Wer sich noch nicht sicher ist, was er glauben möchte... ich habe hier eine Entscheidungshilfe im Internet gefunden 😉
8 ist mein Name sicher nicht,
nicht mein IQ, nicht mein Gewicht.
Denn das, was hier geschrieben steht,
das heißt auf Englisch: der Poet!
Freitag, April 17, 2020
Mittwoch, April 15, 2020
Das po8ische Lexikon #2 - Solidarität
Auch heute wende ich mich wieder einem Begriff zu, der aus meiner Sicht sehr ausgelutscht und teilweise schon in seiner Bedeutung ad absurdum geführt wird:
Solidarität
Ursprünglich leitet sich das Wort vom lateinischen "solidus" für "gediegen, echt oder fest" ab, das Wort solide kommt auch aus dieser Ecke. Wir meinen mit solidarischem Verhalten, dass man zu einer Idee, einer Aktion, einer Gruppe oder zu Individuen steht, sich mit diesen oder mit ihren Zielen gemein macht. Die Solidarität ist dabei zunächst wertneutral, denn man konnte in Deutschland nach der Machtergreifung 1933 auch solidarisch zum Nationalsozialismus sein.
Für mich hatte der Begriff immer eine gewisse Linkslastigkeit, was vielleicht daran liegt, dass eher zur Solidarität mit den Arbeitern als mit den Arbeitgebern aufgerufen wurde. In den 80er Jahren hieß auch die Streikbewegung in Polen "Solidarność" - und hier haben nicht Großgrundbesitzer gestreikt.
Solidarität halte ich einen für im Grunde positiv besetzten Begriff. Er zeugt von intrinsischer Empathie, sozialer Verbundenheit und Engagement. Was jedoch - speziell die deutsche Politik - daraus in den letzten paar Jahrzehnten gemacht hat, enthält für mich nichts mehr von alldem.
Ein wesentliches Merkmal der Solidarität ist nämlich, dass diese auf Freiwilligkeit basiert. Ein Individuum entschließt sich dazu, sich einer Idee/Aktion/Gruppe anzuschließen, anderen Menschen zu helfen und das aus freien Stücken. Wenn die Gruppe Solidarität "fordert", so hat sie das Prinzip schon nicht verstanden (und man sollte auch auf der Hut sein). Solidarität (wie bei den Krankenkassen) zum Prinzip zu erheben, konterkariert sie. Speziell, wenn man - wie bei der Krankenversicherung oder Rentenversicherung - überhaupt keine Möglichkeit hat, nicht solidarisch zu sein.
Der Solidaritätszuschlag ist ein weiteres Beispiel, wie der Begriff hoffnungslos überdehnt wird. Gut gemeint (also das Gegenteil von gut) als Aufbauhilfe für den Osten Deutschlands nach der Wende, zahlen wir diesen Zuschlag immer noch, 30 Jahre danach. Es hätten sich in der damaligen Euphorie bestimmt Leute gefunden, die diesen auch freiwillig über ein paar Jahre gezahlt hätten, was echte Solidarität gewesen wäre, aber ihn als quasi-Einkommenssteuer mittels Zwang einzuziehen hat mit Solidarität nicht das mindeste zu tun. Noch dazu wurde er auch von allen Ausländern in Deutschland eingefordert, d.h. obwohl man die Wiedervereinigung nicht so doll fand oder es einem gleichgültig war, man wurde doch zur Kasse gebeten. Es war kein Deutsch-Deutsches Solidaritätsding sondern eine staatliche Zwangsmaßnahme - aber zumindest knuffig verpackt.
Wir sollten aufhören Solidarität als Wegwerfvokabel im politischen Diskurs zu verwenden. Nicht alle Aktionen verdienen einen Solidaritätsaufruf, die wenigsten Aktionen (wie Soli) verdienen überhaupt, dass das Wort in diesem Zusammenhang genannt wird. Echte Solidarität sollte dafür umso mehr hervorgehoben werden - denn die können wir immer gebrauchen.
Solidarität
Ursprünglich leitet sich das Wort vom lateinischen "solidus" für "gediegen, echt oder fest" ab, das Wort solide kommt auch aus dieser Ecke. Wir meinen mit solidarischem Verhalten, dass man zu einer Idee, einer Aktion, einer Gruppe oder zu Individuen steht, sich mit diesen oder mit ihren Zielen gemein macht. Die Solidarität ist dabei zunächst wertneutral, denn man konnte in Deutschland nach der Machtergreifung 1933 auch solidarisch zum Nationalsozialismus sein.
Für mich hatte der Begriff immer eine gewisse Linkslastigkeit, was vielleicht daran liegt, dass eher zur Solidarität mit den Arbeitern als mit den Arbeitgebern aufgerufen wurde. In den 80er Jahren hieß auch die Streikbewegung in Polen "Solidarność" - und hier haben nicht Großgrundbesitzer gestreikt.
Solidarität halte ich einen für im Grunde positiv besetzten Begriff. Er zeugt von intrinsischer Empathie, sozialer Verbundenheit und Engagement. Was jedoch - speziell die deutsche Politik - daraus in den letzten paar Jahrzehnten gemacht hat, enthält für mich nichts mehr von alldem.
Ein wesentliches Merkmal der Solidarität ist nämlich, dass diese auf Freiwilligkeit basiert. Ein Individuum entschließt sich dazu, sich einer Idee/Aktion/Gruppe anzuschließen, anderen Menschen zu helfen und das aus freien Stücken. Wenn die Gruppe Solidarität "fordert", so hat sie das Prinzip schon nicht verstanden (und man sollte auch auf der Hut sein). Solidarität (wie bei den Krankenkassen) zum Prinzip zu erheben, konterkariert sie. Speziell, wenn man - wie bei der Krankenversicherung oder Rentenversicherung - überhaupt keine Möglichkeit hat, nicht solidarisch zu sein.
Der Solidaritätszuschlag ist ein weiteres Beispiel, wie der Begriff hoffnungslos überdehnt wird. Gut gemeint (also das Gegenteil von gut) als Aufbauhilfe für den Osten Deutschlands nach der Wende, zahlen wir diesen Zuschlag immer noch, 30 Jahre danach. Es hätten sich in der damaligen Euphorie bestimmt Leute gefunden, die diesen auch freiwillig über ein paar Jahre gezahlt hätten, was echte Solidarität gewesen wäre, aber ihn als quasi-Einkommenssteuer mittels Zwang einzuziehen hat mit Solidarität nicht das mindeste zu tun. Noch dazu wurde er auch von allen Ausländern in Deutschland eingefordert, d.h. obwohl man die Wiedervereinigung nicht so doll fand oder es einem gleichgültig war, man wurde doch zur Kasse gebeten. Es war kein Deutsch-Deutsches Solidaritätsding sondern eine staatliche Zwangsmaßnahme - aber zumindest knuffig verpackt.
Wir sollten aufhören Solidarität als Wegwerfvokabel im politischen Diskurs zu verwenden. Nicht alle Aktionen verdienen einen Solidaritätsaufruf, die wenigsten Aktionen (wie Soli) verdienen überhaupt, dass das Wort in diesem Zusammenhang genannt wird. Echte Solidarität sollte dafür umso mehr hervorgehoben werden - denn die können wir immer gebrauchen.
Donnerstag, April 09, 2020
Neulich in Südafrika...
Ich habe drei Weihnachten hintereinander in Südafrika (SA) verbracht, von 2016 bis 2018. Alles was ich hier schreibe, unterliegt natürlich meiner persönlichen selektiven Wahrnehmung und erhebt nicht den Anspruch auf Allgemeingültigkeit.
SA, the "rainbow nation", beendete 1992 die Apartheid, 1994 fanden die ersten freien Wahlen statt und bescherten dem African National Congress (ANC) mit seinem Vorsitzenden Nelson Mandela einen überwältigenden Wahlerfolg. Seit 1994 ist der ANC in Südafrika immer mit absoluter Mehrheit an der Macht, Mandela (auch Madiba) legte sein Amt nach nur einer Amtszeit nieder. Aktueller Präsident ist Rhamaposa, der dem Duschkopfpräsidenten Zuma folgte.
Ich war 2002 das erste Mal in SA. Der Aufenthalt währte nur 10 Tage und davon waren wir 4 Tage im Kruger Nationalpark. D.h. allzu viel vom Land habe ich hier nicht mitnehmen können. Die Verbrechensrate war hoch, der ANC seit 8 Jahren an der Macht und der Rand wurde 10:1 zum Euro getauscht. Heute, 26 Jahre später, ist immer noch der ANC an der Macht, der Rand wird 16:1 zum Euro getauscht und dem Großteil der Bevölkerung geht es nicht wesentlich besser als vorher und auch die Verbrechensraten sind immer noch für europäische Verhältnisse erschreckend.
SA, the "rainbow nation", beendete 1992 die Apartheid, 1994 fanden die ersten freien Wahlen statt und bescherten dem African National Congress (ANC) mit seinem Vorsitzenden Nelson Mandela einen überwältigenden Wahlerfolg. Seit 1994 ist der ANC in Südafrika immer mit absoluter Mehrheit an der Macht, Mandela (auch Madiba) legte sein Amt nach nur einer Amtszeit nieder. Aktueller Präsident ist Rhamaposa, der dem Duschkopfpräsidenten Zuma folgte.
Ich war 2002 das erste Mal in SA. Der Aufenthalt währte nur 10 Tage und davon waren wir 4 Tage im Kruger Nationalpark. D.h. allzu viel vom Land habe ich hier nicht mitnehmen können. Die Verbrechensrate war hoch, der ANC seit 8 Jahren an der Macht und der Rand wurde 10:1 zum Euro getauscht. Heute, 26 Jahre später, ist immer noch der ANC an der Macht, der Rand wird 16:1 zum Euro getauscht und dem Großteil der Bevölkerung geht es nicht wesentlich besser als vorher und auch die Verbrechensraten sind immer noch für europäische Verhältnisse erschreckend.
Montag, März 16, 2020
Be my guest...
Tja, Youtube ist eine Bitch. Ein Idiotenvideo wie dieses hier bekommt fast 300.000 hits, während die aus meiner Sicht umfänglichste Betrachtung der männlichen Beschneidungspraxis durch Dr. Christopher Guest hat nur knapp über 20.000 - und das obwohl 20% der männlichen Weltbevölkerung beschnitten sind, d.h. wir reden hier von 800.000.000 Männern, die sich darüber mal informieren könnten (die anderen 3,2 Mrd. natürlich auch).
Ich hatte damals schon 50 € ausgelobt, die bis jetzt keiner gewonnen hat, und es wird wahrscheinlich auch in Zukunft niemand auch nur ein gutes Argument dafür finden, warum Schönheitsoperationen an den Genitalien kleiner Kinder vorgenommen werden sollten - und zwar aller Kinder!
Aber sehen Sie bitte selbst... be Dr. Guests guest:
Ich hatte damals schon 50 € ausgelobt, die bis jetzt keiner gewonnen hat, und es wird wahrscheinlich auch in Zukunft niemand auch nur ein gutes Argument dafür finden, warum Schönheitsoperationen an den Genitalien kleiner Kinder vorgenommen werden sollten - und zwar aller Kinder!
Aber sehen Sie bitte selbst... be Dr. Guests guest:
Dienstag, März 10, 2020
Neulich beim entkalken...
Über Twitter bin ich auf einen alten Bekannten und Namensvetter gestoßen:
Oliver Kalkofe (@twitkalk)
Ich erinnere mich noch, wie ich in den 90ern die 10minütige "Kalkofes Mattscheibe" bei "premeire" (jetzt sky) mit dem Videorecorder mitgeschnitten habe, immer manuell, da premiere die unangenehme Angewohnheit hatte, dieses Kleinod deutscher Fernsehunterhaltung mal nen Ticken früher oder später auszustrahlen.
