Mittwoch, Oktober 14, 2009

Neulich bei der Fristenlösung...

Zur Zeit stürzt sich die österreichische Kirche mal wieder auf das Dauerthema Abtreibung. Schade eigentlich, dass auch das ef-magazin ins gleiche Horn bläst und in verschwörungstheoretischer Manier einen Bezug zwischen dem unverdienten Nobelpreis Obamas und dem ebenso unverdienten Nobelpreis Mutter Teresas herstellt, deren "noch heute zu Tränen rührenden Dankesrede" nämlich vor allem eines war, religiöser Schwurbel vermischt mit Anti-Abtreibungspropaganda.

Doch zurück zu Österreich und dem Bischof Küng, der im profil ein Interview gab, welches in vollem Wortlaut auf kath.net veröffentlicht wurde. Darin sagt er folgendes:
Wie könnten strafrechtliche Maßnahmen aussehen? Zu bedenken ist, dass schwangere Frauen in Konfliktsituationen oft unter großem Druck stehen. Auch Frauen haben natürlich ihre Verantwortung - Abtreibung ist und bleibt immer ein Strafbestand, auch in der jetzt geltenden Regelung ist das so -, aber es kann auch mildernde Gründe geben, die insbesondere bei betroffenen Frauen zu berücksichtigen sind. Ich würde bei jenen ansetzen, die auf eine schwangere Frau Druck ausüben, das Kind abtreiben zu lassen. Das kann der Kindesvater sein oder andere Personen; bezüglich Arbeitgeber gibt es schon Strafbestimmungen. Die Ärzte müssen in die Pflicht genommen werden. Die Kirche fordert seit Jahren, verschiedene Punkte gesetzlich festzulegen und bei Nichtbefolgung zu bestrafen; z. B. Einhalten einer Bedenkfrist, umfassende Informationspflicht über alle Folgen einer Abtreibung, verpflichtender Hinweis auf angemessene psychosoziale Beratung, verpflichtende Aufforderung zur Konsultation eines anderen Arztes. Das wären jedenfalls erste kleine Schritte in die richtige Richtung.

Der Bischof möchte natürlich nur diejenigen hinter Gitter sehen, die eine Frau zur Abtreibung überreden (oder diese durchführen), da hier der wirre Gedankengang dahintersteckt, dass eine Schwangerschaft gottgewollt und somit per se gut ist. Würde der St.Pöltener Röckchenträger aber das was er sagt ernst nehmen, so müsste er auch Strafen für all jene fordern (also quasi auch für sich), die auf eine abtreibungswillige Frau Druck ausüben, den Fötus auszutragen.
Die Kirche fordert, das dürfte aus meinen Antworten klar geworden sein, nicht so sehr die strafrechtliche Verfolgung schwangerer Frauen, als vielmehr den Schutz wehrloser Kinder und dann auch den Schutz schwangerer Frauen vor dem Druck außenstehender Personen. Außerdem gehören Verantwortungslosigkeit und Geschäftemacherei mit dem Leben bestraft. Und ich wage zu behaupten, die Kirche muss sich bei diesem Thema immer wieder einmischen, es ist ihre Pflicht, zum Wohle der Menschen und der ganzen Gesellschaft ihre Stimme zu erheben. Denn wie schon Kardinal König wiederholt sagte, die Abtreibung hinterlässt eine tiefe Wunde in der Gesellschaft.
Auch hinter dieser leidigen Abtreibungsdiskussion steckt wieder mal die Annahme, dass Menschen nicht fähig sind selbst Entscheidungen für ihr Leben zu treffen und dass somit andere Leute wie Politiker oder Bischöfe (die aber gemäß dieser Denke ja auch keine Entscheidungen für ihr eigenes Leben treffen können, geschweige denn für das anderer) entscheiden müssen, was diese zu tun oder zu lassen haben. Vorgeblich wird ad nauseam von "Schutz" (des ungeborenen Lebens, der Mutter etc.) gesprochen, faktisch handelt es sich aber nur um einen weiteren Ansatzpunkt Zwangsmaßnahmen vorzunehmen und über das Leben anderer Leute bestimmen zu wollen.

Montag, Oktober 12, 2009

Neulich ausgepreist...

