Donnerstag, September 11, 2008

Neulich beim Requiem...

B16 hat für einen seiner Kardinäle, genauer Kardinal Innocenti (wie kath.net berichtet) - übrigens ein Widerspruch in sich, denn wann war je ein Kardianl "innocent", also unschuldig? -, ein Requiem gehalten, bei dem er die schwerwiegenden Worte sagte:


Der leibliche Tod sei mit einem Wort des heiligen Paulus kein Verlust, sondern ein Gewinn.

Wenn man sehr ketzerisch an die Sache herangeht, dann könnte man ihm nur recht geben, denn nur ein toter Pfaffe ist ein guter Pfaffe.

Doch selbst das stimmt nicht ganz, denn die katholische Kirche entblödete sich nicht, selbst einem toten Papst noch ein weltliches Tribunal, die sog. Leichensynode, zu bereiten (eine der vielen Stellen in der katholischen Historie, die man nicht so gerne an die große Glocke hängt). So schreibt Deschner in der "Kriminalgeschichte" dazu:

Der seit neun Monaten Bestattete [Anm.: Formosus] wurde jetzt, bereits stark angefault, von den Anhängern der Widonen aus dem Grab gerissen, in Pontifikalgewänder gesteckt und wohl im Januar 897 vor der »Leichensynode« in St. Peter auf den sogenannten Apostolischen Stuhl gesetzt. Darauf hielt man drei Tage in aller Form über die herausgeputzte Mumie Gericht, die drei Kläger, die Bischöfe Petrus von Albano, Silvester von Porto und Paschalis (mit unbekanntem Bistumssitz) sowie einen Diakon als Pflichtverteidiger an die Seite bekam, der mit zittriger Stimme und natürlich unbefriedigend für sie geantwortet hat.

Dienstag, September 09, 2008

Neulich beim christlichen Marketing #3

Boethius (480-524)

Unique selling proposition: So zeigt Vernunft, dass Gott das wwahre Gute ist, indem sie beweist, dass auch das vollkommene Gute in ihm enthalten ist.

Reason why: Überhaupt kann die Natur keines Dinges besser sein als ihr eigener Ursprung.
Gott. Total Quality.



Johannes Damasezenus (645 - ca. 750)

Unique selling proposition: Da also der Schöpfer ungeschaffen ist, so ist er sicherlich auch unveränderlich.

Reason why: Alles, was [...] geschaffen [wurde] ist sicherlich auch veränderlich. [...] Der Schöpfer aber muss ungeschaffen sein.
Gott - Da weiß man, was man hat.



Anselm von Canterbury (1033 - 1109)

Unique selling proposition: "Das, über dem Größeres nicht gedacht werden kann", [kann] nicht im Verstande allein sein.

Reason why: Denn wenn es wenigstens im Verstand allein ist, kann gedacht werden, dass es auch in Wirklichkeit existiere - was größer ist. Wenn also "das über dem Größeres nicht gedacht werden kann", im Verstande allein ist, so ist eben "das über dem Größeres nicht gedacht werden kann", über dem Größeres gedacht werden kann. Das aber kann gewiss nicht sein.
Think big. Gott.


Hier zu Teil 2
Hier zu Teil 1

Montag, September 08, 2008

Neulich beim Rekord...

Rekorde die keiner braucht:

Unter
http://www.llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch.com/
hat sich die nordwalisische Stadt (lt. eigenen Angaben) die längste Ein-Wort-.com-Domain gesichert.

Abgesehen davon, dass eh kein Tourist diese Stadt fehlerfrei aussprechen kann (hier eine kleine Aussprachehilfe), wurde dieser Marketing-Gag erst im 19. Jh. erfunden. Davor hieß die Stadt schlicht "Llanfair Pwllgwyngyll", was soviel bedeutet wie "Die Marienkirche am Teich neben den weißen Haselsträuchern". Ein findiger Kopf veränderte das dann zu "Die Marienkirche in der Senke der der weißen Haselsträucher nahe dem schnellen Wirbelstrom und der Kirche von St. Tysilio von der roten Höhle".

Ich halte mich da lieber an andere englische Zungenbrecher, wie z.B. diese hier:
Three swiss witch-bitches, which wished to be switched swiss witch-bitches, wish to watch three swiss Swatch watch switches. Which swiss witch-bitch, which wishes to be a switched swiss witch-bitch, wishes to watch which swiss Swatch watch switch?

I'm not the fig plucker,
Nor the fig plucker's son,
but I'll pluck your figs
till the fig plucker comes.
Die sind auch schwer auszusprechen, aber man muss dafür wenigstens kein Walisisch können...

Donnerstag, September 04, 2008

Neulich bei den armen Diskriminierten...

Das katholische Witzblatt berichtet über Äußerungen eines Erzbischofs Mamberti zur "Christianophobie", also der Angst vor Christianisierung oder vor Christen an sich, die ja historisch gesehen (Missionierung der Neuen Welt, Hexen-, Junden-, Ketzerverfolgung usw.) nicht ganz unbegründet ist:

Dieser angstvollen Ablehnung des Christentums, der „Christianophobie“, müsse man ebenso kraftvoll entgegen wirken wie dem Antisemitismus und der „Islamophobie“, betonte Erzbischof Mamberti beim Rimini-Treffen. Christianophobie bestehe aus drei Hauptproblemen: aus einer falschen Information über das Christentum, aus Intoleranz und Diskriminierung sowie aus Gewalt und Verfolgung. „Leider sind Vorurteile noch immer eine brennende Sorge.”
Seltsam nur, dass man dem guten Herrn Mamberti genau dasselbe vorwerfen könnte, denn Christen haben über etliche Jahrhunderte hinweg andere Weltanschauungsgemeinschaften auf Grund von falschen (oder gar keinen) Informationen, aus Intoleranz und Diskriminierung mit Gewalt und Verfolgung heimgesucht. Diese Heimsuchung war teilweise so effektiv, dass man von den Betroffenen nichts mehr hörte (z.B. Abligenser).

Bei weitem erstaunlicher ist aber, was der röckchentragende Prälat noch von sich gibt und zwar im selben Artikel:
Eine andere Form von “Christianophobie” sprach ein britischer Parlamentsabgeordneter vergangenes Jahr an: Der radikale Säkularismus gebe in Medien und Politik seines Landes den Ton an und dränge die traditionelle christliche Kultur an den Rand, beklagte Mark Pritchard. Das Diskriminierungsverbot aufgrund sexueller Orientierung durch die Labour Party im Vorjahr habe katholische Adoptionsagenturen gezwungen, entweder zuzusperren oder sich zu fügen und Kinder praktizierenden Homosexuellen anzuvertrauen.
D.h. wir haben hier wieder die übliche Geschichte, dass zwar der Splitter in anderer Leute Augen operativ entfernt werden will, der Diskriminierungsbalken im eigenen Auge aber gar nicht als solcher wahrgenommen wird. Solange sich die katholische Praxis nicht ändert, immer dann laut "Feurio" zu rufen, wenn man (wie z.B. in Indien) wenig Einfluss hat und sich unterdrückt fühlt, aber auf der anderen Seite in den säkularen Gesellschaften Europas weiterhin versucht Minderheiten wie z.B. Homosexuelle, geschiedene Frauen usw. zu diskriminieren, solange werden die "brennenden Sorgen" nur als das entlarvt, was sie sind: scheinheiliges Geschwätz!