Der frühe Kalkofe war genial (der späte ist es immer noch!), ähnlich wie man bei Twitter auf 280 Zeichen beschränkt ist, so wurden in seinen 10 Minuten ein unglaubliches Gagfeuerwerk gezündet, das immer irgendwo zwischen lyrisch eloquent und einem Schlag ober oder unterhalb der Gürtellinie lag. Eines war es nie - langweilig. Und bevor die DVD-Box rauskam (die ich latürnich käuflich erworben habe), hatten wir die mitgeschnittene Matscheibe auf VHS-Kassetten kopiert und verteilt. Um mal den Eindruck von damals zu vermitteln, habe ich etwas rausgesucht...
Man gab ihm dann 15 Minuten Sendezeit, was aber imho der Sendung nicht so viel gebracht hat. Es war jetzt etwas entspannter, aber auch ein klitzeklein wenig langatmiger. Danach kam (glaube ich) auf ProSieben die Kalkofe Show, bei der die 15 Minuten Fernsehkritik auf eine Stunde oder so aufgebläht und mit Werbung unterbrochen wurden - das war auch der Punkt an dem ich zum einen gar kein Fernsehen mehr schaute und zum anderen an dem ich Herrn Kalkofe im Kommerz angekommen sah.
Umso erfreulicher, dass er auf Tele5 (von mir lange unbemerkt) weitergemacht hat und man sich dort die neuen, sehenswerten und wirklich erstklassigen Verrisse anschauen kann - wieder back to the roots, in 15minütigen Folgen. Ich habe den Link mal auf Staffel 1 Folge 1 eingestellt. 😉
Oliver Kalkofe (@twitkalk)
Ich erinnere mich noch, wie ich in den 90ern die 10minütige "Kalkofes Mattscheibe" bei "premeire" (jetzt sky) mit dem Videorecorder mitgeschnitten habe, immer manuell, da premiere die unangenehme Angewohnheit hatte, dieses Kleinod deutscher Fernsehunterhaltung mal nen Ticken früher oder später auszustrahlen.
Der frühe Kalkofe war genial (der späte ist es immer noch!), ähnlich wie man bei Twitter auf 280 Zeichen beschränkt ist, so wurden in seinen 10 Minuten ein unglaubliches Gagfeuerwerk gezündet, das immer irgendwo zwischen lyrisch eloquent und einem Schlag ober oder unterhalb der Gürtellinie lag. Eines war es nie - langweilig. Und bevor die DVD-Box rauskam (die ich latürnich käuflich erworben habe), hatten wir die mitgeschnittene Matscheibe auf VHS-Kassetten kopiert und verteilt. Um mal den Eindruck von damals zu vermitteln, habe ich etwas rausgesucht...
Man gab ihm dann 15 Minuten Sendezeit, was aber imho der Sendung nicht so viel gebracht hat. Es war jetzt etwas entspannter, aber auch ein klitzeklein wenig langatmiger. Danach kam (glaube ich) auf ProSieben die Kalkofe Show, bei der die 15 Minuten Fernsehkritik auf eine Stunde oder so aufgebläht und mit Werbung unterbrochen wurden - das war auch der Punkt an dem ich zum einen gar kein Fernsehen mehr schaute und zum anderen an dem ich Herrn Kalkofe im Kommerz angekommen sah.
Umso erfreulicher, dass er auf Tele5 (von mir lange unbemerkt) weitergemacht hat und man sich dort die neuen, sehenswerten und wirklich erstklassigen Verrisse anschauen kann - wieder back to the roots, in 15minütigen Folgen. Ich habe den Link mal auf Staffel 1 Folge 1 eingestellt. 😉
Freitag, März 06, 2020
Neulich beim wirken lassen...
Seit fast 15 Jahren (mit einer größeren Pause 😔) kritisiere ich in diesem Blog neben Religion auch jeden anderen Schwurbel, der mir so über den Weg läuft und der unser Verständnis von der Welt unterminiert. Ein leichtes Ziel war hier auch immer die Homöopathie. Hätte ich Frau Grams vor 15 Jahren kennengelernt, so hätten wir im Zweifel trefflich über genau dieses Thema gestritten, doch hat sie mittlerweile die Wandlung vom Saulus zum Paulus hinter sich, war anscheinend damals eine praktizierende Ärztin mit hohem homöopathischen Anteil und hat diesen Krempel aber mittlerweile über Bord geworfen (und betreibt mit anderen zusammen eine Aufklärungsseite über Homöopathie).
Ich habe mir in diesem Zusammenhang ihr neues Buch zu Gemüte geführt,
"Was wirklich wirkt - Kompass durch die Welt der sanften Medizin"*,
wohl wissend, dass mich hier eine "geläuterte" Frau Grams erwarten würde. Und was soll ich sagen, ich wurde nicht enttäuscht.
Ähnlich wie beim neuen Buch von Richard Dawkins, konnte Frau Grams mich als Skeptiker nicht fundamental überraschen, aber nach der Lektüre ist mein medizinisches Bild von der Welt doch um einiges runder geworden, einiger Wissensstand aktualisiert und einige (Gegen)Argumente vervollständigt. Auch schildert sie ihre persönliche Hin- bzw. Abwendung zur/von der Homöopathie, was im Zusammenhang mit ihrer hochschulmedizinischen Ausbildung dem Buch noch mehr Authentizität verleiht.
Ich habe mir in diesem Zusammenhang ihr neues Buch zu Gemüte geführt,
"Was wirklich wirkt - Kompass durch die Welt der sanften Medizin"*,
wohl wissend, dass mich hier eine "geläuterte" Frau Grams erwarten würde. Und was soll ich sagen, ich wurde nicht enttäuscht.
Ähnlich wie beim neuen Buch von Richard Dawkins, konnte Frau Grams mich als Skeptiker nicht fundamental überraschen, aber nach der Lektüre ist mein medizinisches Bild von der Welt doch um einiges runder geworden, einiger Wissensstand aktualisiert und einige (Gegen)Argumente vervollständigt. Auch schildert sie ihre persönliche Hin- bzw. Abwendung zur/von der Homöopathie, was im Zusammenhang mit ihrer hochschulmedizinischen Ausbildung dem Buch noch mehr Authentizität verleiht.
Dienstag, März 03, 2020
Das po8ische Lexikon #1 - Toleranz
Es gibt leider ein paar Wörter, die finde ich dermaßen ausgelutscht und inhaltsleer, obwohl sie ad nauseam durch alle Medien geistern. Hier werde ich, in loser Reihenfolge und nicht alphabetisch geordnet meinen Senf dazu abgeben - nicht in Gedichtform...
Toleranz
Das Wort kommt ursprünglich aus dem Lateinischen und bedeutet:
- aushalten
- erdulden
- ertragen
Mich dunkel an meinen Lateinunterricht erinnernd, wurde das Wort dort auch schon in eher negativem Zusammenhang verwendet. Der Held, der die Qualen des Schicksals erdulden musste, das Volk, das die Gefangenschaft ertrug usw. usf.. Das positive an "tolerare" ist, das wir es aushalten (können), aber das negative ist, dass wir es ändern wollen. Der nächste logische Schritt nach tolerieren ist nämlich akzeptieren, verwerfen oder ändern. Bei ändern stehen wir dann wieder am Anfang.
Toleranz
Das Wort kommt ursprünglich aus dem Lateinischen und bedeutet:
- aushalten
- erdulden
- ertragen
Mich dunkel an meinen Lateinunterricht erinnernd, wurde das Wort dort auch schon in eher negativem Zusammenhang verwendet. Der Held, der die Qualen des Schicksals erdulden musste, das Volk, das die Gefangenschaft ertrug usw. usf.. Das positive an "tolerare" ist, das wir es aushalten (können), aber das negative ist, dass wir es ändern wollen. Der nächste logische Schritt nach tolerieren ist nämlich akzeptieren, verwerfen oder ändern. Bei ändern stehen wir dann wieder am Anfang.
Mal ein Beispiel:
Homosexuelle Beziehungen wurden früher nicht toleriert und auch nicht akzeptiert - es war ein Straftatbestand. Dieser wurde modifiziert (keine Straftat mehr) und sogar vor kurzem die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare gesetzlich verankert. D.h. die Zwischenstände wurden von den einzelnen Parteien "toleriert" aber nicht akzeptiert. Der aktuelle Zustand bedeutet für gleichgeschlechtliche Paare das Ende, wohingegen evtl. ein paar Leute, die das nicht akzeptieren können oder wollen, mit der "modifizieren" Schleife weitermachen wollen.
Inspiriert hat mich hierzu Herr Gauck, der bei seiner Buchvorstellung von einer "erweiterten Toleranz" sprach (wie man hier sehen kann). Pastoral religiös wird hier anscheinend (ich werde mir das Buch nicht gönnen) wieder Toleranz beschworen, wo wir doch viel dringender Akzeptanz oder klare Ablehnung bräuchten. Toleranz ist das wischi-waschi, das zwischen-Himmel-und-Erde, das nicht-Fisch und nicht-Fleisch im politischen Sermon, das immer dann beschworen wird, wenn man sich nicht auf eine Seite schlagen will.
Das Wort passt zu allem irgendwie, es ist (komischerweise?) positiv besetzt und wer tolerant ist oder das von sich behauptet, hat schon mal die Likes auf seiner Seite. Ich z.B. bin (wie man mittlerweile wissen sollte) sehr intolerant gegenüber Menschenrechtsverletzungen (wie z.B. das Rumschnippeln an kleinen Kindern, die frühkindliche Indoktrination oder wenn die sexuelle Orientierung zum Straftatbestand wird). D.h. da befinde ich mich in der Schleife, dass diese Zustände modifiziert werden müssen. Ich kann den Status quo nicht akzeptieren - und ich kann auch begründen warum. Sollten sich die Argumente hier ändern, dann wäre ich auch bereit Dinge zu akzeptieren, d.h. ich mache das von den Fakten abhängig.
Genau das kann ich auch nur den dampfplaudernden Politikern empfehlen (z.B. bei der Homöopathie), werdet konkret, bezieht Stellung, trefft eine Entscheidung und schafft Akzeptanz (oder verwerft es), anstatt sich (wie Gauck) immer auf die flauschige Toleranzinsel der Glückseligkeit zurückzuziehen.
Sonntag, März 01, 2020
Das Wort zum Sonntag #74
Thema heute: religiöse Symbole in der Öffentlichkeit
Diese Woche hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass für eine klagende Rechtsreferendarin (und anscheinend gläubige Muslima) das Kopftuch bei gewissen Tätigkeiten im Gericht abzulegen sei, wie man hier lesen kann. Für den säkularen Staat (der er ja gem. Grundgesetz sein soll) ist das nur der erste Schritt in die richtige Richtung. Ebenso sollten auch alle religiösen Symbole des Christentums oder jeder anderen Religion aus Gerichten verschwinden.
Ein Gericht sollte ein Ort sein, an dem nach bestem Wissen nach der Wahrheit geforscht wird, um dem Beschuldigten und dem Klagenden das bestmöglichste und fairste Recht gem. der aktuellen Gesetzeslage zukommen zu lassen. Dass Gerichte dieses hehre Ziel nicht immer erreichen ist angesichts der Menschlichen Unzulänglichkeit und Fehleranfälligkeit verständlich, aber wir sollten uns an dieser Idealvorstellung orientieren.
