Sonntag, Mai 03, 2020

Neulich im Bürgerbüro...

Vater: Guten Tag, mein Name ist Nichtsowichtig.

Beamter: Guten Tag Herr Nichtsowichtig, was kann ich für Sie tun?

Vater: Meine Frau ist in freudiger Erwartung und wir sind ja beide gläubige Pinkisten und wollten unser Kind dann nach der Geburt beschneiden lassen - also sowas ähnliches wie beschneiden.

Beamter: Also wenn es ein Mädchen ist, ist das komplett verboten, bei Jungs ist das gem. §1631d BGB erlaubt - wenn es fachmännisch durchgeführt wird.

Vater: Aber natürlich soll das fachmännisch durchgeführt werden. Ich habe auch schon einen Operationstermin in 5 Monaten. Wieso ist das Entfernen des letzten Glieds des kleinen Fingers der linken Hand bei Mädchen verboten und bei Jungen erlaubt?

Beamter: Was wollen sie machen?

Freitag, Mai 01, 2020

Neulich, guts 'n gore...

Einfach mal wirken lassen...

Und deswegen sollte der Friedensnobelpreis komplett abgeschafft werden. 😑

Freitag, April 17, 2020

Neulich beim Auswählen...

Wer sich noch nicht sicher ist, was er glauben möchte... ich habe hier eine Entscheidungshilfe im Internet gefunden 😉


Mittwoch, April 15, 2020

Das po8ische Lexikon #2 - Solidarität

Auch heute wende ich mich wieder einem Begriff zu, der aus meiner Sicht sehr ausgelutscht und teilweise schon in seiner Bedeutung ad absurdum geführt wird:

Solidarität

Ursprünglich leitet sich das Wort vom lateinischen "solidus" für "gediegen, echt oder fest" ab, das Wort solide kommt auch aus dieser Ecke. Wir meinen mit solidarischem Verhalten, dass man zu einer Idee, einer Aktion, einer Gruppe oder zu Individuen steht, sich mit diesen oder mit ihren Zielen gemein macht. Die Solidarität ist dabei zunächst wertneutral, denn man konnte in Deutschland nach der Machtergreifung 1933 auch solidarisch zum Nationalsozialismus sein.

Für mich hatte der Begriff immer eine gewisse Linkslastigkeit, was vielleicht daran liegt, dass eher zur Solidarität mit den Arbeitern als mit den Arbeitgebern aufgerufen wurde. In den 80er Jahren hieß auch die Streikbewegung in Polen "Solidarność" - und hier haben nicht Großgrundbesitzer gestreikt.

Solidarität halte ich einen für im Grunde positiv besetzten Begriff. Er zeugt von intrinsischer Empathie, sozialer Verbundenheit und Engagement. Was jedoch - speziell die deutsche Politik - daraus in den letzten paar Jahrzehnten gemacht hat, enthält für mich nichts mehr von alldem.

Ein wesentliches Merkmal der Solidarität ist nämlich, dass diese auf Freiwilligkeit basiert. Ein Individuum entschließt sich dazu, sich einer Idee/Aktion/Gruppe anzuschließen, anderen Menschen zu helfen und das aus freien Stücken. Wenn die Gruppe Solidarität "fordert", so hat sie das Prinzip schon nicht verstanden (und man sollte auch auf der Hut sein). Solidarität (wie bei den Krankenkassen) zum Prinzip zu erheben, konterkariert sie. Speziell, wenn man - wie bei der Krankenversicherung oder Rentenversicherung - überhaupt keine Möglichkeit hat, nicht solidarisch zu sein.

Der Solidaritätszuschlag ist ein weiteres Beispiel, wie der Begriff hoffnungslos überdehnt wird. Gut gemeint (also das Gegenteil von gut) als Aufbauhilfe für den Osten Deutschlands nach der Wende, zahlen wir diesen Zuschlag immer noch, 30 Jahre danach. Es hätten sich in der damaligen Euphorie bestimmt Leute gefunden, die diesen auch freiwillig über ein paar Jahre gezahlt hätten, was echte Solidarität gewesen wäre, aber ihn als quasi-Einkommenssteuer mittels Zwang einzuziehen hat mit Solidarität nicht das mindeste zu tun. Noch dazu wurde er auch von allen Ausländern in Deutschland eingefordert, d.h. obwohl man die Wiedervereinigung nicht so doll fand oder es einem gleichgültig war, man wurde doch zur Kasse gebeten. Es war kein Deutsch-Deutsches Solidaritätsding sondern eine staatliche Zwangsmaßnahme - aber zumindest knuffig verpackt.

Wir sollten aufhören Solidarität als Wegwerfvokabel im politischen Diskurs zu verwenden. Nicht alle Aktionen verdienen einen Solidaritätsaufruf, die wenigsten Aktionen (wie Soli) verdienen überhaupt, dass das Wort in diesem Zusammenhang genannt wird. Echte Solidarität sollte dafür umso mehr hervorgehoben werden - denn die können wir immer gebrauchen.


Donnerstag, April 09, 2020

Neulich in Südafrika...

Ich habe drei Weihnachten hintereinander in Südafrika (SA) verbracht, von 2016 bis 2018. Alles was ich hier schreibe, unterliegt natürlich meiner persönlichen selektiven Wahrnehmung und erhebt nicht den Anspruch auf Allgemeingültigkeit.