Einer der Wirtschaftsnobelpreise ging diesmal an eine Wissenschaftlerin, welche sich um das Allmende-Problem gekümmert hat. Spiegel online schreibt dazu:
Ein Beispiel, wie sich das Dilemma der Überfischung lösen lässt, gibt es in der Türkei: In Antalya haben Fischer eine Art Kooperative gegründet, in der jeder einen bestimmten Meeresabschnitt zugeteilt bekommt. Weil die Bereiche unterschiedlich attraktiv sind, rotieren die jeweiligen Seegebiete zwischen den Betroffenen. So bekommt jeder eine faire Chance - und gleichzeitig werden alle Fischer von ihren Konkurrenten überwacht.

Wie das Beispiel zeigt, ist Ostrom in ihrer praxisorientierten Forschung auch zu der Erkenntnis gekommen, dass die Menschen vor Ort oft die besten Lösungen für ihre Probleme finden. Damit hat die Wissenschaftlerin nachgewiesen, dass weder der Staat noch der Markt - wie es viele ihrer Kollegen behaupten - in der Regel zu den besten Ergebnissen führt.

Es ist schon fast erschreckend zu sehen, was Journalisten dem Markt alles antun können. Ist es der Finanzmarkt, so haben nicht Finanzleute vor Ort die beste Lösung gefunden, wie man in einem überregulierten System am besten abzocken kann, sondern der Markt war daran schuld. Sind es aber ein paar türkische Fischer, so hat der Markt mit deren Rotationsprinzip natürlich überhaupt nichts zu tun, sondern "die Menschen vor Ort" haben allein aus Herzensgüte und purem Altruismus zu dieser Lösung gefunden...

Freitag, Oktober 09, 2009

Gerade in Oslo...

Weite Teile Norwegens sind vom Rinderwahnsinn befallen. Anders kann man sich die Verleihung des Friedensnobelpreises an Obama eigentlich nicht erklären. Oder wie ars libertatis schreibt:
Nun hat also ein amtierender Präsident den Friedensnobelpreis erhalten, der momentan in etlichen Nationen Krieg führt, in unzähligen Staaten Militärbasen hat, diverse Foltergefängnisse betreibt, unter dessen Aufsicht einige Geheimdienstoperationen in anderen Ländern durchgeführt werden und der in seinem eigenen Land paramilitärische Truppen einsetzt, die immer und immer wieder Unschuldige und kleine Hunde ermorden. Ein Friedensnobelpreisträger, der neben einem War on Terror, einem War on Poverty, einem War on Climate Change auch noch einen War on Drugs führt, wegen dem tausende harmlose Kiffer und Drogensüchtige im Gefängnis sitzen, Todkranke ihr Marihuana nicht mehr erhalten, Drogenabhängige kriminell werden müssen, um die extrem hohen Preise für ihren Stoff bezahlen zu können und der Mexiko in eine Hölle der Gewalt verwandelt hat.
Doch eigentlich ist der Preis schon lange durch Träger wie den Dalai Lama, Mutter Teresa, Arafat oder Kissinger diskreditiert - also nicht wirklich etwas Neues.

Sonntag, Oktober 04, 2009

Neulich, solange es passt...

Deutschland soll ein Rechtsstaat sein, d.h. die Organe des Staates sollen an die Rechtsordnung gebunden sein (wie wikipedia meint). Dass es hier eine Menge Gestaltungsfreiheit gibt, zeigt folgender Video (mit Dank an den Aufklärer 2.0):



Apropos passen... in Irland hat man ja jetzt auch solange gewählt bis es endlich passt. Spiegel online schreibt dazu:
"Die Iren haben mit klarer Stimme gesprochen", sagte Ministerpräsident Brian Cowen am Samstag in Dublin, "es ist ein guter Tag für Irland und ein guter Tag für Europa". Die Abstimmung sei "eine Willenserklärung, im Herzen Europas zu bleiben".
Folglich haben die Iren mit irgendeiner anderen Stimmte gesprochen, als sie letztes Jahr "NEIN" gesagt haben - tja... wenn eine demokratische Entscheidung nicht passt, wird sie passend gemacht.

Montag, September 28, 2009

Neulich bei Telepolis...