Im Prozess gegen Jörg Kachelmann (btw, war das z.B. nicht der Fall. Es erfolgte eine mediale Vorverurteilung, das Gericht verhängte Untersuchungshaft usw. usf.. Natürlich sind auch Richter nicht losgelöste juristische Wesen, sondern Menschen mit Vergangenheit. Wenn wir uns z.B. in die Lage einer Richterin versetzen, die in ihrer Jugend sexuelle Nötigung erfahren hat und jetzt über einen sexuellen Nötiger zu urteilen hat, dann ergibt das automatisch ein Spannungsfeld für sie - und zwar in beide Richtungen. Wenn sie besonnen ist, ist sie sich ihrer Geschichte gewahr und wird u.U. zu milde urteilen, um nicht den Verdacht zu erhärten, auf Grund ihrer Biographie Rache zu üben. Umgekehrt könnte sie auf Grund ihrer Erfahrung gerade ein hartes Urteil fällen, weil sie den Sachverhalt selbst erlebt hat.
Diese Woche hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass für eine klagende Rechtsreferendarin (und anscheinend gläubige Muslima) das Kopftuch bei gewissen Tätigkeiten im Gericht abzulegen sei, wie man hier lesen kann. Für den säkularen Staat (der er ja gem. Grundgesetz sein soll) ist das nur der erste Schritt in die richtige Richtung. Ebenso sollten auch alle religiösen Symbole des Christentums oder jeder anderen Religion aus Gerichten verschwinden.
Ein Gericht sollte ein Ort sein, an dem nach bestem Wissen nach der Wahrheit geforscht wird, um dem Beschuldigten und dem Klagenden das bestmöglichste und fairste Recht gem. der aktuellen Gesetzeslage zukommen zu lassen. Dass Gerichte dieses hehre Ziel nicht immer erreichen ist angesichts der Menschlichen Unzulänglichkeit und Fehleranfälligkeit verständlich, aber wir sollten uns an dieser Idealvorstellung orientieren.
Im Prozess gegen Jörg Kachelmann (btw, war das z.B. nicht der Fall. Es erfolgte eine mediale Vorverurteilung, das Gericht verhängte Untersuchungshaft usw. usf.. Natürlich sind auch Richter nicht losgelöste juristische Wesen, sondern Menschen mit Vergangenheit. Wenn wir uns z.B. in die Lage einer Richterin versetzen, die in ihrer Jugend sexuelle Nötigung erfahren hat und jetzt über einen sexuellen Nötiger zu urteilen hat, dann ergibt das automatisch ein Spannungsfeld für sie - und zwar in beide Richtungen. Wenn sie besonnen ist, ist sie sich ihrer Geschichte gewahr und wird u.U. zu milde urteilen, um nicht den Verdacht zu erhärten, auf Grund ihrer Biographie Rache zu üben. Umgekehrt könnte sie auf Grund ihrer Erfahrung gerade ein hartes Urteil fällen, weil sie den Sachverhalt selbst erlebt hat.
Mittwoch, Februar 12, 2020
Letztens in Prag...
Ich bin eher zufällig über das untenstehende Video gestolpert, in welchem die Barbarei der Beschneidung sehr sachlich vorgetragen wird. Erschreckend ist, wie wenig Wissen in den USA in Bezug auf die Beschneidungspraxis herrscht und noch erschreckender ist, dass sich Deutschland 2012 vor allem von amerikanischen Kinderärzten bzgl. dieser Entscheidung beraten ließen. Selber nachdenken hätte wahrscheinlich mehr gebracht - aber dafür werden Politiker ja nicht bezahlt... 😑
Und hier noch das Video, das mir YouTube im Anschluss angeboten hat. Die Perfidie wird gleich am Anfang ausgesprochen - Jungs werden erst zu Männern, wenn man ihnen ein Stück vom Penis wegschneidet (gilt das etwa für Mädchen auch? und falls nein, warum nicht?)... menschenverachtender geht es kaum und auch sehr schön und bezeichnend, dass sich noch nicht einmal Journalisten differenziert mit dem Thema auseinandersetzen, sondern einen Gummiring als das non-plus-Ultra loben, das viele Leben retten wird. Noch mehr Leben (und Penisse) würde retten, wenn man auf diese archaische Scheußlichkeit, diesen kulturell-religiösen Schwachsinn, diese unsägliche Barbarei einfach verzichten würde. Weniger ist mehr - hier zumindest.
Und hier noch das Video, das mir YouTube im Anschluss angeboten hat. Die Perfidie wird gleich am Anfang ausgesprochen - Jungs werden erst zu Männern, wenn man ihnen ein Stück vom Penis wegschneidet (gilt das etwa für Mädchen auch? und falls nein, warum nicht?)... menschenverachtender geht es kaum und auch sehr schön und bezeichnend, dass sich noch nicht einmal Journalisten differenziert mit dem Thema auseinandersetzen, sondern einen Gummiring als das non-plus-Ultra loben, das viele Leben retten wird. Noch mehr Leben (und Penisse) würde retten, wenn man auf diese archaische Scheußlichkeit, diesen kulturell-religiösen Schwachsinn, diese unsägliche Barbarei einfach verzichten würde. Weniger ist mehr - hier zumindest.
Sonntag, Februar 09, 2020
Das Wort zum Sonntag #73
Thema heute: Religionskritik
Aktueller Anlass zu diesem Thema sind die Morddrohungen gegen eine 16jährige Französin die, wie z.B. hier zu lesen ist, folgendes gesagt haben soll:
Gut, das ist jetzt nicht besonders fundiert, aber es ist halt ihre Meinung (meine übrigens auch). Ich denke, dass (fast) alle Religionen die Menschen eher spalten, als sie zusammenzubringen und bei (fast) allen Religionen muss man sich als gemäßigter Gläubiger mit einem gehörigen Doppeldenk über die Hasstiraden, die sowohl in der Bibel, als auch im Koran (oder der jeweiligen heiligen Schrift) zu finden sind, hinwegsetzen.
Auch ist es ein natürliches, evolutionsbedingtes Verhalten, dass wir unsere Ansichten nicht so schnell ändern. Wer immer schon der Meinung war, dass Wünschelrutengehen oder Homöopathie funktioniert, der lässt sich nicht durch ein paar kritische Argumente davon abbringen. Jeder vermeintliche Beleg für die Wirksamkeit (ich habe Wasser entdeckt! ich wurde durch Globuli vom Schnupfen geheilt!), bestärkt den eigenen Glauben mehr, als er durch ein Argument (Wünschelrutengehen wurde noch NIE unter Laborbedinungen bestätigt. Homöopathika enthalten keinen Wirkstoff und konnten noch nie eine Wirkung über dem Placeboeffekt belegen) erschüttert werden könnte.
Schlimmer noch, wenn man in so einem Glaubenssystem verhaftet ist, ist jede kritische Betrachtung natürlich auch in gewisser Weise ein Angriff gegen die eigene Person, weil man sich ja mit dem System identifiziert, ein Teil von diesem ist. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Christen sich sehr wohl der Islamkritik bewusst sind und diese zum großen Teil auch akzeptieren, sobald man aber die gleichen Kritikpunkte für das Christentum anwendet (zirkuläre Logik, ein behaupteter Gott & Gottessohn, keine externen Quellen, logische Fehler), wird diese rigoros abgelehnt.
Aktueller Anlass zu diesem Thema sind die Morddrohungen gegen eine 16jährige Französin die, wie z.B. hier zu lesen ist, folgendes gesagt haben soll:
„Ich hasse Religion, der Koran ist voller Hass… Eure Religion ist Scheiße“
Gut, das ist jetzt nicht besonders fundiert, aber es ist halt ihre Meinung (meine übrigens auch). Ich denke, dass (fast) alle Religionen die Menschen eher spalten, als sie zusammenzubringen und bei (fast) allen Religionen muss man sich als gemäßigter Gläubiger mit einem gehörigen Doppeldenk über die Hasstiraden, die sowohl in der Bibel, als auch im Koran (oder der jeweiligen heiligen Schrift) zu finden sind, hinwegsetzen.
Auch ist es ein natürliches, evolutionsbedingtes Verhalten, dass wir unsere Ansichten nicht so schnell ändern. Wer immer schon der Meinung war, dass Wünschelrutengehen oder Homöopathie funktioniert, der lässt sich nicht durch ein paar kritische Argumente davon abbringen. Jeder vermeintliche Beleg für die Wirksamkeit (ich habe Wasser entdeckt! ich wurde durch Globuli vom Schnupfen geheilt!), bestärkt den eigenen Glauben mehr, als er durch ein Argument (Wünschelrutengehen wurde noch NIE unter Laborbedinungen bestätigt. Homöopathika enthalten keinen Wirkstoff und konnten noch nie eine Wirkung über dem Placeboeffekt belegen) erschüttert werden könnte.
Schlimmer noch, wenn man in so einem Glaubenssystem verhaftet ist, ist jede kritische Betrachtung natürlich auch in gewisser Weise ein Angriff gegen die eigene Person, weil man sich ja mit dem System identifiziert, ein Teil von diesem ist. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Christen sich sehr wohl der Islamkritik bewusst sind und diese zum großen Teil auch akzeptieren, sobald man aber die gleichen Kritikpunkte für das Christentum anwendet (zirkuläre Logik, ein behaupteter Gott & Gottessohn, keine externen Quellen, logische Fehler), wird diese rigoros abgelehnt.
Sonntag, Februar 02, 2020
Das Wort zum Sonntag #72
Thema heute: Religion und Wissenschaft
Ausgangspunkt zur heutigen Diskussion ist dieses Video:
https://mobile.twitter.com/rightwingwatch/status/1220740601781608448
Daraufhin gab es einen Thread (hier nur ein Auszug), den ich mir erlaubte zu kommentieren:
Worauf ich natürlich korrigiert wurde:
Das soll die Ausgangsthese heute sein, in Europa gäbe es ein Christentum, das mit "rationalem Verstand kompatibel" sei, das "Wissenschaft als Gewinn/Geschenk" begreife.
Natürlich kann man jede Religion solange weichspülen, dass sie irgendwie mit der Realität übereinstimmt. Bestes Beispiel hierfür ist der Deismus, der Glaube daran, dass Gott quasi das Universum anschubste, sich aber ansonsten raushält. Doch genau das tut das Christentum ja nicht. Deus io vult - Gott will es so, war schon der Spruch der Kreuzzügler und ist im Prinzip auch der Duktus der Kirche. Alles geschieht so, wie Gott es will.
Dachte man jetzt, mit dem Mittelalter wäre der Drops gelutscht und danach wäre es besser geworden - weit gefehlt. Im Jahr 1864 verurteilte der damalige Papst Pius IX. mit dem Syllabus errorum so ziemlich alles, was dem Christentum bzw. der Catholica ein Dorn im Auge war. So zum Beispiel:
Und so war es immer, seit in der Wissenschaft die wissenschaftliche Methode angewandt wurde. Darwin traute sich nicht, die Evolutionstheorie zu veröffentlichen, weil diese konträr zur kirchlichen Lehrmeinung stand. Kopernikus hat sein Heliozentrisches Bild unseres Sonnensystems nicht veröffentlicht - aus Furcht vordem Shitstorm der Exkommunikation. Kepler, der es dann tat, bekam keinen Lehrstuhl mehr.
Jetzt im 21. Jahrhundert, nachdem die Anzahl der Gläubigen stetig sinkt, unser Verständnis der Welt immer besser wird und der Lückenbüßergott kaum noch Lücken findet, da kommen dann Aussagen, wie die obige, meist gestützt auf die "papstliche Akademie der Wissenschaften", zuerst von 1603 bis 1641, dem Tode Galileis bestand, die dann von obigem Pius IX. 1847 wiederhergestellt und in der heutigen Form erst von Pius XI. 1936 eingerichtet wurde. Nach dem Motto, umarme, was Du nicht umbringen kannst, schmückt sich seitdem der Heilige Stuhl mit einer unabhängigen Forschung in dieser Einrichtung. Wenn es hart auf hart kommt, bezweifle ich aber, dass aus dieser Akademie etwas nennenswertes entsteht. Ich vermute mal, es ist das wissenschaftliche Feigenblatt, mit dem man die naturalistisch veranlagten Gläubigen vom Austritt abhalten will.
