wie .de quält einen heute nicht mehr die Frage ob und wieviel man isst, sondern immer mehr was man isst. Die Nahrungsaufnahme war immer schon wichtig und gem. einiger Anthropologen könnte die Nahrungszubereitung der Schlüssel zur dominanten Stellung der menschlichen Spezies sein. Nicht der muskelbepackte Krieger hat es gedeichselt, sondern der Smutje, der Chef de Cuisine 😉

Interessanterweise zeichnen sich hier aber immer mehr religiöse Züge ab. Allen voran die Einteilung in schwarz und weiß... pardon... gut und böse. Wir "sündigen", wenn wir uns etwas Süßes gönnen, Fasten, was und wie wir essen (kein Schwein, koscher usw.) war auch schon immer Thema in den etablierten Weltanschauungen - auch wenn sich fast alles davon heute als Anachronismus darstellt - es ist "böse" ein Schwein zu essen, aber "gut" eine geschächtete Kuh zu verzehren... naja... wer's glaubt.

So ist im Supermarkt natürlich auch alles erst mal "gut" was irgendwie "bio", "natürlich" oder "vegan" heißt. Wir blenden dabei leider aus, dass nicht alles, was aus der Natur kommt per se "gut" ist. Eher das Gegenteil ist der Fall. 90% unseres Planeten (= Natur) ist für uns als Habitat nicht geeignet. Von den Millionen unterschiedlicher Spezies (Tiere sowie Pflanzen) sind nur ein geringer Teil für uns als Nahrung geeignet und davon schmeckt uns auch nur ein noch kleinerer Teil. Irgendwelche lustigen Mahlzeiten aus Algen haben sich (zum Glück) noch nicht großflächig durchgesetzt.

Würden wir heute nur das auf den Tisch bekommen, was die Natur "natürlich" produziert, dann hätten wahrscheinlich die wenigsten Freude daran. So gut wie alle Nahrungsmittel die wir kennen, egal ob pflanzlichen oder tierischen Ursprungs wurden vom Menschen über die Jahrtausende "genetisch" verändert - mit den Mitteln, die unseren Vorfahren zur Verfügung standen, was fast ausschließlich Züchtung bzw. Kreuzung war. D.h. wir essen (auch wenn es "bio" heißt) i.d.R. ein kulturelles, also menschgemachtes Produkt.

Insofern muss man ehrlicherweise anerkennen, dass ein aus dem Wolf durch Züchtung hervorgegangener Rehpinscher genauso natürlich bzw. unnatürlich ist, wie ein durch Genmanipulation erzeugter Rehpinscher. In der "Natur" kämen beide nicht vor - aber vielleicht hat die Natur uns genau deshalb "hervorgebracht", weil sie Bock auf Rehpinscher hatte? Was wir auch gerne ausblenden, die allermeisten Nutztiere und -pflanzen sind ohne die Menschliche Pflege in der Natur kaum oder nicht lebensfähig bzw. würden von ihren nicht gezüchteten/genmanipulierten Artgenossen überrannt. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein genmanipulierter Rehpinscher die Weltherrschaft an sich reiße, geht gegen null.

Somit sollten wir uns von irgendwelchen esoterischen oder metaphysischen Beurteilungen der Naturveränderung lösen (denn alles auf der Erde, auch die unbelebte Materie, "beeinflusst" die Natur/das Leben in irgendeiner Art und Weise) und zunächst möglichst objektiv und naturalistisch das Geplante durchdenken - welchen Nutzen bringt es, welche Risiken birgt es. Leben ist Veränderung, sich dagegen zu stellen, bedeutet in einem Orkan gegen den Wind zu pusten.

Donnerstag, August 01, 2019

Neulich beim Leipziger Allerlei...

Ok, ich gebe es zu, ich habe es satt Dinge wie diese hier zu lesen. Wieder mal geht es um Kinder, wieder mal geht es ums Essen und - wie könnte es anders sein - man hat mal wieder Schwein gehabt bzw. will keines mehr.

Ein Artikel wie dieser hier schlägt dann noch die Brücke, dass der Verzicht auf (Schweine)Fleisch ja auch positive Effekte für das Klima hätte und dass das Schwein ja ohnehin "die Zigarette unter den Grundnahrungsmitteln" wäre.