Einen wichtigen Artikel hat Telepolis veröffentlicht, der den Finger genau in die Wunden legt, derentwegen man gestern auch mit gutem Gewissen kein Kreuzchen machen konnte - Der Parlamentarismus als Anachronismus:
Die Bundesrepublik Deutschland ist ein abschreckendes Beispiel für eine Bevormundungsdemokratie, also eine Variante der Scheindemokratie, wo das Wählervotum von den Gewählten in eine gar nicht gewollte Generalvollmacht umgewandelt wird. Da nur die politische Klasse, aber nicht die Wahlbürger über die politischen Spielregeln entscheiden, handelt es sich beim Wählen unter solchen Bedingungen um eine Selbstentmündigung der Bürger.

In einer freiheitlich-demokratischen Republik brauchen die Bürger eigentlich nur ein vom Volk beherrschtes Verfahren zur staatlichen Willensbildung, aber keine Vertretung, die sich durch Anmaßung von Befugnissen zum Vormund des Volkes aufschwingt. Eine Ermächtigung durch das Volk, die nach der Wahl über viele administrative Instanzen weitergereicht wird, verwässert die demokratische Legitimation. Dies ist in unserer Vertretungsdemokratie regelmäßig der Fall, wo politische oder leitende Beamte, ordentliche Richter, Verfassungsrichter und Repräsentanten für die Europäische Union in obskuren Parteizirkeln nach Gesichtspunkten des Machterhalts und der Pfründesicherung ausgeklüngelt werden. Man beruft sich dabei, wie auch bei der Regierungsbildung, auf das sogenannte "Wählervotum". (Das hat man auch in der DDR gemacht, und die westliche Presse sprach dann von "Schwindelwahlen".) Was die Wähler wirklich wollen, wissen die Gewählten durch Umfragen ziemlich genau, aber darum brauchen sie sich nicht zu scheren, denn die Wähler können sie nicht wirkam zur Verantwortung ziehen.

Sonntag, September 27, 2009

Gerade bei der Wahl

Sieg der Vernunft!

Gem. ersten Hochrechnungen wollen mehr als 66,5% aller Wähler, also eine klare Mehrheit, nicht Merkel bzw. die Unionsparteien. Lassen wir uns mal überraschen, wer Kanzler wird...

Zweitstärkste Fraktion sind diesmal mit 28% Nichtwähler, die jedoch wie üblich in einem demokratischen System, in welchem es auf Mehrheiten ankommt, übergangen werden.

Lustig auch die ganzen Reaktionen auf die Wahl. Es hat schon etwas Religiöses. So wie z.B. Christen auch noch die härtesten Schicksalsschläge rationalisieren (Gott hatte einen Plan, es ist eine Prüfung usw.), genauso rationalisieren die enttäuschten Wähler das Ergebnis: die Nichtwähler sind schuld, das Parteiprogramm war zu schlecht, der Wahlkrampfkampf schreckte ab, Steinmeier ist der Falsche, Gysi hat eine zu große Klappe etc.pp.. Wie immer hat nicht das System ein unerwünschtes Ergebnis produziert, sondern es lag an "Kleinigkeiten". Denn das System anzutasten hieße ja auch sich zukünftige Chancen auf das zu verbauen, was man auch bei dieser Wahl anstrebte, nämlich seine eigene Meinung anderen Leuten aufzwingen zu können.

Doch was bekommt man denn nun bei Lichte betrachtet? Von 62 Mio. potentiell stimmberechtigten (ca. 75% der Bevölkerung) haben ca. 44 Mio. gewählt (ca. 53%). Von diesen 53% haben ca. 34% Merkel und Co. gewählt, d.h. gerade mal 18% der Gesamtbevölkerung wollen CDU/CSU. Diese wird voraussichtlich mit der FDP koitieren koalieren, welche selbst 8% der Gesamtbevölkerung stimmtechnisch auf sich verbuchen konnte. D.h. eine Schwarz-Gelbe-Regierung hat die Unterstützung von ca. 26% der Bevölkerung - das nenne ich doch mal eine absolute Mehrheit!

Mittwoch, September 16, 2009

Neulich mit ganz viel Freiheit...

Wie folgender Video zeigt, können wir uns auf eine rosige Zukunft, mancher würde auch sagen schöne neue Welt, mit ganz viel Freiheit gefasst machen:

Sonntag, September 13, 2009

Neulich beim Nachfragen...

