Thema heute:
Welche Religion müssten wir erfinden?
Wie schon in meinem letzten Wort zum Sonntag angeklungen ist, sollte eine Beschäftigung mit dem Universum dazu führe, dass wir uns als Menschheit einander näher kommen. Leider ist dies bzgl. eines Spiritualitätsbedürfnisses auf Dauer nicht ausreichend. D.h. man müsste das Ganze noch in eine metaphysische Hülle stecken und mit einem System versehen. Dies will ich jetzt mal versuchen:
Die Religion, die ich hier vorstellen möchte, hat als Kernaussage, dass die Menschheit als ganzes einen "Astralleib" bildet, d.h. wir sind alle Teil einer übergeordneten Metaebene - selbstredend, dass alle Lebewesen auf der Erde ebenfalls in diese Metaebene eingehen, da wir mit diesen gemeinsame Vorfahren haben. Wie die Zellen eines Körpers oder die Neuronen des Gehirns tradiert jeder Mensch die menschliche Erbinformation sowie dessen Gehirn die menschliche Kulturinformation über die Generationen weiter und weiter. Ziel ist es, möglichst lange in diesem Universum zu existieren, so dass die Menschheit ihr Wissen über dessen Existens in irgendeiner Art und Weise (die wir noch entdecken werden) weitergibt. Dabei ist die einzelne menschliche Existenz zwar unwichtig, aber nicht unbedeutend.
Alle Abläufe innerhalb dieses "Astralleibes" sollten mithilfe kritisch-rationaler Methoden getroffen werden. Dogmen oder andere Denkbeschränkungen schaden dem hehren Ziel des Überlebens als Ganzes (die "Astralleibhypothese" stellt sich dieser auch, wird aber eben aus der rationalen Erwägung aufrechterhalten, dass ein gewisser Bedarf an spirituellem Überbau besteht). So wie sich ein politisches System oder ein Organismus über die Zeit weiterentwickeln kann, so muss sich auch der "Astralleib" weiterentwickeln können. Unumstößliche Schriften stören hierbei nur. Wir haben mittlerweile eine gewisse Fähigkeit erreicht über unser eigenes Leben hinauszublicken, ähnlich wie sich in den ersten Lebewesen lichtempfindliche Schichten oder Augen bildeten. Je besser wir diese Sicht entwickeln, desto mehr müssen wir sie für unsere aktuellen Handlungen berücksichtigen.
Jedes einzelne Individuum innerhalb dieser Metaebene ist wertvoll und es sollte unser Ziel sein die uns umgebenden Teile der Metaebene, sprich, die uns umgebenden Individuen so gut wie möglich zu behandeln bzw. so gut zu behandeln, wie wir auch behandelt werden möchten, da dies ebenfalls das hehre Ziel des langen Überlebens der Menschheit sichern hilft.
Das soweit mal als grobe Skizze und als Diskussionsgrundlage. Was mir jetzt noch in meinem Vorschlag fehlt ist ein vernünftiger Ansatz um spirituelle Erlebnisse (z.B. Meditation) und soziale Veranstaltungen zu integrieren. Ein vernünftiger Name fehlt natürlich ebenfalls. Aber wie gesagt, es darf diskutiert werden...
8 ist mein Name sicher nicht,
nicht mein IQ, nicht mein Gewicht.
Denn das, was hier geschrieben steht,
das heißt auf Englisch: der Poet!
Sonntag, April 20, 2008
Neulich, völlig unbegründet...
Es ist doch immer ein gutes Gefühl, wenn sich eine Sorge als unbegründet herausstellt. So habe ich in diesem Artikel bzgl. der Lebensdauer von fernsehkritik.tv geschrieben
Nunja, mittlerweile sind es nicht mehr 3, nicht 6, sondern bereits 11 Folgen und die zwölfte ist bereits in Arbeit.
Weiter so!
PS: Sehr sehenswert ist Folge 8, bei der Mario Barth (vielleicht daher ja auch der Ausdruck "der Witz hat einen Barth"?) den ersten Platz in der Top-Ten der schlechtesten Comedians erringt - völlig zurecht, wie ich meine.
PPS: Wer kennt die Titel- und Schlussmelodie von den fernsehkritik.tv Beiträgen? Ich komm da nicht drauf...
Meine Sorge ist allerdings, dass es evtl. nur bei diesen drei Folgen bleiben wird - wäre schade drum.
Nunja, mittlerweile sind es nicht mehr 3, nicht 6, sondern bereits 11 Folgen und die zwölfte ist bereits in Arbeit.
Weiter so!
PS: Sehr sehenswert ist Folge 8, bei der Mario Barth (vielleicht daher ja auch der Ausdruck "der Witz hat einen Barth"?) den ersten Platz in der Top-Ten der schlechtesten Comedians erringt - völlig zurecht, wie ich meine.
PPS: Wer kennt die Titel- und Schlussmelodie von den fernsehkritik.tv Beiträgen? Ich komm da nicht drauf...
Donnerstag, April 17, 2008
Neulich beim Schwurbeln...
Der metaphysische Schwurbler fährt nach Washington und der Spiegel hat nichts besseres zu tun als zu titeln "Benedikt liest Bush die Leviten". Doch schauen wir mal an, was er damit so genau meint:
Auch bei seinem nächsten Satz merkt man ganz deutlich den Größenwahn Ratzingers, versteht er sich doch als das Sprachrohr von 1,2 Mrd. Katholiken und erzählt Bush wovon "die Kirche" überzeugt ist. Das tolle am katholischen Kirchenrecht ist, dass er mit dieser Einstellung sogar recht hat. Aber hat sich Bush bei seinem Irakkrieg nicht von der "Wahrheit" leiten lassen? Sagte er nicht selbst, dass ihm Gott den Krieg befohlen habe? Die Existens eines solchen mal vorrausgesetzt, wieviel näher an der göttlichen Wahrheit hätte Bush denn noch liegen können? Und wie stark blühte die Demokratie, als Tausende von Soldaten beider Seiten sich im Wüstensand gegenseitig den Kopf weggeschossen haben? Ebenso die "Weisheit" auf "moralische Grundsätze" zu bauen, ist der größte Käse den man vorschlagen kann, denn moralische Grundsätze bedeuten, dass man die Welt in gut und böse einteilen kann. Die richtige Forderung an dieser Stelle wären "ethische Grundsätze" gewesen, da diese zum einen eine Neubewertung zulassen und die Frage nach dem Fair bzw. Unfair stellen. Noch dazu ist das einzige, was man gerade aus der Bibel nicht ableiten kann Demokratie und gemäß der Organisation gerade der katholischen Kirche und dessen Zwergstaat in Mittelitalien auch das, was der (schein)"heilige Vater" will.
Somit hat Paparatzi mal wieder gezeigt, dass er ein Meister des Schwurbelns ist, dass er sich aus ein paar markigen Worten eine Rede zusammenbasteln kann, die das Papier nicht wert ist, auf welchem sie geschrieben steht und dass er immer noch willige Claqueure bei den deutschen Medien findet, deren Angestellte es anscheinend nicht für nötig erachten auch nur 2 Minuten über dessen Geschwätz nachzudenken. Ich muss langsam mein Abo kündigen...
Es sind Sätze, die viel Spielraum für Interpretation lassen. Doch wer hören will, der höre: "Ich bin zuversichtlich, dass das amerikanische Volk in seinem religiösen Glauben eine wertvolle Quelle der Einsicht finden wird und Inspiration, einen vernünftigen, verantwortungs- und respektvollen Dialog anzustreben im Bemühen, eine humanere und freiere Gesellschaft zu erbauen." Offenbar meint der Papst hier einen Mangel festzustellen. "Die Kirche ist überzeugt,… , dass Demokratie nur blühen kann, wenn die politischen Führer sich von der Wahrheit leiten lassen und ihre Weisheit auf moralische Grundsätze aufbauen." Die verlogene Begründung des Irak-Kriegs - Vizepräsident Dick Cheney und Außenministerin Condoleezza Rice sitzen unter den Ehrengästen in der ersten Reihe - kann damit nicht gemeint sein.Das jemand in seinem "religiösen Glauben" eine "wertvolle Quelle der Einsicht finden wird" mag ja noch irgendwie plausibel erscheinen, jedoch nicht in dem Zusammenhang "einen vernünftigen, verantwortungs- und respektvollen Dialog anzustreben" und schon gar nicht eine "humanere und freiere Gesellschaft" zu schaffen, da ein religiöser Glaube weder die Vernunft fördert (sondern die Unvernunft), die Verantwortung gegenüber den Mitmenschen ausblenden kann und nur seiner eigenen Gottesvorstellung und den Mitgliedern seiner eigenen Mischpoke den Respekt zollt, den der katholische Vorbeter hier wohl meint. Eine humanere und freier Gesellschaft wurde genau dann geschaffen, als man es geschafft hat religiöse Mythen zu entzaubern, klerikale Machthaber zu entmachten und der Vernunft den Vorrang vor (palestinischen) Ammenmärchen gab.
Auch bei seinem nächsten Satz merkt man ganz deutlich den Größenwahn Ratzingers, versteht er sich doch als das Sprachrohr von 1,2 Mrd. Katholiken und erzählt Bush wovon "die Kirche" überzeugt ist. Das tolle am katholischen Kirchenrecht ist, dass er mit dieser Einstellung sogar recht hat. Aber hat sich Bush bei seinem Irakkrieg nicht von der "Wahrheit" leiten lassen? Sagte er nicht selbst, dass ihm Gott den Krieg befohlen habe? Die Existens eines solchen mal vorrausgesetzt, wieviel näher an der göttlichen Wahrheit hätte Bush denn noch liegen können? Und wie stark blühte die Demokratie, als Tausende von Soldaten beider Seiten sich im Wüstensand gegenseitig den Kopf weggeschossen haben? Ebenso die "Weisheit" auf "moralische Grundsätze" zu bauen, ist der größte Käse den man vorschlagen kann, denn moralische Grundsätze bedeuten, dass man die Welt in gut und böse einteilen kann. Die richtige Forderung an dieser Stelle wären "ethische Grundsätze" gewesen, da diese zum einen eine Neubewertung zulassen und die Frage nach dem Fair bzw. Unfair stellen. Noch dazu ist das einzige, was man gerade aus der Bibel nicht ableiten kann Demokratie und gemäß der Organisation gerade der katholischen Kirche und dessen Zwergstaat in Mittelitalien auch das, was der (schein)"heilige Vater" will.
Somit hat Paparatzi mal wieder gezeigt, dass er ein Meister des Schwurbelns ist, dass er sich aus ein paar markigen Worten eine Rede zusammenbasteln kann, die das Papier nicht wert ist, auf welchem sie geschrieben steht und dass er immer noch willige Claqueure bei den deutschen Medien findet, deren Angestellte es anscheinend nicht für nötig erachten auch nur 2 Minuten über dessen Geschwätz nachzudenken. Ich muss langsam mein Abo kündigen...
Mittwoch, April 16, 2008
Neulich beim Selbstversuch...
Wie oft kann man wohl ein und dasselbe Lied hintereinander hören?
Zwischenstand: verdammt oft *grml*
Zwischenstand: verdammt oft *grml*
Sonntag, April 13, 2008
Neulich bei Bill Maher...
...war Richard Dawkins zu Gast. Nachdem das noch nicht soo lange her ist, nämlich letzten Freitag, denke ich man kann das noch bringen.
Und hier noch die "Rules". Der "katholische" Teil beginnt ca. bei Minute 3:15...
Das Wort zum Sonntag #43
Thema heute:
Warumbin ich machen Religionen egozentrisch?
Eigentlich ist dieses Thema meinem eigenen Egozentrismus geschuldet, denn ein Loch im Fahradschlauch, "Gott sei dank" noch auf den ersten zwei Kilometern, so dass der Rückweg nicht ganz so lange war, hat meinem Sonntagsausflug ein jähes Ende gesetzt. Bei solchen, und natürlich schwerwiegenderen Schicksalsschlägen, taucht unweigerlich die Frage auf "warum passiert das mir?".
Wir bzw. unsere "egoistischen Gene" haben eine ganz natürliche Ichbezogenheit, denn für uns sind natürlich die Fragen "wo bekomme ich etwas zu essen her?" oder "wo finde ich meinen Lebensabschnittsgefährten?" von essentieller Bedeutung (andernfalls wären wir schon ausgestorben). Jedoch werden wir andauernd mit Unwägbarkeiten des Lebens konfrontiert, die wir nicht einordnen können, deren Ursache-Wirkungsprinzip uns lange verborgen war oder noch immer verborgen ist. Warum bekomme ich eine schreckliche Krankheit, warum hat der Sturm die Ernte zerstört und warum habe genau ich das Loch im Reifen.
Jedoch sollte man sich immer dann, wenn man meint, dass es das Schicksal ganz böse mit einem gemeint hat ein paar Bilder von hubblesite.org anschauen, wie z.B. folgendes:

Und jetzt muss man sich das noch so vorstellen: in einem Universum, das so unglaublich groß ist, dass wir es uns nicht wirklich vorstellen können gibt es so viele Sonnensysteme mit Planeten, dass wir uns das genausowenig vorstellen können und zumindest einer dieser Planeten hat eine affenartige Spezies hervorgebracht, die sich darüber zumindest ansatzweise bewußt werden konnte (nachdem vorher 99% aller jemals lebenden Spezies dieses Planeten ausgestorben sind) und ich bin einer davon. Was habe ich doch für ein Riesenglück!
Und nun zum Vergleich, was man von theistischer Seite dazu sagen würde: Was ist das doch für ein toller Gott, der um mich (und alle Mitglieder meiner Glaubensgemeinschaft) diese unvorstellbare Menge an Universum geschaffen hat. Er hat für mich einen ganz speziellen Plan ausgetüftelt und wenn ich hier auf der Erde meine Pflicht erfüllt habe, dann darf ich im Jenseits/Nirwana/Paradies den Rest meiner Tage bis in alle Ewigkeit verbringen. Was habe ich doch für ein Riesenglück!
Und obwohl beide Weltanschauungen mit dem gleichen Ergebnis aufwarten, so führt doch die Erstere dazu, dass man immer bescheidener und zugleich staundender werden sollte, wohingegen die zweite sich selbst bestätigt und zu einer größeren Egozentrik führt. Ein Schicksalsschlag wird zur Prüfung uminterpretiert, ein Hurrikan über New Orleans als gerechte Strafe (innerhalb des Plans des Schöpfers) für die Unzucht und Homosexualität an diesem Ort ausgelegt.
Und so wie die Erkenntnis, dass wir in einer sehr dünnen Bioschicht eines unbedeutenden Planeten in einem unbedeutenden Arm einer unbedeutenden Spiralgalaxie leben und uns dessen bewusst sind, eigentlich alle Menschen mehr zueinander führen sollte, mehr dazu beitragen sollte, dass wir uns gemeinsame Ziele für die nächsten Jahrzehnte (und Jahrhunderte) stecken sollten (was z.B. Anstieg bzw. Rückgang der Weltbevölkerung betrifft), so führt der religiöse Ansatz eines unsichtbaren Planers dazu, dass man sein eigenes Leben als immer wichtiger erachtet und selbst Gräueltaten noch im Rahmen eines göttlichen Plans interpretieren kann.
Für das frühere Überleben von kleinen Gruppen, geplagt von unheilbaren Krankheiten, Erntemisserfolgen und hoher Kindersterblichkeit mag das ja noch eine sinnvolle Herangehensweise gewesen sein, jedoch sollten wir uns mittlerweile geistig so weit emanzipiert haben, dass wir derartige Krücken nicht mehr brauchen. Naja.. wir sollten, aber die Wirklichkeit sieht leider anders aus...
Warum
Eigentlich ist dieses Thema meinem eigenen Egozentrismus geschuldet, denn ein Loch im Fahradschlauch, "Gott sei dank" noch auf den ersten zwei Kilometern, so dass der Rückweg nicht ganz so lange war, hat meinem Sonntagsausflug ein jähes Ende gesetzt. Bei solchen, und natürlich schwerwiegenderen Schicksalsschlägen, taucht unweigerlich die Frage auf "warum passiert das mir?".
Wir bzw. unsere "egoistischen Gene" haben eine ganz natürliche Ichbezogenheit, denn für uns sind natürlich die Fragen "wo bekomme ich etwas zu essen her?" oder "wo finde ich meinen Lebensabschnittsgefährten?" von essentieller Bedeutung (andernfalls wären wir schon ausgestorben). Jedoch werden wir andauernd mit Unwägbarkeiten des Lebens konfrontiert, die wir nicht einordnen können, deren Ursache-Wirkungsprinzip uns lange verborgen war oder noch immer verborgen ist. Warum bekomme ich eine schreckliche Krankheit, warum hat der Sturm die Ernte zerstört und warum habe genau ich das Loch im Reifen.
Jedoch sollte man sich immer dann, wenn man meint, dass es das Schicksal ganz böse mit einem gemeint hat ein paar Bilder von hubblesite.org anschauen, wie z.B. folgendes:
Und jetzt muss man sich das noch so vorstellen: in einem Universum, das so unglaublich groß ist, dass wir es uns nicht wirklich vorstellen können gibt es so viele Sonnensysteme mit Planeten, dass wir uns das genausowenig vorstellen können und zumindest einer dieser Planeten hat eine affenartige Spezies hervorgebracht, die sich darüber zumindest ansatzweise bewußt werden konnte (nachdem vorher 99% aller jemals lebenden Spezies dieses Planeten ausgestorben sind) und ich bin einer davon. Was habe ich doch für ein Riesenglück!
Und nun zum Vergleich, was man von theistischer Seite dazu sagen würde: Was ist das doch für ein toller Gott, der um mich (und alle Mitglieder meiner Glaubensgemeinschaft) diese unvorstellbare Menge an Universum geschaffen hat. Er hat für mich einen ganz speziellen Plan ausgetüftelt und wenn ich hier auf der Erde meine Pflicht erfüllt habe, dann darf ich im Jenseits/Nirwana/Paradies den Rest meiner Tage bis in alle Ewigkeit verbringen. Was habe ich doch für ein Riesenglück!
Und obwohl beide Weltanschauungen mit dem gleichen Ergebnis aufwarten, so führt doch die Erstere dazu, dass man immer bescheidener und zugleich staundender werden sollte, wohingegen die zweite sich selbst bestätigt und zu einer größeren Egozentrik führt. Ein Schicksalsschlag wird zur Prüfung uminterpretiert, ein Hurrikan über New Orleans als gerechte Strafe (innerhalb des Plans des Schöpfers) für die Unzucht und Homosexualität an diesem Ort ausgelegt.