Übersehen wird dabei allerdings, dass die Initiierung des Verbots nicht daher kommt, dass man das Klima schützen oder die Kids vor einem Saumagen (anscheinend ja das Pendant zur Raucherlunge, wenn das Schwein schon die Zigarette ist...) bewahren, sondern dass hier unterschwellig bronzezeitliche Nahrungsvorschriften "geachtet" werden.

Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser - all diese Einrichtungen stehen allen Menschen in Deutschland zur Verfügung. In Deutschland gibt es kein Schweinefleischverbot, wie in Saudi Arabien. Auch kein Rindfleischverbot, wie für die meisten Kasten in Indien. Dafür steht aber auch kein Hund auf der Speisekarte, wie z.B. in Südkorea. Wenn ich in Papua-Neuguinea in die Schule gehe, kann ich dort nicht Nürnberger Rostbratwürstchen erwarten, nur weil ich diese gerne esse. Auf der Welt gibt es alle möglichen Befindlichkeiten die Nahrung betreffend, wie man z.B. hier nachlesen kann...

Wie wäre es, wenn ich z.B. 5 Kinder finde, die keinen Broccoli mögen. Könnte ich dann ein Broccoli Verbot durchsetzen? Wenn 10 Kinder Verdauungsprobleme bei Vollkornbrot bekommen, kommt dann die Weißbrotpflicht? Nussallergie? Glutenfrei? Laktoseintoleranz?

Spannend ist auch zu sehen, wenn steinalte Ernährungsvorschriften mit Erkenntnissen aus der modernen Wissenschaft begründet werden. Z.B. gab es auch schon in der Antike die Fleischbeschau, wenn auch noch keine Trichinen bekannt waren - aber man wusste, dass Fleisch belastet sein kann. Heute werden dann diese "Vorschriften" so gedeutet, als hätten unsere Vorfahren schon über besseres Wissen verfügt als wir heute.

Wenn man sich in einer Schulkantine auf irgendetwas einigt, dann soll das so sein. Nur bitte auf der Grundlage von Argumenten, die für alle nachvollziehbar sind. Bitte dann klar kommunizieren, dass man deswegen kein Schweinefleisch mehr anbietet, um der Klimakatastrophe entgegenzuwirken und bitte dann auch alle anderen Fleischsorten verbannen (und ggf. auch die Gemüsesorten, die eine schlechte CO2 Bilanz haben). Aber nicht weil man einen ein paar Jahrhunderte alten Text ausgegraben hat oder weil muslimische (oder jüdische) Schüler eher selten Schwein haben...







Dienstag, Juli 23, 2019

Neulich beim Kindersitzen...

Der Fahrradhelmproblematik hatte ich ja einigen Raum eingeräumt und mich damit auch eingehender beschäftigt. Umso erschreckender ist es, wenn man den Ausführungen dieses TED-Talks folgt:



Gesetzt den Fall, dass das so stimmt, dann hat uns die Kindersitzindustrie (mit Hilfe der Politik) über die letzten Jahr(zehnt)e etliche Millionen Euro für eine gefühlte Sicherheit raus geleiert, die mit Sicherheit aber eines geschafft hat, nämlich die Kindersitzproduzenten vor der Armut zu bewahren. Mit teilweise bis zu 700 Öcken teuren Modellen müssen die Erziehungsberechtigten ihre Fahrzeuge ausstatten, da ansonsten staatlicherseits ein saftiges Bußgeld droht (denn wenn man nicht glaubt, dann muss man halt Buße tun - logisch oder?).

Wie man hier sehen kann, übersteigen die Anzahl der Verkäufe an Kindersitzen die der Kinderwagen ca. um den Faktor 3 (2,3 Mio Kindersitze vs. knapp 800.000 Kinderwagen), d.h. Eltern kaufen 3x so viele Kindersitze wie Kinderwagen. Das hat v.a. zwei Gründe. Der eine ist, dass Kinder so ab 3-5 Jahren keinen Kinderwagen mehr benötigen. Der andere ist, dass "Kinder bis zum vollendeten 12. Lebensjahr, die kleiner als 150 cm sind" (§21 1a StVO), nur dann mitgenommen werden dürfen, wenn geeignete Rückhaltevorrichtungen vorhanden sind. D.h. man hat hier mittels einer wenig bis schlecht begründeten Gesetzgebung (der Kindersitz sieht zwar sicher aus, aber gem. der obigen Darstellung ist er in etwa gleichwertig zu normalem Anschnallen) eine Gelddruckmaschine geschaffen, über die sich die Produzenten noch so lange freuen werden, solange es Autos gibt...