Besser als Roland Fakler kann man es eigentlich nicht zusammenfassen:
Ausgangspunkt zur heutigen Diskussion ist dieses Video:
https://mobile.twitter.com/rightwingwatch/status/1220740601781608448
Daraufhin gab es einen Thread (hier nur ein Auszug), den ich mir erlaubte zu kommentieren:
Worauf ich natürlich korrigiert wurde:
Das soll die Ausgangsthese heute sein, in Europa gäbe es ein Christentum, das mit "rationalem Verstand kompatibel" sei, das "Wissenschaft als Gewinn/Geschenk" begreife.
Natürlich kann man jede Religion solange weichspülen, dass sie irgendwie mit der Realität übereinstimmt. Bestes Beispiel hierfür ist der Deismus, der Glaube daran, dass Gott quasi das Universum anschubste, sich aber ansonsten raushält. Doch genau das tut das Christentum ja nicht. Deus io vult - Gott will es so, war schon der Spruch der Kreuzzügler und ist im Prinzip auch der Duktus der Kirche. Alles geschieht so, wie Gott es will.
"Experiment und induktive Forschung wurden verbannt, die Erfahrungswissenschaften durch Bibel und Dogma erstickt, Naturwissenschaftler in Gefängnisse und auf Scheiterhaufen getrieben. 1163 verbietet Papst Alexander III. … allen Klerikern das Studium der Physik. 1380 untersagt ein französischer Parlamentsbeschluss jede Beschäftigung mit Chemie unter Berufung auf ein Dekret von Papst Johann XXII." (Deschner)
Dachte man jetzt, mit dem Mittelalter wäre der Drops gelutscht und danach wäre es besser geworden - weit gefehlt. Im Jahr 1864 verurteilte der damalige Papst Pius IX. mit dem Syllabus errorum so ziemlich alles, was dem Christentum bzw. der Catholica ein Dorn im Auge war. So zum Beispiel:
- Religionsfreiheit
- Menschenrechte
- Meinungsfreiheit
- Demokratie usw.
Der Vatikan hat Wissenschaft und Kirche als miteinander vereinbar erklärt. Doch es gilt auch weiterhin: Bei den beiden Wissensquellen Vernunft und Offenbarung hat die Offenbarung, also der Glaube, noch immer den Vorrang.
Und so war es immer, seit in der Wissenschaft die wissenschaftliche Methode angewandt wurde. Darwin traute sich nicht, die Evolutionstheorie zu veröffentlichen, weil diese konträr zur kirchlichen Lehrmeinung stand. Kopernikus hat sein Heliozentrisches Bild unseres Sonnensystems nicht veröffentlicht - aus Furcht vor
Jetzt im 21. Jahrhundert, nachdem die Anzahl der Gläubigen stetig sinkt, unser Verständnis der Welt immer besser wird und der Lückenbüßergott kaum noch Lücken findet, da kommen dann Aussagen, wie die obige, meist gestützt auf die "papstliche Akademie der Wissenschaften", zuerst von 1603 bis 1641, dem Tode Galileis bestand, die dann von obigem Pius IX. 1847 wiederhergestellt und in der heutigen Form erst von Pius XI. 1936 eingerichtet wurde. Nach dem Motto, umarme, was Du nicht umbringen kannst, schmückt sich seitdem der Heilige Stuhl mit einer unabhängigen Forschung in dieser Einrichtung. Wenn es hart auf hart kommt, bezweifle ich aber, dass aus dieser Akademie etwas nennenswertes entsteht. Ich vermute mal, es ist das wissenschaftliche Feigenblatt, mit dem man die naturalistisch veranlagten Gläubigen vom Austritt abhalten will.
Besser als Roland Fakler kann man es eigentlich nicht zusammenfassen:
Jahrhundertelang mussten wenige mutige Forscher wissenschaftliche Erkenntnisse gegen die Kirchen durchsetzen: Kopernikus, Galilei, Kepler, Darwin…Nichts was unsere Gesellschaft heute ausmacht, weder im politischen, sozialen oder im wissenschaftlichen Umfeld ist wegen des Christentums vorhanden - man müsste eher sagen: trotz! Alles musste gegen den erbitterten Widerstand der Kirche erkämpft werden. Blinder Glaube hat uns von den Erkenntnissen der Antike weggeführt in ein finsteres Mittelalter, in der Heiligenlegenden Allgemeinbildung ersetzten und die einzig "Gelehrten" noch Geistliche und Adelige waren, also ein paar Prozent der Bevölkerung - und das auch nur in Konformität zum Christentum bzw. der Kirche. Imho haben wir dadurch einige hundert Jahre an kultureller und wissenschaftlicher Entwicklung eingebüßt und vielleicht stellte sich heute die Frage nach dem Klimawandel gar nicht, weil unsere Vorfahren diesen schon vor 100 Jahren gelöst hätten... 😉
In den protestantischen Ländern war dies leichter, weil es dort keine allmächtige Autorität gab, die dies hätte verhindern können, in den Niederlanden, England, USA.
Schließlich ist die Kirche auf den laufenden Zug aufgesprungen, behauptet heute selbst Wissenschaft zu treiben und dass sie schon immer für die Wissenschaft war.
Wer nicht denken kann, glaubt. Wer Angst vor dem Denken hat, glaubt. Wer glaubt, denken zu können, glaubt. Und das glauben fast alle. (Deschner)
Sonntag, Januar 26, 2020
Das Wort zum Sonntag #71
Thema heute: Kindesmissbrauch und Zölibat
Wie man z.B. hier, aber auch an anderen Stellen lesen kann, bleibt von der großspurig angelegten Aufdeckungsaktion weniger übrig als ein Kaninchenfurz:
Man hat zur Ermittlung der Daten schon fast 8 Jahre gebraucht, jetzt streitet man sich u.a. über Entschädigung (und aus welchem Topf diese zu bezahlen wäre) und wieder sind weitere zwei Jahre vergangen, in denen die Kirche nichts gemacht hat außer: die Täter in den eigenen Reihen zu schützen!
Prof. Holm Putzke, der schon sehr positiv bei den Beschneidungsdiskussionen aufgefallen ist, dem aber imho v.a. im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu wenig Raum gegeben wird (evtl. weil er gegen Religioten aber für Kinder argumentiert?), formuliert das so:
Ich hatte selbst damals, noch bevor die Studie in Auftrag gegeben wurde, auf die Schweinerei im Bistum Regensburg hingewiesen, die natürlich ohne jegliche Konsequenzen für Bischof Müller verlaufen ist. Wie man es erwartete und wie man es von den Kirchen kennt, Probleme werden andiskutiert und dann ausgesessen. Das Strafgesetzbuch mag für den profanen Kinderschänder gelten, klerikale Kinderficker scheinen über diesem zu stehen, weil sie ja innerkirchlich (meist mit Versetzung) bestraft würden - was für eine Heuchelei und Bigotterie.
Doch ein Punkt stört extrem, der speziell die katholische Kirche betrifft: die unsägliche Verquickung von Zölibat und Kindesmissbrauch. Das liest sich wie folgt:
Ich habe natürlich vollstes Verständnis dafür, dass die progressiveren Kreise den Zölibat loswerden wollen, nur sollte er in diesem Zusammenhang eines nicht verschleiern: die faktischen Verbrechen an Kindern und Minderjährigen. Manche Ausführung liest sich so, als wäre der Zölibat so etwas wie der fehlende Sicherheitsgurt im Auto, durch den ein erhöhtes Verletzungsrisiko bestünde. Auch ist das Aufführen von beiden Begriffen in meinen Augen grob falsch. Es gab und gibt auch Missbrauchsfälle auf protestantischer Seite und dort gibt es den Zölibat nicht.
Der faktische Zölibat sieht in Deutschland so aus, dass eine Beziehung des Priesters mit seiner Haushälterin oder seinem Haushälter geduldet wird. Sogar für uneheliche Kinder aus diesen Beziehungen übernimmt die Kirche den Unterhalt. Wer also damit leben kann, dass er nicht auf dem Papier verheiratet ist, den perforiert der Zölibat nur tangential. Andere Priester haben auch schon die Kirche verlassen oder ihr Priesteramt niedergelegt, um offiziell heiraten zu können.
D.h. der Zölibat ist vernachlässigbar - auch und gerade als Risiko. Durch die Vermengung der Begriffe entsteht beim laienhaften Zuhören aber folgender Eindruck:
Wie man z.B. hier, aber auch an anderen Stellen lesen kann, bleibt von der großspurig angelegten Aufdeckungsaktion weniger übrig als ein Kaninchenfurz:
Im Herbst 2018 machte die Missbrauchsstudie der katholischen Kirche mit erschreckenden Zahlen Schlagzeilen: Mindestens 3677 Minderjährige wurden in den Jahren 1946 bis 2014 von 1670 Klerikern missbraucht.
Man hat zur Ermittlung der Daten schon fast 8 Jahre gebraucht, jetzt streitet man sich u.a. über Entschädigung (und aus welchem Topf diese zu bezahlen wäre) und wieder sind weitere zwei Jahre vergangen, in denen die Kirche nichts gemacht hat außer: die Täter in den eigenen Reihen zu schützen!
Prof. Holm Putzke, der schon sehr positiv bei den Beschneidungsdiskussionen aufgefallen ist, dem aber imho v.a. im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu wenig Raum gegeben wird (evtl. weil er gegen Religioten aber für Kinder argumentiert?), formuliert das so:
... die katholische Kirche habe sich "redlich darum bemüht, damit die in ihren Reihen massenweise begangenen Verbrechen an Kindern inzwischen nicht mehr verfolgbar sind".
Ich hatte selbst damals, noch bevor die Studie in Auftrag gegeben wurde, auf die Schweinerei im Bistum Regensburg hingewiesen, die natürlich ohne jegliche Konsequenzen für Bischof Müller verlaufen ist. Wie man es erwartete und wie man es von den Kirchen kennt, Probleme werden andiskutiert und dann ausgesessen. Das Strafgesetzbuch mag für den profanen Kinderschänder gelten, klerikale Kinderficker scheinen über diesem zu stehen, weil sie ja innerkirchlich (meist mit Versetzung) bestraft würden - was für eine Heuchelei und Bigotterie.
Doch ein Punkt stört extrem, der speziell die katholische Kirche betrifft: die unsägliche Verquickung von Zölibat und Kindesmissbrauch. Das liest sich wie folgt:
„Denn der Zölibat ist Teil eines Systems. Und der Zölibat ist ein Risikofaktor für den Missbrauch. Deshalb darf man das Thema nicht länger aussitzen oder in einer Entschuldigungsrhethorik vertuschen. Sondern, es muss grundsätzlich dieses Problem, das Systemproblem, angegangen werden – und zwar im Interesse der Opfer“ (Deutschlandfunk, Hubert Wolf, Theologe)
Der Zölibat ist nicht die Ursache, aber er begünstigt den Missbrauch. Offensichtlich werden Menschen mit einer verkorksten Sexualität vom Zölibat des katholischen Priestertums besonders angezogen. (Zeit, Anselm Bilgri, ehem. Benediktinermönch und Priester)
Deutsche Welle: Würde nicht etwa die Abschaffung des Pflichtzölibats helfen? In dem Bericht, der letztes Jahr von der Deutschen Bischofskonferenz vorgestellt wurde, heißt es, dass das Pflichtzölibat der Priester ein Faktor sei, der Missbrauch begünstigen kann.