Und so wie die Erkenntnis, dass wir in einer sehr dünnen Bioschicht eines unbedeutenden Planeten in einem unbedeutenden Arm einer unbedeutenden Spiralgalaxie leben und uns dessen bewusst sind, eigentlich alle Menschen mehr zueinander führen sollte, mehr dazu beitragen sollte, dass wir uns gemeinsame Ziele für die nächsten Jahrzehnte (und Jahrhunderte) stecken sollten (was z.B. Anstieg bzw. Rückgang der Weltbevölkerung betrifft), so führt der religiöse Ansatz eines unsichtbaren Planers dazu, dass man sein eigenes Leben als immer wichtiger erachtet und selbst Gräueltaten noch im Rahmen eines göttlichen Plans interpretieren kann.
Für das frühere Überleben von kleinen Gruppen, geplagt von unheilbaren Krankheiten, Erntemisserfolgen und hoher Kindersterblichkeit mag das ja noch eine sinnvolle Herangehensweise gewesen sein, jedoch sollten wir uns mittlerweile geistig so weit emanzipiert haben, dass wir derartige Krücken nicht mehr brauchen. Naja.. wir sollten, aber die Wirklichkeit sieht leider anders aus...
Wenn die meisten sich schon armseliger Kleider und Möbel schämen, wieviel mehr sollten wir uns da erst armseliger Ideen und Weltanschauungen schämen.
(Albert Einstein)
Samstag, April 12, 2008
Die po8ische Rezension #10
Gott ist tot - Ronald F. Currie
(Goldmann Verlag - ISBN: 978-3-442-31152-1)
Das ist eine der Rezensionen, bei der ich mir wirklich schwer tue. Zwar hat das Buch einen Titel, der mir sehr gut gefällt und auch die Quelle aus der es kam würde die Bewertung stark nach oben treiben, doch leider hat Currie es - wie man in Hamburg sagt - ziemlich verbaselt. Das Buch hat einen sehr zwiespältigen Eindruck in mir hinterlassen, v.a. deswegen weil gute Ansätze nicht konsequent zu Ende gedacht wurden. Und auch wenn der Weg das Ziel sein mag und in englischer Literatur das Wie des Erzählens einen größeren Stellenwert genießt, als das Was, das man erzählt hat, so rettet es das Gesamtwerk doch nicht vor der Mittelmäßigkeit.
Leseprobe:
Aber wir schrieben schlechte Zeiten, das Ende eines Jahrzehnts wirtschaftlicher Krisen mitsamt den dazugehörigen sozialen Misständen: Massenarbeitslosigkeit, ein besorgniserregender Anstieg bei Drogenmissbrauch, häuslicher Gewalt und Eigentumsdelikten, dazu Rassenunruhen, Arbeitskämpfe und, im Zuge der mittlerweile legendären Übernahme des Veteranen-Hospitals in Cleveland durch erboste Golfkriegs-Heimkehrer, organisierte und gewalttätige Insubordination.
Dann erfuhr die Welt von Gottes Tod im Sudan. Soweit sich die Vorfälle rekonstruieren ließen, hatte er menschliche Gestalt angenommen, um den bewaffneten Konflikt zwischen der islamischen Regierung des Sudan und dem christlichen Nuer-Stamm im Süden hautnah mitzuerleben. Er hatte versucht, mit einer Gruppe von Nuer-Flüchtlingen nach Kenia zu gelangen, un sich dabei in einem Nato-Draht-Zaun verfangen, der an ein Minenfeld angrenzte. Ein paar der anderen wollten ihn befreien, mussten aber fliehen, als Kampfflugzeuge der Regierung sie bombardierten. Sein Leichnam, von Dieben nackt ausgezogen und von der Äquatorsonne versengt, wurde nahe der Grenzstadt Kapoeta aufgefunden.
Sein Tod, dieser eine kleine Tod unter Tausenden, wäre unbemerkt geblieben, hätten nicht ein paar Wildhunde, die von seinem Kadaver fraßen, plötzlich begonnen, einen Mischmasch aus Griechisch und Hebräisch zu sprechen und auf den Wassern des Weißen Nils zu wandeln, als wäre er aus Glas.
Die Nachricht vom Tod Gottes, wie könnte es anders sein, traf die Welt wie ein Keulenschlag. Eine Welle von Panik, gesellschaftlichem Aufruhr und allgemein schlechtem Benehmen schwappte über den Erdball. Das Kriegsrecht wurde ausgerufen, und in allen größeren amerikanischen Städten ging die Nationalgarde in Stellung. Die Selbstmordrate bei Nonnen und Geistlichen nahm epidemische Ausmaße an, ebenso wie die Gier nach Seelentröstern wie Kinderschokolade und Yes-Torties, die zu Ladenplünderungen im großen Stil führte. Die meisten, ich inbegriffen, glaubgten das Ende nahe, und eine Zeitlang versteckten wir uns in unseren Häusern, schreckhaft und geduckt, jeden Moment darauf gefasst, mit einem Knall in Fetzen gerissen oder stillschweigend ausgelöscht zu werden.
Und dann geschah etwas Seltsames: gar nichts. Mit der Zeit gestanden wir uns ein, dass die Sonne unverändert morgens auf- und abends unterging, dass die Gezeiten immer noch pünktlich wechselten und dass wir und alle, die wir kannten (die meisten jedenfalls) nach wie vor quicklebendig waren. Fernsehkommentatoren und selbsternannte Experten sonderten Theorien in Hülle und Fülle ab, aber unterm Strich - und die Mehrzahl begriff das intuitiv - sah es einfach so aus: Gott hatte die Welt erschaffen und sie auf ihre Bahn gesetzt, und in dieser Bahn zuckelte sie weiter, auch wenn er nun nicht mehr da war und Ordnung hielt.
Aus der Leseprobe wird auch schon mein größter Kritikpunkt deutlich, denn ich bin der Meinung, dass sich Currie nicht wirklich fundiert mit dem Gottglauben auseinandergesetzt hat. Denn wieso z.B. sollten die Wildhunde Hebräisch sprechen? Ginge es wirklich um die Gegebenheiten am Beginn unserer Zeitrechnung in Palestina, so müsste zumindest Aramäisch die Sprache der Wahl sein. Weiters unterstellt Currie mehr oder weniger stillschweigend den christlichen Gott ohne auf das Problem mit dem Judentum einzugehen. Ebenso geht er nicht im Geringsten darauf ein, wie Gott denn "Ordnung gehalten" hätte.
Das Buch wirft in meinen Augen mehr Fragen auf, vor allem Fragen, was sich der Autor denn dabei gedacht hat. Andererseits umschmeichelt er den Leser mit einem kurzweiligen Schreibstil und teilweise genialen Einfällen für die unterschiedlichen Szenairen, die er anführt, aber selten befriedigend abschließt. Dem Autor ist anscheinend immer wichtiger, wie er etwas erzählt, anstatt was er erzählt. Insofern kann ich dieses Buch eigentlich nur dem empfehlen, der an religionskritischer Literatur so ziemlich alles gelesen hat und sich einfach langweilt.
4 von 8 möglichen Punkten
(Goldmann Verlag - ISBN: 978-3-442-31152-1)
Das ist eine der Rezensionen, bei der ich mir wirklich schwer tue. Zwar hat das Buch einen Titel, der mir sehr gut gefällt und auch die Quelle aus der es kam würde die Bewertung stark nach oben treiben, doch leider hat Currie es - wie man in Hamburg sagt - ziemlich verbaselt. Das Buch hat einen sehr zwiespältigen Eindruck in mir hinterlassen, v.a. deswegen weil gute Ansätze nicht konsequent zu Ende gedacht wurden. Und auch wenn der Weg das Ziel sein mag und in englischer Literatur das Wie des Erzählens einen größeren Stellenwert genießt, als das Was, das man erzählt hat, so rettet es das Gesamtwerk doch nicht vor der Mittelmäßigkeit.Leseprobe:
Aber wir schrieben schlechte Zeiten, das Ende eines Jahrzehnts wirtschaftlicher Krisen mitsamt den dazugehörigen sozialen Misständen: Massenarbeitslosigkeit, ein besorgniserregender Anstieg bei Drogenmissbrauch, häuslicher Gewalt und Eigentumsdelikten, dazu Rassenunruhen, Arbeitskämpfe und, im Zuge der mittlerweile legendären Übernahme des Veteranen-Hospitals in Cleveland durch erboste Golfkriegs-Heimkehrer, organisierte und gewalttätige Insubordination.
Dann erfuhr die Welt von Gottes Tod im Sudan. Soweit sich die Vorfälle rekonstruieren ließen, hatte er menschliche Gestalt angenommen, um den bewaffneten Konflikt zwischen der islamischen Regierung des Sudan und dem christlichen Nuer-Stamm im Süden hautnah mitzuerleben. Er hatte versucht, mit einer Gruppe von Nuer-Flüchtlingen nach Kenia zu gelangen, un sich dabei in einem Nato-Draht-Zaun verfangen, der an ein Minenfeld angrenzte. Ein paar der anderen wollten ihn befreien, mussten aber fliehen, als Kampfflugzeuge der Regierung sie bombardierten. Sein Leichnam, von Dieben nackt ausgezogen und von der Äquatorsonne versengt, wurde nahe der Grenzstadt Kapoeta aufgefunden.
Sein Tod, dieser eine kleine Tod unter Tausenden, wäre unbemerkt geblieben, hätten nicht ein paar Wildhunde, die von seinem Kadaver fraßen, plötzlich begonnen, einen Mischmasch aus Griechisch und Hebräisch zu sprechen und auf den Wassern des Weißen Nils zu wandeln, als wäre er aus Glas.
Die Nachricht vom Tod Gottes, wie könnte es anders sein, traf die Welt wie ein Keulenschlag. Eine Welle von Panik, gesellschaftlichem Aufruhr und allgemein schlechtem Benehmen schwappte über den Erdball. Das Kriegsrecht wurde ausgerufen, und in allen größeren amerikanischen Städten ging die Nationalgarde in Stellung. Die Selbstmordrate bei Nonnen und Geistlichen nahm epidemische Ausmaße an, ebenso wie die Gier nach Seelentröstern wie Kinderschokolade und Yes-Torties, die zu Ladenplünderungen im großen Stil führte. Die meisten, ich inbegriffen, glaubgten das Ende nahe, und eine Zeitlang versteckten wir uns in unseren Häusern, schreckhaft und geduckt, jeden Moment darauf gefasst, mit einem Knall in Fetzen gerissen oder stillschweigend ausgelöscht zu werden.
Und dann geschah etwas Seltsames: gar nichts. Mit der Zeit gestanden wir uns ein, dass die Sonne unverändert morgens auf- und abends unterging, dass die Gezeiten immer noch pünktlich wechselten und dass wir und alle, die wir kannten (die meisten jedenfalls) nach wie vor quicklebendig waren. Fernsehkommentatoren und selbsternannte Experten sonderten Theorien in Hülle und Fülle ab, aber unterm Strich - und die Mehrzahl begriff das intuitiv - sah es einfach so aus: Gott hatte die Welt erschaffen und sie auf ihre Bahn gesetzt, und in dieser Bahn zuckelte sie weiter, auch wenn er nun nicht mehr da war und Ordnung hielt.
Aus der Leseprobe wird auch schon mein größter Kritikpunkt deutlich, denn ich bin der Meinung, dass sich Currie nicht wirklich fundiert mit dem Gottglauben auseinandergesetzt hat. Denn wieso z.B. sollten die Wildhunde Hebräisch sprechen? Ginge es wirklich um die Gegebenheiten am Beginn unserer Zeitrechnung in Palestina, so müsste zumindest Aramäisch die Sprache der Wahl sein. Weiters unterstellt Currie mehr oder weniger stillschweigend den christlichen Gott ohne auf das Problem mit dem Judentum einzugehen. Ebenso geht er nicht im Geringsten darauf ein, wie Gott denn "Ordnung gehalten" hätte.
Das Buch wirft in meinen Augen mehr Fragen auf, vor allem Fragen, was sich der Autor denn dabei gedacht hat. Andererseits umschmeichelt er den Leser mit einem kurzweiligen Schreibstil und teilweise genialen Einfällen für die unterschiedlichen Szenairen, die er anführt, aber selten befriedigend abschließt. Dem Autor ist anscheinend immer wichtiger, wie er etwas erzählt, anstatt was er erzählt. Insofern kann ich dieses Buch eigentlich nur dem empfehlen, der an religionskritischer Literatur so ziemlich alles gelesen hat und sich einfach langweilt.
4 von 8 möglichen Punkten
Donnerstag, April 10, 2008
Die po8ische Rezension #9
Der Herr ist kein Hirte - Christopher Hitchens
(Karl Blessing Verlag, ISBN: 978-3-89667-355-8)
"Religion vergiftet alles", das ist das zentrale Thema von Hitchens Buch und man gewinnt auch den Eindruck, dass er recht haben könnte. Seiner allseitsbekannten Eloquenz, die er bei verschiedenen Debatten, die auch auf youtube verfügbar sind, unter Beweis stellte, wurde durch die deutsche Übersetzung kein Abbruch getan und so kann man Argument für Argument verfolgen, wie Hitchens Argument Kapitel für Kapitel belegt wird. Klar, dass man bei ihm, wie aus seinen Debatten bekannt, mit scharfen Formulierungen zu rechnen hat.
Hitchens ist keiner, der ein Blatt vor den Mund nimmt und so nennt er z.B. die Beschneidung, wie sie von Juden oder Muslimen praktiziert wird, eben auch eine Verstümmelung. Er ist (wie auch ich) der Meinung, dass das Neue Testament eigentlich alles noch schlimmer statt besser gemacht hat und sieht, wie Dawkins auch, die Kinder durch dieses "Gift" misshandelt.
Leseprobe:
Auch die anderen menschgemachten Dummheiten und Grausamkeiten der Gottesgläubigen sind schnell festgemacht. Die Folter ist so alt wie dei Garstigkeit der Menschheit, ist der Mensch doch die einzige Spezies mit der nötigen Fantasie, sich vorzustellen, wie es sich anfühlt, wenn man jemand anderem etwas antut. Wir können der Religion diesen Impuls nicht vorwerfen, aber wir können sie dafür verurteilen, dass sie die Folter institutionalisert und perfektioniert hat. Die Mittelaltermuseen Europas von Holland bis in die Toskana sind vollgestopft mit Instrumenten und Geräten, mit denen fromme Männer austesteten, wie lang sie einen Menschen am Leben erhalten konnten, während er über dem Feuer briet. Wir müssen hier nicht weiter ins Detail gehen, doch es gibt sogar religiöse Bücher, die in diese Kunst einführen und zeigen, wie man mittels Schmerz Ketzerei aufspürt. Wer nicht das Glück hatte, sich an einem Autodafé zu beteiligen, also einem "Glaubensgericht", wie die Folter auch genannt wurde, durfte sich nach Gutdünken Schauermärchen und Albträume ausdenken und sie dem unwissenden Volk verbal verabreichen, um es in einem Zustand permanenter Angst zu halten. In einer Ära, in der es so gut wie keine öffentlichen Vergnügungen gab, entsprach eine nette öffentliche Verbrennung oder das Verstümmeln und Rädern von Menschen in etwa der Dosis an Zerstreuung, die man dem Volk vonseiten der Kirche zu gestatten wagte. Nichts macht deutlicher, dass die Religion vom Menschen erschaffen wurde, als das kranke Hirn, das sich die Hölle ausdachte, dicht gefolgt von dem arg beschränkten Hirn, dem nichts Besseres einfiel, als den Himmel als Ort weltlicher Behaglichkeit oder ewiglicher Langeweile zu beschreiben.
Schon die vorchristlichen Höllen waren sehr unangenehm und vom gleichen sadistischen Einfallsreichtum gezeichnet. Einige der früheren Höllen, die uns bekannt sind - hier vora llem die der Hindus -, hatten eine zeitliche Begrenzung. Ein Sünder wurde beispielsweise zu einer bestimmten Anzahl von Jahren in der Hölle verurteilt, wo jeder Tag sechstausendvierhunder Menschenjahren entsprach. Hatte er einen Priester erschlagen, entsprach die Strafe 149504000000 Jahren. Danach durfte er ins Nirvana einziehen, was wohl mit der Vernichtung gleichzusetzen war. Es blieb den Christen vorbehalten, eine Hölle zu erfinden, aus der es kein Entrinnen gibt - eine Vorstellung, die übrigens auch gern abgekupfert wird: Ich habe einmal gehört, wie Louis Farrakhan, Anführer der häretischen "Nation of Ilsam" mit ausschließlich schwarzen Mitgliedern, der Menge im Madison Square Garden ein entsetzliches Gebrüll entlockte, indem er den Juden voller Verachtung zurief: "Und denkt daran - wenn Gott euch in die Öfen steckt, dann AUF EWIG!"
Hitchens nahm in Kauf, dass im, ob seiner - im Vergleich zu Dawkins - umfangreicheren Islamkritik, der eine oder andere beschränkte Mullah eine Fatwa verehre. Ein umfangreiches Buch in dem argumentativ aber nicht undifferenziert Tacheles gesprochen wird.
8 von 8 möglichen Punkten
(Karl Blessing Verlag, ISBN: 978-3-89667-355-8)
"Religion vergiftet alles", das ist das zentrale Thema von Hitchens Buch und man gewinnt auch den Eindruck, dass er recht haben könnte. Seiner allseitsbekannten Eloquenz, die er bei verschiedenen Debatten, die auch auf youtube verfügbar sind, unter Beweis stellte, wurde durch die deutsche Übersetzung kein Abbruch getan und so kann man Argument für Argument verfolgen, wie Hitchens Argument Kapitel für Kapitel belegt wird. Klar, dass man bei ihm, wie aus seinen Debatten bekannt, mit scharfen Formulierungen zu rechnen hat.Hitchens ist keiner, der ein Blatt vor den Mund nimmt und so nennt er z.B. die Beschneidung, wie sie von Juden oder Muslimen praktiziert wird, eben auch eine Verstümmelung. Er ist (wie auch ich) der Meinung, dass das Neue Testament eigentlich alles noch schlimmer statt besser gemacht hat und sieht, wie Dawkins auch, die Kinder durch dieses "Gift" misshandelt.