Mittwoch, September 03, 2008

Neulich beim christlichen Marketing #2

Gregor von Nazianz (ca. 330 - ca. 390)

Unique selling proposition: Wenn du davon ausgehst, dass es vor Gott nichts gibt und dass er keine Ursache hat, die älter ist als er selber, dann hast du ihn als "ursprungslos" und "ungezeugt" bezeichnet.

Reason why: Wenn Du davon ausgehst, dass Gott nicht aufhören wird zu sein, dann hast du ihn als "unsterblich" und "unvergänglich" bezeichnet.


Gott. Gemacht für die Ewigkeit.



Pseudo-Dionysius (6. Jh. n.u.Z.)

Unique selling proposition: [...] die Übergottheit, die über alles überwesentlich entrückt ist. Es gibt keinen Namen und keinen Begriff von ihr [...]

Reason why: [...] sie ist in das Überwesentliche enthoben.

Supporting evidence: Nicht einmal den Namen Güte glauben wir ihre zutreffend beizulegen; nur aus Verlangen, über jene unaussprechlihce Natur etwas zu erkennen oder zu sagen, weihen wir ihr in erster Linie den ehrwürdigsten aller Namen.
Gott. Das Wort sagt alles.



Augustinus von Hippo (354-430)

Uniqute selling proposition: Sei dem wie ihm wolle: dass Gott trotzdem ist, wirst due nicht leugnen können [...]

Reason why: Gibt es etwas noch Vorzüglicheres, so ist es um so eher Gott, wenn nicht, so ist die Wahrheit selbst bereits Gott.

Gott - Schön zu wissen, dass es ihn gibt.



Hier geht's zu #1

Dienstag, September 02, 2008

Das Wort zum Sonntag #55

Thema heute:
Warum Religion nur willkürliche Moral liefern kann.


Dank des klerikalen Marketing hat sich die (Wahn)Vorstellung in vielen Köpfen festgesetzt, dass Religion bzw. religiöse Erziehung zu mehr Moral bzw. zu moralischerem (und damit impliziert) besserem Verhalten führe, als ein Aufwachsen in einer gottlosen Umgebung. Hier werden auch meist die beiden "atheistischen Gespenster", nämlich Nazi-Deutschland oder der sowjetische Stalinismus, vorgebracht, unbesehen der Tatsache, dass die 5% Atheisten in der Bevölkerung damals Hitler gar nicht an die Macht bringen konnten und dass die russisch-orthodoxe Kirche auch keine Probleme hatte mit den Stalinisten zu kooperieren.


Dabei ist die Problematik über die göttliche Begründung der Moral schon seit Platon bekannt. Er formulierte dies, wenn auch nicht vollständig durchdacht, in dem Dialog Euthyphron, welcher zu folgendem Dilemma führt:

Angenommen Gott erscheint und erteilt folgenden Befehl:
Szenario 1: Schenke einem Bedürftigen 100 €
Szenario 2: Foltere deinen Nachbarn

Der Befehl aus Szenario 1 erscheint offensichtlich als eher positiv, egal ob er von einem Gott, dem Vorgesetzten oder der Ehefrau/dem Ehemann kommt.


Beim Befehl aus Szenario 2 ist die Lage schon erheblich schwieriger. Hier widerspricht der Befehl offensichtlich dem allgemeinen moralischen Standard, dass nämlich Folter inhuman ist. Wird diese nun von einem Gott befohlen ergeben sich mehrere Möglichkeiten:

a) Gott ist ein Sadist
b) Gott verfügt über mehr Wissen (z.B. dass der Nachbar die Welt in die Luft sprengen will und nur unter Folter seinen teuflischen Plan gesteht)
c) Gott will nur den Glauben testen
d) ...

D.h. egal welcher Befehl von Gott kommt, man sollte in höchstem Maße vorsichtig sein. Noch dazu zeigt dieses Dilemma auch, dass egal welcher Befehl von Gott kommt, es immer einer moralischen Beurteilung des Menschen bedarf, bevor man diesen umsetzt.


Welcher Weg könnte nun aus diesem Dilemma führen? Nun, wenn Gott keinen Befehl, sondern eine Regel aufstellen würde, d.h. eine Regel ist eine Kombination aus einem Verhaltensvorschlag mit einer zusätzlichen Begründung. Z.B. könnte Gott folgende Regel aufstellen:
Verhalte dich fair gegenüber deinem Nächsten und deinem Fernsten! Du wirst nicht alle Menschen lieben können, aber du solltest respektieren, dass jeder Mensch – auch der von dir ungeliebte! – das Recht hat, seine individuellen Vorstellungen von „gutem Leben (und Sterben) im Diesseits“ zu verwirklichen, sofern er dadurch nicht gegen die gleichberechtigten Interessen Anderer verstößt.

Eine solche Regel ist aus sich heraus verständlich. Das Problem dabei ist nun, dass es zur Aufstellung solcherlei Regeln keines Gottes bedarf (der Vorgesetzte oder der Lebensabschnittsgefährte hätte etwas vergleichbares von sich geben können), denn die Begründung macht eine göttliche Autorität (welche dem Befehl oder Gebot den nötigen Nachdruck verleiht) völlig überflüssig. Schlimmer noch, jeder unbegründete Befehl Gottes erscheint höchst willkürlich und weckt massive Zweifel.

Als weitere Erschwernis kommt hinzu, dass die allermeisten von uns noch keine göttlichen Befehle empfangen haben, sondern absolut alles, d.h. Bibel, Koran, Veden usw.usf wurde von Menschen aufgeschrieben (auch wenn sie diese Befehle evtl. durch göttliches Diktat empfangen zu haben glauben). Somit sollte man bei dererlei Befehlen oder Geboten zusätzlich auf der Hut sein, denn ein Gebot, dass von einem Menschen unter den göttlichen Diktus gestellt wurde, nur um seine eigenen Ziele zu verfolgen, lässt sich nicht von einem Gebot unterscheiden, das ein Gott zur Verfolgung seiner eigenen Ziele (oder zum Wohl der Menschheit) aufstellt.

Fazit: Moral kann kann aus einer Religion heraus kommen, doch wenn diese nicht willkürlich sein will (d.h. eine Regel liefert), so ist die Religion überflüssig. Mutatis mutandis gilt das natürlich ebenso für den dahintestehenden Gott/Götter.

Sonntag, August 31, 2008

Neulich beim christlichen Marketing #1

...oder wie die Kirche das Marketing erfand1. Theologische "Beweise" mit einem modernen Werbeslogan versehen:

Origines (185-254)

Unique selling proposition: Wahrhaft Gott ist also "der Gott".