Mittwoch, Juli 17, 2019

Gerade beim Kommissionieren...

Aus aktuellem Anlass mal ein schneller Einwurf. Wie man hier lesen kann, hat es ja Zensursula in die Europäische Kommission geschafft bzw. ist jetzt Präsidentin derselben. Parallel ist dann natürlich der Posten des/der Verteidigungsministers/in vakant, welcher, wie hier zu lesen ist, von AKK (nicht zu verwechseln mit AKW! außer vielleicht der Frisur...) ausgefüllt wird.

Das lässt für mich natürlich folgende Schlussfolgerungen zu:
Scheinbar befähigt einen ein abgeschlossenes Studium der Politik- und Rechtswissenschaften auf dem Gebiet der Landesverteidigung kompetent zu sein, obwohl man sonst eigentlich sein ganzes Leben in der Politik verbracht.
Scheinbar befähigt ein skandalumwittertes Engagement im Verteidigungsministerium dazu, sich für die Spitze der EU zu qualifizieren.

Der Basislohn eines EU-Kommissars beträgt 112,5 % des höchsten EU-Beamten (Grad 16), 19.909,89 Euro im Monat ohne Zulagen. Der Präsident erhält 138 % (24.422,80 Euro), Vizepräsidenten 125 % (22.122,10 Euro) und Hohe Vertreter 130 % (23.006,98 Euro). (siehe hier)
 Mich erinnert das fatal an den Spruch, dass ein Experte jemand ist, der immer mehr und mehr von immer weniger und weniger weiß, bis er zum Schluss alles von nichts weiß, wohingegen ein Politiker jemand ist, der immer weniger und weniger von immer mehr und mehr weiß, bis er zum Schluss nichts von allem weiß...

Montag, Juli 15, 2019

Neulich in Alabama...

Zum Thema Abtreibung habe ich ja wahrlich genug verfasst.

Erwähnenswert an dieser Stelle sei lediglich der Sachverhalt (der in diesem bezahl-Artikel des Spiegels dargelegt ist) den ich hier kurz zusammenfassen möchte:

Alabama hat sein Gesetz gegen Abtreibung verschärft (u.a. können einem Arzt der diese vornimmt 99 Jahre Haft drohen) mit dem Hintergedanken, dass dieses Gesetzt, das im übrigen im Gegensatz zu der Supremecourt Entscheidung Roe v. Wade auf Bundesebene steht, dann eben auch in nächster Zeit im Supremecourt entschieden wird. Hierin steckt die Hoffnung, dass die beiden konservativen, von Donald Duck Trump eingesetzten Richter eine Entscheidung gegen Abtreibung fällen werden.

Das Erschreckende ist, dass dies auch durchaus noch Erfolg haben könnte, was wiederum bedeutet, dass Frauenrechte mit Füßen getreten werden - aber hier haben wir Herren der Schöpfung ja schon eine jahrtausendealte Tradition.

Wenn man sich dann noch diesen Artikel im katholischen Witzblättchen anschaut, dann bekommt man langsam ein Gefühl dafür, wie "fake News" entstehen. Hier sprechen sie davon, dass "Immer mehr US-Bürger […] pro-life" seien, jedoch zeigt fowid, dass es sich bei diesem Statement um nichts anderes als Schönfärberei handelt. Die Zahl der Befürworter und Gegner sind in den USA in den letzten 25 Jahren erstaunlich stabil. Somit lese ich daraus, dass zwar im letzten Vierteljahrhundert etliche Ewiggestrige weggestorben sind, aber in den USA hier steter Nachschub besteht.
"Die Männer verbieten die Abtreibung im Allgemeinen, akzeptieren sie aber im Einzelnen als eine bequeme Lösung. Sie können es sich leisten, sich mit leichtfertigem Zynismus zu widersprechen, aber die Frau spürt diese Widersprüche in ihrem Fleisch." - Simone de Beauvoir

Montag, Juli 08, 2019

Neulich beim beitragen können...

Frage nicht, was Deine Medien für Dich tun können, frage lieber, was Du zu ihnen beitragen kannst... Dieses paraphrasierte Kennedy-Zitat bildet imho ganz sinnig ab, wie sich die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten (ÖR) gerieren, ist doch fast all das, was ich schon hier vor 13 Jahren geschrieben habe eingetreten.