Leseprobe:
Auch die anderen menschgemachten Dummheiten und Grausamkeiten der Gottesgläubigen sind schnell festgemacht. Die Folter ist so alt wie dei Garstigkeit der Menschheit, ist der Mensch doch die einzige Spezies mit der nötigen Fantasie, sich vorzustellen, wie es sich anfühlt, wenn man jemand anderem etwas antut. Wir können der Religion diesen Impuls nicht vorwerfen, aber wir können sie dafür verurteilen, dass sie die Folter institutionalisert und perfektioniert hat. Die Mittelaltermuseen Europas von Holland bis in die Toskana sind vollgestopft mit Instrumenten und Geräten, mit denen fromme Männer austesteten, wie lang sie einen Menschen am Leben erhalten konnten, während er über dem Feuer briet. Wir müssen hier nicht weiter ins Detail gehen, doch es gibt sogar religiöse Bücher, die in diese Kunst einführen und zeigen, wie man mittels Schmerz Ketzerei aufspürt. Wer nicht das Glück hatte, sich an einem Autodafé zu beteiligen, also einem "Glaubensgericht", wie die Folter auch genannt wurde, durfte sich nach Gutdünken Schauermärchen und Albträume ausdenken und sie dem unwissenden Volk verbal verabreichen, um es in einem Zustand permanenter Angst zu halten. In einer Ära, in der es so gut wie keine öffentlichen Vergnügungen gab, entsprach eine nette öffentliche Verbrennung oder das Verstümmeln und Rädern von Menschen in etwa der Dosis an Zerstreuung, die man dem Volk vonseiten der Kirche zu gestatten wagte. Nichts macht deutlicher, dass die Religion vom Menschen erschaffen wurde, als das kranke Hirn, das sich die Hölle ausdachte, dicht gefolgt von dem arg beschränkten Hirn, dem nichts Besseres einfiel, als den Himmel als Ort weltlicher Behaglichkeit oder ewiglicher Langeweile zu beschreiben.
Schon die vorchristlichen Höllen waren sehr unangenehm und vom gleichen sadistischen Einfallsreichtum gezeichnet. Einige der früheren Höllen, die uns bekannt sind - hier vora llem die der Hindus -, hatten eine zeitliche Begrenzung. Ein Sünder wurde beispielsweise zu einer bestimmten Anzahl von Jahren in der Hölle verurteilt, wo jeder Tag sechstausendvierhunder Menschenjahren entsprach. Hatte er einen Priester erschlagen, entsprach die Strafe 149504000000 Jahren. Danach durfte er ins Nirvana einziehen, was wohl mit der Vernichtung gleichzusetzen war. Es blieb den Christen vorbehalten, eine Hölle zu erfinden, aus der es kein Entrinnen gibt - eine Vorstellung, die übrigens auch gern abgekupfert wird: Ich habe einmal gehört, wie Louis Farrakhan, Anführer der häretischen "Nation of Ilsam" mit ausschließlich schwarzen Mitgliedern, der Menge im Madison Square Garden ein entsetzliches Gebrüll entlockte, indem er den Juden voller Verachtung zurief: "Und denkt daran - wenn Gott euch in die Öfen steckt, dann AUF EWIG!"
Hitchens nahm in Kauf, dass im, ob seiner - im Vergleich zu Dawkins - umfangreicheren Islamkritik, der eine oder andere beschränkte Mullah eine Fatwa verehre. Ein umfangreiches Buch in dem argumentativ aber nicht undifferenziert Tacheles gesprochen wird.
8 von 8 möglichen Punkten
Tantum religio potuit suadere malorum. (So viel Übel vermochte die Religion
den Menschen einzureden.)
Lukrez, De rerum natura
Mittwoch, April 09, 2008
Neulich in Süddeutschland...
Die Süddeutsche hat einen erfreulich kritischen Artikel zum Dalai Lama herausgebracht und stellt sich damit gegen den in .de vorherrschenden Mainstream, dass es sich bei diesem Kalendersprücherezitierer um eine Art Gottkönig handelt:
Die europäische Philosophie, das westliche Denken, alle Religion ist leider Gottes von der nördlichen Blässe des Gedankens angekränkelt. Keiner hat das deutlicher ausgesprochen als der melancholische Pfarrerssohn Friedrich Nietzsche, wenn er Zarathustra den christlichen Priestern ins Gewissen predigen lässt: "Bessere Lieder müssten sie mir singen, dass ich an ihren Erlöser glauben lerne: erlöster müssten mir seine Jünger aussehen!"
Daran fehlt es den Freunden des Dalai Lama nicht. Viel zu lange mussten die Europäer und die Amerikaner an den "schwarzen Teichen" leben, "aus denen heraus die Unke ihr Lied mit süßem Tiefsinne singt" (Nietzsche). Der Dalailamismus hingegen macht - endlich - gedankenfrei und ist damit die ideale Religion für den daseinserschöpften Westler. Sie verpflichtet den Gläubigen, dem
die Füße schon beim Gedanken an den Jakobsweg wehtun, zu nichts mehr, als sich einen inneren Gebetsraum einzurichten und ansonsten möglichst viel zu lächeln.
Sonntag, April 06, 2008
Neulich beim Landeanflug...
Grml... einmal ist was los am - ansonsten verschlafenen - Hamburger Flughafen und ich war nicht da.
Das Wort zum Sonntag #42
Thema heute:
Wie unterscheidet man Islamisten von gemäßigten Muslimen?
Geert Wilders, ein holländischer Politiker, hat einen Film veröffentlicht, der den Namen "Fitna" (arab. f. "Chaos") trägt und den islamischen Terrorismus in Verbindung zu den jeweiligen Suren und Versen im Koran setzt. Den Video gibt es hier zu sehen, liveleak hatte ihn zunächst wegen Morddrohungen, später wegen Copyrightverletzungen Wilders' von der Plattform entfernt. Einen der wenigen guten Artikel zu dem Film und vor allem zu dem, was mit ihm erreicht werden sollte hat Henryk M. Broder geschrieben:
Ich möchte - obwohl im Titel aus Provokationsgründen anders dargestellt - dies eigentlich auf alle Religionsgemeinschaften erweitern, denn wie bei politischen Parteien gibt es immer einen gewissen Anteil von Mitgliedern, die radikaler sind als andere. So teilte man z.B. lange Zeit die Gründen in "Fundis" und "Realos" ein, die SPD hat ein linkes Spektrum, die CDU ein rechtes usw..
Doch wenn man schon so eine Einteilung innerhalb einer Gruppe vornimmt, so sollte man auch Kriterien nennen können, anhand derer sich diese Untergruppen unterscheiden lassen. Somit stellt sich die Frage ab welchem Zeitpunkt ein Gläubiger (z.B. Muslim) der Gruppe der "Fanatiker" (Islamisten) zu zuordnen ist. Die nächste Frage ist, ob wir diese Einteilung im Vorhinein vornehmen können und letztlich welche Tendenz innerhalb des Systems zu erwarten ist.
Bei näherer Beschäftigung mit dem Islam zeigt sich sehr schnell in Bezug auf obige Fragen, dass sich "gemäßigte Muslime" von ihren fanatischen Brüdern v.a. dadurch unterscheiden, dass sie sich oft unislamisch verhalten. So achten z.B. gemäßigte Muslime in .de viele der Menschenrechte, obwohl diese der Sharia diametral entgegenstehen. Man könnte somit folgende Faustformel aufstellen, dass je "unislamischer" ein Mensch ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er der Gruppe der radikalen Gläubigen angehört. Somit wird den gemäßigten Muslimen seitens der Islamisten zurecht vorgeworfen, zu wenig "muslimisch" zu sein.
Kann nun aber im Vorhinein beurteilt werden, wer ein potentieller Islamist ist? Ich denke nein, denn selbst wenn jemand als gemäßigter Gläubiger seine Glaubenskarriere beginnt, so birgt diese immer die Gefahr den Gläubigen zu radikalisieren. Umgekehrt besteht natürlich genauso die Möglichkeit, dass ein radikalisierter Gläubiger wieder vom Glauben abfällt. Letztendlich kann man a priori nur sagen, dass die Islamisten eine echte Teilmenge der muslimischen Glaubensgemeinschaft (auf die starke Diversifikation will ich hier mal nicht eingehen - die größte homogene Gruppe hat 12 Millionen Mitglieder) darstellen. Somit gilt: Jeder Islamist ist ein Muslim aber nicht jeder Muslim ist ein Islamist. In ähnlicher Weise verhielt es sich im dritten Reich: nicht alle Mitglieder der NSDAP waren Kriegsverbrecher, aber alle Kriegsverbrecher Mitglieder der NSDAP.
Und letztlich noch die Frage, welche Tendenz innerhalb des Systems zu erwarten ist. Nun, wenn man andere Glaubensrichtungen wie z.B. die Catholica betrachtet, so unterliegen die Strömungen zwei Faktoren, zum einen dem allgemeinen Zeitgeist (so schwammig dieser Begriff auch ist) und zum anderen der Macht innerhalb des politischen Systems. Im Mittelalter, als die Macht der katholischen Kirche groß war und durch jahrhundertelange Verdummung der Zeitgeist ebenfalls "katholisch", hat sie mit Inquisition, Kreuzzügen und Verfolgungen Andersgläubiger eine ihrer hässlichsten Fratzen gezeigt. Als der "Zeitgeist" in der Renaissance wieder humanistisches Gedankengut der Antike aufgriff, erfolgten die ersten faktischen Anpassungen, das System blieb aber vom Prinzip her das gleiche (und ist es heute noch!). D.h. sollten Machtposition und Zeitgeist es wieder erlauben, so fällt auch die katholische Kirche wieder in die mittelalterliche Barbarei zurück - wie z.B. in Kroatien unter Pavelic geschehen.
Ähnlich verhält es sich mit dem Islam. Dort wo er politisch und aus der Sicht des Zeitgeistes schwach ist (wie z.B. in Westeuropa), halten sich seine Auswirkungen in Grenzen, selbst radikalere Gläubige tolerieren den einen oder anderen aufklärerischen Wert (z.B. Gleichberechtigung von Mann und Frau). In islamischen Ländern, mit einer starken politischen Macht des Islams, verbunden mit einem starken islamischen Zeitgeist, beobachtet man eine Stagnation in bezug auf Aufklräung, Humanismus und freiheitlichem Denken.
Insofern bin ich der Meinung, dass "man" Islamisten (oder radikalisierte Gläubige) nicht von gemäßigten Gläubigen unterscheiden kann. Dies hat zur Folge, dass die einzigen, die solche Leute erkennen könn(t)en, die Mitglieder der jeweiligen Gruppe sind. Solange diesen Gemäßigten aber nicht bewusst ist, dass sie durch ihre eigene Handlungsunfähig oder -willigkeit eben diesen Elementen, die nicht nur anderen Weltanschauungsgemeinschaften schaden wollen sondern in nächster Konsequenz auch die eigene miskreditieren, ein Biotop, einen sicheren Hafen bieten, aus welchem diese geschützt und unbehelligt agieren können, solange hat "man" gegen Islamisten bzw. radikale Gläubige keine Chance.
Wie unterscheidet man Islamisten von gemäßigten Muslimen?
Geert Wilders, ein holländischer Politiker, hat einen Film veröffentlicht, der den Namen "Fitna" (arab. f. "Chaos") trägt und den islamischen Terrorismus in Verbindung zu den jeweiligen Suren und Versen im Koran setzt. Den Video gibt es hier zu sehen, liveleak hatte ihn zunächst wegen Morddrohungen, später wegen Copyrightverletzungen Wilders' von der Plattform entfernt. Einen der wenigen guten Artikel zu dem Film und vor allem zu dem, was mit ihm erreicht werden sollte hat Henryk M. Broder geschrieben:
Wilders ist so "einseitig" wie jeder Dokumentarist, der die Wirklichkeit verdichtet. Sein Film ist so "islamfeindlich" wie die Filme von Michael Moore "kapitalismusfeindlich" sind. Die Feindschaft liegt nicht im Auge des Betrachters, sondern in der Natur des betrachteten Gegenstands. Zu den festen Ritualen, mit denen Sprecher der muslimischen Gemeinden auf die Feststellung reagieren, der Islam sei nicht unbedingt und nicht immer eine Religion des Friedens, gehört die Androhung von Gewalt, falls diese "Beleidigung" nicht zurückgenommen werde - egal ob es sich um den Papst, einen Politiker oder einen Poeten handelt.Doch soll es heute hier nicht um den Film gehen, sondern um die Reaktion darauf bzw. den Standardspruch, dass man ja den Terror und die Gewalt von Islamisten erkenne, gemäßigte Muslime aber doch friedlich seien und man nicht alle undifferenziert in einen Topf werfen dürfe.
Ich möchte - obwohl im Titel aus Provokationsgründen anders dargestellt - dies eigentlich auf alle Religionsgemeinschaften erweitern, denn wie bei politischen Parteien gibt es immer einen gewissen Anteil von Mitgliedern, die radikaler sind als andere. So teilte man z.B. lange Zeit die Gründen in "Fundis" und "Realos" ein, die SPD hat ein linkes Spektrum, die CDU ein rechtes usw..
Doch wenn man schon so eine Einteilung innerhalb einer Gruppe vornimmt, so sollte man auch Kriterien nennen können, anhand derer sich diese Untergruppen unterscheiden lassen. Somit stellt sich die Frage ab welchem Zeitpunkt ein Gläubiger (z.B. Muslim) der Gruppe der "Fanatiker" (Islamisten) zu zuordnen ist. Die nächste Frage ist, ob wir diese Einteilung im Vorhinein vornehmen können und letztlich welche Tendenz innerhalb des Systems zu erwarten ist.
Bei näherer Beschäftigung mit dem Islam zeigt sich sehr schnell in Bezug auf obige Fragen, dass sich "gemäßigte Muslime" von ihren fanatischen Brüdern v.a. dadurch unterscheiden, dass sie sich oft unislamisch verhalten. So achten z.B. gemäßigte Muslime in .de viele der Menschenrechte, obwohl diese der Sharia diametral entgegenstehen. Man könnte somit folgende Faustformel aufstellen, dass je "unislamischer" ein Mensch ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er der Gruppe der radikalen Gläubigen angehört. Somit wird den gemäßigten Muslimen seitens der Islamisten zurecht vorgeworfen, zu wenig "muslimisch" zu sein.
Kann nun aber im Vorhinein beurteilt werden, wer ein potentieller Islamist ist? Ich denke nein, denn selbst wenn jemand als gemäßigter Gläubiger seine Glaubenskarriere beginnt, so birgt diese immer die Gefahr den Gläubigen zu radikalisieren. Umgekehrt besteht natürlich genauso die Möglichkeit, dass ein radikalisierter Gläubiger wieder vom Glauben abfällt. Letztendlich kann man a priori nur sagen, dass die Islamisten eine echte Teilmenge der muslimischen Glaubensgemeinschaft (auf die starke Diversifikation will ich hier mal nicht eingehen - die größte homogene Gruppe hat 12 Millionen Mitglieder) darstellen. Somit gilt: Jeder Islamist ist ein Muslim aber nicht jeder Muslim ist ein Islamist. In ähnlicher Weise verhielt es sich im dritten Reich: nicht alle Mitglieder der NSDAP waren Kriegsverbrecher, aber alle Kriegsverbrecher Mitglieder der NSDAP.
Und letztlich noch die Frage, welche Tendenz innerhalb des Systems zu erwarten ist. Nun, wenn man andere Glaubensrichtungen wie z.B. die Catholica betrachtet, so unterliegen die Strömungen zwei Faktoren, zum einen dem allgemeinen Zeitgeist (so schwammig dieser Begriff auch ist) und zum anderen der Macht innerhalb des politischen Systems. Im Mittelalter, als die Macht der katholischen Kirche groß war und durch jahrhundertelange Verdummung der Zeitgeist ebenfalls "katholisch", hat sie mit Inquisition, Kreuzzügen und Verfolgungen Andersgläubiger eine ihrer hässlichsten Fratzen gezeigt. Als der "Zeitgeist" in der Renaissance wieder humanistisches Gedankengut der Antike aufgriff, erfolgten die ersten faktischen Anpassungen, das System blieb aber vom Prinzip her das gleiche (und ist es heute noch!). D.h. sollten Machtposition und Zeitgeist es wieder erlauben, so fällt auch die katholische Kirche wieder in die mittelalterliche Barbarei zurück - wie z.B. in Kroatien unter Pavelic geschehen.
Ähnlich verhält es sich mit dem Islam. Dort wo er politisch und aus der Sicht des Zeitgeistes schwach ist (wie z.B. in Westeuropa), halten sich seine Auswirkungen in Grenzen, selbst radikalere Gläubige tolerieren den einen oder anderen aufklärerischen Wert (z.B. Gleichberechtigung von Mann und Frau). In islamischen Ländern, mit einer starken politischen Macht des Islams, verbunden mit einem starken islamischen Zeitgeist, beobachtet man eine Stagnation in bezug auf Aufklräung, Humanismus und freiheitlichem Denken.
Insofern bin ich der Meinung, dass "man" Islamisten (oder radikalisierte Gläubige) nicht von gemäßigten Gläubigen unterscheiden kann. Dies hat zur Folge, dass die einzigen, die solche Leute erkennen könn(t)en, die Mitglieder der jeweiligen Gruppe sind. Solange diesen Gemäßigten aber nicht bewusst ist, dass sie durch ihre eigene Handlungsunfähig oder -willigkeit eben diesen Elementen, die nicht nur anderen Weltanschauungsgemeinschaften schaden wollen sondern in nächster Konsequenz auch die eigene miskreditieren, ein Biotop, einen sicheren Hafen bieten, aus welchem diese geschützt und unbehelligt agieren können, solange hat "man" gegen Islamisten bzw. radikale Gläubige keine Chance.
Die Hand, welches das Schwert führt und würget, ist nicht mehr Menschen Hand, sondern Gottes Hand, und nicht der Mensch, sondern Gott hänget, rädert, enthauptet, würget, krieget.
(Martin Luther)
Mittwoch, April 02, 2008
Samstag, März 29, 2008
Neulich im Sandkasten...
Spiegel-online schreibt:
Was ich mich bei solchen Berichten immer frage ist, wieso die Mitglieder von Weltuntergangssekten immer auf die Idee kommen in einem Erdloch einen Weltuntergang zu überleben. Eigentlich ist man doch in einem solchen Loch (mal ganz abgesehen davon, dass es dreckig ist und die sanitären Regelungen auch recht kompliziert sein müssen) vor überhaupt nichts geschützt, außer, dass einem der Himmel auf den Kopf fällt. Wieso verkriechen sich diese Spinner nicht in einen Atombunker mit Verpflegung für mehrere Jahre? Wieso wandern sie nicht auf eine kleine, nicht-atombombenverseuchte Pazifikinsel aus? Wieso ein Erdloch?