Reason why: Die nach ihm geprägten Götter sind wie Bilder eines Urbildes.

Supporting evidence: An gewissen Stellen setzt Johannes die Bezeichnung "Gott" mit dem Artikel und meint damit den ungezeugten Urheber allen Seins. An anderer Stelle lässt er den Artikel weg und sagt einfach "Gott". Nämlich dann, wenn das "Wort" Gott genannt wird.

Gott. Das Original.
Nur echt mit Artikel. Garantiert vom heiligen Johannes.



Gregor von Nyssa (335-395)

Uniqute selling proposition: [...] dass überall bei der göttlichen Natur nur Vollkommenheit in Frage kommen kann [... führt] zur [zwingenden] Annahme eines einzigen Gottes.

Reason why: [...] weil der Begriff der Vollkommenheit eine Mischung ausschließt - noch eine Unterscheidung zwischen Untergeordnet- und Übergeordnetsein - denn der Begriff der Gottheit wäre da nicht mehr denkbar, wo der Begriff der Unterscheidung festgestellt werden kann.
Nobody is perfect. Nur Gott.


1: Zitiert aus "Jesus wäscht weißer - wie die Kriche das Marketing erfand", Bruno Ballardini

Freitag, August 29, 2008

Frosch reloaded...

Nachdem ich ja schon über den Frosch am Kreuz berichtete, hat sich doch jetzt auch noch der Pontifex Maximus, der größte Brückenbauer, aus Rom dazu eingeschaltet. So schreibt dazu das kath.net:
Das ganze habe "die religiösen Gefühle vieler Menschen verletzt, die im Kreuz ein Symbol der Liebe Gottes und unseres Heils sehen, das Anerkennung und religiöse Verehrung verlangt". Dies betont Benedikt in einem Brief an dem Vorsitzenden des Regionalrats von Südtirol Franz Pahl.
Also wenn eine Gruppe Menschen im Kreuz ein "Symbol der Liebe" des unsichtbaren rosa Einhorns sieht, welches "Anerkennung und religiöse Verehrung verlangt", so darf man einen Frosch daran nicht festnageln. Dass aber andere Menschen im Kreuz ein Symbol für eine menschenverachtende Folterstrafe der Antike sehen und weiters jahrhundertelange Unterdrückung des freien Geistes durch das Christentum, das schein jenen geistlichen Röckchenträgern nicht in den Sinn zu kommen.

Ich muss das christliche Kreuz auch an allen Ecken und Enden ertragen, also tolerieren, insofern ist es wohl nicht zu viel verlangt, wenn Christen, allen voran ihr Vorzeigetransvestit, ein einziges Kreuz mit einem Frosch daran erdulden, zumal sich dieses in einem Museum befindet und nicht an jedem Kirchturm.

Mittwoch, August 27, 2008

Neulich bei der Abzocke mit Armin & Andrea...

Ein gewisser Armin Mattich bietet "Hilfe aus der Geistigen Welt" für all jene, die gerne auf billiges Geschwätz und unbelegte Behauptungen hereinfallen. So veranstaltet er Kurse für 15 Euronen pro Person (25 bis 250 Teilnehmern kann geholfen werden - zumindest ihren Geldbeutel zu erleichtern - was dann nach Adam Riese in 375 bis 3.750 € als Einnahme aus so einer Veranstaltung resultiert), in denen

"die Heiler ... sodann intensiven Kontakt mit dem Unterbewusstsein der Teilnehmer auf[nehmen] und konzentrieren sich mit ihren stillen Gebeten auf das Wesentliche."
Ah ja, und wenn ein Teilnehmer den "Kontakt" nicht spürt, so liegt das einfach daran, dass dieser eben mit dem unbewussten Unterbewusstsein stattfand! Der Trick hätte mir mal in der Schule einfallen sollen: Aber Herr Lehrer, haben sie denn nicht gemerkt, dass ich in intensivem Kontakt mit ihrem Unterbewusstsein stand und dort die Frage korrekt beantwortet habe?

Aber es geht natürlich noch weiter.

In der Regel findet die Heiler/in genau das, was Menschen gegenwärtig benötigen, auch ohne ein Wort zu wechseln. Im ganzem Verlauf werden an Sie keine Fragen gestellt. Sie haben jedoch die Möglichkeit, besondere Hinweise zu notieren und vor Ihren Stuhl zu legen. Bereits in der Meditation lesen die Heiler/in die vorhandenen Notizen und beten nochmals für die Betroffenen. Weiterhin können Sie Bilder von Ihren Angehörigen auf einen dafür vorgesehenen Tisch mit der Bildfläche nach unten platzieren. Auch für diese Personen wird gebetet. Armin und Andrea arbeiten in Halbtrance und bringen die dabei frei werdenden Kräfte auf ihre eigene Weise zum Ausdruck. Des weiteren bittet die Heiler/in mit stillen Gebeten um himmlischen Beistand, Trost, Klarheit, Kraft und Hilfe für ihre Mitmenschen.
Und irgendwie haben sie ja auch recht mit dieser Beschreibung: "In der Regel findet der Heiler genau das, was Menschen (Anm.: eben dieser Heiler) gegenwärtig benötigen", nämlich das Geld der anderen. Wie sie dann ihre "tollen Erfolge" erzielen, schreiben sie ja fast ausführlich hin, denn die Opfer Patienten schreiben vorher alle Sorgen auf. Dann wird gebetet, meditiert, zwischen Halb-, Viertel- und Dreisechzehnteltrance hin- und hergeschaltet und den Leuten eine Show geboten, die nur knapp vom Testbild überboten wird (zumindest wenn man lange genug draufschaut).

Es wird leider immer gerissene Abzocker wie Armin & Andrea geben, die sich leichtgläubige Opfer suchen, ihnen etwas vom Pferd erzählen und mit Astralleibern, Kirlianphotographie und ähnlichem Schwachsinn Leute dazu verführen, ihr mühsam Erspartes für gequirlte Scheiße auszugeben.

Esoterik und Faschismus überschneiden sich in ihrem elitären Führerkult, ihrem Schicksals-, Karma- und Vorsehungsglauben; sie überschneiden sich in ihrer antisozialen und antiaufklärerischen Haltung. Und nicht zuletzt überschneiden sie sich auch im blinden Fanatismus ihrer Anhänger.
(Colin Goldner)

Sonntag, August 24, 2008

Das Wort zum Sonntag #54

Thema heute:
Warum Märtyrertum und -kult Blödsinn ist.

Interessanterweise investieren viele Glaubensrichtungen Energie und Zeit in das Märtyrertum bzw. den Märtyrerkult, d.h. die Verehrung von Leuten, die dabei gestorben sind, als sie ihren Glauben verteidigten.