SA, the "rainbow nation", beendete 1992 die Apartheid, 1994 fanden die ersten freien Wahlen statt und bescherten dem African National Congress (ANC) mit seinem Vorsitzenden Nelson Mandela einen überwältigenden Wahlerfolg. Seit 1994 ist der ANC in Südafrika immer mit absoluter Mehrheit an der Macht, Mandela (auch Madiba) legte sein Amt nach nur einer Amtszeit nieder. Aktueller Präsident ist Rhamaposa, der dem Duschkopfpräsidenten Zuma folgte.

Ich war 2002 das erste Mal in SA. Der Aufenthalt währte nur 10 Tage und davon waren wir 4 Tage im Kruger Nationalpark. D.h. allzu viel vom Land habe ich hier nicht mitnehmen können. Die Verbrechensrate war hoch, der ANC seit 8 Jahren an der Macht und der Rand wurde 10:1 zum Euro getauscht. Heute, 26 Jahre später, ist immer noch der ANC an der Macht, der Rand wird 16:1 zum Euro getauscht und dem Großteil der Bevölkerung geht es nicht wesentlich besser als vorher und auch die Verbrechensraten sind immer noch für europäische Verhältnisse erschreckend.

Montag, März 16, 2020

Be my guest...

Tja, Youtube ist eine Bitch. Ein Idiotenvideo wie dieses hier bekommt fast 300.000 hits, während die aus meiner Sicht umfänglichste Betrachtung der männlichen Beschneidungspraxis durch Dr. Christopher Guest hat nur knapp über 20.000 - und das obwohl 20% der männlichen Weltbevölkerung beschnitten sind, d.h. wir reden hier von 800.000.000 Männern, die sich darüber mal informieren könnten (die anderen 3,2 Mrd. natürlich auch).

Ich hatte damals schon 50 € ausgelobt, die bis jetzt keiner gewonnen hat, und es wird wahrscheinlich auch in Zukunft niemand auch nur ein gutes Argument dafür finden, warum Schönheitsoperationen an den Genitalien kleiner Kinder vorgenommen werden sollten - und zwar aller Kinder!

Aber sehen Sie bitte selbst... be Dr. Guests guest:

Dienstag, März 10, 2020

Neulich beim entkalken...

Über Twitter bin ich auf einen alten Bekannten und Namensvetter gestoßen:
Oliver Kalkofe (@twitkalk)

Ich erinnere mich noch, wie ich in den 90ern die 10minütige "Kalkofes Mattscheibe" bei "premeire" (jetzt sky) mit dem Videorecorder mitgeschnitten habe, immer manuell, da premiere die unangenehme Angewohnheit hatte, dieses Kleinod deutscher Fernsehunterhaltung mal nen Ticken früher oder später auszustrahlen.

Der frühe Kalkofe war genial (der späte ist es immer noch!), ähnlich wie man bei Twitter auf 280 Zeichen beschränkt ist, so wurden in seinen 10 Minuten ein unglaubliches Gagfeuerwerk gezündet, das immer irgendwo zwischen lyrisch eloquent und einem Schlag ober oder unterhalb der Gürtellinie lag. Eines war es nie - langweilig. Und bevor die DVD-Box rauskam (die ich latürnich käuflich erworben habe), hatten wir die mitgeschnittene Matscheibe auf VHS-Kassetten kopiert und verteilt. Um mal den Eindruck von damals zu vermitteln, habe ich etwas rausgesucht...


Man gab ihm dann 15 Minuten Sendezeit, was aber imho der Sendung nicht so viel gebracht hat. Es war jetzt etwas entspannter, aber auch ein klitzeklein wenig langatmiger. Danach kam (glaube ich) auf ProSieben die Kalkofe Show, bei der die 15 Minuten Fernsehkritik auf eine Stunde oder so aufgebläht und mit Werbung unterbrochen wurden - das war auch der Punkt an dem ich zum einen gar kein Fernsehen mehr schaute und zum anderen an dem ich Herrn Kalkofe im Kommerz angekommen sah.

Umso erfreulicher, dass er auf Tele5 (von mir lange unbemerkt) weitergemacht hat und man sich dort die neuen, sehenswerten und wirklich erstklassigen Verrisse anschauen kann - wieder back to the roots, in 15minütigen Folgen. Ich habe den Link mal auf Staffel 1 Folge 1 eingestellt. 😉


Freitag, März 06, 2020

Neulich beim wirken lassen...

Seit fast 15 Jahren (mit einer größeren Pause 😔) kritisiere ich in diesem Blog neben Religion auch jeden anderen Schwurbel, der mir so über den Weg läuft und der unser Verständnis von der Welt unterminiert. Ein leichtes Ziel war hier auch immer die Homöopathie. Hätte ich Frau Grams vor 15 Jahren kennengelernt, so hätten wir im Zweifel trefflich über genau dieses Thema gestritten, doch hat sie mittlerweile die Wandlung vom Saulus zum Paulus hinter sich, war anscheinend damals eine praktizierende Ärztin mit hohem homöopathischen Anteil und hat diesen Krempel aber mittlerweile über Bord geworfen (und betreibt mit anderen zusammen eine Aufklärungsseite über Homöopathie).

Ich habe mir in diesem Zusammenhang ihr neues Buch zu Gemüte geführt,
"Was wirklich wirkt - Kompass durch die Welt der sanften Medizin"*,
wohl wissend, dass mich hier eine "geläuterte" Frau Grams erwarten würde. Und was soll ich sagen, ich wurde nicht enttäuscht.