Vielleicht liegt es ja daran, dass der Mensch im Zustand geistiger Umnachtung (schön auch wieder zu sehen, dass man die eigenen Kinder mit dem Wahnsinn ebenfalls infizierte) wieder zu seinen Ursprüngen zurrückkehrt und es seinen Vor-vor-vor-vorfahren nachmachen will, die sich damals ja auch in der Erde verkrochen haben. Eine bessere Erklärung fällt mir leider nicht ein.
Nach monatelangem - vergeblichem - Warten auf den Weltuntergang haben sieben russische Sektenmitglieder ihre Höhle verlassen. Mehr als zwei Dutzend weitere Anhänger halten sich noch in dem Erdloch versteckt - darunter auch Kleinkinder.
Was ich mich bei solchen Berichten immer frage ist, wieso die Mitglieder von Weltuntergangssekten immer auf die Idee kommen in einem Erdloch einen Weltuntergang zu überleben. Eigentlich ist man doch in einem solchen Loch (mal ganz abgesehen davon, dass es dreckig ist und die sanitären Regelungen auch recht kompliziert sein müssen) vor überhaupt nichts geschützt, außer, dass einem der Himmel auf den Kopf fällt. Wieso verkriechen sich diese Spinner nicht in einen Atombunker mit Verpflegung für mehrere Jahre? Wieso wandern sie nicht auf eine kleine, nicht-atombombenverseuchte Pazifikinsel aus? Wieso ein Erdloch?
Vielleicht liegt es ja daran, dass der Mensch im Zustand geistiger Umnachtung (schön auch wieder zu sehen, dass man die eigenen Kinder mit dem Wahnsinn ebenfalls infizierte) wieder zu seinen Ursprüngen zurrückkehrt und es seinen Vor-vor-vor-vorfahren nachmachen will, die sich damals ja auch in der Erde verkrochen haben. Eine bessere Erklärung fällt mir leider nicht ein.
Sonntag, März 23, 2008
Das Wort zum Sonntag #41
Thema heute:
Warum eigentlich "Würdenträger"?
Wer kennt es nicht, Meldungen die Anfangen wie "die Würdenträger der XY Kirche haben sich zusammengefunden" etc.blablubb. Das interessante dabei ist, dass wir kritiklos hinnehmen, so hier jemand ohne ersichtlichen Grund als "Würdenträger", also als Person, die eine "hohe, ehrenvolle Stellung bekleidet" (DWDS), bezeichnet wird.
Doch woher kommt die irrige Annahme, dass die Vertreter einer Religion besonders ehrenvolle Stellungen bekleiden? Unter normalen Umständen belächeln wir z.B. einen Mann, der in Frauenkleidern herumläuft, in Bezug auf Religion aber begegnen wir einem solchen Typen mit "Respekt". Doch dies resultiert einzig und allein aus der Tatsache, dass die klerikalen Transvestiten ihre Parade - im Gegensatz z.B. zum Christopher-Street-Day - mit einem unglaublichen Ernst durchziehen.
Während eines Gottesdienstes oder einer Prozession wird nicht gelacht. Spaß, Humor oder Lebensfreude müssen draußenbleiben, denn zerstörte man einmal den Nimbus des "Heiligen", des "Würdevollen" oder "Ernsthaften", so könnte die Schar der Gläubigen vielleicht draufkommen, dass die Handlungen totaler Blödsinn sind. Jemand der morgens seine Cornflakes mittels eines griechischen Zauberspruchs in den Leib von Julius Caesar verwandelt empfinden wir als durchgeknallt. Jemand der am Sonntag einen Keks mittels eines lateinischen Zauberspruchs in den Leib Jesu Christi verwandelt, den betrachten wir als Würdeträger?
Viele religiöse Handlungen sind einfach lächerlich, manche (wie z.B. die Beschneidung) sogar gefährlich. Trotzdem werden diese toleriert, also geduldet. Doch warum sollte eine Genitalverstümmelung mit mehr "Respekt" behandelt werden, als das Abschneiden des kleinen Fingers? Welche "Würde" liegt im offen praktizierten Antisemitismus bzw. Rassismus z.B. der Muslime oder der Catholica, verglichen mit dem offen praktizierten Rassismus einer Rechtspartei wie der NPD?
Nun, meine Erklärung dafür ist ein vorauseilender Gehorsam verbunden mit einer jahrhundertelangen Gehirnwäsche und Geschichtsfälschung. D.h. jedem wird von Klein auf eingeimpft, dass z.B. das Christentum eine "Religion der Nächstenliebe" sei, obwohl sich das weder aus dessen Schriften, noch dessen Verhalten eindeutig ableiten lässt oder dass Geistliche irgendwie bessere Menschen seien als der nicht-klerikale Rest der hominum sapientium, was sich aber ebenfalls weder aus den Schriften, noch der Geschichte nachweisen lässt - eher sogar das Gegenteil.
Es wird meines Erachtens Zeit, dass man den Herren "Würdenträgern" den Respekt zollt den sie verdienen, nämlich gar keinen.
Warum eigentlich "Würdenträger"?
Wer kennt es nicht, Meldungen die Anfangen wie "die Würdenträger der XY Kirche haben sich zusammengefunden" etc.blablubb. Das interessante dabei ist, dass wir kritiklos hinnehmen, so hier jemand ohne ersichtlichen Grund als "Würdenträger", also als Person, die eine "hohe, ehrenvolle Stellung bekleidet" (DWDS), bezeichnet wird.
Doch woher kommt die irrige Annahme, dass die Vertreter einer Religion besonders ehrenvolle Stellungen bekleiden? Unter normalen Umständen belächeln wir z.B. einen Mann, der in Frauenkleidern herumläuft, in Bezug auf Religion aber begegnen wir einem solchen Typen mit "Respekt". Doch dies resultiert einzig und allein aus der Tatsache, dass die klerikalen Transvestiten ihre Parade - im Gegensatz z.B. zum Christopher-Street-Day - mit einem unglaublichen Ernst durchziehen.
Während eines Gottesdienstes oder einer Prozession wird nicht gelacht. Spaß, Humor oder Lebensfreude müssen draußenbleiben, denn zerstörte man einmal den Nimbus des "Heiligen", des "Würdevollen" oder "Ernsthaften", so könnte die Schar der Gläubigen vielleicht draufkommen, dass die Handlungen totaler Blödsinn sind. Jemand der morgens seine Cornflakes mittels eines griechischen Zauberspruchs in den Leib von Julius Caesar verwandelt empfinden wir als durchgeknallt. Jemand der am Sonntag einen Keks mittels eines lateinischen Zauberspruchs in den Leib Jesu Christi verwandelt, den betrachten wir als Würdeträger?
Viele religiöse Handlungen sind einfach lächerlich, manche (wie z.B. die Beschneidung) sogar gefährlich. Trotzdem werden diese toleriert, also geduldet. Doch warum sollte eine Genitalverstümmelung mit mehr "Respekt" behandelt werden, als das Abschneiden des kleinen Fingers? Welche "Würde" liegt im offen praktizierten Antisemitismus bzw. Rassismus z.B. der Muslime oder der Catholica, verglichen mit dem offen praktizierten Rassismus einer Rechtspartei wie der NPD?
Nun, meine Erklärung dafür ist ein vorauseilender Gehorsam verbunden mit einer jahrhundertelangen Gehirnwäsche und Geschichtsfälschung. D.h. jedem wird von Klein auf eingeimpft, dass z.B. das Christentum eine "Religion der Nächstenliebe" sei, obwohl sich das weder aus dessen Schriften, noch dessen Verhalten eindeutig ableiten lässt oder dass Geistliche irgendwie bessere Menschen seien als der nicht-klerikale Rest der hominum sapientium, was sich aber ebenfalls weder aus den Schriften, noch der Geschichte nachweisen lässt - eher sogar das Gegenteil.
Es wird meines Erachtens Zeit, dass man den Herren "Würdenträgern" den Respekt zollt den sie verdienen, nämlich gar keinen.
Je mehr Würde man für eine Sache aufwendet, desto würdeloser ist sie gewöhnlich.
(Karlheinz Deschner)
Samstag, März 22, 2008
Verhältnismäßigkeit reloaded...
Der besonderen Aufmerksamkeit Herrn Schwarzers ist es zu verdanken, dass ich eine fehlende Größe aus diesem Beitrag nachliefern kann:
(zum Vergrößern klicken)
Donnerstag, März 20, 2008
Neulich auf der Bundesstraße...
BAD FALLINGBOSTEL (dpd) - Aus bisher nicht genannten Gründen geht die Polizeidirektion Soltau davon aus, dass in Bezug auf die diesjährigen Eierlieferungen mit beträchtlichen Behinderungen zu rechnen ist. Obwohl die Identität des Osterhasen bis jetzt nicht zweifelsfrei festgestellt werden konnte, geht Polizeikommissarobermeister Wietprecht davon aus, dass es sich nicht um einen sog. Trittbretthasen handelt.

Mittwoch, März 19, 2008
Neulich beim Tatsachenverdrehen...
Im großen Stil hat die Catholica es immer betrieben, im kleinen Stil wird diese Vorgehensweise jetzt sehr deutlich vom Bistum Regensburg vorgeführt.
Das Bistum Regensburg hat einen wegen Kindesmissbrauchs verurteilten Pfarrer in einer neuen Gemeinde eingesetzt, in welcher er Zugang zu Kindern hatte und sich an diesen - was für ein Wunder! - wiederum verging. Für jeden Ottonormalverbraucher ist es einleuchtend, dass man bzgl. eines solchen "Seelsorgers" äußerst vorsichtig sein sollte, dem Bistum aber scheint jeglicher gesunder Menschenverstand fremd zu sein.
Dafür wird jetzt medial zurückgeschossen, wie man hier lesen kann:
Nach seinem Gewissen mag der Bischof vielleicht noch gehandelt haben, denn in seiner Weltanschauung wird ja mit Kindern recht rüde umgesprungen (sofern sie einmal auf der Welt sind). Jedoch erscheint eine solche Stellungnahme unter der vorliegenden Beweislast mehr als lächerlich.
Ich habe in diesem Artikel bereits darauf hingewiesen, dass das Bistum sehr wohl bescheid wusste und sich gegen die richterliche Empfehlung entschieden hat. Weiters legt auch die aktuelle Strafkammer den Sachverhalt wie folgt dar:
Insofern hoffe ich inständig, dass diese Geschichte Herrn Müller den Bischofssstuhl kosten wird. Denn einen Fehler zu machen ist unglücklich, diesen Fehler trotz Warnungen zu machen ist äußerst leichtsinnig und unglücklich, die Verantwortung dafür aber im Nachhinein von sich zu weisen und der Justiz anzulasten ist imho nur mit Vorsatz und bewusster Desinformation zu erklären.
Das Bistum Regensburg hat einen wegen Kindesmissbrauchs verurteilten Pfarrer in einer neuen Gemeinde eingesetzt, in welcher er Zugang zu Kindern hatte und sich an diesen - was für ein Wunder! - wiederum verging. Für jeden Ottonormalverbraucher ist es einleuchtend, dass man bzgl. eines solchen "Seelsorgers" äußerst vorsichtig sein sollte, dem Bistum aber scheint jeglicher gesunder Menschenverstand fremd zu sein.
Dafür wird jetzt medial zurückgeschossen, wie man hier lesen kann:
Stattdessen habe das Gericht damals erklärt, dass es für den Verurteilten keine Einschränkungen für einen allgemeinen pastoralen Einsatz gebe. Das Bistum Regensburg habe "nach bestem Wissen und Gewissen" gehandelt, erklärte der Bischof.
Nach seinem Gewissen mag der Bischof vielleicht noch gehandelt haben, denn in seiner Weltanschauung wird ja mit Kindern recht rüde umgesprungen (sofern sie einmal auf der Welt sind). Jedoch erscheint eine solche Stellungnahme unter der vorliegenden Beweislast mehr als lächerlich.
Ich habe in diesem Artikel bereits darauf hingewiesen, dass das Bistum sehr wohl bescheid wusste und sich gegen die richterliche Empfehlung entschieden hat. Weiters legt auch die aktuelle Strafkammer den Sachverhalt wie folgt dar:
In seiner Urteilsbegründung hatte der Richter auch das Bistum scharf angegriffen. Die Vorgesetzten hätten gewusst, dass der Pfarrer noch in seiner Bewährungszeit entgegen der gerichtlichen Auflagen bereits wieder in Riekofen tätig gewesen sei. Damit habe man ihn in eine "Versuchungssituation" gebracht. "Es ist so, als stellte die Bank einen wegen Unterschlagung vorbestraften Mann als Kassier ein", erklärte der Richter.
Im Prozess war deutlich geworden, dass das Bistum von Anfang an über die Aktivitäten des Priesters in Riekofen Bescheid wusste. In seiner Personalakte fanden Ermittler sogar Zeitungsausschnitte über seine öffentlichen Auftritte. Eine Kommissarin hatte erklärt, der Pfarrer habe bereits 2001 voll die Seelsorge in Riekofen übernommen und Ministrantenausflüge organisiert. Seine Bewährungsfrist - mit der Auflage, keinesfalls mit Kindern zu arbeiten - dauerte aber bis 2003.
Insofern hoffe ich inständig, dass diese Geschichte Herrn Müller den Bischofssstuhl kosten wird. Denn einen Fehler zu machen ist unglücklich, diesen Fehler trotz Warnungen zu machen ist äußerst leichtsinnig und unglücklich, die Verantwortung dafür aber im Nachhinein von sich zu weisen und der Justiz anzulasten ist imho nur mit Vorsatz und bewusster Desinformation zu erklären.
Donnerstag, März 13, 2008
Neulich beim Cyborg...
Der Mensch verwächst mit der Technik, Mikrochips helfen beim Hören, am optischen "Kanal" wird auch experimentiert, doch erst der Selbstversuch einer US-Amerikanerin aus dem Biblebelt zeigt, was noch alles möglich ist (wie man hier lesen kann):
Die Meldung an sich hört sich ja schon skuril genug an, doch stellen sich mir natürlich ein paar Fragen. Zum Beispiel, wie ein Klo aussieht, an das zwei Jahre lang keine Klobürste herankam oder wie eine Frau aussieht, die sich so lange nicht gewaschen hat oder wo und wie man bei einer solchen Konstellation den WC-Steineinführt anbringt? Obwohl... manche Antworten will man nicht wirklich wissen, oder?
Frau mit Toilette verwachsen
[...]Ihre Muskeln seien bereits verkümmert und ihre Haut mit der Klobrille verwachsen gewesen, dennoch weigerte sich die 35-Jährige vehement ärztliche Hilfe anzunehmen und das stille Örtchen zu verlassen. "Wir brachen den Klositz schließlich mit einem Brecheisen von der Toilette ab und brachten sie dann mit der festgewachsenen Klobrille ins Krankenhaus," sagte Whipple. In einer Klinik in Wichita gelang es Medizinern Frau und Plastik zu trennen.
Die Meldung an sich hört sich ja schon skuril genug an, doch stellen sich mir natürlich ein paar Fragen. Zum Beispiel, wie ein Klo aussieht, an das zwei Jahre lang keine Klobürste herankam oder wie eine Frau aussieht, die sich so lange nicht gewaschen hat oder wo und wie man bei einer solchen Konstellation den WC-Stein
Sonntag, März 09, 2008
Grml... schon wieder ein Ohrwurm...
...der mich, abgesehen von einigen anderen Dingen, vom Wort zum Sonntag abgehalten hat, sry.
Neulich beim Mindestlöhnen...
Wenn man der spiegel-online Eilmeldung Glauben schenken darf, so hat das berliner Verwaltungsgericht beschlossen, dass die von der Regierung beschlossenen Mindestlöhne für Briefzusteller (9,00 Euro (Ost) bis 9,80 Euro (West)) nicht rechtmäßig sind, da "die Regelung ... die Grundrechte der kleineren Zustelldienste [verletze]".
Nun ist das Thema Mindestlohn mindestens so spannend um einen eigenen Blogeintrag zu füllen, jedoch weckte der letzte Absatz des oben verlinkten Artikels meine Aufmerksamkeit, in dem es heißt:
Nun ist das Thema Mindestlohn mindestens so spannend um einen eigenen Blogeintrag zu füllen, jedoch weckte der letzte Absatz des oben verlinkten Artikels meine Aufmerksamkeit, in dem es heißt:
Die Post-Konkurrenten hatten ihre Klage Ende Januar eingereicht. "Es geht hier nicht um Gewinnmaximierung, es geht ums Überleben", hatte der Präsident des Arbeitgeberverbands Neue Brief- und Zustelldienste, Florian Gerster, damals erklärt. Die Post könne wegen ihrer Marktmacht den überhöhten "Monopollohn" leicht auf die Kunden abwälzen, bei der schwächeren Konkurrenz seien hingegen 46.000 neu geschaffene Arbeitsplätze in Gefahr.
Florian Gerster...hm.. das kam mir gleich bekannt vor, klingelte aber nicht sofort, v.a. nicht in Bezug auf Mindestlöhne. Doch wiederum musste ich mich von wikipedia eines Besseren belehren lassen, denn dort heißt es:
Bereits vor seiner Entlassung bekam Gerster aufgrund seiner „Attitüden eines Sonnenkönigs“ (Stern 14/2004) negative Schlagzeilen: Hierzu gehörten der luxuriöse und großzügige Umbau der Vorstandsetage, unangemessene Regelungen in Bezug auf eigene Dienstwagen (Nutzung von drei Dienstwagen) sowie ein offenbar großspuriger und arroganter Umgang mit den Mitarbeitern, z.B. angebliches absolutes Vorrecht der Aufzugsnutzung. Auch wurde moniert, dass Gerster nicht die Dienstwohnung der BA im Villenviertel Erlenstegens bezog, sondern sich in das Hilton Hotel Nürnberg einmietete. Ein weiterer Vorwurf war, dass Gerster sich ein Jahresgehalt von ca. EUR 250.000 zusichern ließ, das in etwa doppelt so hoch war wie die Besoldung Jagodas. Nach seiner Entlassung bezog Gerster immer noch Zahlungen aus seiner Tätigkeit bei der BA. Dies hatte er sich vorher vertraglich entsprechend zusichern lassen.