Man hat mittlerweile die "freie Wahl" einen festen Wohnsitz zu haben und den ÖR zwangsweise zu bezuschussen oder man ist obdachlos und zahlt nichts. Die Gebühr... pardon... der Beitrag hat steuerlichen Charakter, d.h. Grundsteuer oder Rundfunkbreitrag lassen sich von einem Außenstehenden nicht wirklich unterscheiden. Auch ist die Frage, was eigentlich eine Grundversorgung sei, niemals erschöpfend beantwortet worden.

Doch eines der ad nauseam angeführten Argumente ist die "Unabhängigkeit". Ohne eine von der Politik unabhängige Finanzierung des ÖR könnte dieser nicht kritisch berichten, sondern wäre (wenn werbefinanziert) von den Werbekunden abhängig und würde diese schonen oder (wenn steuerfinanziert) von der Politik abhängig und schonte eben diese. Schön, dass man mit einer unabhängigen Finanzierung dann quasi machen kann, was man will - im Fall von ARD und ZDF bedeutet das, einfach alle mal zu schonen. Kritische Berichterstattung muss man mit der Lupe suchen, tendenziöse, weichgespülte und unterschwellig meinungsbildende Formate findet man an jeder Ecke.

So wie man es in einer Partei zu nichts bringt, wenn man nicht "linientreu" ist, so hat man auch im ÖR keine Chance, wenn die Schere im Kopf nicht groß genug ist, eine ausreichende Vorzensur zu betreiben (die natürlich nicht so genannt werden darf). Wenn man jetzt noch Carsten Frerks Buch im Hinterkopf hat und sich dann den Bayrischen Rundfunkrat anschaut, dann wundert man sich eigentlich über gar nichts mehr. Die Politik ist kirchengesteuert (oder wenigstens stark beeinflusst) und das Fernsehen politikgesteuert (oder wenigstens stark beeinflusst).

Den Bayrischer Rundfunkrat in seiner ganzen Pracht kann man hier bestaunen. Wichtiger aber noch die Zugehörigkeit der Mitglieder. Der Einfachheit halber, habe ich mich auf die Bereiche Politik und Religion bzw. Kirche beschränkt. Auch Muslime oder Juden zähle ich zur Fraktion der Gläubigen. Sollte ein Vertreter ein offensichtliches tendenziöses Amt Innehaben (z.B. Marcel Huber, der als Politiker noch Vorsitzender des "Katholischen Männervereins Tuntenhausen" (difficilam est, satiram non scribere…) ist), so bringt das natürliche eine Stimme auf der einen und anderen Seite. Nicht berücksichtigt habe ich die persönlichen Glaubensvorstellungen, selbst wenn sie angegeben waren. Zum Schluss sehen wir folgendes Ergebnis:

Politiker oder der Politik nahestehende Mitglieder: 37
Vertreter der Glaubensfraktion oder dieser nahestehend: 10
Mitglieder ohne eindeutige Zuordnung: 9

D.h. bei 50 Mitgliedern beobachtet man eine extreme Schlagseite seitens der Politik (74%), wohingegen sich die Glaubensfraktion zumindest offiziell nicht allzu stark vertreten ist (20%). Lediglich knapp 20% konnte ich keinem Lager zuweisen, was jedoch bedeutet, so sich Kirche und Staat einig sind, diese immer mit 80% dagegen halten können. Eine unabhängige vierte Gewalt in Form der ÖR kann ich nicht erkennen. Damit das nicht allzu trocken wird, hier noch ein kleiner Clip dazu:


Man kann jetzt natürlich einwenden, dass der ÖR nicht alles ist und dass es doch jede Menge private Sender und Print-/Onlinemedien gäbe, jedoch möchte ich an dieser Stelle Volker Pispers zu Wort kommen lassen...

Mittwoch, Juli 03, 2019

Neulich beim Gruseln...

Wer kennt es nicht, dieses Gefühl gruseligen Schauderns, das einen z.B. bei einem gut gemachten Horrorfilm überfällt. Oder auch bei Filmen wie "Fight Club" oder "Inception", die zum Schluss noch einen schönen Twist in die Geschichte bringen, so dass man das gerade Gesehene noch einmal hinterfragen zu müssen glaubt.

Ein vergleichbarer Grusel befällt einen, wenn man Carsten Frerks Buch "Kirchenrepublik Deutschland - Kirchlicher Lobbyismus" liest. Viele irreale Verschwörungstheorien bzgl. "Lügenpresse" oder ähnlichen, unbegründeten Behauptungen verblassen gegen die real existierende Einflussnahme auf politischer Ebene v.a. durch die beiden Großkirchen. Hatte man diesen (zumindest von meiner Seite) immer schon das Übelste unterstellt, so ist das tatsächliche Ausmaß der Einflussnahme wahrlich angsteinflößend.