Ähnlich wie beim neuen Buch von Richard Dawkins, konnte Frau Grams mich als Skeptiker nicht fundamental überraschen, aber nach der Lektüre ist mein medizinisches Bild von der Welt doch um einiges runder geworden, einiger Wissensstand aktualisiert und einige (Gegen)Argumente vervollständigt. Auch schildert sie ihre persönliche Hin- bzw. Abwendung zur/von der Homöopathie, was im Zusammenhang mit ihrer hochschulmedizinischen Ausbildung dem Buch noch mehr Authentizität verleiht.

Dienstag, März 03, 2020

Das po8ische Lexikon #1 - Toleranz

Es gibt leider ein paar Wörter, die finde ich dermaßen ausgelutscht und inhaltsleer, obwohl sie ad nauseam durch alle Medien geistern. Hier werde ich, in loser Reihenfolge und nicht alphabetisch geordnet meinen Senf dazu abgeben - nicht in Gedichtform...

Toleranz

Das Wort kommt ursprünglich aus dem Lateinischen und bedeutet:
- aushalten
- erdulden
- ertragen

Mich dunkel an meinen Lateinunterricht erinnernd, wurde das Wort dort auch schon in eher negativem Zusammenhang verwendet. Der Held, der die Qualen des Schicksals erdulden musste, das Volk, das die Gefangenschaft ertrug usw. usf.. Das positive an "tolerare" ist, das wir es aushalten (können), aber das negative ist, dass wir es ändern wollen. Der nächste logische Schritt nach tolerieren ist nämlich akzeptieren, verwerfen oder ändern. Bei ändern stehen wir dann wieder am Anfang.
Mal ein Beispiel:
Homosexuelle Beziehungen wurden früher nicht toleriert und auch nicht akzeptiert - es war ein Straftatbestand. Dieser wurde modifiziert (keine Straftat mehr) und sogar vor kurzem die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare gesetzlich verankert. D.h. die Zwischenstände wurden von den einzelnen Parteien "toleriert" aber nicht akzeptiert. Der aktuelle Zustand bedeutet für gleichgeschlechtliche Paare das Ende, wohingegen evtl. ein paar Leute, die das nicht akzeptieren können oder wollen, mit der "modifizieren" Schleife weitermachen wollen.

Inspiriert hat mich hierzu Herr Gauck, der bei seiner Buchvorstellung von einer "erweiterten Toleranz" sprach (wie man hier sehen kann). Pastoral religiös wird hier anscheinend (ich werde mir das Buch nicht gönnen) wieder Toleranz beschworen, wo wir doch viel dringender Akzeptanz oder klare Ablehnung bräuchten. Toleranz ist das wischi-waschi, das zwischen-Himmel-und-Erde, das nicht-Fisch und nicht-Fleisch im politischen Sermon, das immer dann beschworen wird, wenn man sich nicht auf eine Seite schlagen will.

Das Wort passt zu allem irgendwie, es ist (komischerweise?) positiv besetzt und wer tolerant ist oder das von sich behauptet, hat schon mal die Likes auf seiner Seite. Ich z.B. bin (wie man mittlerweile wissen sollte) sehr intolerant gegenüber Menschenrechtsverletzungen (wie z.B. das Rumschnippeln an kleinen Kindern, die frühkindliche Indoktrination oder wenn die sexuelle Orientierung zum Straftatbestand wird). D.h. da befinde ich mich in der Schleife, dass diese Zustände modifiziert werden müssen. Ich kann den Status quo nicht akzeptieren - und ich kann auch begründen warum. Sollten sich die Argumente hier ändern, dann wäre ich auch bereit Dinge zu akzeptieren, d.h. ich mache das von den Fakten abhängig.

Genau das kann ich auch nur den dampfplaudernden Politikern empfehlen (z.B. bei der Homöopathie), werdet konkret, bezieht Stellung, trefft eine Entscheidung und schafft Akzeptanz (oder verwerft es), anstatt sich (wie Gauck) immer auf die flauschige Toleranzinsel der Glückseligkeit zurückzuziehen.

Sonntag, März 01, 2020

Das Wort zum Sonntag #74

Thema heute: religiöse Symbole in der Öffentlichkeit

Diese Woche hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass für eine klagende Rechtsreferendarin (und anscheinend gläubige Muslima) das Kopftuch bei gewissen Tätigkeiten im Gericht abzulegen sei, wie man hier lesen kann. Für den säkularen Staat (der er ja gem. Grundgesetz sein soll) ist das nur der erste Schritt in die richtige Richtung. Ebenso sollten auch alle religiösen Symbole des Christentums oder jeder anderen Religion aus Gerichten verschwinden.

Ein Gericht sollte ein Ort sein, an dem nach bestem Wissen nach der Wahrheit geforscht wird, um dem Beschuldigten und dem Klagenden das bestmöglichste und fairste Recht gem. der aktuellen Gesetzeslage zukommen zu lassen. Dass Gerichte dieses hehre Ziel nicht immer erreichen ist angesichts der Menschlichen Unzulänglichkeit und Fehleranfälligkeit verständlich, aber wir sollten uns an dieser Idealvorstellung orientieren.