Dabei ist oft der Wunsch Vater des Gedankens, dass die eigene Glaubensrichtung irgendwie mehr plausibel oder wahr würde, so sich jemand von gewisser (tatsächlich meist zweifelhafter) Reputation, für seinen Glauben opfert. Jedoch ist diese Ansicht genauso schwachsinnig, wie wenn Frau Merkel glauben würde, das Regierungsprogramm der CDU würde nur deswegen glaubwürdiger, weil sich Hr. Steinmeier Hr. Schäuble dafür am nächsten Baum aufknüpfen lässt.

Trotz dieses leicht verständlichen Zusammenhangs reißt dieser Kult nicht ab. So behaupten z.B. Christen alle Nase lang, dass im römischen Reich so unglaublich viele Christen verfolgt wurden, die dann (als Märtyrer versteht sich) in diversen Arenen ihr Leben lassen mussten. So schreibt z.B. Deschner in der Kriminalgeschichte des Christentums (Hervorhebung von mir):
Vor allem werden den Heiden nun, kurz nach der letzten Christenverfolgung, eben diese Verfolgungen vorgehalten und sogleich gigantisch übertrieben – bis tief ins 20. Jahrhundert hinein, wo man noch in dessen zweiter Hälfte das Christentum schon vom Ende des 1. Jahrhunderts an »in seinem eigenen Blute waten« sieht, mit der »ungeheuren Schar heroischer Gestalten« prahlt, »die, die Stirnen von Martyrerblut gezeichnet, das ganze zweite Jahrhundert durchziehen« (Daniel-Rops); wobei man gerade noch, 1956 (!), zugibt, es seien »nicht Millionen« gewesen (Ziegler). Seriösere Forscher schätzten die Zahl der christlichen Opfer gelegentlich, nicht unwidersprochen, auf 3000, auf 1500 – in allen drei Jahrhunderten! Wie problematisch diese Zahl sein mag: die Christen erschlugen in Mittelalter und Neuzeit mehr Juden häufig in einem einzigen Jahr, manchmal an einem einzigen Tag!
D.h. wollten jetzt die Christen ihren "Märtyrern" irgendeine Glaubwürdigkeit zubilligen, so müsste im Umkehrschluss das Judentum die einzig wahre Religion sein, da es am meisten Märtyrer vorzuweisen hat.

Doch dem nicht genug, so werden Märtyrer meist nur innerhalb der eigenen Weltanschauung bzw. innerhalb der eigenen Gruppe dieser Weltanschauung akzeptiert. Die Attentäter von 9-11 gelten bestimmt in div. fundamentalistischen muslimischen Gruppen als Märtyrer, die in einem heiligen Krieg ihr Leben gelassen haben, wohingegen gemäßigte Muslime sich davon distanzieren und ihnen damit auch den Märtyrerstatus absprechen. Somit ist nichts relativer, als der Anspruch Märtyrer zu sein, was jeden vernünftigen Menschen davon abhalten sollte einer zu werden (neben der Tatsache, dass es nichts beweist).

Ein weiterer tragischer Aspekt dieses Kultes ist, dass er nicht weniger, sondern eher mehr wird, und bei jedem noch so blöden Anlass hervorgekramt wird. So schrieb z.B. das kath.net "Pater Thomas ist ein Märtyrer". Doch was war passiert?
Auf seinem Motorrad war der Priester unterwegs in ein Dorf gewesen, wo er die Sonntagsmesse halten sollte, nachdem er mit den Schwestern des Lingapetta-Konvents in Burgida Eucharistie gefeiert hatte. Als man ihn fand, war er am ganzen Körper schwerst verwundet, die Augen waren ausgestochen.

Jetzt sollte man aber auch dazu sagen, dass es absolut nicht bekannt ist, ob Pater Thomas bitterlich um Gnade winselte und jeglichem Glauben abschwören wollte, so man ihn nur am Leben ließe, oder ob er mit stoischer Gelassenheit und der Gewissheit auf seinen Platz im Himmel den Tod nahm wie ein Mann. Abgesehen davon betreibt die katholische Kirche in Indien ein Missionierungsprogramm, d.h. man will Leute dazu bewegen, ohne vernünftige Beweise etwas anderes zu glauben, als sie es bisher getan haben (mit Religionsfreiheit hat das imho nicht viel zu tun, eher mit marktschreierischem Anbiedern: mein Gott wäscht weißer als der Gott von nebenan!). Dies erzeugt an allen Ecken und Enden Probleme mit anderen Ethnien, denn oftmals sind "humanitäre Einsätze" von Caritas, Diakonie usw. im Ausland nichts anderes, als verkappte Missionierung. Diesbezüglich (obwohl es schon fast zu weit führt) noch dieses schöne Zitat des Ethnologen Christian Adler:
Wer aber denkt, die christliche Missionierung hätte etwas gelernt aus ihren Fehlern der Vergangenheit, der hat weit gefehlt. In Neu-Guinea wurde am Grünen Tisch zwischen Katholiken und Protestanten eingeteilt und entschieden, wer wem welchen christlichen Glauben bringen darf. Eines Tages taucht dann ein Missionar mit großem Gefolge bei einem Stamm auf als der große Gönner und verschenkt reichhaltig Güter wie z.B. Salz oder Äxte aus Eisen, sowie Glasperlen. Nicht selten sind es Kinder, die gegen Entlohnung einen Landeplatz für Hubschrauber und eine Missionshütte bauen. Ab diesem Moment ist der Missionar unabhängig vom Stamm und beginnt seine Arbeit. Er sucht sich die sozial schwächsten Stammesmitglieder heraus, gewinnt sie durch Geschenke, und diese Außenseiter stellen dann auch die ersten bereitwilligen Täuflinge dar. Dann beginnt die Durchdringung der ganzen Bevölkerung, die sich darin äußert, daß der Stamm von westlichen Zivilisationsgütern abhängig gemacht wird und danach der Glaubensübertritt durch jene Güter erpreßt wird.
Ist erst einmal der ganze Stamm christianisiert, wird durch sinnlose Verbote (ein Mensch darf nicht nackt sein, rituelle Tänze sind unchristlich) das jahrhundertealte Gefüge der Bevölkerung zerstört, bricht die alte Ethik, die sich als überlebensnotwendig an die Umweltbedingungen angepaßt hat, zusammen, kommt der Stamm in arge Bedrängnis. Betrachtet man das soziale Gefüge der Stämme Neu-Guineas von der Küste Richtung Landesinnere, so läßt sich durchaus ein Gefälle des Zerfalls von Stämmen feststellen, die schon länger missioniert wurden und jenen, die erst vor kurzem mit dem christlichen Glauben und somit mit der westlichen Zivilisation in Kontakt traten. Durch das Auflösen aller Sozialstrukturen aber sind nicht wenige Stämme bereits ausgestorben! Traurig, aber wahr.