Somit hat Herr Gerster den von Jagoda definierten Mindestlohn von (geschätzten) 62,50 €/h auf 125 €/h hochgesetzt - und das auf Kosten der Steuerzahler. Wenn es Herrn Gerster vor allem ums Überleben geht, so meint er damit wohl sein eigenes Überleben als Vorsitzender des o.g. Verbandes, der es nicht einmal für nötig hält seine eigene Finanzlage auf der Homepage des Verbandes zu veröffentlichen, aber scheinbar ganz genau weiß, wieviel bzw. -wenig man in .de verdienen kann ohne dabei draufzugehen.
Das Geld, das man besitzt, ist das Instrument der Freiheit; das Geld, dem man nachjagt, ist das Instrument der Knechtschaft.
(Jean-Jacques Rousseau, Philosoph, 1712-1778)
Samstag, März 08, 2008
Neulich im argumentativen Kindergarten...
Die katholische Witzseite titelt (mal wieder) "Fast 5.000 Kindergartengruppen ausgelöscht" und jedem normal denkenden Menschen kommen sofort Bilder einer Grippe- oder Salmonellenepedemie in den Sinn, vielleicht auch ein großangelegter terroristischer Anschlag. Doch weit gefehlt, es geht (mal wieder) um das Lieblingsthema christlicher Gruppen: die Abtreibung bzw. die Position gegen diese. So schreibt kath.net weiter:
Man kann es gar nicht oft genug betonen: das (Pseudo)Argument des "Potentials" hilft in dieser Diskussion überhaupt nicht weiter.
Weiters läuft aber diese ganze Anti-Abtreibungs Agitation nur darauf hinaus, dass man Stimmung gegen Abtreibung (und Abtreibende) machen will sowie den Abtreibenden ein schlechtes Gewissen einzuimpfen. Und dies geschieht z.B. mit dem im Artikel verlinkten Video. Hier werden schöne Bilder von bereits geborenen Kindern mit schöne Musik unterlegt, nach dem Motto: das habt ihr alles vernichtet.
Dabei ist das so nicht richtig: ca. 70% aller Schwangerschaften enden bereits so früh, dass die betroffenen Frauen davon gar nichts mitbekommen - welch irrsinniges "Potential" das die Natur hier ganz ohne menschliches Zutun vernichtet! Ebenso ist etwas, nur weil es menschlich aussieht, noch lange kein Mensch.
Auch wenn das folgende nicht als Beweis oder Beleg herhalten kann, so kenne ich keine Frau, die sich die Entscheidung um eine Abtreibung (egal welcher Konfession sie angehört) leichtgemacht hätte. Ferner kann man davon ausgehen, dass eine Frau, die ohne Zweifel und (wie so oft von christlicher Seite heraufbeschworen) gewissenlos abtreibt, wahrscheinlich auch keine gute Mutter wäre. Nun mag es diese zweifellos geben, wie es auch den einen oder anderen Massenmörder oder Kinderschänder gibt, jedoch ist dies bestimmt nicht (wie ebenfalls ad nauseam von christlicher Seite als Strohmann aufgebaut) die Regel, denn - und das kann man nun schon als Beleg durchgehen lassen - die Menschheit wäre mit dermaßen vielen Rabenmüttern überhaupt nicht so weit gekommen.
Was wir dringend brauchen sind unideologisch geführte Debatten, was uns als Menschheit das Überleben sichern kann und hierzu gehören meiner Meinung nach Stammzellenforschung und eine globale "Bevölkerungsplanung" (also dass wir uns mal ernsthaft fragen, wieviele Menschen dieser Planet überhaupt vertragen kann und wie wir hier gute Lösungen finden können). Sinnfreie Sprüche wie der folgende bringen uns nirgendwohin:
Monika Hoffmann, CDL-Medienbeauftragte der Christdemokraten für das Leben, erklärt: „Es ist schizophren: Die Schaffung neuer Krippenplätze ist in aller Munde. Gleichzeitig belegen die Abtreibungszahlen von 2007, dass die Kinder von fast 5.000 Kindergartengruppen fehlen werden, weil sie vor ihrer Geburt im Mutterleib getötet wurden.“Hier kann man wieder sehr schön erkennen, dass es sich lediglich um die Variation des Arguments des "Potentials" handelt. 130.000 getötete Embryonen haben das "Potential" einmal 5.000 Kindergartengruppen zu füllen. Diese haben auch das Potential 130.000 neue Einsteins zu werden oder 130.000 neue Adolf Hitlers. Weiters haben erwachsene zeugungsfähige Mütter durch Nichtvollzug des Geschlechtsverkehrs (und der daraus resultierenden monatlichen Blutung) das "Potential" von soundsovielen Babys im letzten Jahr verhindert - mich wundert es, dass es noch keine christliche Gruppe gibt, die Geschlechtsverkehr zu den fruchtbaren Tagen vorschreiben will um ja kein "potentielles" Kind zu verpassen.
Die Politik schweige dazu, kritisiert sie. „Und sie bringt jene zum Schweigen, die das Abtreibungsunrecht beim Namen nennen. Von einem wirksamen Lebensschutz, wie er der im Grundgesetz festgeschriebenen unteilbaren Menschenwürde entspricht, kann in Deutschland keine Rede sein.“
Man kann es gar nicht oft genug betonen: das (Pseudo)Argument des "Potentials" hilft in dieser Diskussion überhaupt nicht weiter.
Weiters läuft aber diese ganze Anti-Abtreibungs Agitation nur darauf hinaus, dass man Stimmung gegen Abtreibung (und Abtreibende) machen will sowie den Abtreibenden ein schlechtes Gewissen einzuimpfen. Und dies geschieht z.B. mit dem im Artikel verlinkten Video. Hier werden schöne Bilder von bereits geborenen Kindern mit schöne Musik unterlegt, nach dem Motto: das habt ihr alles vernichtet.
Dabei ist das so nicht richtig: ca. 70% aller Schwangerschaften enden bereits so früh, dass die betroffenen Frauen davon gar nichts mitbekommen - welch irrsinniges "Potential" das die Natur hier ganz ohne menschliches Zutun vernichtet! Ebenso ist etwas, nur weil es menschlich aussieht, noch lange kein Mensch.
Auch wenn das folgende nicht als Beweis oder Beleg herhalten kann, so kenne ich keine Frau, die sich die Entscheidung um eine Abtreibung (egal welcher Konfession sie angehört) leichtgemacht hätte. Ferner kann man davon ausgehen, dass eine Frau, die ohne Zweifel und (wie so oft von christlicher Seite heraufbeschworen) gewissenlos abtreibt, wahrscheinlich auch keine gute Mutter wäre. Nun mag es diese zweifellos geben, wie es auch den einen oder anderen Massenmörder oder Kinderschänder gibt, jedoch ist dies bestimmt nicht (wie ebenfalls ad nauseam von christlicher Seite als Strohmann aufgebaut) die Regel, denn - und das kann man nun schon als Beleg durchgehen lassen - die Menschheit wäre mit dermaßen vielen Rabenmüttern überhaupt nicht so weit gekommen.
Was wir dringend brauchen sind unideologisch geführte Debatten, was uns als Menschheit das Überleben sichern kann und hierzu gehören meiner Meinung nach Stammzellenforschung und eine globale "Bevölkerungsplanung" (also dass wir uns mal ernsthaft fragen, wieviele Menschen dieser Planet überhaupt vertragen kann und wie wir hier gute Lösungen finden können). Sinnfreie Sprüche wie der folgende bringen uns nirgendwohin:
Abtreibung ist ein schlimmerer moralischer Skandal als der sexuelle Mißbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Priester.
(Der australische Erzbischof George Pell beim Weltjugendtag in Toronto, 2002)
Donnerstag, März 06, 2008
Neulich beim Freispruch...
Das Ferkelbuch ist wieder frei!
Weiter auf hpd...
Nun ist es gewissermaßen „amtlich": Auch Kinder dürfen über religiöse Aussagen, die ihnen komisch erscheinen, lachen. Nach einer einstündigen Anhörung von Autor, Illustrator und Verleger hat die Bundesprüfstelle entschieden, dass das religionskritische Kinderbuch „Wo bitte geht's zu Gott? fragte das kleine Ferkel" nicht als jugendgefährdend anzusehen sei. Mit der Entscheidung wurde der Indizierungsantrag des Bundesfamilienministeriums zurückgewiesen, das unterstellt hatte, das Buch sei „geeignet, Kinder und Jugendliche sozial-ethisch zu desorientieren".
Weiter auf hpd...
Mittwoch, März 05, 2008
Neulich bei der Parade...
JLT hat sich die unglaubliche Mühe gemacht und eine Blogparade in ihrem Blog gehosted, an der teilzunehmen ich die unglaubliche Ehre habe.
Viele tolle Links, viele tolle Blogs, aber was rede ich... selber lesen ist doch viel lustiger ;-)
Viele tolle Links, viele tolle Blogs, aber was rede ich... selber lesen ist doch viel lustiger ;-)
Dienstag, März 04, 2008
Neulich bei der Exhumierung...
Ein "kaum verwester" Leichnahm Pater Pios und schon frohlockt der Episkopat. Seltsam, natürlich nur für den Skeptiker, wieso speziell diese "heiligen" Persönlichkeiten immer in einem verschweißten Bleisarg beerdigt werden, der die Verwesungsvorgänge extrem beeinflusst. Seltsam auch, dass speziell Geistliche diese Art von nekrophilen Phantasien entwickeln und sich auch nicht scheuen Leichen und Gebeine in Kirchen auszustellen, anstatt ihnen ihre Ruhe auf einem Gottesacker zu gönnen. Und am allerseltsamsten, dass so gut wie nie ein Wissenschaftler anwesend Meiner Meinung nach ist die (speziell katholische) Leichenfledderei eine echte Scheußlichkeit vor dem Herrn und der Reliquienschwindel sowie die Wallfahrerei zeigt ganz genau den ökonomischen Ansatz, der hinter allem steckt, was die Kirche anfasst.
Es gibt den Menschen guten Willens zu denken, daß eine Organisation, die damit prahlt, die wahre Hochreligion und das Gebot der Nächstenliebe zu vertreten, aus ideologischen wie wirtschaftlichen Gründen so viele Kulturen niedermachte.
(Horst Herrmann)
Sonntag, März 02, 2008
Das Wort zum Sonntag #40
Thema heute:
Darf man Religionen gegenüber Vorurteile haben?
Das ZDF hat sich gestern und heute des Ferkelbuchs angenommen und lässt (das sei positiv vermerkt) Gideon Botsch sagen, dass der Antisemitismusvorwurf nicht haltbar sei. Gegen Ende des Beitrags allerdings meint Botsch, dass das Buch Vorurteile gegen Religionen schüre und die zivilisatorische Funktion nicht berücksichtige.
Nun stellt sich natürlich die Frage ob prinzipielle Vorurteile gegen Weltanschauungen angebracht sind oder nicht. Ist es vernünftig gegen eine Religion, wie z.B. das Judentum, Vorurteile zu haben, wenn man weiß, dass dieses bestimmt kleine Kinder zu beschneiden und deren Schniedel von einem Mohel anschließend abgeschlecken zu lassen? Ist es vernünftig gegen eine Gruppe von Leuten Vorurteile zu haben, die zwar objektiv nur einen Keks, dem Wesen nach aber ihren Gott, jeden Sonntag in einem "heiligen Mahl" zu sich nehmen?
Es ist ein natürliches Verhalten ungewöhnliche, sinnlose oder unlogische Praktiken eher zurückzuweisen, als diese kritiklos anzunehmen. Die Vorurteile gehören genauso zum Menschsein, wie Empathie oder der Fortpflanzungstrieb, weil diese ein besseres Überleben gewährleisteten. Nun war es früher so, dass andere Weltbilder sich nur äußerst langsam verbreiten konnten. Die längste Zeit war man dafür auf Reisende oder Schriften angewiesen, die nur langsam transportiert und - was die Schriften betrifft - in den seltensten Fällen gelesen werden konnten, weil die Analphabetenrate unglaublich hoch war.
Heute allerdings werden wir mit Weltanschauungen nur so bombardiert. Der Besuch des Dalai Lama, des selbsternannten Gottkönigs (lt. eigener Ansicht Herrscher über die ganze Welt!), hier, der Papstbesuch (lt. päpstlicher Vorstellung der Vertreter aller Christen!) da, an anderer Stelle wieder Muslimische Gruppen (deren größte homogene Gruppe weltweit 12 Millionen Mitglieder zählt), die behaupten "Islam" bedeute Frieden (obwohl es in Wirklichkeit "Unterwerfung" bedeutet) usw.usf..
Darf man sich nun das Vorurteil erlauben, dass jede Weltanschauung, mit der man konfrontiert wird zunächst einmal Quatsch oder kompletter Blödsinn ist, bis diese das Gegenteil bewiesen hat? Ich denke wir müssen das sogar und zwar aus mindestens zwei Gründen. Erstens haben wir gar nicht die Zeit uns mit jeder Weltanschauung so intensiv zu beschäftigen, bis wir deren Wahrheitsgehalt bewertet, gar noch deren Riten ausprobiert haben, und zweitens kann man deren "positiven Effekt" auf die Zivilisation nur schwerlich beurteilen, da alle Religionen natürlich nur - wer wollte ihnen die PR verdenken - das Positive heraus, die negativen Seiten aber meist unter den Scheffel stellen.
Deswegen empfiehlt es sich einen kleinen Fragenkatalog zur Hand zu haben, der Weltanschauungen auf ihre Sozialverträglichkeit überprüft. Dabei geht es nicht darum, wie sich eine Weltanschauungsgemeinschaft selbst darstellt oder heute empfindet, sondern ob deren Lehre das Potential enthält gegen den Katalog zu verstoßen. Denn die Geschichte hat gezeigt, dass speziell Religionen wie das Christentum, die heute vorgeben friedlich zu sein, es erst dann waren, als sie keine Macht mehr hatten.
Hier nun die (unvollständige) Weltanschauungscheckliste (uVwg*):
Sieht sich die Weltanschauungsgemeinschaft selbst oder aus ihrer Lehre heraus als irgenwie "auserwählt" oder "höherwertig" gegenüber Nichtmitgliedern an?
Wird in den Lehren der Weltanschauung Gewalt gegen Mensch und Tier (z.B. Opfertiere) gerechtfertigt oder glorifiziert bzw. dieser den Vorzug vor einer gewaltfreien Lösung gegeben?
Werden in den Lehren Gedankenverbrechen geahndet und/oder mit profanen Strafen belegt?
Sind in den Lehren nichtüberprüfbare Drohungen enthalten (z.B. Höllendrohung)?
Sind die Weltanschauungsgemeinschaften und deren Lehren intolerant gegenüber Minderheiten (z.B. Homosexuellen) oder Aussteigern?
Steht die Lehre und/oder Organisation mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung im Widerspruch?
Das praktische an dieser Liste ist, dass bereits "ein Kreuz" genügt, um die Weltanschauung als unethisch zurückzuweisen, egal wieviel oder wenig sie im Lauf der Geschichte für die Menschheit getan hat, wie friedlich ihre Gläubigen heute sind, oder was Leute, die diese Anschauung hatten einmal für die Menschheit herausgefunden haben.
1: um Vervollständigung wird gebeten
Darf man Religionen gegenüber Vorurteile haben?
Das ZDF hat sich gestern und heute des Ferkelbuchs angenommen und lässt (das sei positiv vermerkt) Gideon Botsch sagen, dass der Antisemitismusvorwurf nicht haltbar sei. Gegen Ende des Beitrags allerdings meint Botsch, dass das Buch Vorurteile gegen Religionen schüre und die zivilisatorische Funktion nicht berücksichtige.
Nun stellt sich natürlich die Frage ob prinzipielle Vorurteile gegen Weltanschauungen angebracht sind oder nicht. Ist es vernünftig gegen eine Religion, wie z.B. das Judentum, Vorurteile zu haben, wenn man weiß, dass dieses bestimmt kleine Kinder zu beschneiden und deren Schniedel von einem Mohel anschließend abgeschlecken zu lassen? Ist es vernünftig gegen eine Gruppe von Leuten Vorurteile zu haben, die zwar objektiv nur einen Keks, dem Wesen nach aber ihren Gott, jeden Sonntag in einem "heiligen Mahl" zu sich nehmen?
Es ist ein natürliches Verhalten ungewöhnliche, sinnlose oder unlogische Praktiken eher zurückzuweisen, als diese kritiklos anzunehmen. Die Vorurteile gehören genauso zum Menschsein, wie Empathie oder der Fortpflanzungstrieb, weil diese ein besseres Überleben gewährleisteten. Nun war es früher so, dass andere Weltbilder sich nur äußerst langsam verbreiten konnten. Die längste Zeit war man dafür auf Reisende oder Schriften angewiesen, die nur langsam transportiert und - was die Schriften betrifft - in den seltensten Fällen gelesen werden konnten, weil die Analphabetenrate unglaublich hoch war.
Heute allerdings werden wir mit Weltanschauungen nur so bombardiert. Der Besuch des Dalai Lama, des selbsternannten Gottkönigs (lt. eigener Ansicht Herrscher über die ganze Welt!), hier, der Papstbesuch (lt. päpstlicher Vorstellung der Vertreter aller Christen!) da, an anderer Stelle wieder Muslimische Gruppen (deren größte homogene Gruppe weltweit 12 Millionen Mitglieder zählt), die behaupten "Islam" bedeute Frieden (obwohl es in Wirklichkeit "Unterwerfung" bedeutet) usw.usf..
Darf man sich nun das Vorurteil erlauben, dass jede Weltanschauung, mit der man konfrontiert wird zunächst einmal Quatsch oder kompletter Blödsinn ist, bis diese das Gegenteil bewiesen hat? Ich denke wir müssen das sogar und zwar aus mindestens zwei Gründen. Erstens haben wir gar nicht die Zeit uns mit jeder Weltanschauung so intensiv zu beschäftigen, bis wir deren Wahrheitsgehalt bewertet, gar noch deren Riten ausprobiert haben, und zweitens kann man deren "positiven Effekt" auf die Zivilisation nur schwerlich beurteilen, da alle Religionen natürlich nur - wer wollte ihnen die PR verdenken - das Positive heraus, die negativen Seiten aber meist unter den Scheffel stellen.