Im Prozess gegen Jörg Kachelmann (btw,   war das z.B. nicht der Fall. Es erfolgte eine mediale Vorverurteilung, das Gericht verhängte Untersuchungshaft usw. usf.. Natürlich sind auch Richter nicht losgelöste juristische Wesen, sondern Menschen mit Vergangenheit. Wenn wir uns z.B. in die Lage einer Richterin versetzen, die in ihrer Jugend sexuelle Nötigung erfahren hat und jetzt über einen sexuellen Nötiger zu urteilen hat, dann ergibt das automatisch ein Spannungsfeld für sie - und zwar in beide Richtungen. Wenn sie besonnen ist, ist sie sich ihrer Geschichte gewahr und wird u.U. zu milde urteilen, um nicht den Verdacht zu erhärten, auf Grund ihrer Biographie Rache zu üben. Umgekehrt könnte sie auf Grund ihrer Erfahrung gerade ein hartes Urteil fällen, weil sie den Sachverhalt selbst erlebt hat.

Mittwoch, Februar 12, 2020

Letztens in Prag...

Ich bin eher zufällig über das untenstehende Video gestolpert, in welchem die Barbarei der Beschneidung sehr sachlich vorgetragen wird. Erschreckend ist, wie wenig Wissen in den USA in Bezug auf die Beschneidungspraxis herrscht und noch erschreckender ist, dass sich Deutschland 2012 vor allem von amerikanischen Kinderärzten bzgl. dieser Entscheidung beraten ließen. Selber nachdenken hätte wahrscheinlich mehr gebracht - aber dafür werden Politiker ja nicht bezahlt... 😑


Und hier noch das Video, das mir YouTube im Anschluss angeboten hat. Die Perfidie wird gleich am Anfang ausgesprochen - Jungs werden erst zu Männern, wenn man ihnen ein Stück vom Penis wegschneidet (gilt das etwa für Mädchen auch? und falls nein, warum nicht?)... menschenverachtender geht es kaum und auch sehr schön und bezeichnend, dass sich noch nicht einmal Journalisten differenziert mit dem Thema auseinandersetzen, sondern einen Gummiring als das non-plus-Ultra loben, das viele Leben retten wird. Noch mehr Leben (und Penisse) würde retten, wenn man auf diese archaische Scheußlichkeit, diesen kulturell-religiösen Schwachsinn, diese unsägliche Barbarei einfach verzichten würde. Weniger ist mehr - hier zumindest.


Sonntag, Februar 09, 2020

Das Wort zum Sonntag #73

Thema heute: Religionskritik

Aktueller Anlass zu diesem Thema sind die Morddrohungen gegen eine 16jährige Französin die, wie z.B. hier zu lesen ist, folgendes gesagt haben soll:

„Ich hasse Religion, der Koran ist voller Hass… Eure Religion ist Scheiße“

Gut, das ist jetzt nicht besonders fundiert, aber es ist halt ihre Meinung (meine übrigens auch). Ich denke, dass (fast) alle Religionen die Menschen eher spalten, als sie zusammenzubringen und bei (fast) allen Religionen muss man sich als gemäßigter Gläubiger mit einem gehörigen Doppeldenk über die Hasstiraden, die sowohl in der Bibel, als auch im Koran (oder der jeweiligen heiligen Schrift) zu finden sind, hinwegsetzen.

Auch ist es ein natürliches, evolutionsbedingtes Verhalten, dass wir unsere Ansichten nicht so schnell ändern. Wer immer schon der Meinung war, dass Wünschelrutengehen oder Homöopathie funktioniert, der lässt sich nicht durch ein paar kritische Argumente davon abbringen. Jeder vermeintliche Beleg für die Wirksamkeit (ich habe Wasser entdeckt! ich wurde durch Globuli vom Schnupfen geheilt!), bestärkt den eigenen Glauben mehr, als er durch ein Argument (Wünschelrutengehen wurde noch NIE unter Laborbedinungen bestätigt. Homöopathika enthalten keinen Wirkstoff und konnten noch nie eine Wirkung über dem Placeboeffekt belegen) erschüttert werden könnte.

Schlimmer noch, wenn man in so einem Glaubenssystem verhaftet ist, ist jede kritische Betrachtung natürlich auch in gewisser Weise ein Angriff gegen die eigene Person, weil man sich ja mit dem System identifiziert, ein Teil von diesem ist. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Christen sich sehr wohl der Islamkritik bewusst sind und diese zum großen Teil auch akzeptieren, sobald man aber die gleichen Kritikpunkte für das Christentum anwendet (zirkuläre Logik, ein behaupteter Gott & Gottessohn, keine externen Quellen, logische Fehler), wird diese rigoros abgelehnt.

Sonntag, Februar 02, 2020

Das Wort zum Sonntag #72

Thema heute: Religion und Wissenschaft

Ausgangspunkt zur heutigen Diskussion ist dieses Video:

https://mobile.twitter.com/rightwingwatch/status/1220740601781608448

Daraufhin gab es einen Thread (hier nur ein Auszug), den ich mir erlaubte zu kommentieren:
Worauf ich natürlich korrigiert wurde:
Das soll die Ausgangsthese heute sein, in Europa gäbe es ein Christentum, das mit "rationalem Verstand kompatibel" sei, das "Wissenschaft als Gewinn/Geschenk" begreife.

Natürlich kann man jede Religion solange weichspülen, dass sie irgendwie mit der Realität übereinstimmt. Bestes Beispiel hierfür ist der Deismus, der Glaube daran, dass Gott quasi das Universum anschubste, sich aber ansonsten raushält. Doch genau das tut das Christentum ja nicht. Deus io vult - Gott will es so, war schon der Spruch der Kreuzzügler und ist im Prinzip auch der Duktus der Kirche. Alles geschieht so, wie Gott es will.

