Sonntag, März 08, 2009

Damals im heiligen Herz...

... oder auch "Sacré Cœur" wie man das Mädcheninternat nannte. Geführt wurde es natürlich - bei dem Namen! - von Nonnen, welche mit christlicher Nächstenliebe durchtränkt waren:
Enge Bindungen an andere Menschen wurden im Sacré Cœur nicht gerne gesehen. Ich hatte Freundschaft mit der temperamentvollen Tochter eines Kollegen meines Vaters geschlossen. So wie ich war sie an Freiheit gewöhnt. Unsere Freundschaft musste den Müttern jedoch ein Dorn im Auge gewesen sein. Wir wurden, getrennt voneinander, im Keller des Internats mit fünfzehn Peitschenhieben auf den Po bestraft. Anschließend mussten wir ein Gelübde ablegen, niemandem, auch nicht unseren Eltern, von der Züchtigung zu erzählen.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich kann das nur bestätigen. Ich habe dasselbe in Graz mitgemacht.
Es war zudem noch äußerst unfair beim Unterricht. Diejenigen, deren Eltern für die Kapelle in der jeden Morgen der Gottesdienst stattfand, riesige Kerzen und Blumen etc. spendeten, bekamen bei den Schularbeiten immer 1 - 2 bessere Noten, bei gleicher Fehleranzahl, als die, deren Eltern es sich nicht leisten konnten so viel zu spenden. Dadurch blieb zum Schluß nur noch die "Oberschicht" übrig mit Noten, die in keinem öffentlichen Gymnasium einer Prüfung standgehalten hätten.
Bei der Einschulung hätte es fast nicht geklappt, weil meine Eltern - kriegsbedingt - einen Monat nach der standesamtlichen Trauung erst kirchlich heiraten konnten. Und da sie sozusagen in wilder, unkeuscher Ehe miteinander lebten, mußte erst eine Genehmigung eingeholt werden. Nachdem die Klasse jedoch kleiner war als üblich, nahmen sie mich gnadenhalber dann doch noh auf.
Ich denke mit Grauen an die zwei Jahre zurück und würde aus diesem Grunde - auch wegen der vorgetäuschten Moral - niemanden empfehlen, die Kinder ins "Sacré Coeur" zu geben.

Roland hat gesagt…

Scheiße, den Artikel habe ich letzte Woche auch grad erst gelesen.
Christliche Nächstenliebe hat echt was für sich gelle?

Po8 hat gesagt…

@Anonym

Vielen Dank für die Bestätigung und Unterstreichung der im Artikel dargestellten Vorkommnisse.

@Roland

Das ist doch die vielgerühmte christliche Dialektik: Liebe predigen und Hass leben, so tun als hielte man auch die andere Backe hin, während man schon den Scheiterhaufen aufstapelt... es hat sich in 2000 Jahren Christentum nich wirklich was geändert.