Sonntag, März 02, 2008

Das Wort zum Sonntag #40

Thema heute:
Darf man Religionen gegenüber Vorurteile haben?


Das ZDF hat sich gestern und heute des Ferkelbuchs angenommen und lässt (das sei positiv vermerkt) Gideon Botsch sagen, dass der Antisemitismusvorwurf nicht haltbar sei. Gegen Ende des Beitrags allerdings meint Botsch, dass das Buch Vorurteile gegen Religionen schüre und die zivilisatorische Funktion nicht berücksichtige.

Nun stellt sich natürlich die Frage ob prinzipielle Vorurteile gegen Weltanschauungen angebracht sind oder nicht. Ist es vernünftig gegen eine Religion, wie z.B. das Judentum, Vorurteile zu haben, wenn man weiß, dass dieses bestimmt kleine Kinder zu beschneiden und deren Schniedel von einem Mohel anschließend abgeschlecken zu lassen? Ist es vernünftig gegen eine Gruppe von Leuten Vorurteile zu haben, die zwar objektiv nur einen Keks, dem Wesen nach aber ihren Gott, jeden Sonntag in einem "heiligen Mahl" zu sich nehmen?

Es ist ein natürliches Verhalten ungewöhnliche, sinnlose oder unlogische Praktiken eher zurückzuweisen, als diese kritiklos anzunehmen. Die Vorurteile gehören genauso zum Menschsein, wie Empathie oder der Fortpflanzungstrieb, weil diese ein besseres Überleben gewährleisteten. Nun war es früher so, dass andere Weltbilder sich nur äußerst langsam verbreiten konnten. Die längste Zeit war man dafür auf Reisende oder Schriften angewiesen, die nur langsam transportiert und - was die Schriften betrifft - in den seltensten Fällen gelesen werden konnten, weil die Analphabetenrate unglaublich hoch war.

Heute allerdings werden wir mit Weltanschauungen nur so bombardiert. Der Besuch des Dalai Lama, des selbsternannten Gottkönigs (lt. eigener Ansicht Herrscher über die ganze Welt!), hier, der Papstbesuch (lt. päpstlicher Vorstellung der Vertreter aller Christen!) da, an anderer Stelle wieder Muslimische Gruppen (deren größte homogene Gruppe weltweit 12 Millionen Mitglieder zählt), die behaupten "Islam" bedeute Frieden (obwohl es in Wirklichkeit "Unterwerfung" bedeutet) usw.usf..

Darf man sich nun das Vorurteil erlauben, dass jede Weltanschauung, mit der man konfrontiert wird zunächst einmal Quatsch oder kompletter Blödsinn ist, bis diese das Gegenteil bewiesen hat? Ich denke wir müssen das sogar und zwar aus mindestens zwei Gründen. Erstens haben wir gar nicht die Zeit uns mit jeder Weltanschauung so intensiv zu beschäftigen, bis wir deren Wahrheitsgehalt bewertet, gar noch deren Riten ausprobiert haben, und zweitens kann man deren "positiven Effekt" auf die Zivilisation nur schwerlich beurteilen, da alle Religionen natürlich nur - wer wollte ihnen die PR verdenken - das Positive heraus, die negativen Seiten aber meist unter den Scheffel stellen.

Deswegen empfiehlt es sich einen kleinen Fragenkatalog zur Hand zu haben, der Weltanschauungen auf ihre Sozialverträglichkeit überprüft. Dabei geht es nicht darum, wie sich eine Weltanschauungsgemeinschaft selbst darstellt oder heute empfindet, sondern ob deren Lehre das Potential enthält gegen den Katalog zu verstoßen. Denn die Geschichte hat gezeigt, dass speziell Religionen wie das Christentum, die heute vorgeben friedlich zu sein, es erst dann waren, als sie keine Macht mehr hatten.

Hier nun die (unvollständige) Weltanschauungscheckliste (uVwg*):
Sieht sich die Weltanschauungsgemeinschaft selbst oder aus ihrer Lehre heraus als irgenwie "auserwählt" oder "höherwertig" gegenüber Nichtmitgliedern an?
Wird in den Lehren der Weltanschauung Gewalt gegen Mensch und Tier (z.B. Opfertiere) gerechtfertigt oder glorifiziert bzw. dieser den Vorzug vor einer gewaltfreien Lösung gegeben?
Werden in den Lehren Gedankenverbrechen geahndet und/oder mit profanen Strafen belegt?
Sind in den Lehren nichtüberprüfbare Drohungen enthalten (z.B. Höllendrohung)?
Sind die Weltanschauungsgemeinschaften und deren Lehren intolerant gegenüber Minderheiten (z.B. Homosexuellen) oder Aussteigern?
Steht die Lehre und/oder Organisation mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung im Widerspruch?

Das praktische an dieser Liste ist, dass bereits "ein Kreuz" genügt, um die Weltanschauung als unethisch zurückzuweisen, egal wieviel oder wenig sie im Lauf der Geschichte für die Menschheit getan hat, wie friedlich ihre Gläubigen heute sind, oder was Leute, die diese Anschauung hatten einmal für die Menschheit herausgefunden haben.
Eine Religion, wie immer sie auch beschaffen sein möge, wird sich vor der Lächerlichkeit immer durch 'gute Werke' retten.
(Henry de Montherlant, franz. Dichter)

1: um Vervollständigung wird gebeten

Kommentare:

wahoonie hat gesagt…

damit nur ein kreuz genügt, sollten dann die letzten beiden punkte auf der checkliste dann nicht anders formuliert werden?
"Sind die Weltanschauungsgemeinschaften und deren Lehren INtolerant gegenüber Minderheiten (z.B. Homosexuellen) oder Aussteigern?"
und
"WIDERSPRICHT die Lehre und/oder Organisation der freiheitlichen demokratischen Grundordnung?"

Po8 hat gesagt…

Grml.. latürnich. Gut, dass wenigstens einer mitdenkt. Dankeschön dafür. :-)

Hab's korrigiert.