"Experiment und induktive Forschung wurden verbannt, die Erfahrungswissenschaften durch Bibel und Dogma erstickt, Naturwissenschaftler in Gefängnisse und auf Scheiterhaufen getrieben. 1163 verbietet Papst Alexander III. … allen Klerikern das Studium der Physik. 1380 untersagt ein französischer Parlamentsbeschluss jede Beschäftigung mit Chemie unter Berufung auf ein Dekret von Papst Johann XXII." (Deschner)

Dachte man jetzt, mit dem Mittelalter wäre der Drops gelutscht und danach wäre es besser geworden - weit gefehlt. Im Jahr 1864 verurteilte der damalige Papst Pius IX. mit dem Syllabus errorum so ziemlich alles, was dem Christentum bzw. der Catholica ein Dorn im Auge war. So zum Beispiel:
  • Religionsfreiheit
  • Menschenrechte
  • Meinungsfreiheit
  • Demokratie usw.
Auch diese ARD-Seite, bringt es trefflich auf den Punkt, wenn sie sagt:

Der Vatikan hat Wissenschaft und Kirche als miteinander vereinbar erklärt. Doch es gilt auch weiterhin: Bei den beiden Wissensquellen Vernunft und Offenbarung hat die Offenbarung, also der Glaube, noch immer den Vorrang.

Und so war es immer, seit in der Wissenschaft die wissenschaftliche Methode angewandt wurde. Darwin traute sich nicht, die Evolutionstheorie zu veröffentlichen, weil diese konträr zur kirchlichen Lehrmeinung stand. Kopernikus hat sein Heliozentrisches Bild unseres Sonnensystems nicht veröffentlicht - aus Furcht vor dem Shitstorm der Exkommunikation. Kepler, der es dann tat, bekam keinen Lehrstuhl mehr.

Jetzt im 21. Jahrhundert, nachdem die Anzahl der Gläubigen stetig sinkt, unser Verständnis der Welt immer besser wird und der Lückenbüßergott kaum noch Lücken findet, da kommen dann Aussagen, wie die obige, meist gestützt auf die "papstliche Akademie der Wissenschaften", zuerst von 1603 bis 1641, dem Tode Galileis bestand, die dann von obigem Pius IX. 1847 wiederhergestellt und in der heutigen Form erst von Pius XI. 1936 eingerichtet wurde. Nach dem Motto, umarme, was Du nicht umbringen kannst, schmückt sich seitdem der Heilige Stuhl mit einer unabhängigen Forschung in dieser Einrichtung. Wenn es hart auf hart kommt, bezweifle ich aber, dass aus dieser Akademie etwas nennenswertes entsteht. Ich vermute mal, es ist das wissenschaftliche Feigenblatt, mit dem man die naturalistisch veranlagten Gläubigen vom Austritt abhalten will.

Besser als Roland Fakler kann man es eigentlich nicht zusammenfassen:
Jahrhundertelang mussten wenige mutige Forscher wissenschaftliche Erkenntnisse gegen die Kirchen durchsetzen: Kopernikus, Galilei, Kepler, Darwin…
In den protestantischen Ländern war dies leichter, weil es dort keine allmächtige Autorität gab, die dies hätte verhindern können, in den Niederlanden, England, USA.
Schließlich ist die Kirche auf den laufenden Zug aufgesprungen, behauptet heute selbst Wissenschaft zu treiben und dass sie schon immer für die Wissenschaft war.
Nichts was unsere Gesellschaft heute ausmacht, weder im politischen, sozialen oder im wissenschaftlichen Umfeld ist wegen des Christentums vorhanden - man müsste eher sagen: trotz! Alles musste gegen den erbitterten Widerstand der Kirche erkämpft werden. Blinder Glaube hat uns von den Erkenntnissen der Antike weggeführt in ein finsteres Mittelalter, in der Heiligenlegenden Allgemeinbildung ersetzten und die einzig "Gelehrten" noch Geistliche und Adelige waren, also ein paar Prozent der Bevölkerung - und das auch nur in Konformität zum Christentum bzw. der Kirche. Imho haben wir dadurch einige hundert Jahre an kultureller und wissenschaftlicher Entwicklung eingebüßt und vielleicht stellte sich heute die Frage nach dem Klimawandel gar nicht, weil unsere Vorfahren diesen schon vor 100 Jahren gelöst hätten... 😉

Wer nicht denken kann, glaubt. Wer Angst vor dem Denken hat, glaubt. Wer glaubt, denken zu können, glaubt. Und das glauben fast alle. (Deschner)

Sonntag, Januar 26, 2020

Das Wort zum Sonntag #71

Thema heute: Kindesmissbrauch und Zölibat

Wie man z.B. hier, aber auch an anderen Stellen lesen kann, bleibt von der großspurig angelegten Aufdeckungsaktion weniger übrig als ein Kaninchenfurz:

Im Herbst 2018 machte die Missbrauchsstudie der katholischen Kirche mit erschreckenden Zahlen Schlagzeilen: Mindestens 3677 Minderjährige wurden in den Jahren 1946 bis 2014 von 1670 Klerikern missbraucht.

Man hat zur Ermittlung der Daten schon fast 8 Jahre gebraucht, jetzt streitet man sich u.a. über Entschädigung (und aus welchem Topf diese zu bezahlen wäre) und wieder sind weitere zwei Jahre vergangen, in denen die Kirche nichts gemacht hat außer: die Täter in den eigenen Reihen zu schützen!