Eher zufällig bin ich auf Jan Helfeld gestoßen, der - im Gegensatz zu deutschen Journalisten - nicht müde wird immer und immer wieder nachzufragen, wenn er mit der verschwurbelten Antwort von Politikern nicht zufrieden ist. Schön anzusehen an diesem Beispiel:

Wer noch mehr davon sehen will: hier klicken

Samstag, September 12, 2009

Neulich beim Ausschuss...

Peer Steinbrück, dessen Rolle man bei dem Bericht der financial Times Deutschland in Bezug auf die Bankenkrise schön nachverfolgen kann, lügt sich in diesem Spiegelvideo vor seiner Aussage vor dem Untersuchungsausschuss die Wirklichkeit passend zurecht. Man habe ja nichts anderes machen können, als HRE zu retten, also ein totes Unternehmen mit 100.000.000.000 Euro am Leben zu erhalten, weil es sonst pleite gegangen wäre - was für eine unglaubliche Erkenntnis!


Alternativ hätte man den 4,5 Mio. Sozialschwachen eine Einmalzahlung von ca. 22.000 Euro verpassen können oder man hätte die Mineralölsteuer & Tabaksteuer ein Jahr lang aussetzen können.

Welche anderen tollen Verwendungsmöglichkeiten kann man sich noch für 100 Mrd. Euro vorstellen?

Mittwoch, September 09, 2009

Neulich beim ORF...

Dass die Qualität des österreichischen Rundfunks (ORF) nachgelassen hat, habe ich schon lange vermutet, dass es aber mittlerweile so bitter ist, dass er billige Verschwörungstheorien bedient, war mir nicht bekannt:
Es ist immer dasselbe: Man konstruiert im Nachhinein Zusammenhänge wo keine sind und bringt das Publikum mit suggestiven Fragen dorthin, wo man es haben möchte. Vermeintliche Ungereimtheiten werden aufgezeigt und Vermutungen angestellt: Eine schlüssige alternative Darstellung der Ereignisse wird nicht geliefert (wie denn auch?). Man fordert, jede noch so idiotische Behauptung im Detail zu widerlegen und jede noch so unbedeutende Einzelheit genau zu rekonstruieren, man selbst braucht aber gar nichts zu beweisen. Es reicht, den Generalverdacht zu konstruieren, den Rest besorgt dann schon die Phantasie des Publikums. Wenn dann noch Ressentiments gegen Amerika oder Israel bedient werden, kann nichts mehr schiefgehen, der Erfolg ist quasi garantiert. Das Muster funktioniert seit den Protokollen der Weisen von Zion. [...]

Wirkliche Verschwörungen haben immer nur sehr wenige Beteiligte und Mitwisser. Sie sind trotzdem aufgeflogen. Von der Ermordung Cäsars bis Watergate. In unserer Zeit wird bereits der Oralverkehr eines amerikanischen Präsidenten zum publizistischen Weltereignis. Und diese Menschen glauben ernsthaft, unter der Clinton-Administration könnte eine gigantische Verschwörung, die tausende Amerikaner das Leben kostet, ausgeheckt und bis ins Detail vorbereitet worden sein, die dann unter der Bush-Regierung exekutiert wird, und nichts, rein gar nichts, dringt nach außen! Hunderte Helfer, Selbstmordattentäter, Sprengstoff- und Raketenexperten, verschwundene Flugzeuge samt Passagieren. Und alle Beteiligten halten bis heute dicht?

Sonntag, August 30, 2009

Neulich beim 2x Yo

Der Yoyo-Effekt mag manchem meiner Leser eher aus dem Bereich des Körpergewichts bekannt sein, aber es gibt auch Japaner die machen mit den kleinen Scheiben am Faden Dinge, die man kaum für möglich hält...

Samstag, August 15, 2009

Neulich bei denen...


Glaub die These muss ich mal in einer Feldstudie überprüfen... in zwei Wochen weiß ich mehr ;-)

Dienstag, August 11, 2009

Freitag, August 07, 2009

Neulich bei den offenen Fragen...