Akribisch hat Carsten Frerk hier auf Bundes- und Landesebene all die Fakten zusammengetragen, die letztlich keinen anderen Schluss zulassen, als dass jedes Gesetz, jede Regelung nur dann Erfolg haben kann, wenn es auch das Plazet der beiden Kirchen erhält. Auf Bundes- wie Landesregierungen wird eindrücklich Einfluss genommen, wobei diese Art von Lobbyismus noch nicht einmal offengelegt werden muss. Wen wundert es da noch, dass man sich in Deutschland mit dem selbst bestimmten Sterben so schwer tut, wohingegen Länder wie die Niederlande oder die Schweiz schon vernünftige Regelungen geschaffen haben. Wen wundert es noch, dass die Zahlungen staatlicherseits an die Kirchen nicht eingestellt werden (Forderungen die teilweise 200 Jahre alt sind), wenn doch diejenigen, die diese Zahlungen abstellen könnten mit denjenigen, die dagegen intervenieren zusammen im Beichtstuhl sitzen, Empfänge besuchen, von der Politik in kirchliche Unternehmungen wechseln und umgekehrt - kurz, mich wundert seit der Lektüre nichts mehr. Deutschland ist massiv mit kirchlicher Einflussnahme durchseucht und Carsten Frerks großer Verdienst in dieses Hinsicht ist, dass dies nun schwarz auf weiß veröffentlicht ist.

Vergleichbar minutiös wie in seinen Büchern zum Finanzwesen der Kirchen bzw. deren caritativen Einrichtungen stellt Carsten Frerk auch hier die Verflechtungen zwischen Politik und Kirche dar. Das bedingt - und das ist imho die einzige Schattenseite des Buches - dass die Ausführungen über manche Strecken trocken wirken. Nur ist die Beweisaufnahme in einem Gerichtsprozess, mit dem man das hier durchaus vergleichen könnte, nun auch nicht gerade eine Ausgeburt an sprühender Phantasie und Kurzweil. Es muss halt erst mal (um mit Augstein zu sprechen) "gesagt werden, was ist". Und diese Klüngelei, fast schon Vetternwirtschaft, ist über Jahre gewachsen und kann per se nicht in 5 Sätzen dargestellt werden.

Fazit: Wer keine oder wenig (kirchenkritische) Sachbücher liest, sollte vielleicht eher die Finger davon lassen (und sich eher mal "Kirche im Kopf" zu Gemüte führen). Wer aber die Büchse der Pandora öffnen möchte, wer erfahren möchte, wie stark religiöses Denken die Geschicke der Bundesrepublik prägt, der kommt an diesem Buch nicht wirklich vorbei.

7,5 von 8 möglichen Punkten


Freitag, Juni 28, 2019

Neulich bei der Schlacht um Malakow...

Wie man hier nachlesen kann, wurde das Fort Malakow 1855 erobert, sinnigerweise auf der Halbinsel Krim, was wiederum bedeutet, dass um dieses Beinahe-Eiland schon die längste Zeit gestritten wird (evtl. liegt das ja an der Sektproduktion...).
An anderer Stelle steht, dass die Festung evtl. der Namensgeber einer österreichischen Tortenspezialität wäre - ich übernehme das einfach mal ungefragt, denn egal warum was wie heißt, Hauptsache es schmeckt 😉
Und wie schon Reinhard Mey feststellte, ist nicht der Run auf das Buffet mit einer Schlacht vergleichbar?

Hier also nun mein ultimatives Rezept für eine Malakow-Torte:

Zutaten:
  • Löffelbiskuits (ich nehme immer ca. 400g)
  • Puderzucker (250g)
  • 2 EL Zucker
  • Butter (250g)
  • geriebene und geschälte Mandeln (200-250g - je nach Verpackung)
  • Sahne (500 ml)
  • 7 Eier (6 Eidotter + 1 ganzes Ei)
  • Vanille(zucker)
  • Milch (250 ml)
  • 6cl Rum (Stroh Rum mit 80%)
  • Sahnesteif
  • Raspelschokolade (Vollmilch)

Utensilien:
- Springform üblicher Größe (26cm), Glasboden bietet sich an
- Küchenmaschine (man kann das auch mit der Hand rühren)
- Backpapier
- Konditorspachtel