Prof. Holm Putzke, der schon sehr positiv bei den Beschneidungsdiskussionen aufgefallen ist, dem aber imho v.a. im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu wenig Raum gegeben wird (evtl. weil er gegen Religioten aber für Kinder argumentiert?), formuliert das so:

... die katholische Kirche habe sich "redlich darum bemüht, damit die in ihren Reihen massenweise begangenen Verbrechen an Kindern inzwischen nicht mehr verfolgbar sind".

Ich hatte selbst damals, noch bevor die Studie in Auftrag gegeben wurde, auf die Schweinerei im Bistum Regensburg hingewiesen, die natürlich ohne jegliche Konsequenzen für Bischof Müller verlaufen ist. Wie man es erwartete und wie man es von den Kirchen kennt, Probleme werden andiskutiert und dann ausgesessen. Das Strafgesetzbuch mag für den profanen Kinderschänder gelten, klerikale Kinderficker scheinen über diesem zu stehen, weil sie ja innerkirchlich (meist mit Versetzung) bestraft würden - was für eine Heuchelei und Bigotterie.

Doch ein Punkt stört extrem, der speziell die katholische Kirche betrifft: die unsägliche Verquickung von Zölibat und Kindesmissbrauch. Das liest sich wie folgt:

„Denn der Zölibat ist Teil eines Systems. Und der Zölibat ist ein Risikofaktor für den Missbrauch. Deshalb darf man das Thema nicht länger aussitzen oder in einer Entschuldigungsrhethorik vertuschen. Sondern, es muss grundsätzlich dieses Problem, das Systemproblem, angegangen werden – und zwar im Interesse der Opfer“ (Deutschlandfunk, Hubert Wolf, Theologe)


Der Zölibat ist nicht die Ursache, aber er begünstigt den Missbrauch. Offensichtlich werden Menschen mit einer verkorksten Sexualität vom Zölibat des katholischen Priestertums besonders angezogen. (Zeit, Anselm Bilgri, ehem. Benediktinermönch und Priester) 
Deutsche Welle: Würde nicht etwa die Abschaffung des Pflichtzölibats helfen? In dem Bericht, der letztes Jahr von der Deutschen Bischofskonferenz vorgestellt wurde, heißt es, dass das Pflichtzölibat der Priester ein Faktor sei, der Missbrauch begünstigen kann. 
Zollner: Aber in dem Bericht steht auch drin, dass der Zölibat nicht eo ipso zum Missbrauch führt. Insofern ist das selbst in dem Bericht nicht eindeutig. Wenn man in andere Berichte schaut, die in den USA, Australien oder sonstwo von Regierungen im Auftrag gegeben wurden, dort heißt es: Der Zölibat führt nicht zum Missbrauch. Dass ein zölibatär Lebender im Lauf der Zeit zu einem Risikofaktor für Missbrauch, aber nicht nur vom Missbrauch von Jugendlichen, sondern auch von Alkohol oder von sonstwas werden kann, ist eine andere Sache. Dazu braucht es eine andere Art vom Vorgehen. Zu erwarten, dass durch die Aufhebung des Zölibats der Missbrauch ein für allemal verschwindet, ist sehr falsch - vor allem auch wenn man in die Gesellschaft und in die anderen Religionen hineinschaut. (DW, Hans Zollner 
Dazu gehörten „Machtmissbrauch und Klerikalismus, Sexualität und Sexualmoral, Zölibat und Ausbildung der Priester“. Allerdings sei „der Zölibat nicht die Ursache für Missbrauch, das ist absolut nicht der Fall“. Dennoch könne ein Leben in der Ehelosigkeit kombiniert mit bestimmten Schwächen einer Person zum Problem werden. (Der Tagesspiegel, Kardinal Marx, Vorsitzender der Bischofskonferenz)


Ich habe natürlich vollstes Verständnis dafür, dass die progressiveren Kreise den Zölibat loswerden wollen, nur sollte er in diesem Zusammenhang eines nicht verschleiern: die faktischen Verbrechen an Kindern und Minderjährigen. Manche Ausführung liest sich so, als wäre der Zölibat so etwas wie der fehlende Sicherheitsgurt im Auto, durch den ein erhöhtes Verletzungsrisiko bestünde. Auch ist das Aufführen von beiden Begriffen in meinen Augen grob falsch. Es gab und gibt auch Missbrauchsfälle auf protestantischer Seite und dort gibt es den Zölibat nicht.

Der faktische Zölibat sieht in Deutschland so aus, dass eine Beziehung des Priesters mit seiner Haushälterin oder seinem Haushälter geduldet wird. Sogar für uneheliche Kinder aus diesen Beziehungen übernimmt die Kirche den Unterhalt. Wer also damit leben kann, dass er nicht auf dem Papier verheiratet ist, den perforiert der Zölibat nur tangential. Andere Priester haben auch schon die Kirche verlassen oder ihr Priesteramt niedergelegt, um offiziell heiraten zu können.

D.h. der Zölibat ist vernachlässigbar - auch und gerade als Risiko. Durch die Vermengung der Begriffe entsteht beim laienhaften Zuhören aber folgender Eindruck:

"Der arme Herr Pfarrer konnte ja nicht anders, als sich am Ministranten zu vergreifen, wenn ihn die Kirche doch keine Frau haben lässt...."
Der "Herr Pfarrer" ist aber ein erwachsener Mann, der wusste auf was er sich einlässt. Der Herr Pfarrer hat die Hochschulreife erworben und ein Theologiestudium (egal wie blöd das auch ist) absolviert und der Herr Pfarrer sollte auch wissen, dass sexuelle Handlungen an Minderjährigen einen Straftatbestand darstellen. Das ist durch nichts zu entschuldigen, am wenigsten durch den Zölibat!