Es gibt so ein paar Dinge, die haben mich schon immer interessiert. Nur um es nicht zu vergessen schreibe ich mal die Fragen auf (vielleicht gibt es ja auch schon eine Antwort dazu?):
  • Wenn Kain und Abel Siamesische Zwillinge gewesen wären, hätten sie dann Kabel geheißen?
  • Sind die, die hungern und dürsten gesegnet, weil sie sich an ihre Diät halten?
  • Ist das beste Vitamin für einen Christen wirklich B16?
  • Wenn jemand ein Armutsgelübde abgelegt hat, sollte man ihn dann wirklich mit dem Zusenden von Spenden auf die Nerven gehen?

Donnerstag, August 06, 2009

Das Wort zum Sonntag #64

Thema heute:
Die Parallelen zwischen Demokratie und Glauben.

Also Religionen funktionieren ungefähr so: man stelle eine Behauptung auf, die faktisch nicht überprüfbar oder beweisbar ist (z.B. es gibt einen allgütigen Gott) und interpretiere alle Daten, die nicht dazu passen entsprechend (z.B. Gott wollte die Tsunamiopfer strafen, das steht mit Allgüte nicht im Widerspruch).

Dummerweise tendieren wir Menschen dazu auf solcherlei Humbug hereinzufallen. Dies umso mehr, je stärker wir an eine solche Herangehensweise konditioniert wurden. Doch wie sieht das jetzt in einer Demokratie aus?

Man stelle ein Ziel auf, zu dessen Erlangung man eine organisatorische Struktur benötigt (z.B. Gesundheitssystem), dessen Berechtigung aber faktisch nicht beweisbar ist (wird meist "Wille des Volkes" genannt). Tauchen jetzt Fakten auf, die berechtigte Zweifel am Ziel oder der Struktur aufkommen lassen, so suche man sich schnell einen Sündenbock (z.B. Gesundheitssystem: böse Pharmafirmen, gierige Ärtzte). Tatsächlich ist es aber so, dass hier unfähige Politiker gepaart mit einer planwirtschaftlichen Organisationsstruktur zussammentreffen, was das System sehr teuer und gleichzeit sehr ineffizient macht.

Doch auf Grund unserer Schwäche für einfache Erklärungen, die möglichst wenig von unserem Weltbild kaputtmachen, tendieren wir dazu der billigen Erklärung zu "glauben"

Die richtige Herangehensweise wäre jetzt, den kompletten Prozess zu hinterfragen, also ob dieser Volkeswille sich tatsächlich so ein stümperhaftes System gewünscht hat, das v.a. gierige Pharmaunternehmen + gierige Ärzte produziert und gleichzeitig dem Patienten lange Wartezeiten und Mondbeiträge verschafft. Ob der Staat wirklich die einzige Instanz ist, welche so ein System ins leben rufen kann. Ob das Gesundheitswesen wirklich planwirtschaftlich organisiert sein muss. etc.etc. Vermutlich ist dem nicht so.

Das ist überhaupt ganz seltsam mit dem "Volkswillen", denn obwohl noch nicht mal zwei Menschen einen zu 100% übereinstimmenden Willen haben, hat ein ganzes Volk einen solchen. Das muss man sich wahrscheinlich so ähnlich wie in der Homöopathie vorstellen, wo ein Wille immer konkreter und konkreter wird, je mehr Individuen daran beteiligt sind. Ähnlich verhält es sich mit dem Willen Gottes, denn obwohl dieser "unbegreiflich" ist, gelingt es doch ständig irgendwelchen geronten Travestiten genau zu wissen was der jeweilige Gott will, den sie hier auf Erden vertreten.

Darauf angesprochen reagieren die meisten Leute mit Ablehnung. Doch diese Ablehnung resultiert einzig und allein daraus - und hier schließt sich auch der Kreis zu religiösen Vorstellungen wieder -, dass Realität und die Vorstellung der Realität im Kopf des einzelnen nicht übereinstimmen.

Oder um dies zu konkretisieren: Gläubige sagen z.B. sie glaubten an Gott, weil es die Wahrheit ist. In Wirklichkeit glauben sie genau an den Gott, weil sie so erzogen wurden und/oder sie Spaß an den gemeinsamen Keksorgien haben und/oder ihr soziales Umfeld sich in diesem Kreis bewegt und/oder ... . Denn wären sie an der Wahrheit interessiert, dann müssten sie jedem um den Hals fallen, der ihre Denkfehler aufzeigt.