Zollner: Aber in dem Bericht steht auch drin, dass der Zölibat nicht eo ipso zum Missbrauch führt. Insofern ist das selbst in dem Bericht nicht eindeutig. Wenn man in andere Berichte schaut, die in den USA, Australien oder sonstwo von Regierungen im Auftrag gegeben wurden, dort heißt es: Der Zölibat führt nicht zum Missbrauch. Dass ein zölibatär Lebender im Lauf der Zeit zu einem Risikofaktor für Missbrauch, aber nicht nur vom Missbrauch von Jugendlichen, sondern auch von Alkohol oder von sonstwas werden kann, ist eine andere Sache. Dazu braucht es eine andere Art vom Vorgehen. Zu erwarten, dass durch die Aufhebung des Zölibats der Missbrauch ein für allemal verschwindet, ist sehr falsch - vor allem auch wenn man in die Gesellschaft und in die anderen Religionen hineinschaut. (DW, Hans Zollner
Dazu gehörten „Machtmissbrauch und Klerikalismus, Sexualität und Sexualmoral, Zölibat und Ausbildung der Priester“. Allerdings sei „der Zölibat nicht die Ursache für Missbrauch, das ist absolut nicht der Fall“. Dennoch könne ein Leben in der Ehelosigkeit kombiniert mit bestimmten Schwächen einer Person zum Problem werden. (Der Tagesspiegel, Kardinal Marx, Vorsitzender der Bischofskonferenz)
Ich habe natürlich vollstes Verständnis dafür, dass die progressiveren Kreise den Zölibat loswerden wollen, nur sollte er in diesem Zusammenhang eines nicht verschleiern: die faktischen Verbrechen an Kindern und Minderjährigen. Manche Ausführung liest sich so, als wäre der Zölibat so etwas wie der fehlende Sicherheitsgurt im Auto, durch den ein erhöhtes Verletzungsrisiko bestünde. Auch ist das Aufführen von beiden Begriffen in meinen Augen grob falsch. Es gab und gibt auch Missbrauchsfälle auf protestantischer Seite und dort gibt es den Zölibat nicht.
Der faktische Zölibat sieht in Deutschland so aus, dass eine Beziehung des Priesters mit seiner Haushälterin oder seinem Haushälter geduldet wird. Sogar für uneheliche Kinder aus diesen Beziehungen übernimmt die Kirche den Unterhalt. Wer also damit leben kann, dass er nicht auf dem Papier verheiratet ist, den perforiert der Zölibat nur tangential. Andere Priester haben auch schon die Kirche verlassen oder ihr Priesteramt niedergelegt, um offiziell heiraten zu können.
D.h. der Zölibat ist vernachlässigbar - auch und gerade als Risiko. Durch die Vermengung der Begriffe entsteht beim laienhaften Zuhören aber folgender Eindruck:
"Der arme Herr Pfarrer konnte ja nicht anders, als sich am Ministranten zu vergreifen, wenn ihn die Kirche doch keine Frau haben lässt...."Der "Herr Pfarrer" ist aber ein erwachsener Mann, der wusste auf was er sich einlässt. Der Herr Pfarrer hat die Hochschulreife erworben und ein Theologiestudium (egal wie blöd das auch ist) absolviert und der Herr Pfarrer sollte auch wissen, dass sexuelle Handlungen an Minderjährigen einen Straftatbestand darstellen. Das ist durch nichts zu entschuldigen, am wenigsten durch den Zölibat!
Freitag, Januar 24, 2020
Sonntag, Januar 19, 2020
Neulich in Niederbayern...
Mit diesem und diesem Wort zum Sonntag, sollte meine Einstellung zur Abtreibung deutlich geworden sein. Hier aber noch ein kleiner Nachtrag. In dieser Spiegelkolumne schreibt Frau Stokowski (mit der ich - offen gestanden - nicht oft einer Meinung bin) folgendes, was ich aber diesmal unterstreichen kann:
Anscheinend bekommen es Gesellschaften wie die Deutsche (die Österreicher ja auch), nicht gebacken, hier eine klare, säkulare, wissenschaftsbasierte Gesetzeslage zu schaffen. Was lässt uns hoffen, dass bei einem hochkomplexen Thema wie dem des Klimawandels bessere Entscheidungen getroffen, bessere Gesetze gemacht würden? Hängt der Ruf nach der Wissenschaft vom Gusto oder der Tagesform ab? Ich sage nicht, dass die Wissenschaft die Antworten hat, aber sie hat wenigstens die Fakten. Und Fakten sollten immer die Diskussionsgrundlage bilden, nicht irgendwelche persönlichen Erfahrungen oder Gefühle (wie bei den Grünen und der Homöopathie) oder irgendwelche religiösen Schwurbeleien (wie bei den Pro-Life Aktivisten), dich noch nicht mal durch die (un)heiligen Bücher abgedeckt sind.
Wer sich 30 Sekunden mit Abtreibung beschäftigt hat, weiß, dass da keine "Kinder auf die Welt geholt werden - und zwar tot". Der Zellklumpen, der bei einer Abtreibung in den ersten zwölf Wochen einer Schwangerschaft aus dem Uterus geholt wird, ist noch kein Kind. Die einzige Gruppe, die das so benennen würde, sind sogenannte Lebensschützer, also AbtreibungsgegnerInnen, die Abbrüche am liebsten komplett verbieten würden.Frau Stokowski bezieht sich auf diesen Artikel im Tagesspiegel, den ich mir natürlich auch zu Gemüte geführt habe. Und ja, ich sehe genau die gleiche Tendenz (v.a. durch das Bild) wie die Spiegelkolumnistin, wenn auch unter der Fragestellung "Wann ist ein Mensch ein Mensch?" der aktuelle Stand differenziert dargestellt wird:
Sobald eine Eizelle befruchtet ist, beziehungsweise sich in der Gebärmutter einnistet, sagen konservative Christen.Für mich unverständlich: wir haben hier ein Thema, das man biologisch, anthropologisch, soziologisch, psychologisch und medizinisch betrachten kann. Die Auswirkungen einer Abtreibung sind extrem begrenzt. Von den jährlichen ca. 100.000 Schwangerschaftsabbrüchen in Deutschland habe ich nicht einen mitbekommen, noch hätte mich einer in meinem Leben beeinflusst. Trotzdem handelt es sich um einen Straftatbestand. Ich fühle mich unweigerlich an den "Schwulenparagraphen" erinnert, der erst in den 70ern gestrichen wurde - mein Leben wurde auch nicht durch den einvernehmlichen, gleichgeschlechtlichen Sex beeinflusst, der bis dahin als Straftat begangen wurde.
Sobald die zwölfte Woche vorbei ist, sagt der Gesetzgeber, der in den Siebzigerjahren diese Zahl bestimmt hat, weil ein Fötus gewissermaßen „fertig“ ist. Körper, Gliedmaßen und Organe sind angelegt, danach wachsen sie nur noch. Sobald ein Fötus außerhalb des Körpers der Mutter überleben könnte, sagt Thoralf Fricke von pro familia, also um die 24. Woche. Das Bürgerliche Gesetzbuch sagt: Mit Abschluss der Geburt ist der Mensch ein Mensch – im juristischen Sinne. Der Arzt Michael Spandau sagt: Sobald der Embryo ein funktionierendes Großhirn hat, ein Bewusstsein und Schmerzempfinden. Neulich las er in einem Fachmagazin, dass all dies wohl erst um die 30. Woche gegeben sei.
Anscheinend bekommen es Gesellschaften wie die Deutsche (die Österreicher ja auch), nicht gebacken, hier eine klare, säkulare, wissenschaftsbasierte Gesetzeslage zu schaffen. Was lässt uns hoffen, dass bei einem hochkomplexen Thema wie dem des Klimawandels bessere Entscheidungen getroffen, bessere Gesetze gemacht würden? Hängt der Ruf nach der Wissenschaft vom Gusto oder der Tagesform ab? Ich sage nicht, dass die Wissenschaft die Antworten hat, aber sie hat wenigstens die Fakten. Und Fakten sollten immer die Diskussionsgrundlage bilden, nicht irgendwelche persönlichen Erfahrungen oder Gefühle (wie bei den Grünen und der Homöopathie) oder irgendwelche religiösen Schwurbeleien (wie bei den Pro-Life Aktivisten), dich noch nicht mal durch die (un)heiligen Bücher abgedeckt sind.
Freitag, Januar 10, 2020
Montag, Januar 06, 2020
Das po8ische Bilderrätsel #63
Nach langer Zeit mal wieder was zum Knobeln:
Hier noch die Auflösung von #62:
~ Krähen + green = Graham Green
Hier noch die Auflösung von #62:
~ Krähen + green = Graham Green
Sonntag, Januar 05, 2020
Das Wort zum Sonntag #70
Thema heute: (A)Soziale Netzwerke
Obwohl mein Twitter Account schon seit 2009 existiert, habe ich erst in den letzten paar Wochen angefangen diesen zu nutzen. Facebook & Instagram kenne ich nur vom Hörensagen, ich gehe aber davon aus, dass die Lage dort ähnlich ist. Ich habe ein prinzipielles Problem mit dem Begriff "folgen", für mich schwingt hier - rein semantisch gesehen - noch der Leichengeruch des dritten Reichs mit oder die lange verbreitete autoritäre Erziehung, in beiden Fällen musste/sollte (bedingungslos) gefolgt werden. Vielleicht hätte ich mit "einseitig verknüpfen" weniger Probleme, aber diese Bezeichnung ist halt für ein Smartphone definitiv zu lang. Ich versuche mich daran zu gewöhnen und "folge" mittlerweile auch ein paar Leuten.
Twitter schlägt mir jetzt natürlich basierend auf den Leuten denen ich schon folge, wieder neue Leute vor, denen ich auch folgen könnte. Praktisch ist, dass diese sich meist in den gleichen Bereichen befinden. Insofern lädt Twitter gerade dazu ein, sich in einer Bubble einzuigeln. Bubble bedeutet hier, dass man quasi nur Leuten folgt oder von Leutenvergefolgt wird, die annähernd das gleiche denken oder die gleiche Meinung haben wie man selbst.
Meine steile These heute ist, dass dieses Blasenverhalten in Kombination mit Followern sich auch nicht viel anders manifestiert als eine Pseudoreligion. Jedoch sind die Inhalte dermaßen wenig festgezurrt, dass, wenn man den Finger in die Wunde legen wollte, diese schon wieder etliche Tweets weiter ist und eine andere "#Umweltsau" durchs Dorf getrieben wird. Ich werde dazu auch leider ein bisschen ausholen müssen.
Umweltsau deswegen, weil sich vor Weihnachten dort folgendes "Drama" (kurz zusammengefasst) ereignete:
1. Akt
FridaysForFuture Germany (FFF) hatte folgenden post am 23.12. abgesetzt
Obwohl mein Twitter Account schon seit 2009 existiert, habe ich erst in den letzten paar Wochen angefangen diesen zu nutzen. Facebook & Instagram kenne ich nur vom Hörensagen, ich gehe aber davon aus, dass die Lage dort ähnlich ist. Ich habe ein prinzipielles Problem mit dem Begriff "folgen", für mich schwingt hier - rein semantisch gesehen - noch der Leichengeruch des dritten Reichs mit oder die lange verbreitete autoritäre Erziehung, in beiden Fällen musste/sollte (bedingungslos) gefolgt werden. Vielleicht hätte ich mit "einseitig verknüpfen" weniger Probleme, aber diese Bezeichnung ist halt für ein Smartphone definitiv zu lang. Ich versuche mich daran zu gewöhnen und "folge" mittlerweile auch ein paar Leuten.