Deswegen empfiehlt es sich einen kleinen Fragenkatalog zur Hand zu haben, der Weltanschauungen auf ihre Sozialverträglichkeit überprüft. Dabei geht es nicht darum, wie sich eine Weltanschauungsgemeinschaft selbst darstellt oder heute empfindet, sondern ob deren Lehre das Potential enthält gegen den Katalog zu verstoßen. Denn die Geschichte hat gezeigt, dass speziell Religionen wie das Christentum, die heute vorgeben friedlich zu sein, es erst dann waren, als sie keine Macht mehr hatten.
Hier nun die (unvollständige) Weltanschauungscheckliste (uVwg*):
Sieht sich die Weltanschauungsgemeinschaft selbst oder aus ihrer Lehre heraus als irgenwie "auserwählt" oder "höherwertig" gegenüber Nichtmitgliedern an?
Wird in den Lehren der Weltanschauung Gewalt gegen Mensch und Tier (z.B. Opfertiere) gerechtfertigt oder glorifiziert bzw. dieser den Vorzug vor einer gewaltfreien Lösung gegeben?
Werden in den Lehren Gedankenverbrechen geahndet und/oder mit profanen Strafen belegt?
Sind in den Lehren nichtüberprüfbare Drohungen enthalten (z.B. Höllendrohung)?
Sind die Weltanschauungsgemeinschaften und deren Lehren intolerant gegenüber Minderheiten (z.B. Homosexuellen) oder Aussteigern?
Steht die Lehre und/oder Organisation mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung im Widerspruch?
Das praktische an dieser Liste ist, dass bereits "ein Kreuz" genügt, um die Weltanschauung als unethisch zurückzuweisen, egal wieviel oder wenig sie im Lauf der Geschichte für die Menschheit getan hat, wie friedlich ihre Gläubigen heute sind, oder was Leute, die diese Anschauung hatten einmal für die Menschheit herausgefunden haben.
Eine Religion, wie immer sie auch beschaffen sein möge, wird sich vor der Lächerlichkeit immer durch 'gute Werke' retten.
(Henry de Montherlant, franz. Dichter)
1: um Vervollständigung wird gebeten
Neulich bei der Schwulenhetze...
Die katholische Realsatireseite hat mal wieder die sinnfreie Hetzpropaganda eines österreichischen Politikers, des Generalsekretärs der Partei "Die Christen", Gernot Steiner, abgedruckt. Wenn man sich das so durchliest, sind wirklich alle "christlichen Tugenden" wie Toleranz und Nächstenliebe enthaltenJeder christliche Politiker hat die sittliche Pflicht, sich klar und öffentlich gegen die rechtliche Anerkennung homosexueller Partnerschaften auszusprechen und gegen einen entsprechenden Gesetzesvorschlag zu stimmen.
Einen derartigen Gesetzesvorschlag zu unterstützen, ist schwerwiegend unsittlich und ein Verstoß gegen die Pflicht, für die Wahrheit Zeugnis zu geben. Das Gemeinwohl verlangt, die eheliche Gemeinschaft von Mann und Frau als Fundament der Familie, der Grundzelle der Gesellschaft, anzuerkennen, zu fördern und zu schützen.
Die rechtliche Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften oder deren Gleichsetzung mit der Ehe bedeutet, ein abwegiges Verhalten zu billigen und zu einem Modell in der gegenwärtigen Gesellschaft zu machen.
Für mich ist es immer wieder faszinierend zu sehen, wie viele Sorgen sich Christen darum machen was in anderer Leute Betten geschieht. Evtl. liegt das ja daran, dass im eigenen tote Hose herrscht. Es ist für den Lauf der Welt sowas von belanglos, ob es Leute gerne von hinten oder von vorn, ob anal, vaginal oder oral, ob nur Frauen, nur Männer oder eine gute Mischung daraus miteinander Sex haben. Btw, wäre es ein gutes Mittel die Streitereien auf dieser Welt zu beenden, wenn nur mal mehr Menschen miteinander ins Bett gehen würden, anstatt sich gegenseitig niederzuschießen oder in die Luft zu sprengen.
Dem nicht genug, ist diese Christen-Partei natürlich auch gegen all die üblichen Geschichten die aus diesem Lager kommen. Sie sind gegen Abtreibung und Sterbehilfe, wollen die Bestrafung der Blasphemie wieder einführen undsoweiterundsofort. Aber was will man auch von den Menschen anderes erwarten, die sich in ihrem Privatleben freiwillig einem willkürlichen Despoten unterwerfen und dieses Lebensmodell auch noch für andere propagieren.
Am 9. März kann man die Jungs wohl das erste mal in Niederösterreich wählen, doch ich hoffe, dass die Niederösterreicher sich den modifizierten Dopingspruch zu Herzen nehmen:
Keine Macht den Doofen!
Freitag, Februar 29, 2008
Neulich beim Frühstück...
Was macht man, wenn man am Frühstückstisch von seinem Tischnachbarn folgendes hört?
Allmächtige Butterdose!
ich komme mit dem heiligen Verlangen, das hohe Geheimnis des Leibes und Blutes deines Inhalts zu empfangen, um Dir dadurch alle mögliche Ehre und Anbetung zu erzeigen. Ich weiß keine bessere Weise, Dir nach Schuldigkeit meine Liebe und mein Lob darzubringen, als daß ich durch den Empfang dieses heiligen Frühstücksbrötchens alle meine Versäumnisse in deinem Dienste bestens ersetze. Dein Inhalt lobt und liebt Dich auf eine unendliche Weise: wenn ich Ihn daher in meinem Herz aufnehme, so wird Er durch seine Gegenwart Eins mit mir, und so wird Er Dich an meiner Statt lieben, loben und dein göttliches Wohlgefallen mir erwerben. Ich will auch den Marmeladengläschen dadurch zu Hilfe kommen, damit sie von ihrer Pein befreit , Dich am Frühstückstisch für mich loben und deine Barmherzigkeit mir erlangen. Weil Du auch dein höchstes Wohlgefallen an diesem Werke hast, und von mir verlangst, daß ich es mit möglichster Andacht verrichte, so werfe ich mich Vor deiner Majestät mit der Bitte nieder, Du wollest mir um deiner eigenen Ehre willen verleihen, daß ich nun deinen Inhalt würdig empfange. Ich bekenne, o Butterdose! daß ich dieser Gnade gänzlich unwürdig bin, deinen lieben Inhalt in mein Herz aufzunehmen. Sieh’, o Butterdose! ich habe mich freiwillig der Sünde hingegeben. Ich bereue es zwar von ganzer Seele, allein alle meine Reue vermag das Geschehene nicht ungeschehen zu machen oder die Schuld von meiner Seele hinweg zu nehmen. Darum nehme ich meine Zuflucht zum Blute und zu den Verdiensten deines Inhalts, daß sie meine Unwürdigkeit bedecken mögen. Seine gute Streichfähigkeit und sein blutiger Schweiß mögen meine Seele von ihren Makeln reinigen, sein kostbares Blut möge meine Versäumnisse gut machen und seine Musterung und seine hl. Cremigkeit mögen mich zu diesem Genusse würdig machen. Blicke, o himmlische Butterdose! um seinetwillen versöhnt auf mich unwürdiges Geschöpf; nimm alles von mir, was den Segen dieses heiligen Mahls in mir schwächen oder verhindern könnte; und laß mich in deiner Gnade dieses hl. Frühstücks empfangen.
Amen.
- ignorieren
- tolerieren
- mitbeten
- ein Schisma beginnen und die Kaffeetasse anbeten
- psychiatrische Hilfe empfehlen
Donnerstag, Februar 28, 2008
Neulich beim Zumwinkeln...
Anscheinend hat die neo-liberale Redaktion von spiegel-online mal wieder die Abstimmung gewonnen, denn so haben diese ein Interview mit dem Linzer Wirtschaftsprofessor Schneider veröffentlicht, in welchem dieser behauptet "Normalbürger hinterziehen mehr Steuern als Reiche". Er lässt sich dabei über Schwarzarbeit aus und dass etwa dreiviertel aller Deutschen Steuerhinterziehung als Volkssport verstünden.
Doch was mich wirklich wundert ist, dass der gute Professor nicht den Finger mal in die Wunde legt, in der es wirklich weh tut. Bis vor dem zweiten Weltkrieg wurde die breite Masse so gut wie gar nicht besteuert. Steuern wurden i.d.R. nur dann erhoben, wenn es einen Krieg zu finanzieren galt. Mittlerweile sind die Hauptträger der Steuerlast die geringen und mittleren Einkommen. Und bzgl. Schwarzarbeit ist es ja wohl so, dass es sich hierbei um einen Schwarzmarkt handelt. Schwarzmärkte - und auch das sollte der Professor wissen - bilden sich ganz selbstverständlich dort, wo der normale Markt nicht mehr funktioniert. Und sieht man das Steuersystem als "Markt" an, so ist hier einiges im Argen.
Im krankhaften Wahn alles irgendwie steuern und regulieren zu müssen wird der Preis des Treibstoffs verdreifacht, der der Zigaretten vervierfacht. Die meisten Waren sind fast 20% teurer als nötig und ein Angestellter verliert (Krankenversicherung und den ganzen anderen Quatsch reingerechnet) schon fast 50% des Gehalts bis es auf seinem Konto ist. Zum Ausgleich jammern die Eliten, wie schlecht es uns doch allen geht, die Unternehmen stimmen mit ein und jammern über die hohen Kosten für deutsche Wertarbeit, und dass man doch ganz dringend bis 67 Jahren arbeiten muss, sonst ist Polen Deutschland in Not.
Doch im Großen und Ganzen basiert das dt. Steuermodell auf dem Grundsatz: warum einfach, wenn es auch kompliziert geht. Es gibt die Ausnahme, der Ausnahme, der Ausnahme. Je mehr man verdient, desto größer ist die Chance eines der tollen Steuersparmodelle nutzen zu können und je bekannter man ist, desto weniger wird man wegen eines solchen Vergehens hinter schwedische Gardinen gesetzt.
Was wir drigend brauchen sind nicht noch ausgefeiltere Steuern oder noch mehr Kontrolle, sondern mehr Vereinfachung, mehr Gerechtigkeit und mehr Transparenz. Wenn jemand 1.000 Euro verdient und davon 100 € abführen muss, dann sollte man ja wohl erwarten, dass ein Konzern wie Daimler-Chrysler des gleichen tut:
Des weiteren sollte der Staat und seine Bediensteten sich endlich mal als Diener des Volkes verstehen, das sie gewählt hat und mit den Resourcen eben dieses Volkes möglichst schonend umgehen. Das Schwarzbuch des Bunds der Steuerzahler zeigt aber, dass dem nicht wirklich so ist. Wieviel dann hinter verschlossenen Türen noch gemauschelt, geschoben und gedrückt wird, wieviele Lobbyisten in Berlin reinmeiern um das eine oder andere rauszuholen, lässt sich meist nur erahnen und die wenigen publik gewordenen Fälle stellen imho nur die Spitze des Eisbergs dar.
Solange die "Vorbilder" und Eliten wie Zumwinkel, Ackermann & Co. das Bescheißen im großen Stil vormachen (und damit meist noch durchkommen!), muss man sich nicht wundern, wenn der Normal-Sterbliche dies im kleinen Stil und mit seinen bescheidenen Mitteln nachmacht. Nicht eine höhere Bestrafung oder mehr Kontrolle führt zu mehr Steuerehrlichkeit, sondern das Ausnutzen des egoistischen Prinzips in uns allen. Wir sind von Natur aus zwar soziale Wesen, aber bei weitem keine Altruisten. Somit könnte ein möglicher Ausweg sein, freiwillige Steuerehrlichkeit aus der Sicht des Individuums lukrativer zu gestalten als Steuerunehrlichkeit. Steuerunehrlichkeit ist spieltheoretisch gesehen eine stabile Strategie und kann (wie z.B. das Doping) nur über 100%ige Kontrollen in Verbindung mit brachialen Strafen verhindert werden, was aber imho der falsche Ansatz ist. Der Bürger müsste von sich aus gerne Steuern zahlen wollen, anstatt dies aus Angst vor Strafe zu tun, denn Strafe halte ich aus einer ethischen Sicht für äußerst fragwürdig.
Doch was mich wirklich wundert ist, dass der gute Professor nicht den Finger mal in die Wunde legt, in der es wirklich weh tut. Bis vor dem zweiten Weltkrieg wurde die breite Masse so gut wie gar nicht besteuert. Steuern wurden i.d.R. nur dann erhoben, wenn es einen Krieg zu finanzieren galt. Mittlerweile sind die Hauptträger der Steuerlast die geringen und mittleren Einkommen. Und bzgl. Schwarzarbeit ist es ja wohl so, dass es sich hierbei um einen Schwarzmarkt handelt. Schwarzmärkte - und auch das sollte der Professor wissen - bilden sich ganz selbstverständlich dort, wo der normale Markt nicht mehr funktioniert. Und sieht man das Steuersystem als "Markt" an, so ist hier einiges im Argen.
Im krankhaften Wahn alles irgendwie steuern und regulieren zu müssen wird der Preis des Treibstoffs verdreifacht, der der Zigaretten vervierfacht. Die meisten Waren sind fast 20% teurer als nötig und ein Angestellter verliert (Krankenversicherung und den ganzen anderen Quatsch reingerechnet) schon fast 50% des Gehalts bis es auf seinem Konto ist. Zum Ausgleich jammern die Eliten, wie schlecht es uns doch allen geht, die Unternehmen stimmen mit ein und jammern über die hohen Kosten für deutsche Wertarbeit, und dass man doch ganz dringend bis 67 Jahren arbeiten muss, sonst ist Polen Deutschland in Not.
Doch im Großen und Ganzen basiert das dt. Steuermodell auf dem Grundsatz: warum einfach, wenn es auch kompliziert geht. Es gibt die Ausnahme, der Ausnahme, der Ausnahme. Je mehr man verdient, desto größer ist die Chance eines der tollen Steuersparmodelle nutzen zu können und je bekannter man ist, desto weniger wird man wegen eines solchen Vergehens hinter schwedische Gardinen gesetzt.
Was wir drigend brauchen sind nicht noch ausgefeiltere Steuern oder noch mehr Kontrolle, sondern mehr Vereinfachung, mehr Gerechtigkeit und mehr Transparenz. Wenn jemand 1.000 Euro verdient und davon 100 € abführen muss, dann sollte man ja wohl erwarten, dass ein Konzern wie Daimler-Chrysler des gleichen tut:
.....als zweiter Extremfall, bezahlte [Anm.: Daimler-Chrysler] von 1997 bis 2002 auf sein (in der Handelsbilanz ausgewiesenes) Weltergebnis durchschnittlich 9 Prozent Steuern: ein wahrhaft steueroptimierter Konzern.
Des weiteren sollte der Staat und seine Bediensteten sich endlich mal als Diener des Volkes verstehen, das sie gewählt hat und mit den Resourcen eben dieses Volkes möglichst schonend umgehen. Das Schwarzbuch des Bunds der Steuerzahler zeigt aber, dass dem nicht wirklich so ist. Wieviel dann hinter verschlossenen Türen noch gemauschelt, geschoben und gedrückt wird, wieviele Lobbyisten in Berlin reinmeiern um das eine oder andere rauszuholen, lässt sich meist nur erahnen und die wenigen publik gewordenen Fälle stellen imho nur die Spitze des Eisbergs dar.
Solange die "Vorbilder" und Eliten wie Zumwinkel, Ackermann & Co. das Bescheißen im großen Stil vormachen (und damit meist noch durchkommen!), muss man sich nicht wundern, wenn der Normal-Sterbliche dies im kleinen Stil und mit seinen bescheidenen Mitteln nachmacht. Nicht eine höhere Bestrafung oder mehr Kontrolle führt zu mehr Steuerehrlichkeit, sondern das Ausnutzen des egoistischen Prinzips in uns allen. Wir sind von Natur aus zwar soziale Wesen, aber bei weitem keine Altruisten. Somit könnte ein möglicher Ausweg sein, freiwillige Steuerehrlichkeit aus der Sicht des Individuums lukrativer zu gestalten als Steuerunehrlichkeit. Steuerunehrlichkeit ist spieltheoretisch gesehen eine stabile Strategie und kann (wie z.B. das Doping) nur über 100%ige Kontrollen in Verbindung mit brachialen Strafen verhindert werden, was aber imho der falsche Ansatz ist. Der Bürger müsste von sich aus gerne Steuern zahlen wollen, anstatt dies aus Angst vor Strafe zu tun, denn Strafe halte ich aus einer ethischen Sicht für äußerst fragwürdig.
Der Satz des Pythagoras umfaßt 24 Worte, das Archimedische Prinzip 67, die Zehn Gebote 179, die amerikanische Unabhängigkeitserklärung 300 - und allein Paragraph 19a des deutschen Einkommensteuergesetzes 1862 Worte.
(Erwin Huber)
Montag, Februar 25, 2008
Neulich in Berlin...
Gerüchten zu Folge soll das Ministerium Vonderleyens bei erfolgreicher Indizierung des Ferkelbuchs in
"Bundesministerium für alle, außer ledige Männer mittleren Alters"
erfolgen.
Aber wie gesagt, das ist nur ein Gerücht...
Samstag, Februar 23, 2008
Das Wort zum Sonntag #39
Thema heute:
Der göttliche Diktator
Wer hat noch nicht davon gehört, von all den Diktaturen, die sich im Laufe der Menschheitsgeschichte etabliert haben und (zum großen Teil) auch wieder zerfallen sind: das 3. Reich, der Stalinismus, die Franco-Diktatur, die Pinochet-Diktatur oder, aktuell noch bestehend, der angeblich in seinem Sohn reinkarnierte Kim Il-Sung in Nordkorea.
All diese Regime kennzeichnet eine extreme Verfolgung andersdenkender. Andersdenken ist nicht erwünscht, stellte dies doch die Autorität und Entscheidungen des Diktators in Frage. Wird der Diktator in Frage gestellt, so ergeben sich ganz natürlich berechtigte Zweifel an dessen Führerschaft. Insofern leisten sich solche Diktaturen i.d.R. einen Ausgedehnten Überwachungsapparat, der jeglichen Protest möglichst im Keim zu ersticken sucht, wie man dies von der GESTAPO bei den Nazis oder der STASI in der DDR kennt.