Nachdem sich an der christlichen Missionspraxis imho nichts wesentlich geändert hat (oder hat jemand bessere Informationen?), kann ich mir nur zu gut vorstellen, dass ein paar fundamentalen Hindus das Geseiere Pater Thomas (und die damit verbundene Spaltung der Glaubensgemeinschaft) im Dorf so auf den Keks ging (denn diese halten ja - wie Pater Thomas - auch nichts von Religionsfreiheit), dass sie am Priester ein Exempel statuieren wollten. Das macht diesen Pfaffen aber nicht zu einem Märtyrer, sondern man kann ihn wohl eher mit einem Aufwiegler vergleichen, der sich auch nicht baff zu wundern braucht, wenn ihm das Establishment eins vor den Latz knallt.

Wie dem auch sei, das Märtyrertum und dessen Kult ist Bullshit (wie übrigens Anglizismen auch), denn es beweist nichts, sondern dessen Glorifizierung fordert (wie bei den Missionierungsversuchen) nur zusätzliches Leid heraus. Wie es um den Märtyrerkult in Wahrheit bestellt ist, schreibt Deschner in seiner Kriminalgeschichte, mit der ich auch meinen sonntäglichen Sermon ausklingen lassen möchte:
Von einer allgemeinen und planmäßigen Christenverfolgung kann erst unter Kaiser Decius im Jahr 250 gesprochen werden. Damals starb, als erster römischer Bischof Opfer einer Verfolgung, Fabian – und er starb im Gefängnis; man hatte über ihn gar keine Todesstrafe verhängt. Bis dahin aber gab die alte Kirche von siebzehn römischen Bischöfen bereits elf als »Märtyrer« aus, obwohl keiner von ihnen Märtyrer war! Dabei hatten sie bereits zweihundert Jahre lang Seite an Seite mit den Kaisern residiert. Und doch lügt man auf katholischer Seite – mit kirchlicher Druckerlaubnis (und Widmung: »Der lieben Gottesmutter«) – noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts: »Die meisten Päpste sterben in jener Zeit als Märtyrer« (Rüger).

Freitag, August 22, 2008

Neulich bei der Fernsehkritik...

Naja.. ich habe ja hier und hier schon etwas über fernsehkritik.tv gesagt, insofern muss ich mich nicht wiederholen.

Jedoch wäre noch anzumerken, dass heute Folge 16 on-internet gegangen ist... :-)

Mittwoch, August 20, 2008

Neulich beim Bullenreiten...

Tammox hat sich dieser Aufgabe angenommen und einen Artikel zu Red-Bull verfasst, der an einigen Stellen einigen Leuten einige Augen öffnen sollte:
Vielleicht sollte man dem „Getränk“ neben Taurin auch noch Marcumar zusetzen -das verflüssigt das Blut wieder und senkt damit die Infarkt-Gefahr.Marcumar ist übrigens nichts anderes als Rattengift - aber wenn die Verbraucher schon drei Milliarden für Zuckerwasser übrig haben, das womöglich einen Schlaganfall auslöst, stören sie sich an ein bißchen Rattengift sicherlich auch nicht.

Dienstag, August 19, 2008

Neulich im Mittelalter...

Vieles aus dieser Zeit glaubt man überwunden zu haben, schließlich hatten wir doch die Aufklärung. Dummerweise haben wir aber auch die Sekte der ewig Gestrigen mitgeschleppt und einen ewig Vorgestrigen lässt das katholische Realsatiremagazin zu Wort kommen:
Der Geistliche [Anm.: Jeremy Davis] ist auch studierter Physiker und in seiner Diözese seit 1986 offiziell als Exorzist tätig. Kürzlich hat er ein Buch über das biblische und praktische Verständnis von Exorzismus veröffentlicht.

Was lernen wir hier als erstes? Selbst ein Physikstudium schützt nicht davor geistigem Dünnschiss zu verfallen. Doch es kommt noch besser, denn Davis hat ja schon alles identifiziert, was in der Gesellschaft falsch läuft:
Promiskuität, Homosexualität und Pornographie bezeichnet der 73-jährige Priester Jeremy Davies als Formen sexueller Perversion, die zu Besessenheit führen können. Auf die besondere Verbreitung der Homosexualität in den letzten Jahren angesprochen, meint er: „Unter den Gründen für die Homosexualität ist ein ansteckender dämonischer Faktor.“
[...]
„Auch heterosexuelle Promiskuität ist eine Perversion; und der Intimverkehr, der in den geheiligten Raum ehelicher Liebe gehört, kann zum Einfallstor nicht nur für Krankheiten, sondern auch für böse Geister werden“, führt Davies aus.

Wen wundert es, dass ein "Exorzist" alles als dämonisch brandmarkt, was normal ist, würde er sich doch andernfalls die Grundlage seiner Daseinsberechtigung entziehen.

Ein Staat, der tatenlos zusieht, wie dahergelaufene Pfaffen psychisch kranke Menschen "exorzieren", macht sich imho der Mittäterschaft schuldig. Solchen Menschen muss medizinisch-psychiatrisch geholfen und nicht ein Kreuz auf die Stirn gedrückt und lateinische Zaubersprüche gemurmelt werden, à la "Aberakadaberon - husch und weg ist der Dämon".

Natürlich kann man solchen Schwachsinn müde belächeln, wie so viele andere esoterische Praktiken (z.B. Ausrichten der Chakren o.ä. Schmarrn), jedoch ist die Gefahr für Leib und Leben des Betroffenen immanent, wie z.B. der Fall Anneliese Michel zeigt. Von den psychischen Schäden, die durch so ein katholisches Geisterheiler-Gedöhns verursacht werden mal ganz zu schweigen.

Doch das Problem ist nicht ein geistiger Schwachmat wie Davis, das Problem sitzt viel weiter oben, wie kath.net (wahrscheinlich unbeabsichtigt - oder sind sie sogar stolz darauf?) zugibt:
Das Amt eines Exorzisten in der katholischen Kirche kann nur ein Priester ausüben, der von seinem Bischof dafür eigens beauftragt worden ist, eine spezielle Ausbildung absolviert hat und Frömmigkeit, Kenntnisse, Klugheit und einen integren priesterlichen Lebenswandel vorweisen kann, wie das Kirchenrecht definiert. Einem offiziellen exorzistischen Ritus gehen medizinische und psychiatrische Untersuchungen voraus, um andere Ursachen der Störungen auszuschließen. Seit 2005 bietet der Vatikan Exorzismuskurse für Priester an.

Im 21. Jahrhundert, etwa 1000 Jahre nach dem finsteren Mittelalter, bietet ein absolutistischer Zwergstaat in Italien weiterhin Dämonenaustreibungskurse an und ignoriert damit mehr als 100 Jahre psychologischer Forschungsarbeit. Ein Schlag ins Gesicht für jeden, der sich jahrelang an der Uni oder im Beruf mit dem Thema menschliche Psyche wissenschaftlich beschäftigt hat.