Twitter schlägt mir jetzt natürlich basierend auf den Leuten denen ich schon folge, wieder neue Leute vor, denen ich auch folgen könnte. Praktisch ist, dass diese sich meist in den gleichen Bereichen befinden. Insofern lädt Twitter gerade dazu ein, sich in einer Bubble einzuigeln. Bubble bedeutet hier, dass man quasi nur Leuten folgt oder von Leuten
Meine steile These heute ist, dass dieses Blasenverhalten in Kombination mit Followern sich auch nicht viel anders manifestiert als eine Pseudoreligion. Jedoch sind die Inhalte dermaßen wenig festgezurrt, dass, wenn man den Finger in die Wunde legen wollte, diese schon wieder etliche Tweets weiter ist und eine andere "#Umweltsau" durchs Dorf getrieben wird. Ich werde dazu auch leider ein bisschen ausholen müssen.
Umweltsau deswegen, weil sich vor Weihnachten dort folgendes "Drama" (kurz zusammengefasst) ereignete:
1. Akt
FridaysForFuture Germany (FFF) hatte folgenden post am 23.12. abgesetzt
Leider kann man hier die Uhrzeit nicht erkennen, aber zwischen dem ursprünglichen post und "was darf Satire" vergingen m.W. einige Stunden. Wäre beim ersten post wenigstens ein Zwinkersmiley dabei gewesen, dann hätte man das auf Anhieb als satirischen Seitenhieb auffassen können. Wie man auch an den "likes" (den Herzchen) sehen kann, fanden das bis zum 1.1. über 4.000 Leute toll. Natürlich haben sich sofort Leute aufgeregt, dass das ja im Prinzip gegen die Großeltern Generation geht, die viel geleistet haben usw. weswegen FFF noch am selben Tag die untenstehende Entschuldigung postete. Meine persönliche Meinung ist, dass dies als bewusste Provokation gemeint war (dieses "Wachrütteln" halt) und man seitens FFF erst dann zurückruderte, als die Stimmung im Keller war.
2. Akt
Wahrscheinlich auf Grund dieses kleinen Shitstorms (denn nicht alle 5.382 Antworten waren freundlich - aber ich habe mir auch nicht alle durchgelesen) fühlte sich der WDR verpflichtet Schulterschluss zu zeigen und hat mit einem Kinderchor eine Persiflage auf "Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad" eingesungen und anschließend online gestellt. Meines Wissens wurde das nie gesendet. Der Vollständigkeit halber sei auch dieser angeführt:
Den FFF Tweet fand ich schon wenig prickelnd, v.a. weil er nicht wirklich lustig war. Eine der wichtigsten Eigenschaften von Satire sollte sein, dass man darüber lachen kann oder sich zumindest vorstellen kann, dass darüber jemand lacht, wenn man selbst eine Spaßbremse ist. FFF war da imho einfach zu ernst und zu bemüht. Und genauso mutet der Kinderchor an, man "bemüht" sich die Nachkriegsgeneration auf die Schippe zu nehmen - aber es sieht nach Angestrengtheit und Wortschubserei aus. Außerdem ist die Zielgruppe des Spotts ja gerade nicht besonders in den sozialen Medien unterwegs. Besser wäre es gewesen, das wirklich über den Sender zu jagen, evtl. mit einer zweideutigen Anmoderation von Helene Fischer o.ä., damit die Zielgruppe der Satire wenigstens eine Chance hat, das mitzubekommen. Oder man hätte es einfach lassen sollen.
3. Akt
Der Shitstorm der dann über den WDR hereinbrach war noch heftiger als der des FFF. Man (d.h. in dem Fall Rechte) fühlte sich zu Spontandemos vor dem WDR Gebäude berufen, es gab einen "Brennpunkt" oder so (ich schaue ja kein Fernsehen) in dem der Intendant sich dafür entschuldigte.
Selbstredend, dass der WDR das Video offline nahm - aber das Internet vergisst und vergibt nicht, deswegen kann man es oben noch sehen 😉
Epilog:
Auf jeden Fall schien das Weihnachtliche Newsloch gestopft, denn bis heute werden dazu Kommentare verfasst, Artikel geschrieben, die Lage analysiert usw. Vermutlich kam der meiste Shit des Storms aus der rechten Ecke (zumindest beim WDR). Einen recht guten Kommentar finde hier diesen hier.
3. Akt
Der Shitstorm der dann über den WDR hereinbrach war noch heftiger als der des FFF. Man (d.h. in dem Fall Rechte) fühlte sich zu Spontandemos vor dem WDR Gebäude berufen, es gab einen "Brennpunkt" oder so (ich schaue ja kein Fernsehen) in dem der Intendant sich dafür entschuldigte.
Sidekick an dieser Stelle war ein freier Mitarbeiter des WDR, der - und auch hier schlägt imho wieder schlechte Satire zu - den FFF post mit dem WDR-Song zusammen persiflierte und die Großelterngeneration als #Nazisäue bezeichnete. Ok, kann man machen, muss man aber nicht. Es gab dann natürlich den entsprechenden Sidekick-Shitstorm gleich noch gratis obendrauf mit (zumindest lt. seiner Aussage) noch ein paar Morddrohungen und der dämlichen Idee, man möge doch den freien Mitarbeiter rauswerfen.
Selbstredend, dass der WDR das Video offline nahm - aber das Internet vergisst und vergibt nicht, deswegen kann man es oben noch sehen 😉
Epilog:
Auf jeden Fall schien das Weihnachtliche Newsloch gestopft, denn bis heute werden dazu Kommentare verfasst, Artikel geschrieben, die Lage analysiert usw. Vermutlich kam der meiste Shit des Storms aus der rechten Ecke (zumindest beim WDR). Einen recht guten Kommentar finde hier diesen hier.
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global deb8,
po8isches zum Sonntag,
weh weh weh etc.
Mittwoch, Januar 01, 2020
Neulich beim Jahreswechsel...
Auch wenn sich in Südafrika eigentlich zu wenig verändert hat, seit man den unterirdischen Jacob Zuma aus dem Amt gedrängt hat und ich in absehbarer Zeit auch keine Besserung vermute - eines konnte er doch wie kein anderer:
ein frohes Neues Jahr zu wünschen!
Insofern möchte ich den Großmeister zu Wort kommen lassen:
Wer den Witz hier nicht ganz nachvollziehen kann, bitte dieses Video anschauen 😉
ein frohes Neues Jahr zu wünschen!
Insofern möchte ich den Großmeister zu Wort kommen lassen:
Wer den Witz hier nicht ganz nachvollziehen kann, bitte dieses Video anschauen 😉
Sonntag, Dezember 29, 2019
Das Wort zum Sonntag #69
Thema heute: Abtreibung in Deutschland - Teil 2
Hier geht es zu Teil 1
Im ersten Teil bin ich wenig auf die andere Seite der Medaille eingegangen, also den Embryo, Fötus oder von mir aus auch "werdenden Menschen". Es ist unstrittig, dass nach der Geburt das Baby als vollwertige Person gilt (weswegen u.a. dieses Urteil gesprochen wurde).
Geht man nun gedanklich Tag für Tag zurück, kommt man an einen Punkt, an dem unsere aktuellen medizinischen Kenntnisse nicht ausreichen, den Fötus am Leben zu erhalten. Diese Seite schreibt dazu:
Bei Licht betrachtet ist es auch so, dass die Mehrzahl der Frauen ihre Schwangerschaft nicht abbrechen will. Im Jahr 2015 wurden 737.575 Babys geboren, demgegenüber standen 99.237 Abbrüche. Diese wiederum teilten sich in 95.338 (Fristenlösung), 3.879 (medizinische Indikation) und 20 (kriminologische Indikation). D.h. auf eine Abtreibung kommen mehr als 7 Frauen, die ihr Kind bekommen wollen. So man davon ausgeht, dass 50% aller Schwangerschaften auf natürlichem Weg vor dem dritten Monat enden, teilweise von den Frauen unbemerkt, so müsste man fairerweise diese mit einbeziehen. D.h. wir haben knapp 1,7 Mio. Schwangerschaften, von denen ca. 100.000 von Frauen willentlich abgebrochen werden. Daraus folgt, dass nur ca. jede 17te Frau sich für eine Abtreibung entscheidet.
Was muss diese 17te Frau jetzt realiter tun?
Sie muss sich einen Beratungsschein besorgen (hier ein Artikel, wie sowas ablaufen kann und wie "ergebnisoffen" das sein kann 😠 - hier ein weiterer Artikel über die perfide Praxis der pro-life Fraktion), ein behördlicher Spießrutenlauf. Die Bayern gehen hier so weit, dass sie den Schein ohne Offenlegung der Gründe verweigern - also quasi die heilige bayrische Inquisition. Also auch noch unterschiedliche Regelungen auf Länderebene - und alles durch Mehrheiten von vornehmlich Männern(!) beschlossen.
Danach muss die Frau noch mal warten, denn Beratung und Eingriff müssen mindestens 3 Tage auseinanderliegen, der Arzt der den Eingriff vornimmt, darf nicht die Beratung vornehmen.
Ich vermisse bei diesen ganzen Regelungen, dass die schwangere Frau, die erwachsene, zu Empfindungen und rationalem Denken fähige Person, in den Mittelpunkt gestellt wird. Ihre Belange sind die wichtigen, nicht die des Fötus, die der Gesellschaft oder irgendwelcher Aktivisten. Die Bedürfnisse werden marginalisiert, während die "Rechte" des Fötus extrapoliert werden. Auf eine Schwangere, die ihr Kind bekommen möchte, wird Rücksicht genommen (z.B. Mutterschutz, Elternjahr etc.), wohingegen die Frau, die ihre persönliche Schwangerschaft abbrechen möchte, (fast schon) kriminalisiert wird. Ist ja auch klar, eine unverheiratete Frau, die Schwanger ist und noch dazu abtreiben will, kann nach gewissen Weltanschauungen ja nichts anderes als eine Schlampe sein...
Wenn man sich jetzt die Frage stellt, warum diese krude Gesetzeslage besteht, dann landet man zum einen im Dritten Reich und zum anderen bei der Kirche. Bei den Nazis stand zum Schluss auf Abtreibung sogar die Todesstrafe - für die Frau! Zur kirchlich-christlichen Herleitung hat Schmidt-Salomon das folgende gesagt (hier):
Aus den o.g. Ausführungen halte ich die aktuelle Regelung aus ethischen Gesichtspunkten für minderwertig da unbegründet und würde mir wünschen, dass die Position der Frau in dieser Angelegenheit gestärkt wird. Die maßgeblich betroffene ist die Frau, insofern sollte im Rahmen des Selbstbestimmungsrechts, diese auch die Hoheit über ihren Körper haben. Die Abtreibung bis zur 20. Woche sollte straffrei sein, denn dann könnte man sich auch den verschwurbelten Paragraphen 219(a) sparen. Doch solange durch die Köpfe der Regierung und des Parlaments noch mehrheitlich der christliche Schwachsinn weht, werden wir das nicht beobachten können.
Hier geht es zu Teil 1
Im ersten Teil bin ich wenig auf die andere Seite der Medaille eingegangen, also den Embryo, Fötus oder von mir aus auch "werdenden Menschen". Es ist unstrittig, dass nach der Geburt das Baby als vollwertige Person gilt (weswegen u.a. dieses Urteil gesprochen wurde).