Die nächste Qualität dieser Präventivmaßnahme stellte George Orwell in "1984" vor. Nicht ein sich formierender Widerstand wird zerschlagen, sondern man packt das Übel an der Wurzel und bekämpft bereits die Gedanken an einen solchen. Das Ausmerzen der "Gedankenverbrechen" als ultimativen Erstschlag gegen jegliches Abweichen von der Norm, jegliches ausscheren aus dem völkischen Verband. Und man kann sicher sein, wenn solche Möglichkeiten in einer der o.g. Diktaturen existiert hätten, sie wären angewendet worden.
Doch ist diese Idee nicht wirklich neu, steht doch schon in Mt 5,28
Jetzt kann ich natürlich nur von mir sprechen, aber ich vermute auch der Großteil meiner Leser wird sich nicht wünschen in einem STASI-Staat leben zu müssen, schon gar nicht, wenn der oberste Staatssicherheitsbeamte eine direkte Verbindung zum Gehirn des Betroffenen hat und lächerliche Gedanken wie "ich finde meinen Nachbarn geil" (Frauen und Gays sind schließlich gleichermaßen betroffen!) sanktioniert.
Die bei weitem spannendere Frage ist jedoch, wieso so viele Menschen sich dieser göttlichen Diktatur unterwerfen wollen. Und auch hier zeigen sich ganz offenkundig dieselben Parallelen wie bei menschgemachten Diktaturen. In Japan wurde Hiro Hito als Gottkaiser verehrt, doch anstatt dass seine Bevölkerung ihn nach dem verlorenen Krieg zum Teufel gejagt hätte (Götter die Kriege verlieren gehen meist unter), war die "Liebe", oder wahrscheinlich besser Hörigkeit, seiner Untertanen so groß, dass die US-Streitkräfte nicht wagten ihn vor ein Kriegsgericht zu stellen. In Nordkorea war es wirklich ein Tag der Trauer, als der Vater des durchgeknallten Sohnemanns Kim Jong-Il (überraschend) starb. Das nordkoreanische Volk heuchelte nicht Trauer, es trauerte wirklich, weil das Subjekt seiner "Liebe" (bzw. Hörigkeit) verschieden war.
Gleiches ist in Religionen zu beobachten, wo trotz Naturkatastrophen, Krankheiten und natürlichem Kindstod ständig behauptet wird, dass dieser ewige Überwacher einen doch zutiefst lieb habe, dass der Gläubige seiner Liebe bedarf (mehr als seines Verstandes offensichtlich). Alles Leid wird dann irgendwie zum Zeichen seiner allumfassenden Liebe umgemünzt. Nur mit diesem theologischen Doppeldenk kann man sich überhaupt vorstellen, dass sich jemand wünscht unter einer unsichtbaren Überwachungskamera bzw. göttlichen Käseglocke zu leben.
Doch letztendlich stellen sich als Nutznießer dieser Vollzeitüberwachung auch wieder die irdischen Vertreter der himmlischen Mächte heraus. Hat doch z.B. die Catholica - wie praktisch - die Beichte erfunden, mit der jegliche Art von Verbrechen dem Priester mitgeteilt werden können (und die von diesem dann wiederum zur Stärkung seiner Position verwendet werden können, denn Wissen ist schließlich Macht). Doch auch ohne dieses Instrument beschert der geglaubte Big Brother eine Gemeinschaft von Gewissensbisslern, von furchtsamen Sündern, von obrigkeitshörigen Duckmäusern, kurz, eine Haltung, die sich mit Humanismus oder dem aufgeklärten Menschen nicht vereinbaren lässt und in der Konsequez einer göttlichen Unterwerfung, die Unterwerfung unter irdische Machthaber nicht nur plausibel, sondern auch höchst wahrscheinlich macht.
Der göttliche Diktator
Wer hat noch nicht davon gehört, von all den Diktaturen, die sich im Laufe der Menschheitsgeschichte etabliert haben und (zum großen Teil) auch wieder zerfallen sind: das 3. Reich, der Stalinismus, die Franco-Diktatur, die Pinochet-Diktatur oder, aktuell noch bestehend, der angeblich in seinem Sohn reinkarnierte Kim Il-Sung in Nordkorea.All diese Regime kennzeichnet eine extreme Verfolgung andersdenkender. Andersdenken ist nicht erwünscht, stellte dies doch die Autorität und Entscheidungen des Diktators in Frage. Wird der Diktator in Frage gestellt, so ergeben sich ganz natürlich berechtigte Zweifel an dessen Führerschaft. Insofern leisten sich solche Diktaturen i.d.R. einen Ausgedehnten Überwachungsapparat, der jeglichen Protest möglichst im Keim zu ersticken sucht, wie man dies von der GESTAPO bei den Nazis oder der STASI in der DDR kennt.
Die nächste Qualität dieser Präventivmaßnahme stellte George Orwell in "1984" vor. Nicht ein sich formierender Widerstand wird zerschlagen, sondern man packt das Übel an der Wurzel und bekämpft bereits die Gedanken an einen solchen. Das Ausmerzen der "Gedankenverbrechen" als ultimativen Erstschlag gegen jegliches Abweichen von der Norm, jegliches ausscheren aus dem völkischen Verband. Und man kann sicher sein, wenn solche Möglichkeiten in einer der o.g. Diktaturen existiert hätten, sie wären angewendet worden.
Doch ist diese Idee nicht wirklich neu, steht doch schon in Mt 5,28
Ich aber sage euch: Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen.Nachdem es lt. Bibel bereits Sünde ist, gedanklich etwas durchzuspielen, z.B. das Haus seines nächsten gedanklich zu begehren, wie es in den 10 Geboten steht oder die Frau, wie es JC exlizit herausstellt, bestraft Gott offensichtlich eben diese Art von Gedankenverbrechen. Somit unterwirft sich der Gläubige einer 24/7/365, also eines ganzjährlichen Screenings seiner Gedanken 24 Stunden am Tag. All dies wird natürlich feinsäuberlich notiert und einem dann beim jüngsten Gericht unter die Nase gehalten, was in etwa so aussehen könnte: "Mit 12 Jahren: Lehrerin lüstern angeschaut - Ab in die Hölle!". Denn interessanterweise stürzen sich speziell Religionen auf Ge- und Verbote, die von den Betroffenen kaum oder nur unter größter Anstrengung einzuhalten sind, d.h. die Verfehlung ist in der Anlage des Gebots schon vorprogrammiert (speziell die auf Sexualität abzielenden Restriktionen sind so ein Fall).
Jetzt kann ich natürlich nur von mir sprechen, aber ich vermute auch der Großteil meiner Leser wird sich nicht wünschen in einem STASI-Staat leben zu müssen, schon gar nicht, wenn der oberste Staatssicherheitsbeamte eine direkte Verbindung zum Gehirn des Betroffenen hat und lächerliche Gedanken wie "ich finde meinen Nachbarn geil" (Frauen und Gays sind schließlich gleichermaßen betroffen!) sanktioniert.
Die bei weitem spannendere Frage ist jedoch, wieso so viele Menschen sich dieser göttlichen Diktatur unterwerfen wollen. Und auch hier zeigen sich ganz offenkundig dieselben Parallelen wie bei menschgemachten Diktaturen. In Japan wurde Hiro Hito als Gottkaiser verehrt, doch anstatt dass seine Bevölkerung ihn nach dem verlorenen Krieg zum Teufel gejagt hätte (Götter die Kriege verlieren gehen meist unter), war die "Liebe", oder wahrscheinlich besser Hörigkeit, seiner Untertanen so groß, dass die US-Streitkräfte nicht wagten ihn vor ein Kriegsgericht zu stellen. In Nordkorea war es wirklich ein Tag der Trauer, als der Vater des durchgeknallten Sohnemanns Kim Jong-Il (überraschend) starb. Das nordkoreanische Volk heuchelte nicht Trauer, es trauerte wirklich, weil das Subjekt seiner "Liebe" (bzw. Hörigkeit) verschieden war.
Gleiches ist in Religionen zu beobachten, wo trotz Naturkatastrophen, Krankheiten und natürlichem Kindstod ständig behauptet wird, dass dieser ewige Überwacher einen doch zutiefst lieb habe, dass der Gläubige seiner Liebe bedarf (mehr als seines Verstandes offensichtlich). Alles Leid wird dann irgendwie zum Zeichen seiner allumfassenden Liebe umgemünzt. Nur mit diesem theologischen Doppeldenk kann man sich überhaupt vorstellen, dass sich jemand wünscht unter einer unsichtbaren Überwachungskamera bzw. göttlichen Käseglocke zu leben.
Doch letztendlich stellen sich als Nutznießer dieser Vollzeitüberwachung auch wieder die irdischen Vertreter der himmlischen Mächte heraus. Hat doch z.B. die Catholica - wie praktisch - die Beichte erfunden, mit der jegliche Art von Verbrechen dem Priester mitgeteilt werden können (und die von diesem dann wiederum zur Stärkung seiner Position verwendet werden können, denn Wissen ist schließlich Macht). Doch auch ohne dieses Instrument beschert der geglaubte Big Brother eine Gemeinschaft von Gewissensbisslern, von furchtsamen Sündern, von obrigkeitshörigen Duckmäusern, kurz, eine Haltung, die sich mit Humanismus oder dem aufgeklärten Menschen nicht vereinbaren lässt und in der Konsequez einer göttlichen Unterwerfung, die Unterwerfung unter irdische Machthaber nicht nur plausibel, sondern auch höchst wahrscheinlich macht.
Gott ist das einzige Wesen, das, um zu herrschen, nicht selbst zu existieren braucht. (Charles Baudelaire)
Sonntag, Februar 17, 2008
Das Wort zum Sonntag #38
Thema heute:Warum sind Wissenschaft und Religion unvereinbar?
Man stelle sich einmal folgendes vor:
Auf einem Kongress der Astrophysiker wird die Delegation der Astrologen eingeladen um den Zusammenhang zwischen Tierkreiszeichen und Aszendent auf die Persönlichkeitsentwicklung darzustellen.
Oder folgendes:
Auf einem Geologenkongress werden Wünschelrutengänger gehört, die den Zusammenhang zwischen Bewegung der Rute und Erdstrahlen darlegen.
Oder dies:
Auf einem Gynäkologenkongress wird die vatikanische Delegation mit Spannung erwartet, die deren neueste Erkenntnisse zur Jungfrauengeburt veröffentlichen wird.
Wieso wohl haben wir eine solche Meldung noch nie vernommen? Glaube und Vernunft sind zwei Spieler, die nicht in derselben Liga spielen. Können wir mit der heutigen Erkenntnis noch "glauben", dass sich die Sonne um die Erde dreht? Vermutlich nicht. Wohl aber können einige Leute "glauben", dass es (trotz 250 kg Mondgestein hier auf der Erde!) die Amerikaner nie zum Mond geschafft haben. Kann ein Richter noch an die Schuld des Angeklagten "glauben", wenn für dessen Unschuld klare Beweise vorliegen?
Das menschliche Gehirn hat offensichtlich die Kapazität auch sich gegenseitig widersprechende Systeme zu kombinieren. So gibt es Wissenschaftler, die tagsüber die strengen Kriterien wissenschaftlicher Überprüfbarkeit anwenden, aber am Sonntag sich aus einem Buch vorlesen lassen, das diesen Kriterien nicht standhält. So gibt es Ärzte, die jeden Tag Babys auf die Welt zu bringen helfen, aber in einer seltsamen Zeremonie ein Plätzchen zu sich nehmen, das angeblich der Leib des Herrn ist, der von einer Jungfrau geboren wurde die danach noch "intakt" war.
Dass dies aber kein Dauerzustand ist, zeigen zwei Phänomene. Erstens sind intellektuelle Eliten (speziell was Wissenschaftler betrifft) weniger religiös als der Durchschnitt der Bevölkerung und zweitens - und das finde ich die fast bemerkenswertere Entwicklung - findet man alle Nase lang religiöse Gruppen, die ihre Glaubensvorstellungen mit der aktuellen Wissenschaft in Einklang bringen möchten.
So wird z.B. seitens der Kreationisten (intelligent Design - ID - ist nur eine pseudowissenschaftliche Variante davon) ständig versucht die Evolutionstheorie zu widerlegen, da nur eine Widerlegung wieder Platz für ein Schöpfungsmärchen ließe. So werden auf muslimischer Seite Koranverse wieder und wieder exegetisch behandelt, bis man herauslesen kann, dass Mohammed, ein epilieptischer, legasthenischer und evtl. pädophil veranlagter Viehirte aus dem Frühmittelalter, das Handy oder den Computer vorhergesagt hat. Man versucht Gott im Quant zu finden und verlegt dessen Schöpfungsakt vor den Urknall usw.usf.
D.h wir haben neben dem Bedürfnis für Spiritualität und Sicherheit in einem unglaublichen und lebensfeindlichem Universum auch ein hohes Bedürfnis an intellektuelle Redlichkeit. Nur lässt sich irgendein Blumentopf gewinnen, wenn man irgendeinen Schöpfungsmythos als gleichberechtigt neben die Evolutionstheorie stellt? Gewinnen wir im Bereich der Astrophysik eine neue Erkenntnis, wenn man als Auslöser des Urknalls Fitzliputzli annimmt? Ich denke nicht!
Insofern ist für mich die einzige Beteiligung von Glaubensgemeinschaften am wissenschaftlichen Diskurs dann gegeben, wenn sie sich wissenschafltichen Kriterien (v.a. der Falsifikation) stellen. Gerade dies würde aber - wie man z.B. an der kritischen Bibelforschung erkennen kann - einige unliebsame Wahrheiten zu Tage fördern, die doch den einen oder anderen Kleriker um Lohn und Brot brächten. Aus diesen Gründen haben meines Erachtens Religionen in der Wissenschaft so viel bzw. wenig zu suchen, wie ein Haar in der Suppe oder Sand im Getriebe.
Die Wissenschaft, richtig verstanden, heilt den Menschen von seinem Stolz;
denn sie zeigt ihm seine Grenzen.
(Albert Schweitzer)
Religionen haben - trotz anderer Behauptungen - den gegenteiligen Effekt...
Samstag, Februar 16, 2008
Die Frage zum Samstag...
Warum wurde der Katholik Joseph Goebbels exkommuniziert?
a) Wegen seiner Beteiligung an einem der brutalsten faschistischen Regime des 20. Jh.?
b) Wegen seiner antisemitischen Hetztiraden?
c) Weil er eine Protestantin geheiratet hat?
a) Wegen seiner Beteiligung an einem der brutalsten faschistischen Regime des 20. Jh.?
b) Wegen seiner antisemitischen Hetztiraden?
c) Weil er eine Protestantin geheiratet hat?
Donnerstag, Februar 14, 2008
Neulich am Valendonnerstag...
Der Valentinstag geht (entgegen anderslautenden wikipedia-Aussagen) auf das römische Fest zu Ehren der Göttin Juno zurück (welches - Wunder, oh Wunder - am 14. Februar gefeiert wurde), die Beschützerin der Ehe und Familie. Wie (fast) alle heidnischen Feste, so wurde auch dieses vom Christentum vereinnahmt, der Legende nach der Märtyrer Bischof Valentin von Terni, der angeblich die Liebenden mit Blumen beschenkt haben soll, hinzugedichtet und fertig war die Laube.
Nachdem ich meine kleine aber feine Leserschar auch in gewisser Weise als "Familie" betrachte, an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für die treue und stete Wiederkehr.
Nachdem ich meine kleine aber feine Leserschar auch in gewisser Weise als "Familie" betrachte, an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für die treue und stete Wiederkehr.
Dienstag, Februar 12, 2008
Neulich beim Bilderraten...
Was zeigt dieses Bild?
a) einen missmutigen Rabbi im "Stürmer-Stil"
b) einen Fisch, der nach oben in einen Zylinder schwimmen will
Wer sich eine fundierte Auseinandersetzung mit dem Stürmer-Vorwurf bzgl. des Ferkelbuchs durchlesen will, der klicke hier.
a) einen missmutigen Rabbi im "Stürmer-Stil"b) einen Fisch, der nach oben in einen Zylinder schwimmen will
Wer sich eine fundierte Auseinandersetzung mit dem Stürmer-Vorwurf bzgl. des Ferkelbuchs durchlesen will, der klicke hier.
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Sonntag, Februar 10, 2008
Neulich beim Sammeln...
JLT hat sich die Arbeit gemacht und eine kleine Sammlung "atheistischer" (besser wäre vielleicht "vernünftiger" oder "kritischer") Blogs gesammelt. Meine Wenigkeit hat die unglaubliche Ehre auch in dieser Liste aufzutauchen, deswegen an diese Stelle schon mal ein herzliches Dankeschön ;-)
Das Wort zum Sonntag #37
Thema heute:
Die Auferstehung Jesu - eine glaubwürdige Geschichte?
Karlheinz Deschner schreibt dazu in "Der gefälschte Glaube":
"Nirgends aber und nicht zufällig sind die Widersprüche so häufig wie ausgerechnet beim größten Wunder des Christentums, bei der Auferstehung.
Beginnen wir mit der Kette von Ungereimtheiten. Bei Markus kaufen die frommen Frauen die Salben für Jesu Leichnam am Tag nach dem Sabbat, bei Lukas am Tag vorher. Bei Markus gehen drei Frauen ans Grab, bei Matthäus bloß zwei (eine Abweichung die vermutlich von der Auferstehungsgeschichte des Osiris herrührt, bei der nach der einen Fassung drei Personen ans Grab kommen, wie später bei Markus, nach der anderen Fassung aber nur zwei Frauen, wie später bei Matthäus; und auch in der Osiris-Auferstehungslegende bringen die Frauen, wie in der Bibel, Balsam). Hat doch noch das Schwanken der evangelischen Auferstehungsberichte zwischen dem dritten Tag und dem vierten - nach drei Tagen! - seine Ursache offenbar darin, dass man die Auferstehung des Osiris am dritten, die des Attis am vierten Tag nach seinem Tod beging. Markus schreibt von den Frauen und ihrer Entdeckung des leeren Grabes: "Sie sagten niemandem etwas davon." Bei Matthäus aber eilen die Frauen schnurstracks davon, um "seinen Jüngern die Botschaft zu bringen", die sie bei Lukas auch "allen übrigen" melden.
Ein Wunder für sich ist in der Auferstehungserzählung der Engel. Die Frauen treffen ihn bei Markus im Grab, bei Matthäus vor dem Grab auf dem weggewälzten Stein. Bei Lukas ist der Engel zunächst weder vor dem Grab noch darin, doch kommen dafür gleich zwei Engel. Sie stehen plötzlich neben den Frauen. Auch im vierten Evangelium sind es zwei Engel, allerdings sitzen diese bereits wartend im Grab. Der Auferstandene erscheint im Markus- und Johannesevangelium zuerst Maria Magdalena, bei Matthäus zuerst beiden Marien zugleich, bei Lukas zeigt er sich zuerst den beiden Emmausjüngern. Der Schauplatz der Erscheinungen aber war laut Markus und Matthäus in Galiläa, laut Lukas in Jerusalem."