Und so verteidigen Demokraten die Demokratie, weil es "das beste System sei, dass wir kennen", weil es "gerecht" sei, weil es eine gewaltlose Regierungsform sei etc.pp.. In Wirklichkeit verteigigen sie Demokratie, weil sie i.d.R. nichts anderes kennen und/oder weil sie darauf hoffen, selbst irgendwann den Willen des Volkes zertreten vertreten zu dürfen und/oder weil Freiheit in ihrem Leben eine untergeordnete Rolle spielt und/oder ... . Hier - mutatis mutandis - das gleiche, ein Demokrat müsste demjenigen um den Hals fallen, der zeigt, dass das System nicht gerecht ist, dass es nicht gewaltlos ist usw.. In Wirklichkeit fällt er diesem aber nicht um den Hals, sondern er geht ihm dann an die Gurgel.

So man nun aber aufzeigt, dass jedes Handeln eines (demokratischen) Staates _nur_ auf Gewalt bzw. der Androhung derselben beruht, dass das Vorhandensein eines (demokratischen) Staates keinen Wohlfahrtsgewinn, sondern einen Wohlfahrtsverlust produziert und dass "freiheitliche demokratische Grundordnung" ein Widerspruch in sich ist, so macht man sich alles, nur keine Freunde. Denn man deckt die Diskrepanz zwischen dem was man beobachten kann (z.B. Steuereintreibung unter Androhung von Gewalt) und dem was der Betreffende nun wider besseres Wissen "glaubt" (z.B. höhere Gesamtwohlfahrt) auf. Und Boten die unliebsame Nachrichten überbringen ließ man nur allzuoft meucheln anstatt sich mit diesen Fakten auseinanderzusetzen.
Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, daß er tun kann, was er will, sondern das er nicht tun muß, was er nicht will.
(Jean-Jacques Rousseau)

Dienstag, Juli 21, 2009

Neulich auf der Zigarettenschachtel...

Die Schweizer haben mit einer Unart angefangen, die mir bislang nur aus Canada bekannt war, nämlich dämliche Sprüche mit Horrorbildchen auf Zigarettenschachteln abzudrucken. Das sieht dann ungefähr so aus:

Seltsam nur, dass wir derartige Erziehungsmaßnahmen nicht auch auf anderen Dingen finden...



Oder wie wäre es mit diesem leckeren Bildchen, permanent auf jeder Motorhaube eingraviert?


Dienstag, Juli 14, 2009

Das Wort zum Sonntag #63

Thema heute:
Die Farce der "sozialen Gerechtigkeit".

Nachdem man dieses Wort speziell aus der politischen (aber auch aus der religiösen!) Ecke alle Nase lang zu hören bekommt, speziell jetzt, wenn es mit Riesenschritten auf die Wählerverarschung Wahlen zugeht, sollte man sich mal etwas genauer damit beschäftigen, was damit genau gemeint sein soll bzw. wie "sozial gerecht" es wirklich zugeht.

Offensichtlich geht es auf dieser Welt nicht allzu "gerecht" zu. Viele Menschen leben in Gebieten, die kaum in der Lage sind, sie zu ernähren und wenn, dann nur unter hartem körperlichem Einsatz. Tausende verhungern jedes Jahr, viele Kinder sterben, andere wiederum kaufen sich ein Auto nach dem anderen oder befinden sich im Stadium Adipositas III. Ich denke ich muss das nicht weiter ausführen um aufzuzeigen, dass diese Welt alles ist, nur nicht gerecht.


Doch mittlerweile haben wir eine Möglichkeit gefunden, diese Welt ein bisschen gerechter zu machen durch - die Nierenspende. Tausende Menschen weltweit sind von der Dialyse abhängig. Auf der anderen Seite gibt es Millionen von Menschen, die nicht nur eine funktionierende Niere, sondern sogar zwei davon haben. Das ist - sozial gesehen - höchst ungerecht. Insofern wäre es doch recht chic, wenn der Staat all diejenigen mit zwei Nieren zwingen würde, eine davon einem Dialysepatienten abzugeben. Natürlich sollte das nicht alles willkürlich geschehen, sondern vorher wird die Bevölkerung biopsiert und eine staatliche Spenderdatenbank erstellt. Anschließend wird - sofern mehrere Spender vorhanden sind - per Zufall einer ausgewählt. Eine Entschädigung gibt es natürlich nicht, sondern nur das Recht eines jeden auf eine funktionieren (Spender)Niere.