Geht man nun gedanklich Tag für Tag zurück, kommt man an einen Punkt, an dem unsere aktuellen medizinischen Kenntnisse nicht ausreichen, den Fötus am Leben zu erhalten. Diese Seite schreibt dazu:
Aus diesem Sachverhalt sehe ich auch die Verantwortung, dem Fötus einen gewissen Schutz zuzusprechen, aber in keinem Fall die gleichen Rechte, wie die der Frau. Aus Teil 1 wäre mein Vorschlag für eine biologisch/ethische Grenze die 20. Woche (was 8 Wochen mehr Zeit für die Schwangere wären, als ihr nach der aktuellen Regelung zusteht - auch 8 Wochen, sich im Zweifel dafür zu entscheiden).Frühgeburt vor 22 Schwangerschaftswochen
Kinder, die zu dieser Zeit geboren werden, sind nicht lebensfähig. Sie werden entsprechend ihrer Würde im Sterben betreut. In jedem Fall werden die Ärzte dazu angehalten, das vorgeburtlich festgestellte Schwangerschaftsalter mit dem Entwicklungszustand des Kindes zu vergleichen. Bei einer offensichtlichen Abweichung überdenken die Ärzte die vor der Geburt getroffene Entscheidung, keine lebenserhaltenden Maßnahmen zu beginnen.
Bei Licht betrachtet ist es auch so, dass die Mehrzahl der Frauen ihre Schwangerschaft nicht abbrechen will. Im Jahr 2015 wurden 737.575 Babys geboren, demgegenüber standen 99.237 Abbrüche. Diese wiederum teilten sich in 95.338 (Fristenlösung), 3.879 (medizinische Indikation) und 20 (kriminologische Indikation). D.h. auf eine Abtreibung kommen mehr als 7 Frauen, die ihr Kind bekommen wollen. So man davon ausgeht, dass 50% aller Schwangerschaften auf natürlichem Weg vor dem dritten Monat enden, teilweise von den Frauen unbemerkt, so müsste man fairerweise diese mit einbeziehen. D.h. wir haben knapp 1,7 Mio. Schwangerschaften, von denen ca. 100.000 von Frauen willentlich abgebrochen werden. Daraus folgt, dass nur ca. jede 17te Frau sich für eine Abtreibung entscheidet.
Was muss diese 17te Frau jetzt realiter tun?
Sie muss sich einen Beratungsschein besorgen (hier ein Artikel, wie sowas ablaufen kann und wie "ergebnisoffen" das sein kann 😠 - hier ein weiterer Artikel über die perfide Praxis der pro-life Fraktion), ein behördlicher Spießrutenlauf. Die Bayern gehen hier so weit, dass sie den Schein ohne Offenlegung der Gründe verweigern - also quasi die heilige bayrische Inquisition. Also auch noch unterschiedliche Regelungen auf Länderebene - und alles durch Mehrheiten von vornehmlich Männern(!) beschlossen.
Danach muss die Frau noch mal warten, denn Beratung und Eingriff müssen mindestens 3 Tage auseinanderliegen, der Arzt der den Eingriff vornimmt, darf nicht die Beratung vornehmen.
Ich vermisse bei diesen ganzen Regelungen, dass die schwangere Frau, die erwachsene, zu Empfindungen und rationalem Denken fähige Person, in den Mittelpunkt gestellt wird. Ihre Belange sind die wichtigen, nicht die des Fötus, die der Gesellschaft oder irgendwelcher Aktivisten. Die Bedürfnisse werden marginalisiert, während die "Rechte" des Fötus extrapoliert werden. Auf eine Schwangere, die ihr Kind bekommen möchte, wird Rücksicht genommen (z.B. Mutterschutz, Elternjahr etc.), wohingegen die Frau, die ihre persönliche Schwangerschaft abbrechen möchte, (fast schon) kriminalisiert wird. Ist ja auch klar, eine unverheiratete Frau, die Schwanger ist und noch dazu abtreiben will, kann nach gewissen Weltanschauungen ja nichts anderes als eine Schlampe sein...
Wenn man sich jetzt die Frage stellt, warum diese krude Gesetzeslage besteht, dann landet man zum einen im Dritten Reich und zum anderen bei der Kirche. Bei den Nazis stand zum Schluss auf Abtreibung sogar die Todesstrafe - für die Frau! Zur kirchlich-christlichen Herleitung hat Schmidt-Salomon das folgende gesagt (hier):
Nach dem 1. Weltkrieg erstritten sich die Frauen Rechte, hierunter fiel auch das Recht auf Selbstbestimmung bei der Abtreibung. Dieses wurde in der Weimarer Republik von der christlichen Zentrumspartei blockiert und unterminiert. Heraus kamen die noch heute bestehenden Paragraphen 218, 219, letzterer wurde kurzzeitig aufgehoben aber im dritten Reich wieder eingesetzt. Nach dem 2. Weltkrieg gab es - zugegebenermaßen - viele dringende Probleme in Deutschland, aber es waren auch in der ersten Dekade die christlich-konservative Adenauerregierung an der Macht - selbstredend, dass das Zurückdrehen von Nazi-Regelungen, v.a. wenn sie mit der eigenen Weltanschauung übereinstimmen, nicht angetastet wurden. Insofern haben wir heute immer noch das Bekenntnis auf der Lohnsteuerkarte, die Steuerklassen, welche die Ehe von Mann & Frau bevorzugt, und eben §218 und §219."Viele Theologen, Bischöfe und Päpste waren zuvor von der alternativen Konzeption der ‚Sukzessivbeseelung‘ ausgegangen, wonach die ‚Seele‘ des Menschen erst am Ende des dritten Schwangerschaftsmonats voll ausgebildet ist, so dass Abtreibungen bis zu diesem Zeitpunkt religiös legitimiert werden konnten. Dann aber verkündete Papst Pius IX im Jahr 1854 das Dogma der 'Unbefleckten Empfängnis Mariens'. Offenkundig litt er in der Folgezeit sehr unter dem Gedanken, dass die angeblich 'sündenfrei' empfangene Gottesmutter jemals 'vernunft- und seelenlose Materie' gewesen sein könnte. Daher erhob Pius IX. im Jahre 1869 zu Ehren der 'Heiligen Jungfrau Maria' die 'Simultanbeseelung' zur verbindlichen 'Glaubenswahrheit' – eine Entscheidung, über die man heute schmunzeln könnte, würde sie nicht noch immer die Gesetze des säkularen Staates bestimmen."
Aus den o.g. Ausführungen halte ich die aktuelle Regelung aus ethischen Gesichtspunkten für minderwertig da unbegründet und würde mir wünschen, dass die Position der Frau in dieser Angelegenheit gestärkt wird. Die maßgeblich betroffene ist die Frau, insofern sollte im Rahmen des Selbstbestimmungsrechts, diese auch die Hoheit über ihren Körper haben. Die Abtreibung bis zur 20. Woche sollte straffrei sein, denn dann könnte man sich auch den verschwurbelten Paragraphen 219(a) sparen. Doch solange durch die Köpfe der Regierung und des Parlaments noch mehrheitlich der christliche Schwachsinn weht, werden wir das nicht beobachten können.
In einem Interview mit pro familia Beraterinnen sagte eine der beiden Interviewten.
„Profamilia hat die ganz klare Einstellung, dass die Schwangerschaftskonfliktberatung nicht ins Strafgesetzbuch gehört, da muss sie ganz eindeutig raus – denn auch wenn die Frau straffrei ausgeht, geht es nicht, dass Schwangerschaftsabbrüche immer noch grundsätzlich unter Strafe stehen. Wir stellen uns ganz entschieden gegen diese Kriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs, weil es die Frauen ganz einfach entmündigt."
Sonntag, Dezember 22, 2019
Das Wort zum Sonntag #68
Thema heute: Abtreibung in Deutschland - Teil 1
Ich hatte schon an dieser Stelle dargelegt, dass seitens der alten und für heilig gehaltenen Schriften dem ungeborenen Leben kein Sonderstatus zukommt, wie wir es heute in fast allen Ländern beobachten. Nichtsdestotrotz sind so gut wie alle (Fritsen)Lösungen, die Staaten gefunden haben religiös durchdrungen. Ich möchte das Thema aber hier anhand der ethischen Problematik betrachten und insofern "lösche" ich erst einmal alle rechtlichen oder gesellschaftlichen Voraussetzungen oder aktuellen Gegebenheiten.
Ich denke es ist einsichtig, dass ein Kind, das auf die Welt kommt zu 100% Mensch bzw. Person ist und somit auch alle Menschenrechte besitzt. Ebenso einsichtig sollte es auch sein, dass eine unbefruchtete Eizelle zu 0% Mensch bzw. Person ist (abgesehen davon, dass sie halt, wie jede Zelle einer Frau, menschliche DNA enthält - das enthält aber ein Tumor auch). Eine notwendige Voraussetzung für das Empfinden von Schmerz sind Nervenbahnen, diese werden m.W. erst ab ca. dem 2ten Monat gebildet. Eine notwendige Voraussetzung für Bewusstsein ist das Vorhandensein eines Gehirns, die Entwicklung beginnt ab dem 5. Monat. Irgendwelche religiösen Schwurbeleien oder Behauptungen (z.B. von Seelen usw.), dürfen bei dieser Betrachtung keine Rolle spielen.
Anzumerken wäre noch, dass sowohl eine Schwangerschaft als auch deren Abbruch immer ein Risiko für die Frau darstellt. Beides ist nicht ungefährlich und kann selbst heute noch zu Todesfällen führen, wenn diese auch im Vergleich zu vergangenen Jahrhunderten stark zurückgegangen sind. Lag diese in .de 1980 noch bei ca. 20 Todesfällen pro 100.000 Lebendgeburten, so verringerte sich das bis 2015 auf unter 5 Todesfälle (siehe hier). Zu Todesfällen bei Schwangerschaftsabbrüchen habe ich keine Zahlen gefunden - zumindest nichts vernünftiges - aber es ist davon auszugehen, dass diese noch unter den Todesfällen der Schwangerschaft liegt, da der Eingriff (wenn überhaupt einer notwendig ist), weniger invasiv ist. Es ist offensichtlich, dass Männer an diesem Risiko nicht partizipieren, nichtsdestotrotz war die Mehrheit der Leute, die die Gesetze beschlossen haben, männlich.
Um die Angelegenheit nicht zusätzlich zu verkomplizieren konzentriere ich mich bei der Betrachtung auf Föten, die 5 Monate oder jünger sind. Das ist zwei Monate über der aktuellen Fristenlösung und noch unterhalb der medizinischen Möglichkeiten einer Frühgeburt das Überleben zu sichern. Hier noch mal ein Bild für das gemeinsame Verständnis:
Wie oben ausgeführt, handelt es sich in den ersten zwei Monaten um einen Zellhaufen, der, mangels Nervengewebes, kein Empfinden haben kann. Auf den Bildern sieht das natürlich niedlich aus - wie jeder andere Embryo übrigens auch - aber Niedlichkeit ist kein Argument und wir sind evolutionsbedingt auf diese Niedlichkeit getrimmt, damit wir unseren eigenen niedlichen Nachwuchs nicht verzehren - falls es mal wieder eng wird. Bis zum 5. Monat werden Nerven gebildet, es ist jedoch höchst zweifelhaft, dass dieser biochemische Prozess mit unserem Schmerzempfinden vergleichbar ist, da der Rezeptor - nämlich das Gehirn - nicht vorhanden ist. Je nach Stadium der Schwangerschaft handelt es sich also um das chemische oder physische Entfernen von Zellen, Zellhaufen oder einem Fötus, der biologisch gesehen 50% der DNA der Frau enthält. Hier mit Begriffen wie "ungeborenes Baby", "ungeborener Mensch" o.ä. zu arbeiten, weist dem Fötus Eigenschaften zu, die dieser biologisch schlicht nicht hat. Auch mit einem "Potential" zu argumentieren, dass er diese Eigenschaften doch bald hätte, ist nicht zielführend, da man mit dem "Potential" bald Millionär zu sein, bei der Bank auch keinen Kredit bekäme, so hierfür nicht ein Nachweis existierte. Der negative Nachweis, dass der Fötus nicht über das "Potential" verfüge, der nächste Einstein zu werden, kann mittels einer DNA Analyse geführt werden, in welcher z.B. Erbkrankheiten oder Gendefekte wie Trisomie festgestellt werden können.