Freitag, Januar 24, 2020

Sonntag, Januar 19, 2020

Neulich in Niederbayern...

Mit diesem und diesem Wort zum Sonntag, sollte meine Einstellung zur Abtreibung deutlich geworden sein. Hier aber noch ein kleiner Nachtrag. In dieser Spiegelkolumne schreibt Frau Stokowski (mit der ich - offen gestanden - nicht oft einer Meinung bin) folgendes, was ich aber diesmal unterstreichen kann:
Wer sich 30 Sekunden mit Abtreibung beschäftigt hat, weiß, dass da keine "Kinder auf die Welt geholt werden - und zwar tot". Der Zellklumpen, der bei einer Abtreibung in den ersten zwölf Wochen einer Schwangerschaft aus dem Uterus geholt wird, ist noch kein Kind. Die einzige Gruppe, die das so benennen würde, sind sogenannte Lebensschützer, also AbtreibungsgegnerInnen, die Abbrüche am liebsten komplett verbieten würden.
Frau Stokowski bezieht sich auf diesen Artikel im Tagesspiegel, den ich mir natürlich auch zu Gemüte geführt habe. Und ja, ich sehe genau die gleiche Tendenz (v.a. durch das Bild) wie die Spiegelkolumnistin, wenn auch unter der Fragestellung "Wann ist ein Mensch ein Mensch?" der aktuelle Stand differenziert dargestellt wird:
Sobald eine Eizelle befruchtet ist, beziehungsweise sich in der Gebärmutter einnistet, sagen konservative Christen.
Sobald die zwölfte Woche vorbei ist, sagt der Gesetzgeber, der in den Siebzigerjahren diese Zahl bestimmt hat, weil ein Fötus gewissermaßen „fertig“ ist. Körper, Gliedmaßen und Organe sind angelegt, danach wachsen sie nur noch. Sobald ein Fötus außerhalb des Körpers der Mutter überleben könnte, sagt Thoralf Fricke von pro familia, also um die 24. Woche. Das Bürgerliche Gesetzbuch sagt: Mit Abschluss der Geburt ist der Mensch ein Mensch – im juristischen Sinne. Der Arzt Michael Spandau sagt: Sobald der Embryo ein funktionierendes Großhirn hat, ein Bewusstsein und Schmerzempfinden. Neulich las er in einem Fachmagazin, dass all dies wohl erst um die 30. Woche gegeben sei.
Für mich unverständlich: wir haben hier ein Thema, das man biologisch, anthropologisch, soziologisch, psychologisch und medizinisch betrachten kann. Die Auswirkungen einer Abtreibung sind extrem begrenzt. Von den jährlichen ca. 100.000 Schwangerschaftsabbrüchen in Deutschland habe ich nicht einen mitbekommen, noch hätte mich einer in meinem Leben beeinflusst. Trotzdem handelt es sich um einen Straftatbestand. Ich fühle mich unweigerlich an den "Schwulenparagraphen" erinnert, der erst in den 70ern gestrichen wurde - mein Leben wurde auch nicht durch den einvernehmlichen, gleichgeschlechtlichen Sex beeinflusst, der bis dahin als Straftat begangen wurde.

Anscheinend bekommen es Gesellschaften wie die Deutsche (die Österreicher ja auch), nicht gebacken, hier eine klare, säkulare, wissenschaftsbasierte Gesetzeslage zu schaffen. Was lässt uns hoffen, dass bei einem hochkomplexen Thema wie dem des Klimawandels bessere Entscheidungen getroffen, bessere Gesetze gemacht würden? Hängt der Ruf nach der Wissenschaft vom Gusto oder der Tagesform ab? Ich sage nicht, dass die Wissenschaft die Antworten hat, aber sie hat wenigstens die Fakten. Und Fakten sollten immer die Diskussionsgrundlage bilden, nicht irgendwelche persönlichen Erfahrungen oder Gefühle (wie bei den Grünen und der Homöopathie) oder irgendwelche religiösen Schwurbeleien (wie bei den Pro-Life Aktivisten), dich noch nicht mal durch die (un)heiligen Bücher abgedeckt sind.



Freitag, Januar 10, 2020

Montag, Januar 06, 2020

Das po8ische Bilderrätsel #63

Nach langer Zeit mal wieder was zum Knobeln:


Hier noch die Auflösung von #62:
~ Krähen + green = Graham Green

Sonntag, Januar 05, 2020

Das Wort zum Sonntag #70

Thema heute: (A)Soziale Netzwerke

Obwohl mein Twitter Account schon seit 2009 existiert, habe ich erst in den letzten paar Wochen angefangen diesen zu nutzen. Facebook & Instagram kenne ich nur vom Hörensagen, ich gehe aber davon aus, dass die Lage dort ähnlich ist. Ich habe ein prinzipielles Problem mit dem Begriff "folgen", für mich schwingt hier - rein semantisch gesehen - noch der Leichengeruch des dritten Reichs mit oder die lange verbreitete autoritäre Erziehung, in beiden Fällen musste/sollte (bedingungslos) gefolgt werden. Vielleicht hätte ich mit "einseitig verknüpfen" weniger Probleme, aber diese Bezeichnung ist halt für ein Smartphone definitiv zu lang. Ich versuche mich daran zu gewöhnen und "folge" mittlerweile auch ein paar Leuten.