Wie man es dreht und wendet, selbst die zentrale Botschaft des Christentums rund um das Auferstehungsgedöhns entpuppt sich bei genauer Betrachtung als fromme Legende. Auch hier muss der hl.Geist (so er dieses Buch inspiriert haben soll) wieder einen gehörigen Zacken in der Krone gehabt haben. Doch wie heißt es so schön: "credo quia absurdum" - ich glaube, weil esverrückt absurd ist.
Die Auferstehung Jesu - eine glaubwürdige Geschichte?
Karlheinz Deschner schreibt dazu in "Der gefälschte Glaube":
"Nirgends aber und nicht zufällig sind die Widersprüche so häufig wie ausgerechnet beim größten Wunder des Christentums, bei der Auferstehung.
Beginnen wir mit der Kette von Ungereimtheiten. Bei Markus kaufen die frommen Frauen die Salben für Jesu Leichnam am Tag nach dem Sabbat, bei Lukas am Tag vorher. Bei Markus gehen drei Frauen ans Grab, bei Matthäus bloß zwei (eine Abweichung die vermutlich von der Auferstehungsgeschichte des Osiris herrührt, bei der nach der einen Fassung drei Personen ans Grab kommen, wie später bei Markus, nach der anderen Fassung aber nur zwei Frauen, wie später bei Matthäus; und auch in der Osiris-Auferstehungslegende bringen die Frauen, wie in der Bibel, Balsam). Hat doch noch das Schwanken der evangelischen Auferstehungsberichte zwischen dem dritten Tag und dem vierten - nach drei Tagen! - seine Ursache offenbar darin, dass man die Auferstehung des Osiris am dritten, die des Attis am vierten Tag nach seinem Tod beging. Markus schreibt von den Frauen und ihrer Entdeckung des leeren Grabes: "Sie sagten niemandem etwas davon." Bei Matthäus aber eilen die Frauen schnurstracks davon, um "seinen Jüngern die Botschaft zu bringen", die sie bei Lukas auch "allen übrigen" melden.
Ein Wunder für sich ist in der Auferstehungserzählung der Engel. Die Frauen treffen ihn bei Markus im Grab, bei Matthäus vor dem Grab auf dem weggewälzten Stein. Bei Lukas ist der Engel zunächst weder vor dem Grab noch darin, doch kommen dafür gleich zwei Engel. Sie stehen plötzlich neben den Frauen. Auch im vierten Evangelium sind es zwei Engel, allerdings sitzen diese bereits wartend im Grab. Der Auferstandene erscheint im Markus- und Johannesevangelium zuerst Maria Magdalena, bei Matthäus zuerst beiden Marien zugleich, bei Lukas zeigt er sich zuerst den beiden Emmausjüngern. Der Schauplatz der Erscheinungen aber war laut Markus und Matthäus in Galiläa, laut Lukas in Jerusalem."
Wie man es dreht und wendet, selbst die zentrale Botschaft des Christentums rund um das Auferstehungsgedöhns entpuppt sich bei genauer Betrachtung als fromme Legende. Auch hier muss der hl.Geist (so er dieses Buch inspiriert haben soll) wieder einen gehörigen Zacken in der Krone gehabt haben. Doch wie heißt es so schön: "credo quia absurdum" - ich glaube, weil es
Die Offenbarung Gottes in der Bibel folgt nicht einmal aus christlichen Begriffen. Wenn er sich offenbaren wollte, so hätte er vermöge seiner Liebe, die es ihm nicht erlaube, die Menschen irre zu führen, und vermöge seiner Allmacht, die es ihm möglich machte, ein Buch liefern zu müssen, welches über alle Mißdeutung erhaben war und von jedem erfaßt werden konnte.
(Friedrich Hebbel)
Dienstag, Februar 05, 2008
Neulich beim Rauchen...
Raucher haben es insgeheim schon immer gewusst, aber jetzt haben es niederländische Forscher bestätigt: das Argument, dass Raucher dem Gesundheitssystem mehr kosten als Nichtraucher ist schlicht falsch.
Und das verwundert eigentlich nur den, der schon seit Jahren keinen Krankenkassenfragebogen mehr ausgefüllt hat. Dort wird zwar explizit nach chronischen Krankheiten, Operationen usw. gefragt, aber Rauchen spielt nur marginal eine Rolle. Weiters wird der Krankenkassensatz (sowohl der gesetzlichen als auch der privaten Krankenkasse) durch die Angabe "Raucher" nicht beeinflusst. D.h. intern - davon gehe ich aus - wissen das Krankenkassen mit hoher Sicherheit schon seit langer Zeit, dass sie Raucher nicht teurer zu stehen kommen als Nichtraucher, Dicke nicht teurer als Schlanke.
Im Umkehrschluss werde ich mir aber den Chauvinismus ersparen und alle schlanken Nichtraucher angeifern, dass sie mit ihrem gesunden Leben das Gesundheitssystem über Gebühr ausbeutet.
PS: An dieser Stelle einen schönen Gruß an Herrn Schwarzer, der sich gerade anschickt ein nichtrauchender Apoll zu werden.
Das Ergebnis: Gesunde, schlanke Menschen sind für das Gesundheitssystem teurer als Raucher und Übergewichtige, schreiben van Baal und seine Kollegen in der Fachzeitschrift " Public Library of Science Medicine". Der Grund ist einfach: Die längere Lebenserwartung der Gesunden und Schlanken kommt den Staat letztlich teuer.
Und das verwundert eigentlich nur den, der schon seit Jahren keinen Krankenkassenfragebogen mehr ausgefüllt hat. Dort wird zwar explizit nach chronischen Krankheiten, Operationen usw. gefragt, aber Rauchen spielt nur marginal eine Rolle. Weiters wird der Krankenkassensatz (sowohl der gesetzlichen als auch der privaten Krankenkasse) durch die Angabe "Raucher" nicht beeinflusst. D.h. intern - davon gehe ich aus - wissen das Krankenkassen mit hoher Sicherheit schon seit langer Zeit, dass sie Raucher nicht teurer zu stehen kommen als Nichtraucher, Dicke nicht teurer als Schlanke.
Im Umkehrschluss werde ich mir aber den Chauvinismus ersparen und alle schlanken Nichtraucher angeifern, dass sie mit ihrem gesunden Leben das Gesundheitssystem über Gebühr ausbeutet.
PS: An dieser Stelle einen schönen Gruß an Herrn Schwarzer, der sich gerade anschickt ein nichtrauchender Apoll zu werden.
Sonntag, Februar 03, 2008
Wir basteln uns eine Verschwörung...
Es gibt immer wieder Menschen, denen ist die offensichtlichste oder naheliegendste Erklärung für einen Vorfall nicht gut genug, nicht bewiesen genug oder es ergeben sich zu viele Widersprüche. Bei diesen Menschen besteht die Gefahr, dass sie auf eine vermeintlich bessere Erklärung (in Form einer Verschwörungstheorie) hereinfallen oder (noch schlimmer) sich selbst eine solche basteln.
Wie der Bombenentschärfer beim basteln einer eigenen Bombe am besten lernt, was Bomben so gefährlich macht, will ich nun an einem Verschwörungsbeispiel aufzeigen, wie dieser Mechanismus funktioniert.
Als erstes sucht man sich eine Begebenheit, die nicht alle Menschen sofort verstehen oder mit dem sie in der Praxis nicht allzuviel zu tun haben, das ihnen aber zumindest vom Hörensagen bekannt ist. In meinem Beispiel soll das die Zeitungsanzeige sein (denn auch wenn man diese recht gut aus der Zeitung kennt, so kennen die wenigsten die Mechanismen, die dazu führen, warum genau diese Anzeige auf dieser Seite in dieser Größe platziert wurde usw.).
Nun bastelt man sich daraus eine Verschwörungsthese, die ein dunkles Geheimis birgt:
"Die Zeitungsanzeigen stehen anstelle von Artikeln die zensiert wurden!"
Natürlich funktioniert keine gute Verschwörungstheorie komplett ohne Begründung, deswegen geht es so weiter:
"Oder wie erklärst du dir, dass die Anzeigen genau so groß sind, dass auch ein Artikel an dieser Stelle stehen könnte?"
Und dann noch weiter, um dies zu untermauern:
"Die Bundesregierung weiß längst bescheid über Außerirdische/Erdstrahlen/terroristische Schläafergruppen/die Mainzelmännchen, wie erklärst du dir, dass da noch nie ein Artikel darüber erschienen ist?"
Was jetzt noch unweigerlich folgen muss, ist eine Immunisierungsstrategie gegen Kritik. Egal was ein Kritiker der These vorbringen kann, die These darf nicht angreifbar sein bzw. muss sich da rausmanövrieren können. Und das geht auf zwei Arten, die ich hier beide mal zur Verdeutlichung anwende:
1. Man schwächt die These ab und entzieht dieser ein prüfbares Kriterium:
"Natürlich sind nicht alle Anzeigen einer Zeitung zensierte Artikel, denn von etwas müssen ja auch die Werbeeinnahmen kommen, aber viele der gerade brisanten Artikel werden zensiert und mit Anzeigen ausgetauscht."
2. Die ultimative Verschwörungstheoriekeule, nämlich alle Belege gegen die These in Belege für die These umzumünzen:
"Du hast noch nie von einer Zensurstelle bei Zeitungen gehört? Na da kannst du mal sehen wie geheim das alles ist!"
"Wieso das Zensurthema noch nie in einem Artikel thematisiert wurde? Ja glaubst du wirklich dieser hätte es durch die Zensurstelle geschafft?"
usw.
Wie man leicht erkennen kann, ist das einzige, was ich für diese Verschwörungstheorie brauche, eine starke Behauptung ein paar scheinbar offene Fragen und Phantasie. Insofern habe ich für mich folgende Relgen festgelegt, sozusagen das Gegengift, nach denen ich Verschwörungstheorien behandle:
Wie der Bombenentschärfer beim basteln einer eigenen Bombe am besten lernt, was Bomben so gefährlich macht, will ich nun an einem Verschwörungsbeispiel aufzeigen, wie dieser Mechanismus funktioniert.
Als erstes sucht man sich eine Begebenheit, die nicht alle Menschen sofort verstehen oder mit dem sie in der Praxis nicht allzuviel zu tun haben, das ihnen aber zumindest vom Hörensagen bekannt ist. In meinem Beispiel soll das die Zeitungsanzeige sein (denn auch wenn man diese recht gut aus der Zeitung kennt, so kennen die wenigsten die Mechanismen, die dazu führen, warum genau diese Anzeige auf dieser Seite in dieser Größe platziert wurde usw.).
Nun bastelt man sich daraus eine Verschwörungsthese, die ein dunkles Geheimis birgt:
"Die Zeitungsanzeigen stehen anstelle von Artikeln die zensiert wurden!"
Natürlich funktioniert keine gute Verschwörungstheorie komplett ohne Begründung, deswegen geht es so weiter:
"Oder wie erklärst du dir, dass die Anzeigen genau so groß sind, dass auch ein Artikel an dieser Stelle stehen könnte?"
Und dann noch weiter, um dies zu untermauern:
"Die Bundesregierung weiß längst bescheid über Außerirdische/Erdstrahlen/terroristische Schläafergruppen/die Mainzelmännchen, wie erklärst du dir, dass da noch nie ein Artikel darüber erschienen ist?"
Was jetzt noch unweigerlich folgen muss, ist eine Immunisierungsstrategie gegen Kritik. Egal was ein Kritiker der These vorbringen kann, die These darf nicht angreifbar sein bzw. muss sich da rausmanövrieren können. Und das geht auf zwei Arten, die ich hier beide mal zur Verdeutlichung anwende:
1. Man schwächt die These ab und entzieht dieser ein prüfbares Kriterium:
"Natürlich sind nicht alle Anzeigen einer Zeitung zensierte Artikel, denn von etwas müssen ja auch die Werbeeinnahmen kommen, aber viele der gerade brisanten Artikel werden zensiert und mit Anzeigen ausgetauscht."
2. Die ultimative Verschwörungstheoriekeule, nämlich alle Belege gegen die These in Belege für die These umzumünzen:
"Du hast noch nie von einer Zensurstelle bei Zeitungen gehört? Na da kannst du mal sehen wie geheim das alles ist!"
"Wieso das Zensurthema noch nie in einem Artikel thematisiert wurde? Ja glaubst du wirklich dieser hätte es durch die Zensurstelle geschafft?"
usw.
Wie man leicht erkennen kann, ist das einzige, was ich für diese Verschwörungstheorie brauche, eine starke Behauptung ein paar scheinbar offene Fragen und Phantasie. Insofern habe ich für mich folgende Relgen festgelegt, sozusagen das Gegengift, nach denen ich Verschwörungstheorien behandle:
- Die Verschwörungstheorie muss den Sachverhalt besser erklären als die offizielle Version
- Die Verschwörungstheorie muss für ihre Glaubwürdigkeit Beweise vorlegen. Spekulieren ist zu wenig.
- Die Verschwörungstheorie muss in sich logisch sein und im Einklang mit der Realität.
- Die Verschwörungstheorie muss eine exakte Falsifizierungsmöglichkeit mitbringen, d.h. muss selbst ein Kriterium nennen, das, wenn es bestätigt wird, die Theorie scheitern lässt.
Samstag, Februar 02, 2008
Neulich auf amazon...
Nachdem das Ferkelbuch ziemliche Wellen geschlagen hat, habe ich mir gedacht, ich schaue mal nach, was amazon.de sonst noch so unter der Rubrik "Kinderbücher - Religion & Philosophie" zu bieten hat (man beachte vor allem schon mal die Stellung der beiden Worte, Religion kommt vor Philosophie!).Insgesamt finden sich hier 2.102 Einträge. Positiv fällt auf, dass besagtes Ferkelbuch auf Platz 1 ist und gleich danach "Sophies Welt" auf dem zweiten Platz rangiert. Doch wie geht es weiter?
- Ich bin das Licht!
- Hinter verzauberten Fenstern. ( Ab 8 J.). Eine geheimnisvolle Adventsgeschichte.
- Die große Kinderbibel
- Neukirchener Kinder-Bibel. (15. A. ohne Hör-CD). Mit einer Einführung in die Bibel und ihre Geschichten
- Arche Noah (Bilderbücher)
- Rica erlebt Ostern
- Hoffnung für alle. Die Bibel. Trend Edition. Altes und Neues Testament
- Die große Ravensburger Kinderbibel. Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament
- Meine erste Kinderbibel
- Die Bibel für Kinder und alle im Haus
- Sein wie keine andere. Simone de Beauvoir - Schriftstellerin und Philosphin
- Du bist einmalig
- Komm, freu dich mit mir. Die Bibel für Kinder erzählt
- Wohnst du jetzt im Himmel? Ein Abschieds- und Erinnerungsbuch für trauernde Kinder
- Die Kinder des grossen Königs. Und andere Geschichten
- Die Ostererzählung
- Wieso? Weshalb? Warum? Unsere Religionen. (empfohlen ab 4 Jahren)
- Du bist einmalig
- Das große Bibel-Bilderbuch
- Meine Bibel. Mit über 45 überraschenden Einblicken (Bilderbücher)
- Die Weltreligionen. 5 CDs
- Sebastians Weihnachtskrippe. Geschichten und Gedichte für Advent und Weihnachten
- Der Anschlag in Wittenberg und andere Rätsel- und Gaukelspiele
D.h. von 25 Plätzen werden 21 von mehr oder weniger offensichtlich religiösen Büchern belegt. Besonders perfide geht dabei ein gewisser Max Lucado vor, der Pastor in der amerikanischen Gemeinde-Christi ist. Unter unverfänglichen Titeln wie "Du bist einmalig" oder "Die Kinder des großen Königs" wird hier evangelikaler (Schöpfungs)Glaube unters Kindervolk gebracht.
Wenn man sich dann einmal anschaut, was die Rezensenten über z.B. Kinderbibeln schreiben, kann einem schon fast schlecht werden:
Wir haben mehrere Kinderbibeln, aber diese ist der absolute Favourit unseres 6-jährigen Sohnes. Er möchte sehr oft aus seiner "goldenen" Bibel vorgelesen bekommen. Die Bibel erzählt 30 Geschichten aus dem Alten Testament (es gibt z.B. auch eine kurze Geschichte über den Propheten Jesaja) und 35 Geschichten aus dem Neuen Testament. Sie ist reich und detailliert illustriert, es gibt keine grausamen oder bedrohlichen Bilder - wie leider in manchen anderen Kinderbibeln.Wunderbar finde ich sowohl für Kinder als auch Erwachsene, wie diese Geschichten erzählt werden. Ob es die Entstehung der Welt ist, die Sintflut, die Geschichte Jakobs oder Josefs und seiner Brüder, der Verführungsversuch durch Potifars Frau an Josef in Ägypten: man findet alles wieder in so einfache aber anschauliche Worte gekleidet, dass es eine Freude ist, sich einmal in dieser Weise mit den biblischen Geschichten zu befassen .Der grausame Gott des AT wird in seinem Ärger durchaus verständlich (sic!), wenn er die Menschen bestraft.
Schon im Vorschulalter bekommen Kinder die barbarischen Geschichten vorgesetzt und als bare Münze verkauft (natürlich nicht ohne dass man vorher die brutalen Stellen rausgekürzt hat - das könnte ja die Kleinen verschrecken!). Es wird Kindern beigebracht, dass es speziell auserwählte Menschen gibt und gab, die unter Gottes besonderem Schutz standen und stehen sollen (während er die übrigen mal eben schnell entsorgte) und das obwohl Chauvinismus (egal ob politischer oder religiöser Art) eine der wichtigsten Ursachen von Konflikten ist. Es wird kleinen Kindern von einem Gott der Liebe vorgeschwafelt, obwohl dieser höchst eigenhändig die Plagen über Ägypten schickte und mit der letzten alle Erstegeborenen, also sehr viele Menschen, darunter etliche Kleinkinder und Säuglinge, meuchelte und ein solcher Gott mit dem Anspruch unvereinbar ist.
Man erstickt den Verstand der Kinder unter einem Ballast unnützer Kenntnisse.
(Voltaire)
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