Die Herstellung der Torte unterteilt sich im wesentlichen in 3 Arbeitsschritte:
1. Herstellung der Masse (Butter-Mandel-Creme)
2. Das Befüllen der Springform mit Löffelbiskuits und der Masse (abwechselnd)
3. mind. 12 h Ruhephase im Kühlschrank

Phase 1:
Die Zutaten sollten Zimmertemperatur haben (d.h. die v.a. die Butter rechtzeitig aus dem Kühlschrank nehmen!). Die Butter schaumig rühren, dann abwechselnd Puderzucker und die 6 Eidotter sowie Vanille und/oder Vanillezucker (nach Geschmack) in die Butter einrühren. Danach die Mandeln einrühren. Jetzt abwechselnd 200 ml Sahne und 4 cl Rum einrühren.

Phase 2:
In einem Gefäß folgende Mischung herstellen:
250 ml Milch, 1 Ei und 2 cl Rum gut verquirlen, ggf. auch hier Vanillezucker hinzugeben
Danach jedes Löffelbiskuit kurz in dieses Milchmischung eintunken und dann in die Springform legen. Man kann hier mit dem Richtwert 3x Eintunken für weniger als 0,5 Sekunden beginnen. Wichtig ist, dass sich die die Biskuits nicht vollsaugen, sondern sich quasi nur am Rand etwas angesaugt haben, innen sollten sie noch trocken sein. Beim Belegen der Löffelbiskuits in der Springform ist darauf zu achten, dass diese nicht zu dicht liegen. Sie sollen sich leicht berühren, aber nicht reingequetscht werden. Zu dichtes Verlegen verhindert die Aufnahme der Flüssigkeit aus der Masse und die Torte wird dann trocken. Zu lockeres Verlegen verbraucht mehr Masse und macht die Torte instabiler.
Ist die Lage Löffelbiskuits eingelegt, wird diese mit einer Lage Masse bedeckt. Hier ist v.a. darauf zu achten, dass die Masse gut in die Zwischenräume kommt und möglichst gleichmäßig verteilt wird. Anschließend wieder eine Lage Löffelbiskuits usw..
Ich bekomme in meiner Springform 3 Lagen Löffelbiskuits unter und verwende die meiste Masse für die letzte Lage.

Phase 3:
Die Torte in der Springform mit Backpapier bedecken und einen "Deckel" darauflegen. Man kann hierzu einen anderen Springform-Boden verwenden oder sich aus einem Karton etwas zurechtschneiden. Diese Konstruktion jetzt mindestens 12 h (besser 24 h) in den Kühlschrank stellen und dort z.B. mit vorhandenen Gegenständen beschweren - ich nehme hier i.d.R. 2-3 Milchpackungen. Durch die Ruhezeit und das Gewicht nehmen die (innen noch trockenen) Löffelbiskuits die Flüssigkeit der Masse auf und man erhält eine butterweiche Buttermandelcremetorte 😋

Servieren:
Hier ist der individuellen Phantasie keine Grenze gesetzt. Ich halte das normalerweise relativ schlicht und schlage die verbleibende Sahne, versetzt mit den 2 EL Zucker, Vanillezucker und Sahnesteif fest und bestreiche die aus der Springform genommene Torte oben und an den Seiten. Darüber gebe ich die Raspelschokolade. Die Torte sollte immer gekühlt serviert werden und sich nicht zu lange bei Zimmertemperatur aufhalten, da sie sonst anfängt zu zerfließen. Die Torte lässt sich wohl auch einfrieren - jedoch habe ich das selbst (mangels geeigneter Tiefkühleinrichtung) noch nie probiert.

Bon Appétit!


Dienstag, Juni 18, 2019

Neulich in der Röhre...

Meme sind ja das, was unsere irdische Existenz überdauern kann. Bei dadada-da denken vielleicht einige an Beethovens 5. Symphonie, bei da-da-da evtl. eher an Trio und die Neue Deutsche Welle.

Ich habe mir auch gedacht, es sollte etwas geben, was mich überdauert und was quasi der Fundbürosong des 21. Jahrhunderts werden könnte, deswegen habe ich mich po8isch (zum zweiten Mal) auf YouTube verewigt. Diesmal mit einer Geschichte in englischer Sprache, um die Zielgruppe zu vergrößern - tja, wenn er nur mal viral ginge... 😉