Twitter schlägt mir jetzt natürlich basierend auf den Leuten denen ich schon folge, wieder neue Leute vor, denen ich auch folgen könnte. Praktisch ist, dass diese sich meist in den gleichen Bereichen befinden. Insofern lädt Twitter gerade dazu ein, sich in einer Bubble einzuigeln. Bubble bedeutet hier, dass man quasi nur Leuten folgt oder von Leuten vergefolgt wird, die annähernd das gleiche denken oder die gleiche Meinung haben wie man selbst.

Meine steile These heute ist, dass dieses Blasenverhalten in Kombination mit Followern sich auch nicht viel anders manifestiert als eine Pseudoreligion. Jedoch sind die Inhalte dermaßen wenig festgezurrt, dass, wenn man den Finger in die Wunde legen wollte, diese schon wieder etliche Tweets weiter ist und eine andere "#Umweltsau" durchs Dorf getrieben wird. Ich werde dazu auch leider ein bisschen ausholen müssen.

Umweltsau deswegen, weil sich vor Weihnachten dort folgendes "Drama" (kurz zusammengefasst) ereignete:

1. Akt
FridaysForFuture Germany (FFF) hatte folgenden post am 23.12. abgesetzt
Leider kann man hier die Uhrzeit nicht erkennen, aber zwischen dem ursprünglichen post und "was darf Satire" vergingen m.W. einige Stunden. Wäre beim ersten post wenigstens ein Zwinkersmiley dabei gewesen, dann hätte man das auf Anhieb als satirischen Seitenhieb auffassen können. Wie man auch an den "likes" (den Herzchen) sehen kann, fanden das bis zum 1.1. über 4.000 Leute toll. Natürlich haben sich sofort Leute aufgeregt, dass das ja im Prinzip gegen die Großeltern Generation geht, die viel geleistet haben usw. weswegen FFF noch am selben Tag die untenstehende Entschuldigung postete. Meine persönliche Meinung ist, dass dies als bewusste Provokation gemeint war (dieses "Wachrütteln" halt) und man seitens FFF erst dann zurückruderte, als die Stimmung im Keller war.

2. Akt
Wahrscheinlich auf Grund dieses kleinen Shitstorms (denn nicht alle 5.382 Antworten waren freundlich - aber ich habe mir auch nicht alle durchgelesen) fühlte sich der WDR verpflichtet Schulterschluss zu zeigen und hat mit einem Kinderchor eine Persiflage auf "Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad" eingesungen und anschließend online gestellt. Meines Wissens wurde das nie gesendet. Der Vollständigkeit halber sei auch dieser angeführt:
Den FFF Tweet fand ich schon wenig prickelnd, v.a. weil er nicht wirklich lustig war. Eine der wichtigsten Eigenschaften von Satire sollte sein, dass man darüber lachen kann oder sich zumindest vorstellen kann, dass darüber jemand lacht, wenn man selbst eine Spaßbremse ist. FFF war da imho einfach zu ernst und zu bemüht. Und genauso mutet der Kinderchor an, man "bemüht" sich die Nachkriegsgeneration auf die Schippe zu nehmen - aber es sieht nach Angestrengtheit und Wortschubserei aus. Außerdem ist die Zielgruppe des Spotts ja gerade nicht besonders in den sozialen Medien unterwegs. Besser wäre es gewesen, das wirklich über den Sender zu jagen, evtl. mit einer zweideutigen Anmoderation von Helene Fischer o.ä., damit die Zielgruppe der Satire wenigstens eine Chance hat, das mitzubekommen. Oder man hätte es einfach lassen sollen.

3. Akt
Der Shitstorm der dann über den WDR hereinbrach war noch heftiger als der des FFF. Man (d.h. in dem Fall Rechte) fühlte sich zu Spontandemos vor dem WDR Gebäude berufen, es gab einen "Brennpunkt" oder so (ich schaue ja kein Fernsehen) in dem der Intendant sich dafür entschuldigte.

Sidekick an dieser Stelle war ein freier Mitarbeiter des WDR, der - und auch hier schlägt imho wieder schlechte Satire zu - den FFF post mit dem WDR-Song zusammen persiflierte und die Großelterngeneration als #Nazisäue bezeichnete. Ok, kann man machen, muss man aber nicht. Es gab dann natürlich den entsprechenden Sidekick-Shitstorm gleich noch gratis obendrauf mit (zumindest lt. seiner Aussage) noch ein paar Morddrohungen und der dämlichen Idee, man möge doch den freien Mitarbeiter rauswerfen.

Selbstredend, dass der WDR das Video offline nahm - aber das Internet vergisst und vergibt nicht, deswegen kann man es oben noch sehen 😉

Epilog:
Auf jeden Fall schien das Weihnachtliche Newsloch gestopft, denn bis heute werden dazu Kommentare verfasst, Artikel geschrieben, die Lage analysiert usw. Vermutlich kam der meiste Shit des Storms aus der rechten Ecke (zumindest beim WDR). Einen recht guten Kommentar finde hier diesen hier.

Mittwoch, Januar 01, 2020

Neulich beim Jahreswechsel...

Auch wenn sich in Südafrika eigentlich zu wenig verändert hat, seit man den unterirdischen Jacob Zuma aus dem Amt gedrängt hat und ich in absehbarer Zeit auch keine Besserung vermute - eines konnte er doch wie kein anderer:
ein frohes Neues Jahr zu wünschen!

Insofern möchte ich den Großmeister zu Wort kommen lassen:

Wer den Witz hier nicht ganz nachvollziehen kann, bitte dieses Video anschauen 😉