Noch widerlicher bei dieser Geschichte ist, dass man zwar die Gefahr des Terrorismus in den schillerndsten Farben zu schildern weiß, aber echte Gefahrenpotentiale, wie z.B. solche "Exorzisiten" nicht postwendend des Landes verweist inkl. Einreiseverbot. Doch für so einen Schritt haben Merkel & Co. wohl zu wenig Eier in der Hose...
Wenn man aber von den teufelsähnlichen Kindern erzählt ... so halte ich dafür .... daß es wahre Teufel sind.
(Martin Luther)

Sonntag, August 17, 2008

Das Wort zum Sonntag #53

Ok, ich bin bisschen faul z.Zt., aber ich bin auch im Urlaub. Deswegen habe ich mir einen Gastredner für das Wort zum Sonntag geholt:

Donnerstag, August 14, 2008

Neulich beim Papst-Song...

Wie das katholische Realsatiremagazin berichtet, hat doch tatsächlich ein Protestant ein papstkritisches Lied mit dem Namen "Mensch Benedikt" geschrieben. Wie zu erwarten war, ist die Haut religiöserseits immer recht dünn, v.a. dann wenn es um den Oberröckchenträger aus Rom geht. So steht in dem Artikel:

Wegen seines papstkritischen Liedes "Mensch Benedikt" habe er zahlreiche "wüste Beschimpfungen bis hin zur Gewaltandrohung" per E-Mail erhalten, sagte er gegenüber idea. Es sei das erste Mal gewesen, dass Polizisten eines seiner Konzerte geschützt hätten.
Tja, soviel (mal wieder) zum Thema tolerantes und pazifistisches Christentum bzw. Catholica.

Ein Blick auf den Text offenbart™ jedoch nichts wirklich neues und lässt auch vermuten, dass das Lied nicht allzu dolle ist:

Bittlinger fragt Benedikt XVI. in seinem Song:
"Warum schmähst du andere Christen? Warum suchst du offen Streit
und sagst: ,Ihr seid keine Kirche, weil ihr fehlerhaft seid!'?
Wer im Glashaus wirft mit Steinen, endet schnell im Scherbenmeer
und auch viele Katholiken decken diesen Stil nicht mehr."
Naja.. erinnert so ein bisschen an Streetworker "gekreuzt" mit Howard Karpfenteich Carpendale, also nichts was ich mir antun würde, ohne dafür fürstlich entlohnt zu werden.

Auf der anderen Seite muss man ja als Atheist schon für jedes bisschen Kritik am Wirsindpapst dankbar sein... insofern: Danke Clemens!

Sonntag, August 10, 2008

Das Wort zum Sonntag #52

Thema heute:
Stiftet Religion Sinn oder Unsinn?

Eine gern kolportierte Tugend von Religionen ist, dass diese so schön sinnstifend sein sollen. Das ganze Leben ist, wenn man es aus der Brille eines Wissenschaftlers betrachtet, größtenteils planlos ("der blinde Uhrmacher"), sinnlos und größtenteils voller Leid. Wie schön, dass man sich doch einfach durch eine Märchengeschichte einen Sinn hineinfabulieren kann.

Doch welchen Sinn vermitteln Religionen eigentlich? Ausgehend von den drei Monotheistischen Religionen könnte man diesen mal wie folgt subsummieren:
  1. Es steckt ein tiefer Sinn in allem, den wir nur nicht kennen (Gottes Plan o.ä.).
  2. Sinnloses Leid ist bestandteil dieses "Plans".
  3. Ein allmächtiges Wesen (aka Gott, Allah etc.) steht hinter allem und hat uns ganz schrecklich lieb.
  4. Mit dem Tod ist nicht alles aus, sondern je nach Betragen geht es unendlich weiter (auf die eine oder andere Art).
Der erste Punkt ist schon an sich recht hanebüchen, denn wie will man einen Sinn im Leben finden, wenn sich dieser auf einen prinzipiell unerschließbaren Plan gründet? So etwas mag vielleicht als Placebo-Beruhigung durchgehen, eine sinnstiftende Qualität hat ein Plan, den man nicht kennt, nicht.

Die größte Herausforderung für ein Sinngebungsverfahren ist für uns der Anblick sinnlosen Leids. Ob jetzt Menschen, die wir lieben, von tödlichen Krankheiten dahingerafft werden oder uns Unbekannte bei Naturkatastrophen umkommen, die Frage nach dem Warum, nach dem Sinn, ist immer offen. Auch hier bietet Religion wiederum nur ein Placebo an, in dem Angehörigen (denn die Betroffenen haben es meist eh schon hinter sich) vermittelt wird, ihr Verstorbener wäre Bestandteil in diesem tollen Plan und hätte somit seinen wertvollen Beitrag zum Gelingen desselben geleistet. Wahrscheinlich kommt so eine Herangehensweise nicht nur mir zynisch vor, denn mit einer deraritigen Begründung, einer derartigen "Sinnstiftung" lässt sich jegliches menschgemachtes und nicht-menschgemachtes Gräuel rechtfertigen. Und auch hier gilt, eine nicht nachvollziehbare Begründung für Leid ist eben keine Begründung und darin lässt sich auch kein Sinn finden.

An der Idee, dass es irgendjemanden gibt, der allüberall ist und v.a. die Spezies Mensch ganz furchtbar doll liebhat, sollte man nach dem zweiten Punkt schon berechtigte Zweifel haben - diese Punkte schließen sich gegenseitig aus und lassen sich nur mit theologischem Doppeldenk auf einen Nenner bringen (oder man hat eine seltsame Definition von Allgüte & Liebe). Doch welchen Sinn stiftet das Wissen, dass man eine Entität rund um die Uhr um sich weiß? Also ich vermute mal selbst schwer ineinander Verliebte wollen den angebeteten Partner nicht jede Sekunde um sich wissen, mit ihm aufs Klo gehen, oder gemeinsam Zähneputzen, Fußnägelschneiden und Pickelausdrücken. Und genauso verkommt ja auch der jeweilige Gott zu einem unsichtbaren Freund, den man immer genau dann aus der Mottenkiste holt, wenn man gerade einsam ist, gedanklich Leerlauf hat oder gewisse Rituale anstehen. Die übrige Zeit, also beim Kacken, Fußnägelschneiden oder Pickelausdrücken ist Gott genauso ins Nebenzimmer gestellt, wie der jeweilige Lebensabschnittsgefährte. Doch welchen Sinn stiftet eine solches Wesen? Zum einen könnte es der Überwachungsgott sein, auf Grund dessen rund um die Uhr Überwachung sich der Gläubige nicht zu "sündigen" getraut, seinem Leben somit mehr Sinn bzw. ein besseres ethisches Verhalten verleiht (was bei den übrigen Menschen allerdings Nachdenken und ein gesundes Gewissen besorgt und die ethischen Maßstäbe von Religionen sind äußerst zweifelhaft, aber davon mal abgesehen), zum anderen könnte diese Allumarmung zu einem andauerden Geborgenheits- und Hochgefühl führen, was gut mit dem ersten Punkt harmoniert, denn man spielt ja eine außergewöhnliche Rolle im Plan und sieht den "Sinn" somit bestätigt (bei anderen Leuten besorgt das ein gesundes Selbstvertrauen bzw. -wertgefühl). Jedoch kann das alles nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass nicht tatsächliche Anwesenheit den Sinn stiftet, sondern nur die geglaubte. D.h. man kann genauso gut - wie Sam Harris es beschrieb - sich einen kühlschrankgroßen Diamanten in seinen Garten hineindenken und behaupten, dass das Leben erst richtig Sinn ergebe, seit man um diesen Diamanten (den man natürlich nie ausgraben würde) weiß. Dieser Diamant gibt so eine unglaubliche Beruhigung, dass man gar nicht weiß wie irgendein anderer Mensch ohne einen solchen überhaupt leben könne etc.blabla.