Ließe sich für so einen Vorschlag eine Mehrheit finden?

Und wenn nicht, dann frage ich mich, wieso mein Geld, welches genauso mir gehört, wie meine Niere, an Bedürftige zwangsumverteilt werden darf, so mich doch die Erlangung desselben meine Lebenszeit und meine Gesundheit kostet.

Eine Nierenspende, so sie freiwillig geschieht, ist ein höchst sozialer Vorgang, einer Selbstaufopferung nahekommend. Eine Zwangsnierenspende ist nichts weiter als Barbarei. Leute zu motivieren, sich freiwillig sozial zu engagieren ist eine beachtenswerte Leistung und zu befürworten. Leuten jedoch Geld abzupressen unter dem Deckmantel etwas Gutes zu tun (denn das Gegenteil von Gut ist gut gemeint) und dabei selbst noch gut zu leben, ist nichts weiter als heuchlerische Erpressung und bigotte Wegelagerei.

Bezogen auf das o.a. Thema heißt das, dass ein erzwungenes Sozialverhalten näher an der Erpressung ist, denn an einer freiwilligen Mitmenschlichkeit. "Gerecht" hieße, alle gleich zu behandeln, also dem mittellosen HartzIV-Empfänger das Geld des Steuerzahlers zukommen zu lassen und dem dialysierten Steuerzahler die Niere des HartzIV-Empfängers. Insofern ist die praktizierte Gerechtigkeit ein höchst subjektives, der jeweiligen Situation angepasstes Vorgehen, was wiederum nicht wirklich etwas mit dem Wortsinn zu tun hat.
Demokratie, das ist die Kunst, sich an die Stelle des Volkes zu setzen und ihm feierlich in seinem Namen, aber zum Vorteil einiger guter Hirten die Wolle abzuscheren.
(Romain Rolland, frz. Dichter, 1866-1944)

Freitag, Juli 10, 2009

Neulich beim sozialen Zyklus...

Päpste menstruieren mental. So sie dies tun, befinden sie sich im Zyklus und Ergebnis dessen ist eine Enzyklika. Anscheinend sind sie dabei immer auch auf geistigem Entzug, dafür vom hl.Geist beseelt (wahrscheinlich nicht nur diesem...). 141 Seiten hat der aktuelle Papst noch zu Stande gebracht, Horst Herrmann benötigt ungefähr so viele Zeilen in diesem Artikel um den schwachen Glanz des Pamphlets völlig zum Erlöschen zu bringen:
Über die päpstlichen Vorstellungen von einer Weltinstanz können viele nur lachen. Dieser Papst hat nicht einmal die Pius-Brüder im Griff. Katholiken können sich nicht darüber einigen, wie die Hostie empfangen werden soll: Mund- oder Handkommunion? Und da schwebt Benedikt XVI. eine Art ständiger Krisengipfel vor, „um die Weltwirtschaft zu steuern“, die Ökonomien zu sanieren, „den Umweltschutz zu gewährleisten und die Migrationsströme zu regulieren“. Ein solches von allen anerkanntes Gremium, schreibt Ratzinger, müsse befugt sein, „gegenüber den Parteien, den eigenen Entscheidungen wie auch den in den verschiedenen internationalen Foren getroffenen abgestimmten Maßnahmen Beachtung zu verschaffen.“ Die Ackermänner dieser Welt hören es und kommen aus dem Lachen nicht heraus. Auf wie vielen Wirtschafts-konferenzen wird in den nächsten Tagen wohl über Ratzinger gespottet werden?

Montag, Juni 29, 2009

Neulich am Ufer...

"Projekte mit Nearshorern"1 mit "Projekten mit Nashoernern" zu verwechseln, kann u.U. lebensgefährlich sein...

1: "Ich hasse Anglizismen. Das ist alles Bullshit." (Georg Kofler, Geschäftsführer von Premiere)