D.h. wir haben auf der einen Seite eine Frau, der man ihre Menschenrechte offensichtlich nicht absprechen kann und auf der anderen Seite einen Fötus, dem man nicht ohne weiteres Menschenrechte zusprechen kann, da sich keine Definition finden lässt, die einen Fötus zur Person definiert. Selbst wenn Personen in ihrem Leben durch Unfall (z.B. Schumacher) oder Krankheit (z.B. ALS) in einen ähnlichen Zustand kämen, wie ein Fötus, so besaßen sie zumindest zu einem Zeitpunkt (und sei es nur die Geburt) den Status einer Person und waren somit auch im Genuss der vollen Menschenrechte (dies nur, um dem "Argument" zuvorzukommen, man könne dann ja alle töten, die nicht voll bei Verstand seien).
Um meine Prozentzahlen von oben noch mal zu bemühen:
- eine schwangere Frau ist zu 100% Mensch bzw. Person
- ein Fötus vor dem 5. Monat ist zu 0 + x % Mensch bzw. Person
Das ist imho ein starkes Indiz dafür, dass man die Belange des Fötus nicht über die der Frau stellen kann, da hier ein starkes Ungleichgewicht herrscht.
Auch ist es heute m.W. medizinisch noch nicht möglich, einen Fötus zu transplantieren. Leihmutterschaft ist möglich, in vitro Fertilisation auch, aber nicht den Fötus nach Einnistung zu verpflanzen. Insofern ist dieser Fötus, bis er durch Maßnahmen außerhalb des Mutterleibs am Leben erhalten werden kann, zu 100% von der schwangeren Frau abhängig. Stirbt sie, stirbt auch der Fötus. Wir können ihn aus heutiger medizinischer Sicht nicht retten. Das Leben der Schwangeren hingegen ist zu 0% vom Leben des Fötus abhängig. Stirbt dieser (wie es leider auf natürlichem Weg oft genug passiert), so wird dieser vom Körper entsorgt. Auch hieraus ergibt sich imho eine Höhergewichtung des Wohls der Schwangeren vor dem des Fötus.
Aus meiner Sicht gibt es kein sinnvolles Argument, warum einer Frau nicht die Hoheit über die Entscheidung bzgl. einer Abtreibung - zumindest in den ersten 5 Monaten - zugestanden werden soll. Sie ist die (so gut wie) einzige Leidtragende, sie trägt das Risiko des Eingriffs und es besteht z.Zt. keine Möglichkeit den Fötus zu retten, so die Schwangere z.B. Suizid begeht. Nur mit einer kruden Falschdefinition eines Fötus zum "Menschen" gelingt die Quadratur des Kreises, dass plötzlich der Fötus mehr zählt, als die Schwangere von der er abhängig ist.
Übersehen wird bei dieser Pseudodefinition, dass man ethische Dilemmata konstruieren kann, die massiv in die Menschenrechte von Personen eingreifen, wie das folgende, welche die Absurdität der Position verdeutlichen:
Mehr noch als bei einer Schwangerschaft haben wir es hier mit zwei 100%igen Personen zu tun. Das Überleben der einen hängt vollständig von der anderen ab. Ohne den Zusammenschluss der Blutkreisläufe stirbt die erste Person. Ein Anschluss an selbigen bedeutet für die andere Person ihr bisheriges Leben aufzugeben und fortan als quasi siamesischer Zwilling den Rest deren Lebens mit der ersten Person zu verbringen.
Wie sähe der Fall aus, wenn die kreislaufspendende Person im Koma wäre?
Wie sähe der Fall aus, wenn die kreislaufempfangende Person im Koma wäre?
Wer hat die Entscheidungsgewalt darüber, wie sich die spendende Person zu verhalten hat? Kann jemand oder kann die Gesellschaft wirklich eine Person in diese Entscheidung zwingen? Und falls ja, mit welcher Begründung?
In der aktuellen Rechtsprechung Deutschlands (aber auch Österreichs) wird die Schwangere quasi "entmündigt", muss zunächst einen bürokratischen Hürdenlauf absolvieren, bevor sie dann mit großer Mühe einen Arzt finden kann, der diese Abtreibung auch vornimmt. Für alle Beteiligten ist dann der Eingriff prinzipiell zwar "verboten" (sonst stünde es nicht im StGB) aber unter den vorgenannten Bedingungen "straffrei".
Hier geht es zu Teil 2
Ich hatte schon an dieser Stelle dargelegt, dass seitens der alten und für heilig gehaltenen Schriften dem ungeborenen Leben kein Sonderstatus zukommt, wie wir es heute in fast allen Ländern beobachten. Nichtsdestotrotz sind so gut wie alle (Fritsen)Lösungen, die Staaten gefunden haben religiös durchdrungen. Ich möchte das Thema aber hier anhand der ethischen Problematik betrachten und insofern "lösche" ich erst einmal alle rechtlichen oder gesellschaftlichen Voraussetzungen oder aktuellen Gegebenheiten.
Ich denke es ist einsichtig, dass ein Kind, das auf die Welt kommt zu 100% Mensch bzw. Person ist und somit auch alle Menschenrechte besitzt. Ebenso einsichtig sollte es auch sein, dass eine unbefruchtete Eizelle zu 0% Mensch bzw. Person ist (abgesehen davon, dass sie halt, wie jede Zelle einer Frau, menschliche DNA enthält - das enthält aber ein Tumor auch). Eine notwendige Voraussetzung für das Empfinden von Schmerz sind Nervenbahnen, diese werden m.W. erst ab ca. dem 2ten Monat gebildet. Eine notwendige Voraussetzung für Bewusstsein ist das Vorhandensein eines Gehirns, die Entwicklung beginnt ab dem 5. Monat. Irgendwelche religiösen Schwurbeleien oder Behauptungen (z.B. von Seelen usw.), dürfen bei dieser Betrachtung keine Rolle spielen.
Anzumerken wäre noch, dass sowohl eine Schwangerschaft als auch deren Abbruch immer ein Risiko für die Frau darstellt. Beides ist nicht ungefährlich und kann selbst heute noch zu Todesfällen führen, wenn diese auch im Vergleich zu vergangenen Jahrhunderten stark zurückgegangen sind. Lag diese in .de 1980 noch bei ca. 20 Todesfällen pro 100.000 Lebendgeburten, so verringerte sich das bis 2015 auf unter 5 Todesfälle (siehe hier). Zu Todesfällen bei Schwangerschaftsabbrüchen habe ich keine Zahlen gefunden - zumindest nichts vernünftiges - aber es ist davon auszugehen, dass diese noch unter den Todesfällen der Schwangerschaft liegt, da der Eingriff (wenn überhaupt einer notwendig ist), weniger invasiv ist. Es ist offensichtlich, dass Männer an diesem Risiko nicht partizipieren, nichtsdestotrotz war die Mehrheit der Leute, die die Gesetze beschlossen haben, männlich.
Um die Angelegenheit nicht zusätzlich zu verkomplizieren konzentriere ich mich bei der Betrachtung auf Föten, die 5 Monate oder jünger sind. Das ist zwei Monate über der aktuellen Fristenlösung und noch unterhalb der medizinischen Möglichkeiten einer Frühgeburt das Überleben zu sichern. Hier noch mal ein Bild für das gemeinsame Verständnis:

D.h. wir haben auf der einen Seite eine Frau, der man ihre Menschenrechte offensichtlich nicht absprechen kann und auf der anderen Seite einen Fötus, dem man nicht ohne weiteres Menschenrechte zusprechen kann, da sich keine Definition finden lässt, die einen Fötus zur Person definiert. Selbst wenn Personen in ihrem Leben durch Unfall (z.B. Schumacher) oder Krankheit (z.B. ALS) in einen ähnlichen Zustand kämen, wie ein Fötus, so besaßen sie zumindest zu einem Zeitpunkt (und sei es nur die Geburt) den Status einer Person und waren somit auch im Genuss der vollen Menschenrechte (dies nur, um dem "Argument" zuvorzukommen, man könne dann ja alle töten, die nicht voll bei Verstand seien).
Um meine Prozentzahlen von oben noch mal zu bemühen:
- eine schwangere Frau ist zu 100% Mensch bzw. Person
- ein Fötus vor dem 5. Monat ist zu 0 + x % Mensch bzw. Person
Das ist imho ein starkes Indiz dafür, dass man die Belange des Fötus nicht über die der Frau stellen kann, da hier ein starkes Ungleichgewicht herrscht.
Auch ist es heute m.W. medizinisch noch nicht möglich, einen Fötus zu transplantieren. Leihmutterschaft ist möglich, in vitro Fertilisation auch, aber nicht den Fötus nach Einnistung zu verpflanzen. Insofern ist dieser Fötus, bis er durch Maßnahmen außerhalb des Mutterleibs am Leben erhalten werden kann, zu 100% von der schwangeren Frau abhängig. Stirbt sie, stirbt auch der Fötus. Wir können ihn aus heutiger medizinischer Sicht nicht retten. Das Leben der Schwangeren hingegen ist zu 0% vom Leben des Fötus abhängig. Stirbt dieser (wie es leider auf natürlichem Weg oft genug passiert), so wird dieser vom Körper entsorgt. Auch hieraus ergibt sich imho eine Höhergewichtung des Wohls der Schwangeren vor dem des Fötus.
Aus meiner Sicht gibt es kein sinnvolles Argument, warum einer Frau nicht die Hoheit über die Entscheidung bzgl. einer Abtreibung - zumindest in den ersten 5 Monaten - zugestanden werden soll. Sie ist die (so gut wie) einzige Leidtragende, sie trägt das Risiko des Eingriffs und es besteht z.Zt. keine Möglichkeit den Fötus zu retten, so die Schwangere z.B. Suizid begeht. Nur mit einer kruden Falschdefinition eines Fötus zum "Menschen" gelingt die Quadratur des Kreises, dass plötzlich der Fötus mehr zählt, als die Schwangere von der er abhängig ist.
Übersehen wird bei dieser Pseudodefinition, dass man ethische Dilemmata konstruieren kann, die massiv in die Menschenrechte von Personen eingreifen, wie das folgende, welche die Absurdität der Position verdeutlichen:
Gegeben seien zwei Personen, die in einem verwandtschaftlichen Verhältnis zueinander stehen und wobei die eine Person nur überleben kann, wenn sie an den Blutkreislauf der anderen angeschlossen ist.
Mehr noch als bei einer Schwangerschaft haben wir es hier mit zwei 100%igen Personen zu tun. Das Überleben der einen hängt vollständig von der anderen ab. Ohne den Zusammenschluss der Blutkreisläufe stirbt die erste Person. Ein Anschluss an selbigen bedeutet für die andere Person ihr bisheriges Leben aufzugeben und fortan als quasi siamesischer Zwilling den Rest deren Lebens mit der ersten Person zu verbringen.
Wie sähe der Fall aus, wenn die kreislaufspendende Person im Koma wäre?
Wie sähe der Fall aus, wenn die kreislaufempfangende Person im Koma wäre?
Wer hat die Entscheidungsgewalt darüber, wie sich die spendende Person zu verhalten hat? Kann jemand oder kann die Gesellschaft wirklich eine Person in diese Entscheidung zwingen? Und falls ja, mit welcher Begründung?
In der aktuellen Rechtsprechung Deutschlands (aber auch Österreichs) wird die Schwangere quasi "entmündigt", muss zunächst einen bürokratischen Hürdenlauf absolvieren, bevor sie dann mit großer Mühe einen Arzt finden kann, der diese Abtreibung auch vornimmt. Für alle Beteiligten ist dann der Eingriff prinzipiell zwar "verboten" (sonst stünde es nicht im StGB) aber unter den vorgenannten Bedingungen "straffrei".
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