Und letztlich noch die "Überwindung" des Todes. Meist wird dies unterschwellig mit der Frage eingeleitet, welchen Sinn denn unser ganzes Dasein überhaupt habe, wenn doch mit dem Tod sowieso alles vorbei ist, wenn alle Gefühle, alle Gedanken, Freundschaften, Beziehungen und all das, was uns im Leben wichtig war, mit dem Tod sein Ende findet. Eine derartige Betrachtung erscheint auf den ersten Blick offensichtlich sinnlos. Doch jetzt zieht man religiöserseits das Kaninchen aus dem Hut und beginnt das "Leben nach dem Tod" (an dieser Stelle sei angemerkt, dass die Wenigsten an ein "Leben vor der Geburt" glauben - Reinkarnationsgläubige ausgenommen, aber das ist eh ein Kapitel für sich - genausowenig wie an ein "Leben nach dem Leben nach dem Tod" oder an ein "Leben nach dem Leben nach dem Leben nach dem Tod" usw.). Willkürlich wird hier die Annahme getroffen, dass unsere Existenz nicht mit unserem physischen Körper verschwindet, sondern dass wir Menschen (hier ist man nämlich sehr chauvinistisch, müsste man doch ansonsten den Himmel mit Stechmücken, Spinnen und sonstigem Getier teilen) noch über eine "unsterbliche Seele" o.ä. verfügen (die natürlich auch wie der Gott unsichtbar und nicht erkennbar ist...), welche das Wesentliche aus dem irdischen Leben mitnimmt und bis in alle Ewigkeit fortlebt - wo, das entscheidet selbstverständlich der entsprechende Gott. Der einzige Sinn in dieser eschatologischen (=jenseitsgerichteten) Betrachtungsweise, den ich erkennen kann, lautet: bringt alle kleinen Kinder um, damit sie so schnell wie möglich zu ihrem tollen ewigen Leben gelangen können. Das wäre aber nicht im Sinne des Erfinders, und so hat jede eschatologisch ausgerichtete Religion Verbote zur Selbsttötung und Tötung anderer aufgestellt. Doch lassen wir diese Betrachtung mal außen vor, so stiftet auch ein jenseitsgerichtetes Leben im Diesseits wenig bis gar keinen Sinn. Es besteht sogar die Gefahr, diesseitigen real greifbaren Sinn (z.B. Gründung einer Familie, Selbstverwirklichung, Erkundung des Planeten etc.) zu Gunsten eines jenseitigen zu opfern.

Aus den gezeigten Beispielen lässt sich leicht erkennen, dass den Menschen innerhalb der Religion nicht wirklich ein Weg der Sinnsuche aufgezeigt, wohl aber abgeschmackte Sinntheorien vorgesetzt werden, die einer kritischen Prüfung nicht standhalten. Es werden durch die Religionen nur die Sinnfragen beantwortet, die von selbigen vorher aufgestellt wurden unter der Prämisse, dass die jeweilige Religion die absolute Wahrheit™ gepachtet habe.

Fazit aus dieser kleinen und selbstverständlich unvollständigen Analyse:
Wer auf billige Pseudosinnstiftung steht, der wähle Religion!
Leben, das Sinn hätte, fragte nicht danach.
(Theodor Adorno)

Samstag, August 09, 2008

Lieber SWR,

Ihr habt Freitag vergangener Woche die "lange Nacht des Übersinnlichen" gebracht. Angefangen habt Ihr diese mit der Wiederholung des Nachtcafés vom 11. Januar, bei dem mit Colin Golnder wenigstens noch ein kritischer Kopf (der, btw, neben dem Moderator das einzigen Highlights der Sendung war) in der Runde saß und den ganzen Hexen, Geistersehern und Engelsschwätzerinnen Paroli bieten konnte. Doch im Anschluss ging es gleich weiter mit der Dauerwerbesendung für Scharlatane aller Couleur.


Als nächstes brachtet Ihr einen dreiviertelstündigen Beitrag über "Rätselhafte Heilung", in welchem die Reporter völlig unkritisch und mit staunenden Augen durch einzelne Fälle spontaner Heilung stolpern und Betroffene mit ihrem Krebs ein "Abkommen schließen" und ähnlicher Schwurbel mehr. Hier vermittelt ihr eindeutig falsche Hoffnungen, denn die zig Todkranken, die eine derartige Behandlung nicht überlebt haben, habt ihr nicht aufgeführt.


Danach war noch "Die Geistheilerin von Lustadt" dran, sowie "Die Stimme in meinem Kopf" und noch, als wäre das noch nicht genug gewesen "Die Wahrsager von Mainz". Erneut drei Werbeplattformen, in denen die Protagonisten Behauptungen über ihren Scheiß hinausposaunen konnten, ohne dass auch nur ein Reporter eine kritische Frage gestellt hätte, jeder auch noch so abstruse Blödsinn wird als (gott)gegeben hingenommen. Einfach widerlich.


Als letzten Beitrag habt ihr dann noch über "Das Geschäft mit den Sternen" berichtet. Von der Dreiviertelstunde waren mindestens 30 Minuten Selbstdarstellung von seltsamen Sterndeutern (u.a. ein "Wirtschaftsastrologe" - viel blöder ging es nicht mehr!) gegen Ende hin vermischt mit einigen kritischen Stimmen v.a. gegen anonyme Astrologieanschreiben. Eine prinzipielle Kritik, dass Astrologie weder erklärt ist, es keine Studien gibt, die das "Funktionieren" von Astrologie bestätigen oder ein paar Anmerkungen, dass die These Millionen Lichtjahre entfernte Sonnen hätten Einfluss auf unser Leben jeglicher Vernunft widerspricht, suchte man vergebens. Stattdessen wieder nur Behauptungen, Behauptungen, Behauptungen.


Kritischen oder aufklärerischen Journalismus scheint ihr nicht ernst zu nehmen oder nicht zu kennen und wenn die Berichterstattung in einem Gebiet schon so miserabel ist, in welches ich mich ein bisschen eingelesen habe, wie unterirdisch ist es dann wohl in anderen Bereichen, denen ich noch nicht so viel Aufmerksamkeit widmen konnte? Das Nachtcafé war sehenswert (aber wiederholt), bei den restlichen Sendungen waren ca. 10 Minuten von über 3 Stunden einigermaßen gehaltvoll. Somit bewegt ihr euch langsam aber sicher auf das Niveau von Sendern wie Astro-TV (hier wird gezeigt, wie dieser funktioniert) & Co. nur unter dem Deckmäntelchen einer "öffentlich-rechtlichen Berichterstattung".


Doch ich muss euch dankbar sein, weiß ich doch wieder einmal, warum ich keine Fernsehgebühren bezahle.


Mit unesoterischen und -freundlichen Grüßen,


Po8

Freitag, August 08, 2008

Gerade bei der Selbstbeweihräucherung...

Hm... nach zweieinhalb Jahren habe ich es ja doch zum meinem 500. Beitrag geschafft. Ich denke niemand ist darüber verwunderter als ich selbst...


Neulich beim Vergleichen...

Allensbach führt eine Umfrage zum Thema Sterbehilfe durch und alle, alle druckten sie ab (oder so ähnlich). Nun ist es aber gerade interessant wie diese Meldung verwurstet wurde. Ich habe mal zwischen dem hpd (in blau) und der katholischen Realsatireseite (in rot) verglichen, teilweise mit erstaunlichen Einsichten:

Überschrift:

72 % der Bevölkerung für passive Sterbehilfe
Deutsche: Mehrheit für Euthanasie
Der Begriff Euthanasie (=guter Tod) hat an sich nichts verwerfliches, jedoch wurde dieser im dritten Reich missbraucht. Kath.net will anscheinend mit der bewussten Verwendung in der Überschrift genau diese Assoziation herstellen: Sterbehilfebefürworter = (verkappter) Nazi

Einleitender Satz:

Das Institut für Demoskopie Allensbach hat im Juli 2008 eine Umfrage zur Sterbehilfe durchgeführt und bestätigt die Ergebnisse früherer Umfragen: 72 % der Befragten sind für „passive Sterbehilfe" und 58 % für „aktive Sterbehilfe".
In einer Umfrage sprachen sich 58 Prozent für aktive Sterbehilfe aus. Unter Katholiken sind es rund 50 Prozent.
Gut, man muss sein Klientel im Auge behalten und anscheinend interessiert die katholische Seite eben nur oder vornehmlich, was die Katholiken machen - möchte man zumindest meinen.

Bild:

hpd zeigt eine Verkleinerung der Umfragegrafik
kath.net zeigt eine medizinische Spritze
Auch hier wird durch das medizinische Gerät ganz klar eine negative Konnotation mit der Thematik aufgebaut. Man "spritzt" Leute in den Tod, Assoziationen zur amerikanischen Todesstrafenpraxis oder zu diversen Praktiken der Naziärzte kommen in den Sinn.


Anmerkung zur Konfessionalität:

Hinsichtlich der Konfessionszugehörigkeit sind die Unterschiede nicht gravierend und folgen auch nicht den Verlautbarungen ihrer Kirchen. Auch 56 % der Evangelischen und 50 % der Katholiken sprechen sich für eine aktive Sterbehilfe aus.
Bei den Protestanten liegt der Anteil der Befürworter mit 56 Prozent nur knapp unter dem Bevölkerungsschnitt. Von den Katholiken ist jeder zweite für aktive Sterbehilfe. Fast zwei Drittel (65 Prozent) der Menschen anderer Religionszugehörigkeit oder ohne Konfession befürworten aktive Sterbehilfe.
Dadurch, dass die Umfrage nur zwischen römisch-katholisch, protestantisch und allem anderen Unterscheidet, ist das Exponieren der "65%" wenig zielführend, da ohne weitere Angaben zur Streuung um diesen Wert pro Weltanschauungsgemeinschaft keine Schlüsse gezogen werden können. Dagegen kann man bei den beiden christlichen Konfessionen davon ausgehen, dass hier wirklich eine Mehrheit (bzw. fifty/fifty) die Sterbehilfe befürworetet, obwohl dies im Gegensatz zu deren Glaubensvorstellungen steht. D.h. man könnte hier von einer leichten Überinterpretation der Ergebnisse durch kath.net sprechen.

Fazit:

Insofern entsprechen diese Meinungsbilder früheren Umfragen (2002), die ebenfalls eine Zustimmung in den genannten Größenordnungen ermittelten.
- nichts -
Der hpd lässt hier den Leser nicht im Regen stehen und zeigt auf, dass sich nicht wirklich etwas geändert hat (trotz der evtl. unglücklich formulierten Frage Allensbachs).

Resümee:
Ausgewogene Berichterstattung ist ein seltenes Gut geworden. Umso erfreulicher zu sehen, dass es noch immer den einen oder anderen Pressedienst gibt, für den dies nicht nur eine hohle Phrase ist.

Mittwoch, August 06, 2008

Neulich bei der Liebe zur Überwachung...

Dass das Christentum eine Religion der Liebe sei wird ja allenthalben gerne kolportiert, obwohl "Gehorsamskult" wohl eher den Kern der Wahrheit trifft. Nicht nur, dass der (eingebildete) Gott schon eine 24stündige Überwachung aller Menschen vornimmt, nein, natürlich überwachen sich auch die Schäfchen untereienander und werden selbstvernatürlich auch von ihrem Hirten genauestens beäugt. Welche perfiden Züge dies annimmt zeigt ein Fall aus den USA, wo ein (angeblich technikfeindlicher) Priester seinen Gläubigen über das Internet nachrecherierte und die so gewonnenen Informationen in seiner Predigt verwendete (spiegel online & Larknews):
Der eine kauft lieber ein Boot als zu beten, die andere treibt sich in Bars rum und ein Elternpaar weiß nichts von den College-Sünden ihrer Tochter. Wie aus dem Himmel schallen da die Ermahnungen des Pastor Alton direkt ins Herz der Finsternis: "Es war so, als ob der Heilige Geist direkt zu mir gesprochen hätte," staunt der Bootkäufer. Die Bar-Besucherin bittet um Vergebung: "Ich weiß, ich hätte nicht in dieser Umgebung herumlungern dürfen." Die anderen holen ihre arme Tochter heim vom College, um ihr statt Partyskills "Gutes Benehmen" beizubringen.
In seiner Gemeinde gilt der Stalking-Pastor als Technik-Feind. Das World Wide Web nennt er World Wide Waste (weltweiter Müll), die E-Mail schlicht Sündenmail. Doch Alton speichert 170 Bookmarks, surft wöchentlich stundenlang seinen Schäfchen hinterher – um doch noch eines ihrer Vergehen aufzuspüren und in seine Sonntagspredigt einzuarbeiten.
Das scheint zu wirken, die Gemeinde ist baff, glaubt an höhere Mächte. Pastor Alton ist da bodenständiger: "Wenn sie die Verbindung zwischen dem, was sie von sich im Netz preisgeben und dem, was ich sage, nicht hinbekommen, dann könnte ja wirklich Gott zu ihnen sprechen." Jedenfalls behandelten sie Alton nun mit "viel mehr Respekt."

D.h. zukünftig wird man bei Geistlichen, neben dem sexuellen Missbrauch auch noch Stalking auf die Liste der Vergehen setzen, auf die man vermehrt sein Augenmerk richten sollte.